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Die Welt · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Article
Die Juden sind Ausbeuter!
Date
1899-03-17
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „£>ie 2^ wir ^rlebiiL und kepn®. Mail weiss, wie sehi wir überall geliebtrwerden Vund wejfebe Empfehlung unsere Auf jedem Gebietei;' mensehlichöl T^ig^il^^^d^^üde, der sich einen PlatzAferopern Hindernisse zu über- - Mindest, sein.^aHsc^e^ ^Wettbewerber niemals kennt? 1Ä Hst ^Wst siöh? Ybrurtheile und Hass, die er nur mit wM PlMr' als durchschnittlichen Anstrengungen besiegen ' kanifo Die' Summe von Arbeit, die dem „Arier“ den Erfolg* sichert, ist durchaus ungenügend, um dem Juden Würdigung zu verschaffen. In jedem W ettbewerbe vermi|i4ert"persönlieheVoreingenömmenheit der Pachter unbewusst f übrigens nicht einmal immer unbewusst) die Anzahl der Punkte des Juden auf die Hälfte und weisJu diesem seihen Rang neben 'solchen „arischen44 Wettbewerbern an, denen er thatsächlich um das Doppelte überlegen ist. Das Mass von Begabung, das dem „Arier“ die Pforten der Akademie öffnet, hat einem Juden noch niemals einen Lehrstuhl verschafft. Um einen solchen zu erobern, müsste er ein Genie sein. Und selbst dann ist er ihm keineswegs gewiss. Soviel steht fest: auch wenn Deutschland eine Akademie für Dichter und Schriftsteller gehabt hätte, die — doch getauften! — Juden Heine und Börne wären niemals deutsche Akademiker geworden. Das gleiche Missverhältnis zwischen Anstrengung und Lohn beobachtet man in der Wissenschaft, Kunst, Politik. Ueberall wird bei gleichem Verdienste mit Selbstverständlichkeit der „Arier“ vorgezogen. Dem Juden gegenüber besteht die Gerechtigkeit darin, dass man ihm alle amtlichen und gesellschaftlichen Preise ungefähr viermal so hoch anrechnet wie seinem „arischen“ Wettbewerber. Dasselbe gilt vom jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufmanns Wsasn wendet man sich an den jüdischen Makler Z WenM man ihn als eifriger, gewandter, zuverlässiger, fähiger, thätiger kennt, als seinen „arischen44 Wettbewerber. Der jüdische Geschäftsmann, der jüdische Gewerbetreibende muss, um Kunden zu gewinnen und m bewahren, t billiger verkaufen und Besseres liefern als der „Arier“ nebenan. Warum gibt es keinen jüdischen Felix Potin (grosses Pariser Cölonialwarenhaus), keine jüdische Frau Boucicault (Gründerin des bekannten „Bon Marche“)? Ist etwa der jüdische Geist zu beschränkt, um den lichtvollen Gedanken dieser beiden Schöpfer zu fassen? Das glaubt niemand ernstlich. Aber um den Erfolg dieser Unternehmer zu erring®, hätte der Jude grössere Vortheile bieten müssen, was nicht gilt möglich war, bei gleichen Vortlieüen aber.geht der Käufer in das „arische“ Colonial- und Modewarenhaus und verschmäht die Geschäfte von Gaben, Levy oder Bloch. In der „arischen44 Gesellschaft ist also der Jude überall und immer gezwungen — er möge nun einen Höchschul-Lehrstuhl oder eine Hühneraugenoperateur- Kundsehäft .erstreben, eine Salonmedaille erringen oder im Opernglasl]and^l Seide spinnen wollen —, doppelte Arbeit zu halbem d^reis zu liefern. Derjenige aber, der viermal so viel gibt, als er empfängt, heisst in allen Sprachen ein Ausgebeuteter. Der Jude, der in einer feindseligen Umgebung IMen muss, ist im der Lage des Fremden in Trunyiile^^välireijd der Renn woche. In Winkelgasthäusern für t Speisereste bezahlt er Cafe Anglais-Rechnungen und schläft auf einem Billard für den Preis eines Bettes im Hotel Continental. zur Grand prix-Zeit. Wer hat den Vortheil von dieser Sachlage? Einzig die „arische44 Gesellschaft. Sie erhält Judenarbeit zu unsittlich billigem Preise. Sie übt gegen den Juden dm Swrating-44 (Schwitz-) .System, das man mit so Welt“ §tr. I I erbaulicher Entrüstung anklagt,, wenn es auf einige tausend jüdische Schneider in fcgndtni und Lee$3van- , tgewändt wird. Aber 4g®.. jjer Unternel^ftier,. |ier :: seine jüdischen 'tzDA^etM^D^wäea IaM für . s; %0£Centiihes arbeiten S^^it Mnigstens rächt VhM Ausbeutung und die ieäfc;fuif- 1 frisst, nicht noch, ihn ätäzatiräsn.' ÖfeAptiseihiten “diahen mehr Humor. Sie mäcra$E sich nm^’^eh,Umstand zunutze, dass' der Jude gezwungen -ißt^ .Keine -Arbeit überall und immer um ein Viertel ihres Wertes ^berzugeben und nennen gleichzeitig. mH. einer Anti- -xhra-sis, - die ihnen sehr Heistreich und besonders.drollig Vorkommen muss, denjenigen einen Ausbeuter, der ihnen alles gibt und fast niclM difBr empfängt, t Die; Wahrheit ist, dass , der . ejnzjfe, der ewige. Ausgebeutete der Jude ist. Und. er vrad niemals den gerechten Gegenwert seiner Leisfühgen ehlaiigen können, solange der ihn umgebende Hass in den Augen der ungeheuren Mehrheit der .Arier“ seine Arbeit, seine Fähigkeiten, alles was er thut und schafft, entwertet .*) ' V Kaiser und Dichter. Von 0. Erter. Einem kranker! Dichter hat Kaiser Wilhelm II. grosse Ehre erwiesest. Dieser Dichter ist Rudyard K’pling, den in NeW-York eine heftige Lungenentzündung aufs Lager warf. Kaiser Wilhelm sendete der Gattin Kiplings ein Telegramna :voli%feizlicher Ausdrücke und guter Wünsche. Nun spricht alle, Welt von Kipling, die kaiserliche Depesche hat ihn populärer, gemacht als irgend eines seiner Werke, das Dschungelbuch nicht ausgenommen. Die Kenner wussten von Kipling genug, um ihn gehörend zu schätzen; er hat sich vom Beginne dieses Jahrzehntes durch seine Schilderung der Nachtseiten von Galenits durch seine Kasernenlidder und zuletzt noch durch das entzückende Dschungelbuch * wie im Flüge einen grossen/Ruhm erworben. Jetzt steht er erst im vierunddreissigsten Lebensjahre. Die Engländer reciamieren ihn für sich, weil er in Bombay geboren, die Amerikaner, weil er seit sechs Jahren in New-York 'ansässig ist. Der deutsche Kaiser ehrt ihn als einen Dichter unserer „grossen gemeinsamen Rasse“, als Sänger herrlicher Soldatenlieder. Und da es so ungeheuer selten geworden ist, dass Dichter solcher Auszeichnung theilhaftig werden, so bildet* nun auch begreiflicherrnassen' das Telegramm Kaiser Wilhelms den Gesprächsstoff in allen Welttheilen. Es fehlt nicht viel dazu, dass sentimentale Leute mit stolzem Athemzüge - das veraltete Schiller’söhe Wort wieder eitleren: „Es soll der Dichter1 mit dem König gehen, denn beide stehen auf der Menschheit Höhen.“ Man kann aber auch ohne Sentimentalität finden, dass das Telegramm des: Kaisers Wilhelm den Absender nicht weniger ehrt als den Empfänger. Und zwar aus einer grossen Anzahl von guten Gründen. Um darüber nicht im Zweifel zu sein, dass Kaiser Wilhelm ein Herrscher von modernem Gepräge ist, .dessen scharfem Blicke keine Bewegung im socialen, politischen und geistigen Lebender Gegenwart ,jetitgeht, dazu bedürfe es nicht erst des Kipling-Anlasses.* Doch dieser Anläss,ist nichtsdestoweniger sehr bezeichnend. Sa weit hinaus und: so ins Einzelne reicht das Interesse de.s--Kaisers. Wilhelm an allem, was die Gegenwart bewegt* dass auch ein fremder Dichter, 'welcher ÜMiOrbm! nur einer geringen Anzahl von Literatür- '' _. .. * ' »' •: i '• f). In französischer Sprache, ist dieser ' Artikel Irn . a?n&.e aü "‘erschienen., .>

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