Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 10 (10.3.1899)
- Article
- Kolomea
- Date
- 1899-03-10
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 „Die Welt“ Seite 13 Taubes, Frl. Rosa Pomeranz über die Rothwendigkeit einer Frauenorganisation in überzeugenden und feurigen Worten sprach. Sie wurde von Frl. Clara Meyer durch ein Correferat aufs beste unterstützt; Herr Fell sprach über die Entwicktnng des Zionismus, und Herr Feingold richtete an die versammelten Frauen einen feurigen Appell, dem neuzugründenden Frauenvereine deizutreten. Der Erfolg war glänzend; über 100 Frauen erklärten, sofort dem Vereine beitreten zu wollen. Es wurde eine Commission von 16 Damen und 4 Herren zur Ausarbeitung der Statuten gewählt. Zum Schluffe sei noch erwähnt, dass der hier existierende „Club jüdischer Hochschüler" in Anbetracht der großen Verdienste Frl. Rosa Pomeranz bei einer außerordentlichen Generalversammlung zum Ehrenmitgliede ernannt hat. F♦ Birczaez, 29. Jänner. Am 21. v. M. fand hier eine außerordentliche Generalversammlung des Einzelvereines „Zion" statt. Die Statuten wurden im Sinne des Baseler Programmes geändert. An Stelle des Herrn A. Zeimer wurde Herr Heinrich Byke zum ersten Schriftführer gewählt. Unser Schriftführer hielt diesen Samstag — 28. v. M. — einen Vortrag über das Baseler Programm. Berlin. (D er VerbandderV ereinefürjüdis che Geschichte und Literatur in Deutschland) veröffentlicht in seinen Mittkeilungen vom Deeember 1898 eine Reihe statistischer Thatsachen, welche das Aufblühen und die Organisation der jüdischen Geschichts- und Literaturvereine in Deutschland illustrieren. Wir entnehmen daraus, dass dem Vorstande des Verbandes bisher 101 derartige Vereine bekannt sind, die namentlich mit Mitgliederzahl und den Namen der Vorstände angeführt werden. Der größte ist der Berliner Verein mit 720 Mitgliedern, dann folgen: München mit 425, Köln mit 4o0, Frankfurt mit 23i, Leipzig mit 230, Breslau mit 220, Hamburg mit 204, Karlsruhe, Königsberg und Stettin mit je 200 Mitgliedern rc. rc. Von den abgehaltenen Vorträgen ist besonders der Vortrag über Heine immer wieder in den verschiedenen Vereinen gehalten worden. Interessant ist es, dass eine große Anzahl von Vereinsvorträgen und Diseussionen über „Zionismus" stattfanden. Der Verband, der weder politische noch religiöse Tendenzen verfolgt, sondern seine einzige Aufgabe in der Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur unter den Juden in Deutschland sucht, kann gewiss auf diesem Gebiete mit einiger Anstrengung viel leisten. Es wäre zu wünschen, dass möglichst viele solcher Vereine ins Leben träten, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern; denn wenn ein Volk, so könnten die Juden aus ihrer Geschichte manches lernen — wenn sie wollten. Leipzig. Unsere Propaganda gewinnt in Leipzig immer weiteren Boden. Am 27. Februar sprach hier Herr Rechtsanwalt Dr. Leopold Kahn aus Wien vor einer Versammlung von circa 500 Personen über das Thema: „Der Jude vormals, jetzt und dann. Ein Beitrag zur Aufklärung über Zionismus." Der geistvolle, zündende Vortrag, der eine großzügige Philosophie der jüdischen Geschichte entrollte, wurde von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. In der darauffolgenden Discussion wurde von einigen Gegnern der alte beliebte Einwand vom „deutschen Patriotismus" in verschiedenen Tonarten, nicht immer mit genügender Begriffsklarheit, vorgebracht, am schärfsten und beredtsten von Herrn Lilienthal. Herr Dr. F r i e d e m a n it aus Berlin, der den Vorsitz mit musterhafter Energie und einer auch von den Gegnern anerkannten Objectivität führte, beantwortete den Einwand in unmittelbar überzeugender Weise. Gegenüber den Ausführungen eines Redners, wir sollten vor allem an unserer sittlichen Erziehung arbeiten, um uns in der Achtung unserer Mitbürger zu heben, wies Herr Bub er darauf hin, dass diese Forderung nur im Nationaljüdenthum ihre wahre Erfüllung finden kann. In versöhnenden, von einer milden Weisheit getragenen Worten stellte Herr Dr. Thalberg das Für und Wider nebeneinander und entwarf ein sonniges Bild der zionistischen Zukunft In seinem Sch'ussworte fasste Herr Dr. Kahn unser Programm noch einmal in wuchtiger, eindrucksvoller Rede zusammen. Die Anwesenden bezeugten nicht bloß durch ihren Beifall sondern auch durch zahlreiche Beitrittserklärungen und Spenden ihre Begersterung für die Zionsidee. m, Antwerpen. In der ersten Februarwoche sprach Herr Dr. Bodenheim er aus Köln im hiesigen Vereine „A g ü d a t h- Zio n" über „Assimilation und Zionismus". Ueber 300 Personen hatten sich in dem großen Saale des „Club diamantaire“ eingefunden und lauschten mit gespanntester Aufmerksamkeit den Ausführungen des ausgezeichneten Redners. Stürmische Beifallsbezeugungen belohnten den Redner am Schlüsse seines Vortrages. Hoffentlich wird der Verein nach diesem ermunternden Erfolge mit größerer Lebhaftigkeit die Propaganda betreiben als bisher. Uebrigens ist ein Verein der zionistischen Jugend in Bildung begriffen. — Der Agitation in Holland, Belgien und Italien hat Herr Marcou-Baruch vielfache Dienste geleistet. Swenigorodka (Gouv. Kiew). Schon rm vorigen Jahre wurde in der Presse die Thätigkeit der hiesigen zionistischen Kreise rühmend hervorgehoben. Seit jener Zeit wächst die Bewegung und die Zahl unserer Mithelfer immer an. Unsere zionistische Lesehalle kann als Volkshaus bezeichnet werden. Alle, die sich für Fragen, das Judenthum, den Zionismus betreffend, interessieren, finden hier reichen Lesestoff und Unterhaltung. Besonders aber haben wir die Feier des sogen. Bäume-Neujahrs (Ehanüscha- Assar bischwat) als entschiedenen Sieg unserer Thätigkeit zu bezeichnen. Der Abend, der von etwa 600 Personen besucht war, hat für uns die Sympathien aller jüdischen und christlichen Kreise erregt. Als Hauptredner fungierte unser verehrter Präsident E. Ziklis, der in einer längeren Rede die Ziele des Zionismus schön und klar entwickelte. Seine Rede klang in Hochrufen für die Führer der Bewegung und in einem warmen Appell, den Zionismus kräftig zu unterstützen, aus. Es sprachen noch Herr K a d i s ch o w, der des verewigten K. Schulmann, der die Wege zur Neubelebung unserer Sprache ebnete, gedachte, die Herren Weinstein und Bykorv. Zum glänzenden Verlaufe der Feier hat vieles auch der hiesige Synagogal-Chor beigetragen. Bueno- Aires. Die zionistische Idee hat auch unter den argentinischen Juden Eingang gesunden. Vor einigen Wochen wurde hier ein zionistiscbes Centralcomite gegründet, dessen Zweck es ist, den Zionismus ourch das ganze Gebiet unserer Republik zu tragen und die Leitung der zionistischen Angelegenheiten Argentiniens in die Hand zu nehmen. In dem nahen Orte Cuebars ist ein Verein „Chowewe Zion" gebildet worden, dessen Mitgliederzahl 50 erreicht. Außerdem bestehen gesinnungsgenössische Vereine: in der Colonie „Sonnenfeld" unter dem Titel „OhaweZion"—Mitgliederzahl 60; in der Colonie San Antonio — Mitgliederzahl 40; ferner in den Colouien Rosch-Pinah, Carmel, S pandelberg, Moisesville rc. — Bis zur Stunde haben diese Vereine mehrere hundert Schekel nach Wien gesandt und für zionistische Zweckeverschiedenej Aufwendungen gemacht. W Vereinsnachrichten. Wien Am 8. März fand im „Hotel Union“ eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung statt, auf der ein Zweigverein des „Zion“ für den Wiener Bezirk Alsergrund gegründet wurde. Das Referat führte in aus gezeichneter W eise Architekt Marin orek, Dr. Herzl setzte unter stürmischem Beifall des Auditoriums die Ziele des Zionismus auseinander. Dr. Kahn, Dr. Marmorek, Dr. Schalit widerlegten in eindrucksvoller Weise die Einwürfe zweier socialdemokratischer Contraredner. Wir werden auf die Versammlung noch in einem ausführlicheren Berichte zurückkommen. Wien Donnerstag den 9. d. M. hält der Einzel verein M ariahilf-Neubau des „Z i o n“ eine Wanderversammlung in Herlinge rs Restauration, XIV., Reindorfg. für die jüdische Bevölkerung des 12.. 13., 14. und 15. Bezirkes ab, in der Herr Dr. Leopold Kahn über das Thema „Die Selbsthilfe bei den Juden“ referieren wird. Samstag den 18. d. findet eine öffentliche Vereinsversammlung in Löbls Restauration, VI., Schmalzholg. 10, statt, mit der Tagesordnung : Die Colonisation und die T h ä t i g >< e i t der Jüdischen Colonialb ank. Gäste, auch Damen, in beiden Versammlungen herzlich willkommen. Der Vereinsausschuss und seine Beiräthe haben hundert Actien der Colonialbank subscribiert. Man hofft, dass die Ausschüsse der anderen Vereine diesem Beispiele folgen werden. Wien. (Die „Jüdischakademische Lesehalle“.) Das Ergebnis der am 1. März vorgenominellen Neuwahlen war folgendes: Präses med. Arth. Bader, I. Vicepräses jur. Abr. Glasberg, II. Vicepriiscs med. Ahr. Glanz, I. Schriftführer med. Otto Ehren fest, I. Cassier jur. Abr. T e r k e 1. Ausschussmitglieder : G. W o I f, W. L ö w, S. Deutsch, N. K o h n, A d. J a m p olle r, Kronfeld. Ersatzmänner : Arth. Müller. M. \V e i s s, J. Uhrmann, Fr. T a u s s i g. Schiedsrichter Dr. Leo S o f e r. Wien. Der lit. Ges.-Ver. jüdischer Mädchen „Moria“ veranstaltet am 15. d. M. im Hotel Central, II., Taborstrasse 8, ein Kränzchen, dessen Reinerträgnis dem Vereine zur Unterstützung jüdischer Waisenkinder zufliesst. Im Hinblicke auf den humanitären Zweck dieser Veranstaltung und auf das ideale Streben des Vereines, der sich die Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte zur Aufgabe gemacht hat, wäre es wünschenswert, wenn demselben in jeder Beziehung das regste Interesse und die thatkräfeigste Unterstützung zutheil werden würde. N. P. Wien. (Verein jüdischer Mädchen „H a d a s s a".) Samstag den 11. d. beschliesst HerrLector J. Friedman n für dieses Semester die Reihe seiner allwöchentlichen Bibelvorträge, um dieselben im Herbste wieder aufzunehmen. Das Thema