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Die Welt · 1899-03-10 · 10 (10.3.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
10 (10.3.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-03-10
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die A Welt“ Nr. 10 weil unter solchen Umständen von einem Betrüge nicht die Rede sein könne. * In Finnland ist eine kleine Erleichterung zugunsten der Juden ein getreten. Sie dürfen sich verheiraten und im Lande bleiben, was bisher untersagt gewesen. Voraussetzung ist der Besitz eines Passes zum Aufenthalte im russischen Reiche. Das weiter von ihnen gestellte Verlangen, eigene Synagogen zu bauen, wurde nicht zugestanden, da Juden in Finnland kein Grundeigenthum besitzen dürfen; sie dürfen aber geeignete Gebäude mieten behufs Abhaltung eines Gottesdienstes. * Zum zweitenmale in diesem Jahre wird ein Jude ins englische Parlament gewählt, allerdings auch zur conservativen Partei gehörig. Sir Edward S a s s o o n erhielt 2425 Stimmen, während sein Gegner Israel Hart (liberal und ebenfalls Jude) 1898 erhielt Die Familie Sassoon gehört zu den reichsten des brittischen Reiches, namentlich in Ostindien haben sie viel für die verschiedensten Wohlthätigkeitszwecke gespendet. * Die englische Einwanderungs-Bill scheint den Weg der bekannten französischen, „auf vier Wochen vertagten“ Interpellationen zu gehen. Auf die Anfrage eines conservativen Parlamentsmitgliedes antwortete Balfour, dass er noch nicht in der Lage sei, diesbezügliche legislative Vorschläge zu machen. * Die Abneigung der englischen Conservativen gegen die armen polnischen und russischen Juden ist übrigens entschuldbar. Es ist nämlich die Furcht, es könne es einer derselben zu einer hohen Ehrenstellung im britischen Weltreiche bringen, wie so manche unserer Glaubensgenossen. Auch der soeben verstorbene Lord Her schell war der Sohn eines polnischen Juden und hat seine Abstammung nie verleugnet. Für die ihm als Juden erwiesene hohe Ehre hat er — wie so viele andere — sich dankbar gezeigt. Wie in Amerika alles ins Grossartige geht, das zeigt sich auch bei den Wohlthätigkeits-Anstalten und nicht zum mindesten bei den jüdischen. Das grösste jüdische Hospital auf der Erde dürfte jedenfalls das M o u n t - Sinai- Hospital in New-York sein, das jetzt einen neuen Anbau erhält, der fast V4Millionen Dollars kostet, von welcher Summe jetzt schon mehr als die Hälfte durch freiwillige Beiträge aufgebracht ist. Die Ausgaben des abgelaufenen Jahres beliefen sich auf 130.000 Dollars, verpflegt wurden 3300 Kranke, wovon 2750 gratis und die übrigen mit geringen Entschädigungen. Consultationen fanden statt 93.000 und ltecepte wurden 82.500 ausgegeben. 82.000 Dollars wurden im vorigen Jahre in Chicago durch die Direction der dortigen jüdischen Wohltliätigkeits- Vereine verausgabt, davon allein die Hälfte für das jüdische Hospital. In Chicago fasste die Polizei einen Dieb ab, der sich die Beraubung von Synagogen zur Specialität gemacht hat. In seinem Besitze wurden gefunden ausser 26 Talesim zahlreiche silberne Schilder, Kronen, Zeiger und sonstige Cultusgegenstände. Ä Etwas für die zionistischen Frauen- und M ä dche nv er eine: In Cleveland existiert im dortigen jüdischen Frauen vereine ein besonderer Literaturclub, dem ungefähr 3tK) Mitglieder an gehören. Er besitzt eine Bibliothek, und in seinen wöchentlichen Versammlungen wird über den Inhalt der Bücher discutiert und von competenten Lehrern Erklärungen dazu gegeben. Die Discussion erstreckt sich nicht nur auf jüdische Themata, sondern auf alle Wissenszweige, vorzugsweise jüdische und amerikanische Geschichte, Bibelerklärung etc. « MkBene-»«-. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind au das Bureau des Ziouisteneougresses, Wien, II., Rembrandistratze 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionisteneongresses, Basel, zu senden. - Das Aetionseomite. Spenden für die zionistische Bewegung. Julius Schönwetter, Krakau: 4 Kronen aus Anlass, dass ich Tr. Btochs Wochenschrift retourniere und nicht rnehr abonniere, verwende ich den Geldbetrag für unsere erhabenen Zionszwecke. — Weiß, Wien: 60 kr. Zionistische Versammlungen in Wien. - In den nächsten Wochen, finden folgende Versammlungen statt: Am 13. Äärz II., Stefaniestraße, Restaurant Guth — Sprecher: Salo Deutsch. „ 15. „ V., Margarethenplatz, Restaurant Jelinek — Sprecher: Dr. M a r m o r e k. „ 16. „ X., Himbergerstraße, Restaurant Krautstoffel — Sprecher: Architekt Marmorek. „ 18. „ VI., Schmalzhofgasse, Restaurant Löbl — Sprecher noch nicht bestimmt. „ 20. „ III., Pragerstraße 11, Restaurant Müller — Sprecher: Dr. Werner. - „ 23. „ Brigittenau. Das Local wird in der nächsten Nummer bekanntgegeben werden. Bertrauensmänner-Besprechungen aller Bezirke vorläufig jeden Dienstag IX.. Türk enstraße 9, 7 Uhr abends. Dr. KeopoU» Kahn in Kerlin. In der dritten von den Berliner zionistischen Ortsgruppen veranstalteten Massenversammlung sprach am 28. März Herr Hos- und Gerichtsadvoeat Dr. Kahn aus Wien über den Zionismus. Ein vielhundertköpfiges Publicum drängte sich trotz der Unbill der Witterung in dem mächtigen Saale der „Tonhalle" und lauschte gespannt der über zweistündigen Rede, welche oftmals durch Beifallsstürme unterbrochen wurde. Dr. Kahn gab eine vollständige Begründung des politischen Zionismus; er wies seine Berechtigung nach aus den wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart, betonte aber, dass nicht so sehr die sociale, als die nationale Seite der Bewegung dem modernen Zionismus den Stempel aufpräge. Und dieses Nationalgefühls brauche sich der Jude nicht zu schämen. Wie im Alterthume, so habe auch im Mittelalter das jüdische Volk als Träger von Moral und Ethik fungiert, und es sei zu hoffen, dass ein jüd sches Volk auf palästinensischem Boden sich seines alten Ruhmes würdig zeigen werde. Ter Redner gab sodann eine Uebersicht des Verhältnisses der jüdischen Religion zum Zionismus und bewies mit einer Sachkenntnis, wie sie wohl nur wenigen unserer „teulschen" Protestrabbiner eigen sein mag, die Haltlosigkeit der von orthodoxer Seite erhobenen Einwendungen. Und das Alles wurde mit einer solchen Liebenswürdigkeit Anspruchslosigkeit und Herzlichkeit vorgetragen, so ganz ohne persönliche Schärfen und Angriffe, dass die Wirkung auf die Versammlung eine ganz außerordentliche war. Noch nie haben wir in einer Versammlung so wenig Opposition gehabt! Und wie war sie beschaffen, als sie in der Gestalt des Herrn Klausner endlich erschien! Mühsam arbeitete er sich durch einen Krautacker öder Spitzfindigkeiten, stellte Behauptungen aus dem römischen Schuldrechte auf, die jeden Juristen im zweiten Semester erröthen machen würden, und erregte mit der in ihrer Bescheidenheit einzigen Bemerkung, er sei da, um die Versammlung zu „belehren", unfreiwillige Heiterkeit. Herr Rechtsanwalt Silber gleit stellte unter Lachsalven die juristischen Schnitzer des Herrn Klausner richtig und bewies, dass der große Zionistentödter noch sehr viel lernen kann, bevor er daran geht, anderen gute Lehren zu geben. Der evangelische Pastor F a b e r, ein bekannter Philozionist, sprach den Zionisten seine Anerkennung für ihr Üeberzeugungsrreue aus und betonte, dass seit dem Beginne unserer Bewegung die Achtung vor dem Judenthum in den besseren christlichen Kreisen sichtlich gewachsen sei. In seinem Schlussworte führte Dr. Kahn aus, dass er jeden ehrlichen, sachlichen Gegner achte. Eine Opposition aber, die mit vergifteten Waffen kämpfe, zeige nur, welche moralischen Verwüstungen das Goluth unter uns angerichtet habe. Er schloss unter lang anhaltendem Beifall fast der ganzen Versammlung mit dem Hinweise auf die praktische Durchführbarkeit der Bewegung. Der Vorsitzende Herr Dr. K atz schloss darauf die Versammlung mit einem jubelnd aufgenommenen Hoch auf Herrn Dr. Kahn, den wir hoffentlich auch im kommenden Winter in Berlin werden begrüßen dürfen. Die Rede des Herrn Dr. K a hn wird demnächst hier im Drucke erscheinen. _ Kolomea. Mittwoch den 1. März a. c. fand über Anregung des Frt. Rosa Po m er an z in den Localitäten des Vereines „Beth Israel" eine von circa 200 Frauen besuchte Versammlung statt, in der nach kurzer Ansprache unseres Volksredners Herrn 0266

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