Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1899-03-17
Page
13 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315808--11421-3385695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Die A Welt“ <seiie 13 Ar. il Wien. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochba“ veranstaltete am 28. Februar im Festsaale des Hotel Continental eine Akademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen, nachdem einige Tage früher ein geinüthlicher Co mite abend im Hotel de France vorausgegangen war. Das Kränzchen hatte einen glänzenden Verlauf. Schon lange vor 9 Uhr füllten zahlreiche Gäste den Saal bis auf den letzten Platz. Von den Gästen, die bei der Akademie gefällig mitwirkten, sind rühmlich hervorzuheben : Herr J. Lapis (Violin-Solo), Frl. Sophie Magaziner (Gesang-Solo), Frl. Elise B er cowitscl) und Herr J. Goldenberg, die im Vereine mit Herrn Lapis ein Trio (Ciavier, Violin, Cello) ausführten, ferner Frl. Alice H e t s e y, Mitglied des Raimund-Theaters, die durch die hinreissende Declamation enthusiastischen Beifall erntete. Hierauf begann unter den Klängen der Regimentskapelle Nr 25 das eigentliche Kränzchen. Es wurde lebhaft bis 4 Uhr getanzt, und die meisten Damen hielten bis zu dieser Morgenstunde wacker aus. — Aasschusswali 1. Das Ergebnis der am 8. d. in der Plenarversammlung stattgefundenen Wahl ist folgendes : stucl. jur. M. K a n n er als Präsident, stud. techn/ N. Kuckuck als Vice-Präsident, stud. phil. M, W a c h s m a n n, I. Schriftführer, stud. techn. P. G o 1 dw a s s e r, Cassier, stud. techn. F. Beckman n, Ersatzmann, stud. phil. G. Rosenman n, II. Schriftführer. Wien. Samstag den 18. März a. c. findet eine öffentlichej'Vereins Versammlung der Ortsgruppe „M a r i a h i 1 f- Neubau“ des „Zion4*' statt. Tagesordnung: Die Colonisation und die Thätigkeit der Jüdischen Colonialbank. Ort: Löbls Restaurant, Schmalzhofgasse 10. Beginn der Versammlung präcise 8 Uhr abends. Gäste, auch Frauen und Mädchen, herzlich willkommen. Brünn. Der Handelsangestellten verein „E in una IV veranstaltete am 25. Februar in den Redontensälen einen Purimball, der von etwa 400 Personen besucht war. Diese Veranstaltung schloss sich würdig den früheren Festlichkeiten der „Emunah“ an und lieferte neuerdings durch den massenhaften Besuch und glänzenden Verlauf den Beweis, dass dieser Verein trotz seines kurzen Bestandes in allen Schichten der Brünner jüdischen Bevölkerung feste Wurzeln gefasst hat. Der zahlreiche Besuch aus der Umgebung beweist gleichfalls die Sympathien, die er sich erworben. Olmtitz. Am .25. Februar veranstaltete der Verein „Zion“ anlässlich des Purimfestes ein Costümkränzchen, das wohl den meisten Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Die Mädchen und Frauen waren in geschmackvollen und kleidsamen Trachten erschienen, und bei den Klängen einer Militärmusik huldigte man dem Tanze bis in die frühen Morgenstunden. Eine Jux-Lotterie, ein von den „Azteken“ aufgestellter Automat und besonders die witzigen Antworten des HerrnM eitner in der Wahrsagerbude trugen viel zur Unterhaltung bei. Um das Gelingen des auch von Gästen aus Neustadt, Prerau, Prossnitz, Tobitschau besuchten Festes haben sich ausser den Genannten und dem rührigen Vereins-Obmanne Herrn Spitze r, das Vergnügungscomite unter der Leitung des Herrn Richard Pollak, die Fräulein Bim stein, H a a s, S p i t z e r, S c h w a r z ganz besondere Verdienste erworben. Zeitschriftenrundschau. Das Märzheft der „Jüdischen Chronik" weist zwei wichtige Artikel auf. Beide sind von Dr. Kur rein selbst geschrieben. „Im künftigen Jahre im Lande Israel" heißt der eine, den wir zum Theile bereits in der vorigen Woche reprodueiert haben, „Nordaus Rabbiner-Steckbrief" der andere. In diesen: zweiten Artikel bespricht Kurrein die von Nordau den Protestrabbinern in se'ner letzten Wiener Rede gewidmeten Ausführungen. Ohne diese Rabbiner gegen die Vorwürfe zu vertheidigen, die leider nur allzu gerecht sind, bringt Kurrein die Ursachen dieser Rückständigkeit und Bedeutungslosigkeit zur Sprache. Es ist eine überaus interessante und vielfach beherzigenswerte Auseinandersetzung, deren Anregungen hoffentlich nicht spurlos vorübergehen werden. Alan mag daraus ersehen, wie vielfache Arbeit die zionistische Bewegung zu leisten hat, und wie dankbar die Judenheit ihr sein muss, dass sie frisches Leben gerade in die geistig wichtigsten Kreise der Juden gebracht har. I! Corriere Israelitico. Einem schwungvollen Passah-Artikel folgen die Fortsetzungen der von uns bereits in einer früheren Besprechung erwähnten Arbeiten von Prof G. L a t t e s und Dr. U. Passigli. Die Untersuchung Dr. Latte s über unsere Mission, eine Uebersetzung von Vernarb Lazar es Bortrag über „Rationalismus und Emaneipation der Juden", sowie ein nach dem „Univers Israeiite“ reproduziertes Interview des belgischen Senators Pieard bilden den weiteren Inhalt des letzten Heftes. Der zionistische Theil ist etwas dürftig. Das dritte Heft der Jargonzeitschrift „Der Jude" bringt unter anderen recht gelungenen Artikeln und Erzählungen eine sehr bemerkenswerte Arbeit unter dem Titel „Was kann das Volk thun?" Ueber dieses T'y.na wäre vielleicht eine Folge von Artikeln recht angebracht. Bücherwelt. Das Schächten. Von Pfarrer Friedrich W e i ch m a n n. Leipzig, I. E. Hinrichs, 1899. 8°. Die „Schächtfrage" ist vom Neuen brennend geworden. Neue Anträge gegen das Schächten sind an den deutschen Reichstag gelangt. Und die Stadt Rheydt im Regierungsbezirke Düsseldorf hat als Eigenthümerin ihres öffentlichen Schlachthofes und weil „Stadtverwaltungen berechtigt sind, eigenartige Verhältnisse in ihrem Bereiche durch besondere Ortsstatuten zu regeln", «in 11. Jänner des Vorjahres Beschlüsse gefasst, welche das Schächten an überaus lästige Bedingungen knüpfen und auch ganz darnach angethan sind, es in absehbarer Zeit völlig unmöglich zu machen. Der dortige Oberbürgermeister erklärte wahrend der Debatte, „es stehe zu erwarten, dass der Beschluss nicht nur hier, sondern auch in anderen Städten zur Geltung gelangen werde." Auch die Wiener Stadtgewaltigen tragen sich mit der Idee, dem rituellen Schächten bei den Juden ein Schnippchen zu schlagen. Zu gelegener Zeit hat daher der Verfasser die gegen das Schächten erhobenen Anschuldigungen ohne Voreingenommenheit geprüft und ihre unbedingte Grundlosigkeit dargethan. Bezeichnend für seine Wahrheitsliebe sind die Schlussworteseiner Schrift: „Der italienische Arzt Dr. Vincenzi in Sassari hat unlängst in dem Weihwasserkessel einer belebten Kirche eine Menge von Bakterien, auch Diphtheriebacillen, gesunden. Will man dcn Gebrauch des Weihwassers verbieten?! Und von den gegen das Schächten erhobenen Beschuldigungen ist doch keine einzige wirklich treffend. Durch unerwiesene Beschuldigungen erbittert man nur, noch mehr durch erweislich falsche. Jedem Mitmenschen gegenüber sollen wir mit Liebe gepaarte Wahrhaftigkeit bethätigeu; auch denen, die nicht unseres Glaubens Genossen sind." — Die vorliegende Schrift ist mit einem Vorworte von Hermann Strack, Professor der Theologie an der Universität zu Berlin, versehen. Strack hat bekanntlich das famose Märchen von dem jüdischen Blutritual all absurdum geführt und dem Professor und Canonicus August Rohling in Prag gründlich heimgeleuchtet; er hat ihn des Meineides und grober Fälschungen angeklagt und vollkommen zutreffend behauptet, dass sein Verhalten in erster Linie vom Strafrichter zu untersuchen wäre. Zum Danke dafür wagten es seine lichtscheuen Gegner, ihn als Gelehrten, als Menschen und als Christen in schamloser Weise zu verleumden. Nicht genug daran, dass sie logen, er kenne kaum die Elemente der hebräischen Grammatik und er wisse vom Talmud nur, was die Rabbinen ihm eingeblasen haben, erdreisteten sie sich sogar, die Nachricht in die Welt zu setzen, dass er für seine Aussagen von jüdischer Seite Geld empfange. Ja, sie versuchten auch seine Lehrthätigkeit zu untergraben, ihm das Vertrauen seiner Hörer zu entziehen Dieser unerschrockene, wackere Kämpe für die Wahrheit sagt zu Beginn seines Vorwortes: „Für eine Hauptpflicht dessen, der zur christlichen Religion sich bekennt, habe ich stets das Neben von Gerechtigkeit gehalten. Wir nennen unsere Religion die Religion der L i eb e. Wahre Liebe ohne Gerechtigkeit ist unmöglich; wer nicht Gerechtigkeit zu bethätigeu sucht, hat keine wahre Liebe." Liebe und Gerechtigkeit sind in dem Munde Stracks keine Phrase, denn er hat sie, wie seine Werke bezeigen, in die That übersetzt. Im Namen dieser Grundfesten der sittlichen Weltordnung erhebt er einen flammenden Protest gegen die Unterdrückung der Gewissensfreiheit durch die Erlassung eines Schacht- Verbotes, welches vor dem Nichlerstuhle der Physiologie durchaus nicht besteht. Haben doch die hervorragendsten Vertreter dieser Wissens chaftdas Schlachten nach dem jüdischen Ritus nicht nur für keine T h i er q u ä l e re i, s o n de r n s o g a r sü r die h n m a n st e Schlacht Methode erklärt. So hat, um einige Koryphäen namhaft zu machen, du B o i s - R e ymo nd am 14. Jänner 1885 das Gutachten abgegeben: „Als Physiologe möchte ich daraus aufmerksam machen, dass die Zuckungen des verblutenden Thieres, welche dem Laien wie verzweifelte Aeußerungen von Angst und Schmerz erscheinen, gerade das Zeichen des geschwundenen Bewusstseins sind. Sie haben so sehr den Charakter der Zuckungen bei Epilepsie, dass sie seit einer berühmten Arbeit von Kussmaul und Tenner schlechthin als die epilept - formen oder fallsuchtähnlichen Zuckungen beim Verbluten bezeichnet werden. Da nun Verlust des Bewusstseins beinahe für das wesentlichste Symptom der Epilepsie gelten kann, sind auch jene Zuckungen wahrscheinlich stets von Bewusstlosigkeit begleitet." Am 5. December 1886 fügte er hinzu: „Ich habe mich schon bei anderer Gelegenheit dabin geäußert, dass meiner Ueberzeugung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.