Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Article
[Kommentar]
Date
1899-03-03
Page
14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
table
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315806--11163-3385309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«Seite 14 * ,i)ie ,4 - Welt“ Nr. g .Die russische Monafcsschrift . „Welt Gottes“ (Mir bozi) vom ' Jan her" 1890 V enthalt eine Novelle von G ar skf]: Mrtenii^L. Kain^i.welche vbm^^iionlisfechÄi Gesichtspunkte nicht UD in teressant lsk indem psychologisch dieUhmöglichk|it , einer Ajin,äl>erui)g zwischen Juden .und anderen Völkern.—^,;' erörtert'wird. \ , :v : / Der ^Sünday Times-Weräld" von C h i c a g o schreibt, in seiner Ausgabe vom 5. Februai’ i ,'Die Juden von Uhicago - bilden in ihrer, Mehrheit eine Organisation <fle unter dem bezeichnenden Titel „Knights of Zion“ (Zionsritter);die Ansiedlurjg der verelendeten TJheile, der jüdischen Rasse in * Palästina anstrebt. Die jChights. liabeil erst im Jänner 1800 sich zd: organisieren ^nghfän^ehV zahlen7 heute bereits 8ftO Mitglieder iind hoffen, in wenig Jahren die zehnfache Zahl zu. erreichen ,Der Finanzsecretär der Vereinigung, Mi*- VVp.U;Tst M^nioh.tterausgebe-r’de^^-Dail^ tt/>urier.% eines, einflussreichen' jüdischen Blattes^ das in 'Chicago viele Leser bat. Derselbe gab unserem Interviewer an, dass von Chicago aus je .ein Verein in MinneapoMs :und Milwaukee (200 resp.; rtWJü Mitglieder) gegründet . worden sei. Weitere Vereins-; gründnngen sind ly. Aussicht genommen^— Alle diese Bestrebungen * unserer jüdischen Mitbürger beweisen, dass sie an der Schaffung de&* heueff Völksheimes ihitarbeiten wollen, ■wenn a uclr vielleicht n 11 r * - wenige ihr jetzi ges AdoptiV- Vaterland . verlassen werden. Die . amerikanisehen Zionisten: ]\offen,' d ass, wenn . es - znrAusführ 0ng d es Planes kommt,« die Vereinigten Staaten kein Hindernis in den Weg legen werden. Auch die-Stimmung der europäischen Machte ist dem Planefgünstig. Mrv WJ 0 1 € erwähnt schliesslich, dass - : 'im: spanisch-amerikanischen* - Kriege, die Organisation der .Knights eine Compagnie jausgestattet und. dem Kriegs-, ileparteiTienyzür Verfügung "gestellt habe.. _ Biieherwelt:. - J Ör. Heinrich Nusbaum: Stithme deines Antizionisten, gerichtet. an die polnisch Jüdische Intelligenz. Krakau 1899* Die .meisten „Gegner" - des -Zionismus fabricieren sich gewöhnlich eine eigene Foririel desselben und beurtheilen ihn dann4 hach ihr ein ei geh en Geistespro dücte. Auch der jüngste Antizionist! hat . sich in seiner „Stimme" derselben Methode b edi en tun d natürlich den Zionismus verdammt. In : der .^Einleitung .zu seinem Mahnrufe definiert .Dr. - Nus- 'bäum. den Zionismus‘_'als’"eihev.;I(äee des Strebens, unter den Juden das SelbstbeWtiSstSeinihresnatiönaleri Separätismüs zu stärken und zu5 erwerben, also des Princips, dass die Juden in einem jhden: Staate, in einem jeden Volke that- .sätchijeh ein Volk unter , den Völkern bilden". Diese Erklärung ist einerseits ihrem7 Umfange, andererseits aber dem ■ Inhalte nach bekanntlich falsch. Auf Grund dieses falschen Untersuchungsobjectesnun wendet .sich der Autor* zur Besprechung des Zionismus und constatiert, dass „sich bei uns (d. h. in Galizien) — leider —in den letzten Zeiten der ' Zionismus ausserördentlfch unter del* intelligenten, besonders aber der Universitätsjugend: verbreitet hat“. Die Ursache dieser „überaus träüiflgeh Erscheinung" soll darin liegen, dass „ein grosser Theil der studierenden Jugend ganz und gar noch nicht spcialisierten Kreisen entstammt“. „Im Hause habe diese Jugend ausser den religiösen, von gar keinen höheren Idealen, am wenigsten aber von patriotischem Gefühle erfahren. Dies, wie auch der Umstand, dass die jüdische Jugend, im .Verkehre mit den christlichen Collegen als, fremde behandelt werde, verursache, dass die jüngere Intelligenz sich irgendwelche andere Ideale, somit ein künstliches jüdisches Nationalgefühl schäffen muss". Nach dieser einleitenden * Erklärung wendet sich der Autor mit einer Philosoph isch-sen timen tal-romantischen Aufforderungen die Jugend, sich mit den Bewohnern der Länder, in denen die Juden wohnen, natioMI zu vereinigen. Weswegen haben wir diesen Rath zu befolgen? Um dies zu beantworten, analysiert unser «Gewährsmann seine eigene Person und kommt zu folgendem Ergebnisse'seiner Analysis: Er besitze viererlei Charaktermerkmale : 1. individuelle, 2. Rassen-oder Stammes-, 3. nationale und.J. allgemein menschliche Eigen-, thümlichkeiten. Dje‘ihdiviiuelleii bewirken, dass er an sein eigenes Ich und dessen Vervollkommnung denke, die zweiten, dass - er ein Jude und daher auch stolz auf seine Abkunft sei; . die. Nationalen wiederum . stempeln ilm zum Polen, während die letzten ,ihn gls Menschen an den allgemeinen civilisatorischen Culturerrungenschaften mitarbeiten lassen. Wie' in' dieser Viereinigkeit besonders Punkt 2 sich mit Punkt 3 vereinigen lässt, bleibt natürlich dahingestellt. Der Auto£ scheint >sich zwar Mühe zu geben, sie in Harmonie zu bringen, aber hoffentlich werden alle Diej enigen, an welche der ' „Mahnruf" gerichtet - ist, die entgegengesetzten Cori-‘ Sequenzen ziehen, Die Rassengefühle -sind, wenn auch nur r flüchtig, aber wenigstens; nicht künstlich, vielmehr sogar mit warmem jüdischen Gefühle skizziert, hingegen sind die polnisch-nationalen förmlich erzwungen. Um die letzteren zu begründen, stellt ei* die These auf, dass seit EihFiihrun: des Christenthuins : die zurückgebliebene jüdische Scha Märtyrerin, ihrer Idee> nämlich der jüdischen Religion, ge worden sei und nun ..fast 2000 Jahre ebenfalls nur ihre: Mission halber existiere. Nachdem nämlich der Autor einig Beispiele unsäglicher Qualen der Jüden :während der zweitausend jährigen- Göluszeit geschildert hatte, kommt er zur : „Resultate", dass die Juden alle ihre Leiden nur deshalb er tragen haben, um die Religion zu erhalten. Da in der Gegen wart aber alle religiösen Kämpfe und daher auch jedwed Verfolgung Andersgläubiger aufgehört hätte, müssen di Juden ihr garizes Augenmerk von ihrem bisherigen. Ideal ab- und. uur dem Vaterlande zuwenden, wo sie geboren sin» . nur dieses lieben und nur dafür sich aufopfern. „Lieben wii. auch wenn rüan uns nicht: liebte^ bieten wir unsere Arbeh : unseren Brüderh (öc. Polen), äüch wenn sie dieselbe vor läufig nicht anerkennen wollen! Wir sollten nicht nur n uns selbst denken, lind es würden unsere Kinder od, Kindeskinder wegen unserer .Opfer ganz gewiss Freude erleben." Daran sollten Wir glauben und feethalten! De; neueste Rathgeber der JU geM’: will also einen neuen Glaube > schäffen, den alten für einen modernen, an die Besserung d, - Menschen und daher auch, der Lage unserer Naclikommei. Eintauschen.; Sei ja jetzt schon, eine Besserung ersichtlich! Während man uns nämlich früher gemordet hat, werde:: wir ‘ jetzt bloss: nicht ' geliebt. Hoffentlich werde sich ab» auch dies ändern. Wahrlich, ein süsser Trost! Und diese Trostes wegen lohnte es sich, alle zionistischen, die all gemein-jüdischen Ideale .aufzugeben? Sogar, wenn dieselbe! wie der Äntizionist ironisierend meint, bloss in der Cultu palästinensischen Weihes und palästinensischer Seide bestehen: würden, wird schwerlich jemand dem neuen Glaube: folgen. Denn wo würde er Begründung dafür finden, das er „alle seine Kräfte nur für das Wohl seines Geburtslande opfere". Warum sollen wir denn alle Kinder dieses Lande lieben, unsere unterdrückten Brüder aber nicht, wann, sollten wir unsere ‘(sc. polnische) Sprache und. die erhabenen Dichter derselben allein pflegen, die unserer Väte aber nur. so, nebenbei? Schwerlich dürften auf die Aus führüngen. und Mahn Worte des jüngsten Apostels gar viel hören, trotzdem oder vielmehr eben weil einige polnisch „liberale“ Blätter ä la „Slowo polskie" es so innig (!?) gewünscht haben. Es verdient noch hervorgehoben zu werdet dass der Antizionist ein. Freund der — reinen Oolonisatio : ist, da sie nützlich und fast nothwendig sei. Also ganz nao’i dem bewährten Miuster unserer alten „Gegner". Währen : die Herren früher nichts von der Colonisation hören wolltet . sind sie, ihr jetzt schon gnädigst gewogen. Audi schon ei Fortschritt! Vielleicht bringen sie es dennoch einmal zur: Verständnis der Gegenwart, nicht nur der V ergangen heit. - - : J-B. Das THrater «ad die I«de«. (Schauspielerei.) König David tanzte vor der BMdeslade einher. schlug , die Harfe und . sang die Psalmen dazu, die er zur Ehr Kottes gedichtet hatte. Er muss, sehr ■) schön getanzt habe! König David, sein Harfenspiel muss von besonderem Wohllau gewesen sein, und seine. Stimme^ mag . wunderbar geklunge haben. Man spürt das alles aus jenen Psalimn heraus, welch heute noch nbriggeblreben sind,, wenn es sich nicht schon a» dem einzigen Umstande ergäbe, dass er al( diese. Productioue. zur Ehre Gottes.auffiihrte, was.er sicherlich unterlassend hätte , falls er nicht so schon getanzt, gespielt und gesungen Hütte, ater zu dichten verstanden. Er war . der erste heitere. König i- Israel m>d. der erste Jude, .der durch künstlerische Begabun colossale Carriöre machte. .Ily ihm zuerst, lernteii. die Judejene unfassbare Mqcht keuuen, welche von einer künstlenschei Persönlichkeit ansgeht. Wenn er. als Jüngling die Harfe grisi entschwanden die düsteren Ahnungen aus dem GeMthe degreisen^Saul, weun er.sang öder.seine jugendlichen Gliede im Tanze bewegtes wach der Trübsinn des. alten Königs, dnrä -heitere Gewalten gebrochen.. .Sein.: Anhenken bildete ein Tradition und organisch hätte sich daraus, eine jüdische Schau bichne entwickeln können, 'wie sich die Schaubühne überall en»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.