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Die Welt · 1899-03-10 · 10 (10.3.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
10 (10.3.1899)
Article
Der Zionismus im "Meyer"
Date
1899-03-10
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 „Die A Welt“ Seite 9 grün düng dieses Vereines gab Th. Herzl in Wien mit einer Schrift „Der Judenstaat“, und Ende August iS(.)7 trat der erste Zionisten-Congress in Basel zusammen. Derselbe nahm zur Erreichung seines Zieles folgende Mittel in Aussicht: 1. Zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern und Gewerbetreibenden; *2. Gliederung und Zusammenfassung der gesaminten Juden schab; 3. Stärkung des jüdischen Nationalgefühles und Yolksbewusstseins. Die zionistische Bewegung ist besonders in den östlichen Ländern Europas : Russland, Gal izien, Rumänien n. a. verbreitet, während die Juden in Deutschland nichts von ihr wissen wollten, wie ein öffentlicher Einspruch der Rabbiner bewies, und die Schaffung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina oder irgendeinem anderen Lande für ein Phantom erklärten.“ Prof. Philippson und der Zionismus. Auf dem II. Baseler Congresse sagte Nordau: „Ein von mir hochgeschätzter jüdischer Geschichtsschreiber, der im Aufträge eines jüdischen Vereines ein Jahrbuch der jüdischen Geschichte verfasst, bringt es fertig, die Geschichte der Juden im Jahre 1897 zu schreiben und des ersten zionistischen (Kongresses zu Basel nicht mit einer Silbe Erwähnung zu thun.“ Gemeint war Prof. Philippson und sein „Jahresrückblick“ im Jahrbuche der jüdischen Geschichts- und Literatur-Vereine in Deutschland. In dem soeben erschienenen diesjährigen Bande folgt die Erklärung; Prof. Philippson schreibt in einer Anmerkung S. 18: „Wir hatten in unserem vorjährigen Rückblicke selbstverständlich mit einiger Ausführlichkeit über die wichtigste Erschein u n g des Jahres, den Zionismus, gesprochen. Allein während unserer mehrmonatlichen Abwesenheit hatte die geehrte Redaction des „Jahrbuches“ aus wohlgemeinter, aber unseres Ermessens übermässiger Vorsicht unsere ganze diesbezügliche Betrachtung ohne unse r Wis s e n gestrichen.“ Ein wertvolles Document zur Geschäftspraxis des Herrn Dr. Gustav Karpeles! Die Maranos — Persiens. Ueber eine in Persien halb im Geheimem existierende Judengemeinde werden ans Teheran folgende interessante Details gemeldet: „Die Stadt Meehemod (an der Grenze der russischen transkaspischen Provinz) zählt ungefähr 3000 Israeliten. Diese waren vor ungefähr 180 Jahren gezwungen worden, sieh zum Islam zu bekehion, aber ihr Gebertritt war nur scheinbar. Thatsächlich und im Geheimen sind sie ihrer väterlichen Religion treu geblieben. Sie besitzen vier verborgene Synagogen, in denen die Gemeinde sich Samstags und an jüdischen Feiertagen vereinigt, um mit der grössten Andacht Gottesdienst abzuhalten. Ihre Geschäfte müssen diese Tage über offen bleiben: aber da sie meistentheils in demselben Bazar vereinigt sind, so opfern sie sich, zwei bis drei untereinander abwechselnd, um alle Geschäfte zu bewachen. Selbstverständlich enthalten sie sich jeglicher Arbeit. Ihre männlichen Nachkommen lassen sie am 8. Tage nach der Geburt beschneiden; wenn sie herangewachsen sind, erhalten sie vom Rabbiner im hebräischen Lesen und Schreiben Unterricht. Sie vernachlässigen kein religiöses Gesetz, 'und ihre Sprache bei der Correpondenz ist die hebräische, obwohl alle sehr gut persisch lesen und schreiben können. Jeder unter ihnen hat 2 Namen: den biblischen Namen für die Familie, für seine Freunde und seine Glaubensgenossen, und den türkischen für die Fremden. Selbstverständlich heiraten sie nur untereinander, oft sehr jung, nach persischer Sitte. Anhänglichkeit und Liehe herrschen in bemerkenswerter Weise unter ihnen.“ Das alte Goldland Ophir. Ueber das alte Reich von Manomatapa, einen Theil des heutigen Rhodesia, bringt die „Matabele Times“ in Buluwayo nach einem Berichte , des Geologen Dr. Schlichter interessante Mittheilungen; denen wir Folgendes entnehmen : „In allen Th ei len des Landes, das man früher als das Reich von Monomatapa zu bezeichnen pflegte und welches demnächst Dr. Karl Peters zum Gegenstände weiterer Untersuchungen machen wird, finden sich Spuren alten Goldbaues und Schmelzwerke aus der Vorzeit in grosser Menge. Es scheint heute nicht mehr zweifelhaft, dass die Stellen in der Bibel, in welchen von dem Lande Ophir die Rede ist, woher der König Hiranr von Phöniciern seine Goldschätze und sein Elfenbein bezog, hier gewesen ist. Dr. Schlichter fand im Districte Mjanga Ueberreste jener Vorzeit in überraschender Anzahl. Hunderte von alten Befestigungen, grossartig gebaute Wasserleitungen und viele Schmelzöfen mit gewaltigen Auf ehüttungen von Quarz fand er vor. In der Umgegend waren zweifellose Spuren des Sonnendienstes der früheren Bewohner vorhanden, merkwürdige Steingehege und kleine Obelisken. Einige Meilen vonCimbabye entdeckte er einen Opfer lisch von ungewöhnlicher Grösse, auf welchem in steinhartem Holze sich ein Sonnenkreis befand, der astronomisch genau eing~etheilt war und die Bilder des Thierkreises in einer Deutlichkeit zeigte, wie sie sicher nicht von den wilden Schwarzen gezeichnet sein konnten. Der Reisende bringt den Fund in /Zusammenhang mit Steinfunden, die unlängst in Nordwostafrika, in Senegambien.-gemachtworden sind, die ebenfalls Steinkreise und Obelisken zeigen und auf den Sonnen dienst der Bewohner hindeiiten. In einem Steinlinuse in Mjanga befindet sich auf einer in Talgstein geschnittenen Platte eine Inschrift von zweifellos semitischer Herkunft. Werkzeuge, Schmelztiegel, Waffen tragen ebenfalls semitischen, wahrscheinlich phönikischen Charakter. Die Leute um Mjanga sind Makotos, ein grosser, stolzer, kriegerischer Stamm, ganz verschieden von den Maschonas. In ihrem Lande deuten vielfach Quarzhaufen längs der Flüsse auf früheren Goldbau hin. Nach Dr. Schlichters Annahme dürften die Bauten, von denen die zuerst von Manch entdeckten Ruinen Kunde geben, um das Jahr 1100 vor Christi Geburt entstanden sein. Russische Juden. Fünf junge Juden, die in der Armee gedient haben, und die in ihrem jetzigen Aufenthaltsorte Ka u sein n y (Be ssarabien) keine Beschäftigung finden können, haben sich an den Minister für Ackerbau mit der Bitte gewendet, es möge ihnen trotz der Mai-Gesetze gestattet werden. Land zu pachten. Diese nunmehr einige Monate alte Petition hat noch keine Erledigung gefunden. — ln dein grossen Militär-Territorium der Don-Kosaken legen die Behörden dem Aufenthalte von Juden, die nächstjährigem Heeresdienste das Recht haben, sieh in allen The!len von Russland anzusiedeln, Hindernisse in den Weg, wobei sie sich auf das Gesetz vom Jahre 1880 berufen. Der Senat hat nunmehr gegen die Behörden entschieden — Die Volkszählung, die im Jänner 1898 ihren Anfang nahm, ist noch nicht zum Abschlüsse gediehen. Bisher sind folgende, uns Juden interessierende Zahlen bekannt geworden: Im Gouvernement Kieff leben 4749 )!■>!), im Gouvernement W o 1 h y n i e n 400.000, im Gouvernement; P o d o 1 i e n 377.000 Juden. Die luden in der Schweiz. Die Zahl der Juden in der Schweiz beläuft sich auf ungefähr H-.000 Seelen. Sie sind fast, alle fremden Ursprunges. Einwanderer oder Nachkommen von solchen, die erst in diesem Jahrhundert eingewandert sind. Erbeingesessene Juden, deren Voreltern bereits vor vielen hundert Jahren im Lande wohnhaft waren, gibt es überaus wenige. Der grösste Tiioil der Eingewanderten stammt aus E18ass-Lothringen, namen'lieh zogen nach dem deutschfranzösichen Kriege zahlreiche Juden aus dem Eisass in die Schweiz. Aber auch aus anderen Gebieten Deutschlands hat sich eine erkleckliche Anzahl von Juden in der Sdr.veiv. angesiedelf. Schwächer sind die russischen, polnischen und rumänischen Juden vertreten : sie dürften insgesammt an die hundert Personen zählen. Sie werden von den meisten ihrer deutschen „Glaubensgenossen“ mit scheelen Augen angesehen, hauptsächlich wohl deshalb, weil sie diesen in zahlreichen Erwerbszweigen erfolgreich Concurrenz bieten. Die grössten jüdischen Gemeinden befinden sich in Zürich, Basel, Genf und Bern. Der grösste Waler, den Holland gegenwärtig besitzt, ist Josef Israel s. Diese!' Tage feierte er seinen fünfmal siebzigsten Geburtstag. Der berühmte Künstler, der oft bewiesen hat, dass er sich seines Judenthums nicht schämt, ist gegenwärtig mit einem Gemälde „David vor Saul" beschüfr.igt, dem man das hohe Alter seines Schöpfers nicht anmerkt. Rudyart! Kipling. Man meldet aus New-York, (*. d. M. : Der deutsche Kaiser' sendete an die Gattin des erkrankten Schriftstellers Rudyard Kipling ein Telegramm, welches in der Uebersetzung lautet: „Als enthusiastischer Verehrer der unvergleichlichen Werke Ihres Gatten erwarte ich mit Spannung Nachricht über sein Befinden. Gott gebe, dass er Ihnen und allen erhalten bleibe, die ihm für die herzerhebende Art dankbar sind, in der er die Thaton unserer grossen, gemeinsamen Rasse besungen bat.“ Frau Kipling sprach durch Vermittlung des deutschen Botschafters in Washington dem Kaiser ihren tiefgefühlten Dank aus und liess gleichzeitig melden, dass Herr Kipling sieh auf dem Wege der Besserung befinde. —- Allgemeine TheLlnahme erregte dieser Tage die Nachricht, dass der berühmte Schriftsteller Rudyard Kipling an einer Lungenentzündung schwer darniederliege. Während nun über das Befinden Kiplings selbst beruhigendere Nachrichten «Anlaufen, wird aus New- York ge mehlet, dass die sechsjährige Tochter Kiplings, Josephine, welche einen Tag nach ihw m g: m-hüills

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