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Die Welt · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Article
Handel und Industrie Palästinas
Date
1899-03-17
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 „Die Welt64 Seite 7 eine ziemliche Ueberproduction bemerkbar! Und speciell der flotte Absatz von Wein ist l'ür die Colonien eine absolute Lebensbedingung! Jüngst erst wurde wieder in Hamburg ein Centratbureau für Palästinawein jüdischer Colonien unter Mitwirkung der Warschauer Karmel-Gesellscliaft errichtet, und es wurden grosse Mengen Wein dahin verfrachtet. Südfrüchte, Wassermelonen, Goloquinten*) gelangen in ziemlich bedeutender Menge nach Oesterreich-Ungarn, England, Frankreich und Aegypten zur Ausfuhr. " Oliven. Die Jahressteuer von einem Medschidje — ö. W. fl. 2.— (zwei per Baum) wirkt hemmend auf das Emporblühen der Ölindustrie. Die jüdischen Olivenanpflanzungen liefern noch lange keine neimenswertenResultate, sodassdiedemBaronEdmondRothschild gehörige 0 eipresse (Rosch-Pimh) noch stillstehen muss. Das hier erzeugte Oel (es existieren 2 Fabriken, von deren die bedeutendere einem romanisierten Araber namens Portalis gehört) ist nicht raffiniert und wird in rohem Zustande hauptsächlich nach Marseille verfrachtet. Malaga-Trauben werden hauptsächlich und in vorzüglicher Weise in Rosch-Pinah erzeugt. Leider wurde bis jetzt in ganz ungenügender Weise für Absatz gesorgt, so dass ziemliche Mengen zugrunde giengen. Einfuhrartikel sind: Waren der Textilindustrie, Reis, Tabak, Tumbak, Holz, Metall, Metallwaren, Nahrungsmittel, Zucker, Droguen und Chemikalien, gegerbte und; ungegerbte Felle, Glas, Thon, Porzellan, Kurz waren, leere Säcke, Baumwolle, Steinkohlen, Kaffee und Color nialien, Mehl, Papier, Petroleum, fertige Kleider, Möbel* Perlmutter, Medicinalweine, Braut wein, Spiritus, Zündhölzchen, Bier, Kerzen. Nachdem ich mich bei weiterem Eingehen auf den Import der einzelnen europäischen Staaten nach Palästina der mangelnden Bedeutung halber auf statistische Daten^be^hränken müsste, will ich nur das hervorhöben, was für jüdische Interessenten absoluten Wert hat. Von dem ganz geringfügigen Detailhandel absehend, kann man hier von einem nennenswerten jüdischen Zwischenhändlerthum nicht sprechen, weil dieses sich mangels jeder neutralen Bankunterstützug nicht ordentlich entwickeln konnte, andererseits aber der locale, sogar der . Landesbedarf ein minimaler ist. Geld ist keines im Lande. Und selbst das Capital, das schon im Lande, jedoch im Besitze von Arabern ist, bleibt infolge der Aengstlichkeit der Besitzer dem Verkehre entzogen und in der Erde vergraben — Die Landes;- banken sind, insoferne man überhaupt von einer Thätigkeit derselben sprechen kann, durchwegs Parteibanken. Credit Lyonnais als Katholische Bank und die Deutsche Palästinabank als absolute Schutzpatronin der hier eine compacte Masse bildenden Deutschen. Die landesüblichen Changeurs und Privatbanquiers sind durchgehends Wucherer schlimmster Sorte. „2 Percent per Monat“ wird hier als massig bezeichnet. Die hiesigen jüdischen Kaufleute müssen sich daher infolge des Misstrauens des Auslandes und der Oreditlosigkeit, andererseits aber auch infolge des geringen Bedarfes, der Bedürfnislosigkeit der Käufer und der Unerzogenheit derselben, bei ihren Unternehmungen grosse Reserve auterlegen. Ein Theil der Kaufleute befasst sich in letzterer Zeit damit, von Deutschland hauptsächlich sogenannte Ramschware in grösseren, alle möglichen Artikel . enthaltenden Partien kommen zu lassen, was naturgemäss das regelmässige Importgeschäft ganz und gar verdirbt. *) Coloquinten werden ln Deutschland zur Verfälschung von Chinin, sowie in der Farben in dustr je verwendet. Von der Jüdischen Colonialbank erwarten alle interessierten Kreise eine Gesundung der Verhältnisse, Gebe Gott, dass sie, bald ins Leben tretend, jüdischer Arbeitskraft helfend, stützend und fördernd zur Seite stehe! W Tribüne. We rter Herr Redacteur! Da ich, eine der bei der Philip popeier Conferenz der Zionisten Bulgariens 'anwesenden Delegierten, in dem Berichte über diese Conferenz einige Verunglimpfungen von Namen bemerkte und den Bericht selbst nicht genügend finde, bitte ich den Herrn Redacteur um Aufnahme folgender Zeilen, die die Richtigstellung der Namen, als auch die Hervorhebung einiger Details, die mir wichtig scheinen, bezwecken : Der ziemlich geräumige Saal, in welchem die Conferenz stattfand, war mit Leuten aus allen Schichten der Gesellschaft voll gefüllt. Reich und Arm, Christen und Juden, waren hier versammelt. Da stand neben einem Oberst der bulgarischen Armee ein jüdischer Kaufmann, dort — ein bulgarischer Schriftstellei neben einem jüdischen Banquier. Dem armen jüdischen Packträger war es nicht zuviel, einen Franc Entree zu zahlen, um der Conferenz beiwohnen zu können. 500—600 Personen waren während der ganzen Dauer der Conferenz anwesend. Von früh morgens bis Mitternacht wollte der Andrang nicht weichen. Die dreistündige Eröffnungsrede des Präsidenten war von fortwährendem tosenden Applaus unterbrochen. Es herrschte da eine Begeisterung, wie sie selten zu sehen ist. Noch nie hat Herr Carl Herbst mit solcher Verve und solchem Humor gesprochen. Er wusste so geschickt die Gebrechen unserer Assimilanten ins Lächerliche zu ziehen, dass sie sich selbst auslachen mussten. Wahrheitsgetreu entwickelte er die Geschichte des Zionismus und beleuchtete dessen gegenwärtigen Stand. Nicht minder gut entledigte sich der Correferent Herr Jeschua Kalef (Advocat) seiner Aufgabe. Wohl erwähnt Ihr erster Bericht das von Herrn Tagg er (Advocat) gehaltene Referat, aber dass Dr. Bier er die Alliance vertheidigt hätte, davon wissen wir nichts. Die Debatten in dieser Frage waren nur dann beendet, als Herr Dr. N a c him soh n aus Tatarbazardjik, ein bedeutendes Mitglied unserer Conferenz, nach langer Berathung den Vorschlag machte, der Alliance eine Resolution, welche die Umgestaltung des Schulprogrammes im zionistischen Geiste zum Zwecke hatte, zukommen zu lassen. Dieser Antrag wurde freudig angenommen. Auch bedaure ich, dass Herr Dr. Blerer nicht wusste, dass Slivno und Burgas trotz des erschwerten Verkehres im Winter dennoch vertreten waren, dass in Rustschuk, erst dank dem gewaltigen Einflüsse der Conferenz, ein zionistischer Verein gegründet wurde, und dass nur drei der Delegierten, die ihre Ankunft angezeigt hatten, dank dem Verbote der Gemeinden, bei welchen sie als Lehrer angestellt sind, nichl kommen konnten. Besonders muss ich darauf hinweisen, dass nach der Programm-Debatte nicht mit einer „grossen Majorität“, sondern einstimmig unter dem donnernden Applaus des 500köpfigen Publicums, ja sogar unter den Hurranrufen der Bulgaren, die Conferenz feierlich erklärte, die Zionisten Bulgariens stehen auf dem Boden des Baseler Programms. Ferner will ich dem Herrn Berichterstatter bemerken, dass das in der Conferenz gewählte Landescomite, das nun seinen Sitz in Philippopel hat, aus folgenden Herren besteht: Herr Persiado Romano (Advocat) als Präsident, dessen Cousin Herr Dr. Romano, Herr Dr. Rim älov sk 1, Herr Ingenieur Sc.hamraj evs.lci, Director der Stadtwasserleitung, und Herr Albert S1 di, dessen Name nicht erwähnt ist, einer der reichsten und intelligentesten jüdischen Banquiers der Stadt. Auch wurde eine Bank- und Schekelcommission gewählt mit dem Sitze in Tatarbazardjik, aus folgenden Herren bestehend: Herr Dr. Nachimsohn (Arzt), Herr Bechmorach (Banquier und Präsident der Gemeinde in Tatarbazardjik), ein ausgezeichneter Redner, der mit dem Referate für Bank und Schekel betraut war, dann Schullehrer Herr L evy. Zur Frage deä Schulwesens gehört auch der von dem Herrn Berichterstatter nicht erwähnte, auf Antrag des Präsidenten Herrn Carl Herb ö t von der Conferenz einstimmig gefasste Beschluss in Form einer Resulution, das Bedauern der Zionisten Bulgariens darüber auszusprechen dass, trotzdem der Jude seine Schulsteuer zahlt, der Staat bis nun noch immer nicht an den Gymnasien der auch von

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