Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 11 (17.3.1899)
- Article
- Das Schächten [Rezension]
- Date
- 1899-03-17
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die A Welt“ Nr. 11 nach das Thier nach 'Eröffnung der großen Halsgefäße, durch einen ausgiebigen Schnitt nur außerordentlich kurze Zeit leidet. Infolge der plötzlich eintretenden gewaltigen Anämie des Gehirns .. . muss nach allen unseren Erfahrungensast augenblicklich Ohnmacht und Bewusstlosigkeit eintreten." Sein Nachfolger an der Berliner Universität, W. Th. Engelmann, lässt sich am 8. DeremLer 1893 vernehmen : „Die Untersuchungen der Physiologen, Pathologen und Thierärzte haben längst in einer für jeden Unbefangenen völlig überzeugenden Weise festgestellt, dass dies Versah ren vor allen an deren denVorzug und im besonderen weniger als irgendein^ der sonst empfohlenen oder geübten Verfahren den'Vorwurf der Thierquälerei verdient. Es kann sich nach meiner Meinung nur um die Frage handeln, ob nicht das Schächten allgemein an die 'Stelle der sonst gebräuchlichen Schlachtverfahren zu treten habe. Das Interesse der Hygiene wie das des Thierschutzes scheinen mir entschieden eine Bejahung dieser Frage zu fordern." Und da aller guten Dinge drei sind, so sei noch das Gutachter des städtischen Ober-Thierarztes und Directors der städtischen Fleischbeschau in Berlin, Dr. H er tw ig, vom 14. Juli 1893 angeführt. Es lautet: „Es ist oft sehr schwer, ein Rind durch den ersten Stirnschlag zu betäuben. Selbst wenn die Thiere hierbei zu Boden stürzen, sind immer noch mehrere, 10—12, Schläge und darüber, auf den Kopf erforderlich, um sie bewusstlos zu machen. Ich habe es wiederholt gesehen, dass von zwei Rindern, welche gleichzeitig, dass eine nach jüdischem Ritus, das andere durch Stirnschlag getödtet werden sollte, das geschachtete bereits eine ' geraume Zeit todt war, als das zweite unter fortgesetzten .Betäubungsversuchen, d. h. unter fortgesetzten wuchtigen Schlägen mit einem schweren eisernen Hammer noch lebte und vor Schmerzen stöhnte." Auf denselben Grundton sind 250 andere Gutachten gestimmt. Es erfüllt uns mit großer Genugthuung, dass sich die Verwaltungen mehrerer Städte dieser überwältigenden Einsicht nicht verschlossen und aus ihr die Eonsequenzen gezogen haben. So ist beispielswnise in Leyden und New-Iork jede andere Tödtungsart als das Schächten untersagt. 8. Unsere Palastirmfahrl. Von Dr. I. Bodenheimer. (Fortsetzung.) Nach de» Colonien. Wir waren zuhause. Anders lässt sich das Gefühl nicht umschreiben, mit dem wir in beinahe festlich gestimmter Laune unser Mittagsbrod einnahmen. Nachdem wir uns bei dem prächtigen Münchener Bier von Sedlmayr gehörig gelabt und uns den Erinnerungen an die Heimat und die Lieben zuhause hingegeben, feierten wir beim feurigen Weine aus den jüdischen Colonien unseren Einzug in das jüdische Land. Da lagen sie vor uns in einer mächtigen Schüssel all' die herrlichen Früchte, die das Land erzeugt. Die Trauben von Hebron mit den riesigen Beeren vom süßesten Geschmacke, die Orangen aus Jaffa, die Mandeln und Granatäpfel aus den Colonien, die Kastanien aus Damaskus. Wir hatten beinahe das Gefühl, als ob diese Früchte in unserem eigenen Garten gepflückt worden seien und wir darum ein größeres Recht hätten, sie zu genießen, als irgendein Fremder. Geschäftig eilte der kleine Kellner Oscher hin und her, kühlte das Bier in dem künstlichen Eise von Jaffa und behandelte den Wirt, einen geborenen palästinensischen Juden, fast mit cavaliermäßiger Herablassung. Nichtsdestoweniger schien der Wirt mit - ihm nicht unzufrieden, wir konnten auch bald bemerken, dass Reb Oscher, wenn nöthig, nebenbei noch Portier, Zählkellner, Zimmermädchen, Hausknecht und Apotheker in einer Person war. In ganz Jaffa war kein Wagen anfzntreiben, unt uns nach den Colonien zu bringen, die wir in der kurzen Frist von anderthalb Tagen, welche uns hierfür blieben, besuchen wollten. Wenn wir es uns auch schweren Herzens versagen mussten, alle die jüdischen. Dörfer eingehend zu besichtigen, so wollten wir doch-diese weite Reise nicht unternommen haben, ohne uns, persönlich davon zu überzeugen^ was der Fleiß jüdischer Bauern auf dem Boden Palästinas zu leisten vermag. Endlich war es den vereinigten Bemühungen unseres Freundes S. und des jungen Horwitz aus '■ Jaffa gelungen, ein Fuhrwerk aufzutreiben, dessen bloßer Anblick uns den heiligsten Schrecken einjagte. Für fünf Napoleons auf einen Nachmittag hätten wir eigentlich etwas Besseres erwarten können, und die Aussicht, in einem solchen Marterkasten i eine mehrstündige Reise zu machen, war nicht sehr verlockend. - Zunächst gieng's nach Mikweh Jisroel. Bei glühendem Sonnenbrände fuhren wir zwischen herrlichen Bajaren, das sind bewässerte Baumgärten, hindurch, lieber mächtigen, bis zu fünf Meter hohen Cactyshecken, sahen wir rechts und links üppiggrüne, reich mit Früchten beladene - Orangen-, Palmen- und Olivenwälder. Man kann sich kaum reinen größeren Gegensatz denken, als den zwischen diesen 'herrlichen Pflanzungen und der weiteren Umgebung, die sich in dem fußtiefen Staube der Landstraße bereits anznkündigen schien. Nach etwa 40 Minuten erblickten wir von weitem zwischen dem Grün der Gärten einige größere wohlgehaltene nnd weißgetünchte Gebäude, und man brauchte uns nicht erst zn sagen, dass dies die Ackerbanschule der Allianz israelite universelle sei. Das Gitterthor war hübsch mit deutschen und türkischen Fahnen äusgeschmückt und die Mauer mit Palmen und Guirlanden reizend verziert. In dem weiten Hose sahen wir einige schlankgewachsene kräftige Burschen, mit sonngebräunten Gesichtern, wie wir später erfuhren, Schüler der höheren Classen. Wir würden von Madame Niego, der liebenswürdigen Frau des Directors, in einem geräumigen, schattigkühlen Zimmer in freundlichster Weise empfangen und mit erfrischenden Getränken bewirtet. Außer uns war noch ein Beamter der Colonisations-Gesellschaft des Baron Hirsch Üls Gast zugegen. Direktor Niego führte uns in bereitwilligster Weise durch die Kellereien und Schulgebäude, Äorauf wir uns an dem Anblicke des großen und in schönster Ordnung befindlichen Gartens erfreuten, welcher die verschiedenen Gebäude umgibt. Besonders erfreulich ist der Umstand, dass auch der Pflege der hebräischen Sprache neuerdings in der Schule ein größeres Interesse zugewandt wird. Mit dem Ausdrucke hoher Anerkennung für den musterhaften Zustand der Anstalt und die Energie des Leiters derselben, der einer spaniolischen Familie Jerusalems entstammt nnd seiner Bildung nach durchaus Europäer ist, verließen wir die Anstalt. Wir sollten die Freude haben, Madame Niego, eine sephardische Jüdin aus Adrianopel, in Jerusalem wiederzutreffen. Da Director Niego uns freundlichst einen Wagen nach Rischon zur Verfügung stellte, konnten wir die Fahrt nach den Colonien mit größerer Bequemlichkeit fortsetzen. Bald hinter der Alliance-Schule hört die Bodencultur völlig auf. Die Ebene bildet eine weite Einöde, auf der nur Steppengras und niedriges Gebüsch wuchert. Hie, und da sieht man ein paar verfallene Lehmhütten, das Merkmal einer fellachischen Siedelung. Bald biegen wir von der Landstraße ab, und der . Weg zeichnet sich kaum mehr kenntlich von der Heide ab, In blauer Ferne scharf umrändert, erhebt sich das Gebirge Judäas. Me Landschaft scheint wie mit einem silberglänzenden Schleier verhüllt. Rasch flogen die Pferde über die Ebene dahin, und nach etwa anderthalbstündiger Fahrt sahen wir von einer Anhöhe, deren frisches Grün grell von der gelblich-braunen Haide abstach, leichten Ranch aufsteigen. Ein hoher Schornstein bezeichnete die Stelle des Fabriksgebäudes und der Kellereien von Rischon le Zion. Bald fahren wir auch wieder über eine wohl instandgehaltene Straße, rechts und links kultiviertes Land; reinliche Steinhäuser in kleinen Gärtchen; die Straßen mit Bäumen bepflanzt. Neugierig betrachten; einige Colonistenfrauen unsere Einfahrt. Wir fuhren direct nach dem Gebäude der Administration, einem kleinen, stattlichen Steinbaü, der als Residenz eines Lavdrathes einer preußischen Kreisstadt alle Ehre machen wmde. Der Administrator der Colonie, Herr H a s a n, wie auch dessen Gemahlin empfingen uns mit der gleichen Liebenswürdigkeil- und Freundlichkeit, die uns in Mikweh Jisroel zutheil geworden war. Wir machten auch hier die Beobachtung, dass die Wohnränme mit europäischem Comfort ausgestattet sind, so dass