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Die Welt · 1899-03-10 · 10 (10.3.1899) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
10 (10.3.1899)
Article
[Kommentar] / M. Z.
Date
1899-03-10
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Mr. 10 „Die Welt“ Seite 18 eine unserer Fraclionen ihn als Candidaten fürs Weisse Haus aufstellt. Kurz und gut: wir sprechen viel mehr von unserer Vorurtheilslosigkeit, als wir dazu Anlass hätten. Das Volk Israel ist in der ganzen Welt zerstreut und es gereicht ihm nur zur Ehre, dass es trotz aller Verfolgungen, mit denen es von Völkern und Regierungen, welche sich christlich nannten, heimgesucht wurde, die bewunderungswürdige Geisteskraft aufbrachte, sich die Reinheit seines Glaubens, seiner Rasse und seiner Tradition zu bewahren u. zw. schon zu einer Zeit, da die Söhne dieses Volkes die Königskinder der Welt waren, während die Ahnen der heutigen Angelsachsen ihre Blösse noch mit Thierfellen bedeckten und ihren Hunger mit rohem Fleische stillten. Kann es uns daher wundernehmen, wenn die Juden oder ein Theil von ihnen, die aus ihrer Heimat Palästina durch Barbarenhand vertrieben wurden, sehnsuchtsvoll nach diesem Lande ausschauen und dahin zurückkehren möchten, um dieses Fleckchen Erde, das einst aller Welt als Paradies erschien, wieder zu beleben? Von welcher Seite immer wir diese Sache betrachten, finden wir, dass der Civilisation und der ganzen Menschheit ein grosser Vortheil erwachsen würde, wenn der Traum der Zionisten greifbare Gestalt annähme und uns als Thatsaebe gegenüberstünde. Ein Judenstaat in Palästina wäre eine Heimstatt für Millionen dieser von zelotischen Finsterlingen und europäischen Regierungen mit Frevlerfüssen getretenen Rasse. Die Juden Amerikas wären nicht gezwungen, au szuwandern und auf ihre Bürgerrechte zu verzichten, aber Palästina würde ein Zufluchtsort für diejenigen sein, die in Europa keine Ruhe und Sicherheit finden. Ausserdem wäre es ein grosser Cu'lturfortschritt, wenn der Schlüssel von Kleinasien in die Hand dieses begabten und emsigen Menschenschlages gelangte, der sehr wohl die Eignung besitzt, Ordnung zu bringen in das Tohu-Wabohu der dortigen Zustände und im zwanzigsten Jahrhundert die Civilisation auf den Thron der Hauptstadt des heiligen Landes zu setzen. Die Juden Amerikas können die zionistische Bewegung unterstützen oder sich ihr entgegenstellen; das geht nur sie an, und ein Aussenstehender hat gar-kein Recht, sich da einzumengen und den Juden Rathschläge zu ertheilen. Aber vom Gesichtspunkte eines ganz und gar l.'nbetheiligten ist diese Bewegung gross und gigantisch und uns sollte es nur freuen, wenn sie zu praktischen Resultaten führte/' M. Z. Bücherwelt. Dr. S. Bernfeld: „Das Buch -er Bücher". Populärwissenschaftlich dargestellt. Verlag Siegfried Eronbach, Berlin 1899. Der Zweck dieser ausgezeichneten Schrift besteht darin, Laien mit dem Inhalte der Bibel vertraut zu machen und ihnen Einblick zu gewähren in deren Entstehungsgeschichte und die Abfassungszeit der einzelnen Theile derselben. Denn so sehr auch das „Buch der Bücher" non der ganzen gesitteten Menschheit als eines der ältesten Denkmäler menschlicher Cultur anerkannt und geachtet wird, die bedauerliche Thatsache lässt sich dennoch nicht hinwegleugnen, dass es gerade von denjenigen am wenigsten gekannt und gewürdigt wird, die es am besten kennen sollten, da es ja ihr Buch, ihr Jahrtausende altes nationales und religiöses Gut bildet. Juden sind es, und nicht die unwissendsten, die es infolge einer mehrerer Jahrzehnte üblichen Erziehung dahin gebracht haben, dass sie von diesem wichtigen Dokumente keine Ahnung haben, durch das ihrer Geschichte und Eultur ein so glänzendes Zeugnis ausgestellt wurde. Anstatt, wie es die Bibel verdient, Volksbuch, Gemeingut des ganzen jüdischen Volkes zu sein, ist sie nur noch Berufsbeschäftigung einiger Dutzend Gelehrter geblieben, die in gezählten jüdischen Gemeinden anzutreffen sind. Wohl hat die Bibelforschung eine große rerchhaltige Literatur geschaffen, wie selten eine andere Diseiplin der Welt. Aber wie dem Laien, durch die Unkenntnis der Ursprache der Bibel, der Sinn für deren Studium immer mehr und mehr verloren gieng, war es den meisten „Bibelkritikern" bei ihrer schablonenhaften Behandlung der biblischen Erzählungen nicht gegönnt, in den Geist dieser Sprache tiefer einzudringen und ein gerechtes Urtheil zu sprechen. Je unwahrscheinlicher eine Hypothese schien, je gewagter und sinnwidriger eine Eonjeetur des Bibeltextes war, desto mehr Anspruch erhoben sie auf Wissenschaftlichkeit und freie Kritik, so dass einerseits der Text bis zur Unkenntlichkeit entstellt, andererseits den schlichtesten und natürlichsten Erzählungen der Bibel jeder Anspruch auf Historieität abgesprochen wurde. Deshalb sieht sich der Verfasser der vorliegenden Schrift genöthigt, bei der Feststellung der Abfaffungszeit mancher biblischen Stücke gegen die Bibelkritiker zu polemisieren und sich aus ein Gebiet zu begeben, wo er nicht bloß von seiner gründlichen Kenntnis der hebräischen Srache und des Geistes der jüdischen Tradition, sondern auch von den Resultaten der im Aufschwung begriffenen astrologischen Forschungen kräftig unterstützt wird. Bernseld weist mit großem Erfolge nach, wie oberflächlich die „Kritiker^ zuwerke giengen und wie schwer sie sich noch heute gegen ihre heilige Aufgabe versündigen, wenn sie, trotz der Bestätigung mancher biblischen Angaben durch hochwichtige archäologische Funde der modernen Assyrologen, noch immer Recht behalten wollen, wo es gilt, nach dem Muster ihres Meisters Wellhausen den Quellenwert altisraelitischer Geschichte herabzusetzen und zu vermindern. Auch Bernfeld kritisiert und prüft, wann und unter welchen Umständen das eine oderwandere Stück geschrieben sein mag, aber er thut es mit der größten Vorsicht, die der alte ehrwürdige Stoff erfordert; er leitet alles vom Texte ab, ohne dem Geiste der Sprache Zwang anzuthun und hinter jedem der schlichten und aufrichtigen Prophetenworte Tendenzmacherei zu wittern. Der scharfe Ton und manche überflüssige Wiederholung in der Beweisführung sind durch die Liebe des Autors zum Gegenstände und die gerechte Entrüstung über/das Vorgehen mancher „Kritiker" vollkommen gerechtfertigt. Die Behandlung des biblischen Stoffes nach Form und Inhalt, sowie die Würdigung einzelner Partien und der historischen Ursachen, mit denen sie im Zusammenhänge stehen, ist zumeist originell und gelungen und dürfte den Zweck nicht verfehlen, den der Autor anstrebt. Wir können uns jedoch nicht erwehren, in Bezug auf eine Bemerkung Bernfelds, die Strophik der althebräischen Poesie betreffend, anderer Meinung zu sein, da die Beweise, welche gegen Müllers Versregeln in seinem Buche „Die Propheten in ihrer ursprünglichen Form" geführt wurden, so wenig stichhaltig sind, dass von einem Siege der gegnerischen Ansicht nicht die Rede sein kann. Auch ist es „in diesem Kreise" nicht „auffallend still geworden?, da die Regeln Müllers in poetischen Bibelstücken, deren Natur den Strophenvers voraussetzt, in einer neuesten Arbeit desselben Gelehrten unzweideutig nachgewiesen worden. Im allgemeinen verdient es Bernfelds Buch, im Hause, jedes gebildeten Juden, wo der Sinn für jüdische Geschichte und Literatur noch nicht erloschen ist, heimisch zu sein. M. B. P Feuilleton. Aber die Sterne? . ♦ Von S. Fvug. Dem Jüdisch-Deutschen nachgebrldet von Theodor Z l o e i st i. Es glänzt der Mond. Es glänzen die Sterne In wallender Nacht über Berg und Thal ... — Und wieder les' ich die uralten Blätter; Ich las sie tausend und tansendemall. Und wie ich sie lese, die heiligen Worte, Hält mich eine Stimme gebannt: „Mein Volk, Du wirst sein wie die Sterne am Himmel, „Wie am Meeresgestade der Sand." Ich weiß es, mein Gott: Von Deiner Verheißung Wird sich erfüllen das leiseste Wort. Ich weiß es, mein Gott... Es sucht nur Dein Wille Die richtige Zeit, den richtigen Ort. Und Eines hat schon die Erfüllung gesehen. Ich Hab' es mit allen Sinnen gefühlt: Wir sind zu treibendem Sande geworden, Von jeglichem Fuße durchwühlt. . . Es hat sich erfüllt! . . Wie Sand und wie Steine Zerstreut und zerstoben zu Schande und Spott! . . . Nun aber die Sterne mit leuchtendem Scheine, Die Sterne, die Sterne, wo sind sie, mein Gott?! . . G Die Goldschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Friedrich Fürst Wrede. (39. Fortsetzung.) Aber der Greis hatte die fromme Lüge an unzähligen Schmerzenslagern gelernt und hielt sich tapfer. „Natürlich wirst Du gesund!" lachte er. „Aber Geduld musst Du halt haben, bis Dein übriger Körper genügend gross geworden ist, damit Dein Herz hineinpasst!“

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