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Die Welt · 1899-03-24 · 12 (24.3.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
12 (24.3.1899)
Article
Wieviel jüdische Zeitungen und periodisch erscheinende Druckschriften gibt es?
Date
1899-03-24
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Seite 9 Nr. 12 „Die sy Welt“ Schluss.*) Darnach existieren 19 in hebräischer Sprache, 46 in deutscher, 1 in arabischer (mit hebräischen Lettern), 36 in englicher, 6 in spanischer, 6 in holländischer, 3 in rumänischer, 3 in ungarischer, 2 in polnischer, l in russischer („Woschod“), 6 in französischer und 18 in jüdisch-deutscher (Jargon), im ganzen 147, die sich auf alle Welttheile vertheilen. Auf das bemerkenswerte, in seiner Art einzig dastehende Werk des greisen Gelehrten, sei hier ganz besonders aufmerksam gemacht. B. Am Sarge Bambergers liess die Kaiserin Friedrich ein prachtvolles Blumenarrangement niederlegen. Ein neues Ghetto In Marokko. Der Sultan von Marokko hat angeordnet, dass den Juden in Mogador Bauplätze zur Errichtung neuer Häuser angewiesen werden, da das alte Juden viertel sie nicht mehr fassen kann. Der Fremdling. Aus Zastawna wird uns von einem Corresponden geschrieben: In Wasloui (Bezirk Sadagöra) kam am 9. d. M. ein polnischer Passant in das Haus eines Ruthenen und bat um Quartier. Der Bauer erkundigte sich nach dem Namen des; Fremden und erfuhr, freudig erstaunt, dass der Gast niemand Geringerer wäre, als — Kronprinz Rudolf. Der Bauer war überglücklich, einen so hohen Gast bei sich zu sehen und bewirtete den Schwindler aufs reichste. Der Bauernfänger versprach im Laufe der Unterhandlung, er werde in kürzester Zeit die Lage des Bauern glänzend verbessern und zu diesem Zwecke wäre es nothwendig, wieder Judenverfolgungen zu inscenieren. Schliesslich' entlockte der Gauner seinem gläubigen Wirte zum Zwecke der wirtschaftlichen Hebung des Bauernstandes 100 fl. Am zweiten Tage wurde der kluge Reformer, der in Judenblut das Elend der Bauern ersäufen wollte, von der Gendarmerie festgenommen und dem Strafgerichte in Sadagöra übergeben. Aphorismen aus dem niederösterreichischen Landtage. (17. März 1899.) Abg. Gre.gorig: — Die ganze Frage ist am besten aus der Welt zu schaffen, wenn ein Gesetz erlassen wird, dass die nichtsnutzigen Juden aus Oesterreich ausgewiesen werden.“ Abg. Schneider: „-Schussgeld für die Juden!“ Abg. Richter: Kusch, Jud! Ruhig, Jud, Du!“ Synagogen-Einweihung. In Chemnitz fand die Einweihung der neuen, am Stephansplatze errichteten Synagoge statt. Die Synagoge bildet in Anbetracht des imposanten Aeusseren und der geschmackvollen inneren Einrichtung eine Sehenswürdigkeit. Der Bau, dessen Kosten 225.000 Mark betragen, wurde im August 1897 begonnen. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Was den massgebendsten Autono misten Böhmens und Galiziens trotz ‘wiederholter Anstrengungen noch immer nicht gelingen konnte und wahrscheinlich auch nicht sobald gelingen dürfte, hat der Lemberger Cultusrath bereits erreicht. Während nämlich die anderen staatlichen Organisationen der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder zur Auflage von Consumtionssteuern besonderer, der kaiserlichen Sanction unterliegender Gesetze bedürfen, ist der erwähnte Cultusrath seinem im Jahre 1897 von der Statthältere! bestätigten Statute zufolge imstande, unter geringen Beschränkungen nach eigenem Gutdünken solche Steuern aufzulegen. Von dieser Berechtigung hat der Cultusrath jüngstens entsprechenden Gebrauch gemacht und für das Osterbrot und Ostermehl eine Steuer von 1 fl. 50 kr. per Centner eingeführt. Wen diese Steuer hauptsächlich trifft, dürfte jedermann bekannt sein: die arme Volksmasse, die noch jüdisch ist, und deren Hauptnahrung während der Oster Feiertage die Mazoth sind; die anderen Cultusgemeinde-Mitglieder gemessen doch das Osterbrot gewöhnlich nur als Delicatesse oder gar nicht. Dem Statute gemäss darf eine solche „Taxe“ nur „mit der Bestimmung“ eingehoben werden, „dass das G es am in t- *) Ch. D. L i p p e s . Bibliographisches Lexikon der gesammten jüdischen und theologisch-rabbmischen Literatur der Gegenwart mit Einschluss der Schriften über Juden und Judenthum.“ Neue Serie. Erster Band. Preis 8 Kronen. Wien 1899. Verlag von Ch. D. Lippes Buchhandlung. erträgnis zu unentgeltlicher Vertheilung von Osterbrot an Arme zu verwenden ist.“ Es ist nun herzzerreissend, wie diese „Vertheilung“ vor sich geht. Die armen Unglücklichen werden von den „bewachenden“ Aufsichtsorganen förmlich herumgeschleudert. Vor allem müssen sie sich stundenlang vor dem Vertheilungslocale auf der Gasse anstellen und alle möglichen Schimpfworte von den „Wächtern“ einstecken. Unsere „Wohlthäter“ dürften vielleicht demnächst einen entsprechenderen Platz, wie die Gasse, zum Warten bestimmen. Wenn dieselben Herren zur Besprechung der Wahl an gelegen beiten für den Gemeinderath es nicht scheuten, die Bethäuser und den Tempel zu gebrauchen, so würden gewiss diese Häuser auch zu rituellen Zwecken verwendet werden dürfen. Diese Wo hithat sollte doch gewiss, schon den Intentionen des Cultnsrathes zufolge, eine allgemein öffentliche sein. Bei einer wie oben geschilderten „OÖffentlichkeit“ dürften sich aber wahrscheinlich viele, die Mazoth benöthigen, sicherlich schämen, das auf so auffallende Art zutheil werdende Gnadenbrot zu erbitten. Deutschland Berlin. Das vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur heraus - gegebene Jahrbuch enthält wertvolle Beiträge von Braun, Karpeles, Dr. Kaufmann, Martin Philippson, Adolf Schwarz, York-Steiner und anderen. . Von besonderem Interesse ist der Jahresrückblick von Prof. Philippson. In kurzen, aber scharf gezeichneten Zügen schildert er uns die ganze trostlose Lage des jüdischen Volkes. „Es ist kein frohes Bild, das wir entrollt haben. Ueberall, mit Ausnahme Englands, Italiens und der Vereinigten Staaten, kämpft Israel einen schweren Kampf gegen seine übermächtigen Gegner. Die Hoffnung auf baldiges, friedliches und einträchtiges Zusammenwirken zwischen den Juden und ihren andersgläubigen Mitbürgern ist hist nirgends verwirklicht; man will sie nicht als rechtmässige Söhne desselben Vaterlandes ansehen, man weist sie als Fremde, als Eindringlinge zurück. Da ist es denn ein überaus erfreuliches Zeichen der inneren Gesundung des jüdischen Volksstammes, dass er sich solcher Misshandlung nicht mehl* wie früher stillschweigend unterwirft, sondern sich zu Schutz und Trutz zusamme nschliessst, den Millionen Gegnern entgegentritt. Ueberall entstehen jüdische gesellschaftliche und literarische Vereine, jüdische Logen, jüdische Studentenverbindungen. Freilich wachsen dadurch immer höher und fester die Mauern, die sich trennend zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung erheben, wird das sociale und geistige Ghetto immer schärfer und allseitiger abgeschlossen. Allein das ist nicht die Schuld der Juden. Hier heisst es eben: Abfall oder Abschliessung — und Abfall ist nur Sache kleinlicher u n d sch w ä c li - lieh er Charakterlosigkeit oder Betrug seiner selbst und anderer, ist eine beklagenswerte Untreue gegen die uralte G e - meinschnft, der der Jude anzu gehören die Ehre hat.“ Kein Wunder, dass Philippson bei dieser Gesinnung die Berechtigung der zionistischen Wünsche anerkennt. Nur Bedenken praktischer Art und dann die „Mission“ sind es, die ihn den Zionismus verwerfen lies sen. Allein der Zionismus habe seine ursprünglichen Forderungen herabgesetzt. Er verlangt nur erweiterte Colonisation, Organisation des jüdischen Proletariats und geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes. „In dieser dreifachen Hinsicht wird sich jeder treue Israelit mit den Zionisten einig wissen und ihnen nicht nur herzlich Glück wünschen, sondern auch nach Kräften h eist e h e n.“ Es verdient hervorgehoben zu werden, dass Prof. Philippson Vorstandsmitglied des „Liberalen Volksvereines“ ist, in dem Rabbiner Dr. Vogelstein noch vor einem Jahre über den Zionismus in ganz anderer Weise sprach. Wer kann da noch die Erfolge des Zionismus in Deutschland bezweifeln? Was wir erreichen wollten, haben wir erreicht, wir haben die zionistische Lösung der Judenfrage zur öffentlichen Discussion gestellt. Darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen, dass die ganze deutsche Judenschaft aus ihrer Lethargie aufgerüttelt ist. Die nichtzionistischen Literatur vereine haben dazu, vielleicht nicht immer ganz nach dem Geschmacke der leitenden Kreise, auch beigetragen. Wie sich aus dem Berichte ergibt, wurden in Breslau, Cassel (4mal), Hannover, Memel, Neisse, Osterode, Schneidemühl, Schönlanke, Tarnowitz, Wongrowitz,

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