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Die Welt · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Article
Kaiser und Dichter
Date
1899-03-17
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 „Die A kundigen in Deutschland bisher bekannt war, seine ganz persönliche Aufmerksamkeit erregt. Das Auge dieses Kaisers überblickt wirklich die Welttheile und Oceane, und mit gleichem Verständnisse erspäht er die Stellen, wo für die wirtschaftliche Wohlfahrt seiner Nation sich verheissungsvoll neue Entfaltungsgebiete eröffnen, wie er die geistigen Zusammenhänge beobachtet, welche durch Dichtung, Kunst und Wissenschaft hergestellt werden. Diese erstaunliche Vielseitigkeit, mit der eine hinreissend lebensfrische Energie sich paart, ist, wie uns dünkt, auf Thronen so singulär, dass man begreift, wie ein ganzes Zeitalter sich ihr gerne gefangen gibt, um von ihr Impuls und Richtung, zu bekommen. Die gesummte Bildung der Epoche, mit dem immensen Umkreise, über den sie sich erstreckt, spiegelt sich in dem Geiste Wilhelms II.; man empfängt das richtige Bild davon, wenn man etwa die Reihe Kiaotschau-Jerusalem-Kipling sich gegenwärtig hält. Ist es paradox, gerade diese Beispiele als beweiskräftig aus einer Fülle anderer herauszugreifen? Wir glauben, nein. Die Wehrkraft des Deutschen Reiches unversehrt zu erhalten, die Strömungen innerhalb der deutschen Nation gedeihlich zu lenken, ist an sich schon eine ungeheure Aufgabe; aber Wilhelm II. löst sie als eine von vielen anderen Aufgaben, die er sich gesetzt hat, und die Erwerbung in China wie die moralische Eroberung in Kleinasien bedeutet nicht weniger eine verheissungsvolle Etappe in der Entwicklung des deutschen Volkes, wie die kluge literarische Anknüpfung mittelst des Kipling-Telegrammes, welche das Zusammengehörigkeitsgefühl „unserer gemeinsamen Rasse“ in England und Amerika stärkt. Von diesem deutschen Kaiser kann man wirklich nicht sagen: „Äfininia , non curat praetor.“ Nur muss man dabei ' iesthalten, dass auch das scheinbar Kleinste, dem er seine Initiative zuwendet, in ein originelles Licht gerückt und mit den Attributen lebensvoller N otb wendigkeit ausgestattet wird. Vor zwei Wochen hätten viele gefragt: Wer ist Rudyard Kipling? Jetzt wissen es alle, und niemand zweifelt daran, dass Kaiser Wilhelm II. ebensosehr aus kluger, politischer Erwägung, wie aus menschlicher Theilnahme und aus literarischem Interesse dem fremden Dichter mit einem Schlage zum Weltruhme verhelfen hat. Der Name Kipling wird fortan in den immer wichtiger werdenden Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten eine Rolle spielen, er wird in, die Richtung der angerufenen Rassengemeinschaft zeigen, in welcher ein gutes Verhältnis zwischen der germanischen Rasse diesseits und jenseits des atlantischen Meeres zusuchen ist. Diese Berufung auf die „gemeinsame Rasse“ hat uns sehr sympathisch berührt; sie umschliesst das Verlangen nach einer natürlichen Zusammengehörigkeit, nach einer Zusammensetzung der aufeinander angewiesenen und einander verwandten Kräfte. Wir erstreben ja in unserer Sphäre das Nämliche, indem wir zur nationalen Sammlung aufrufen. Und wir wissen uns dabei auch des Wohlwollens des deutschen Kaisers sicher. Dem Zionismus wurde von kurzsichtigen Leuten lange genug jede allgemeine politische Bedeutung abgesprochen, bis es offenbar wurde, dass Kaiser WilhelmIL ihm sympathische Aufmerksamkeit schenkt, und seitdem der Kaiser unsere Deputation in Jerusalem mit «Timmternder Freundlichkeit empfangen hat, wagen mir Idioten noch, den Zionismus zu unterschätzen. Ist es eine ungewöhnliche Ehre, deren der englische Dichter Kudyard Kipling von dem deutschen Kaiser gewürdigt wurde, so birgt sich dahinter doch erheblich, mehr als bloss ein persönliches Moment; Kaiser Wilhelm II. ist Welt“ Seite 3 in seiner bewunderungswürdigen! Unbefangenheit, inder erstaunlichen Vielseitigkeit seiner - Interessen und in der Umsicht, mit "welcher; er alle Erscheinungen der Gegenwart umfasst,; der Mann nicht, um persönliche1 Liebhabereien den allgemeinen Werken voranzusetzen. Ungeheurer kriegerischer Erfolge ist er ein .Erbe, aber ihm selbst ist die Erhaltung des Friedens das oberste seiner Werke; so baut, er überallhin Regenbogenbrücken, und eine solche ist auch das Kipling-Töle- ■ : gramm. Und wenn auch im modernen Sinne die Literatur weder eines augustinisclien Alters, noch? der Güte eines Mediceers; bedarf,: so ist es dagegen ein umso interessanteres Schauspiel^ zu sehen, wie die Literatur zum Vehikel der internationalen Politik werden kann. Hier liegen, wie uns scheint, noch* manche fruchtbare Zukunftskeime, die aufgehen, können zum Vortheile der Civilisation und aller in ihren historischen Voraussetzungen, wie in den socialen Bedürfnissen berechtigten nationalen Bewegungen. G DieJüdische Colo n i alb an k, Aus dem Subscriptions-Aufrufe des Actionscomites, welcher mit dem Prospecte zugleich . zur Versendung kommen wird, seien hier einige Stellen citiert. Es , heisst in dem Aufrufe: , - Diejenigen, welche bereits .bei der vorjährigen Voisubscription die lOpercentige Anzahlung geleistet habenbrauchen natürlich nur 10 Percent hinzuzufügen. Sobald die Subscription beendet ist, wird jeder S.üb- : scribent eine Verständigung erhalten, ob er die ganze , Anzahl der von ihm gezeichneten Shares oder, falls' Ueber- Zeichnung stattgefunden hat, nur einen Theil zugewiesen Erhält. '' 1 Diese Form der Sübscription bietet der Unternehmung den Vortheil, dass nicht von vornehereim einige Percente des Actiencapitales den Emissionsbanken ausgeliefert; werden müssen. Die Jüdische Colonialbank wir cl oline jeden Grün der gewinn gegründet. , Obwohl der Charakter unserer Rank von Anfang au deutlich erkennbar gemacht wurde; obwohl aus Statuten und Prospect ersichtlich ist, dass liier keine, professionellen Gründer einen Profit heräusschlagen wollen, indem, die! Gründungsspesen durch freiwillige Beiträge öpferfähiger Gesinnungsgenossen beschafft wurden; obwohl die Jüdische . Colonialbank einer , grossartigen Selbsthilfe des jüdischen Volkes zu dienen hat, wurde dennoch von manchen jüdischen Hochfinanciers in einer unerhörten Weise gegen, das volkthümliche Unternehmen1 agitiert. Darauf kann das jüdische Volk, der Mittelstand wie die breiten Massen, die gebürende Antwort geben. Wir werden sehen, ob das jüdische Volk bereit ist, eine Anstrengung -zur, Selbsthilfe . zu machen. Wir wollen keine bezahlten Eeclamen in, den Zeitungen. Jeder einzelne, dem dieses Blatt in die Band kommt, kann zeigen, ob er etwas für sein Volk,* also für : sich selbst leisten will. Jeder einzelne soll als freiwilliger Agitator für die jüdische Volksbank von Haus zu* Haus, von Freund zu Freund gehen und für das glänzende Gelingen der Subscription arbeiten. Die diplomatischen Vorarbeiten der politischen Heiter . des Zionismus sind so weit gediehen, dass unmittelbar nach Beendigung der Sub scnptjon, di e ersten praktischen S c-hr i11e z ur Verwirk- ' iichung unser es grössen PI an e s begönn en werden können. , Wenn die Zionisten in der ganzen Welf jet^ü ihre Pflicht nicht thun, so 'werden sie nicht nur die Männer, die für sie arbeiten, im Stiche lassen '— sondern die' Zionisten werden sich selbst im Stiche gelassen habki. -; Das befürchten ^ir nicht. Wh: kennen die^begeisterte;; Stimmung der Hunderttausende, von Ziopistern VVjr -er- . warten^ ülass jeder auf seinem .Bostem Sein. wird. Es handelt sich um keine Schenkung, sondern iim reine Öapitälsanla^e; ' die Zinsen tragenwird, Zinsen jedem einzelnen, Zinsen döm gesammten Volke.; - r-, V ■ Aus den unzähligenkleinen. Beiträgen . schaffen,wir die Macht, die für unser grosses Werk nothig ist. Die Einzelheiten lese man in dem gewissenhaft verfassten Prospecte. ‘

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