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Die Welt · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Article
Die Goldschilds
Date
1899-03-17
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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«Leite 18 „Die # Welt“ Nr. 11 „Wir werden ganz untci* Uns sein!“ hatte Baron Isak seinem illustren Jagdgaste hoi Erwähnung dieses Umstandes versichert, und der Engländer hatte seinen kleinen, aristor kratisehen Kopf geneigt und lächelnd versichert, diese Verwandtschaft mit dem das Sacrament spendenden Geistlichen erinnere an die Höfe der Mediceer und habe undbedingt „du cachet“. Als der Herzog aber dem Pfarrer von ■ Siegling gegenüberstand und in sein strenges, asketisches Gesicht blickte, kam ihm unwillkürlich der Gedanke, dass man Männern dieses Schlages vielleicht wohl in den Klostergängen Fiesoles und in der Zelle Savonarolas, sicherlich aber nicht im Palaste des prachtliebenden Lorenzo begegnet sein mochte Dr. David war zwar eingeladen worden, der Feier bei zuwohnen, hatte aber sein Fernbleiben durch Berufs^ geschälte entschuldigt. . f Erst in später Nachmittagsstunde fuhr er nach d&* Villa auf dem Kahlenberge. Der englische Gast war bereits nach der Stadt gefahren, wohin ihn eine Einladung zur Tafel bei seinem Botschafter rief. Erst gegen Abend sollte er mit Baron Isak auf dein Westbahnhofe Zusammentreffen, um. mit dem Separatzuge des Millionärs die Reise nach Paris fortzusetzen. Dr. David hatte gehofft, auch den reichen Vetter nicht mehr im byzantinischen Landhause anzutreffen. Aber der Anblick der beiden Gärtnerb.urschen, die vor den Fenster^ des Baron Moritz Schildwache standen, belehrte ihn, dask seine Rechnung irrig sei. Auch empfing ihn der Kammerdiener bereits im Treppenhause mit der Meldung, Baron Isak wünsche ihn zu sprechen. « Wohl oder übel musste sish David fügen. Man führte ihn durch den reich geschmückten Gartensaal in das anktossende Speisegemach. Isak hatte ebew in Gesellschaft seines Secretärs sein Mahl beendet, und die aufwartenden Diener reichten di& goldene Fruchtschale herum. Man trug für David einen Stuhl herbei, und der Baron befahl, den Kaffee zu servieren. Kaum dass die Lakaien das Zimmer verlassen, trug Isak dem Vetter die Bitte vor, ihn rückhaltslos über Jonar thans Zustand aufzuklären. Da bekam er freilich nur Trauriges und Düsteres zu hören. Die Krankheit hatte wieder in den letzten Wochen derartige Fortschritte gemacht, dass bereits die Uebersiedlung in den Ringstrassen-Palast zu den Unmöglichkeiten zählte. Ohne auch nur mit der Miene zu zucken, die blutunterlaufenen Augen scharf auf den Sprecher gerichtet, hörte der Millionär den Bericht an. Nur die nervöse Rastlosigkeit, mit der die langfingerige,' ans dem schwarzen Pulswärmer hervorragende Hand immer und immer wieder die Cigarette bald in den Mund steckte; bald in die Aschenschale legte, verrieth, wie nahe die Sache ihm doch gieng. Denn in diesem merkwürdigen Manne schien jeder Gedanke, jedes Gefühl die denkbar schärfste und prägnanteste Form anzunehmen-. Die wolilthuenden Schattierungen der Rücksicht, des Wohlwollens, der Gutmütigkeit, die sonst die Uebergänge zwischen Gut und Böse bilden, fehlten in seinem Charakterbilde gänzlich. Baron Isak kannte nur Superlative. Seine »Seele glich einer aus Gipfeln und Abgründen gebildeten Landschaft. Derselbe Mann, der heute um eines erhöhten Gewinnes willen kaltblütig die Existenz vieler tausend Familien systematisch untergrub, schenkte morgen einer Wohlthäfcigkeitsanstalt eiir fürstliches Vermögen. Diese Contraste der Handlungen, zeigten sich gleichfalls in seinen Empfindungen. Derselbe Mann, der eines schönen Jagdwetters halber zweimal die Taufe seines sterbenden Enkels verschob, hätte in diesem Augenblicke freudig Millionen verschwendet, um dem Kinde eine frohe Stunde zu bereiten. . ./ Als Dr. David geendet, fragte er barsch: „Also — keine Rettung?“ Der Arzt schüttelte den Kopf: „Keine!“ Isak stützte die Stirne in die Hand und starrte düster vor sich hin. „Sehen Sie!“ wandte ei* sich dann in traurigem Tone an seinen Secretär: „Da nennen mich die dummen Leute einen glücklichen Mann! Für wen habe ich denn mein ganzes Leben lrng gearbeitet?“ „Für Dich selbst!“ warf Dr. David, dem dergleichen Anwandlungen falscherSentimentalität verhasst waren, drohend ein. „Reichthum war von jeher Dein Wunsch — nun, Du hast Deinen Wunsch redlich .erreicht!“ „Du etwa den Deinen nicht?“ fragte der Millionär gespannt. „Nein — und tausendmal nein!“ protestierte der alte Arzt heftig. „Die Entwicklung der Menschheit, an der mitzuwirken mein heissester und sehnlichster Wunsch war, hat nicht das gehalten, was sie uns schwärmerischen Jünglingen versprochen!“ „Das Leben hat also auch Dich enttäuscht und Deine Ideale gestützt?“ fragte Isak wehmütig. „Meine Ideale gestürzt?“ fuhr der Arzt auf. „Was fällt Dir ein? Soll ein Ding, weil wir es nicht erreicht haben, überhaupt unerreichbar sein? Nein — so stolz dürfen wir nicht denken!.Die Zukunft würde uns arg beschämen!“ „Wenn Deine Wissenschaft die Möglichkeit böte, Deinen Körper zu verjüngen — Du würdest also davon Gebrauch machen?“ forschte der Millionär erstaunt. „Du würdest also von neuem ein langes Menschenalter an die Realisierung Deiner sogenannten „Ideale“ setzen?rt „Natürlich würde ich das!“ lachte der alte Doctor. „Wenn ich von meinen 6(> Jahren die eine Ziffer streichen könnte, auf der Stelle würde ich es thun und trotz alles Elends, trotz aller Entbehrungen meiner Jugend den Kampf von neuem anfangen. Vorausgesetzt natürlich, dass ich das neue Dasein vom heutigen Tage an beginnen und die kommenden Jahre erleben würde!“ Der kluge Isak hörte seinen unverbesserlichen Vetter mit jenem überlegenen Interesse an, das ein Erwachsener den Träumereien eines Kindes entgegenbringt. „David, David!“ rief er dann, „was bist Du für ein glücklicher Mensch! Ah — Du hast den besten Theil erwählt! Denn selbst wenn Du tausend Jahre alt würdest — Dein Ziel würdest Du nie erreichen!“ (Forsetzung folgt.) Briefkasten der Redaction. Hr. Herb. . .., Wien. Leider post festum. Besten Dank. Ben-Hadowor, Warschau. Nein. Das gäbe zuviel Mühe und würde auch zuviel kosten. Gruss. 8 P., Prossnitz. Anzeige leider erst nach Schluss des Blattes erhalten. L. L. 6—g., Lemberg. Wir bestätigen mit verbindlichstem Danke den Empfang Ihres liebenswürdigen Schreibens. B. K., Ismail. Die uns zukommenden Berichte worden der Reihe nach und nach Massgabe des Raumes veröffentlicht. Besten Gruss. B. Bannatt, Rossland. „Der Jude.“ Krakau (Öesterr.), Dietelgasse 105. hl. V., Bystritz. Besten Dank. Wird gelegentlich verwendet. M. Schw., ZJoczow. Besten Dank. In der Weise, wie Sie wünschen, nicht verwendbar. Brief folgt. A. I., Wien. (Hebräisch oder deutsch.) Wir haben unter Ihrem Namen postlagernd II/3 geschrieben Wollen Sie gefälligst den Brief beheben. Jacob Sch., Wilna. Für dieses Interview ist nicht Dr. H.. sondern der Verfasser verantwortlich. Herausgeber: P. Naschaiier. Verautw. Red.: Dr. Siegm. Werner. Buchdruckerei „Industrie4 (S. Bergmann) VIII., Schlösse^. U

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