Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Article
- Dr. S. R. Landau
- Date
- 1899-03-03
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 13 „Die Welt“ Arbeiten, die einen inneren Wert haben — und dieser innere Wert wird eben dadurch verbürgt, dass sie trotz der bekannten politischen Haltung ihres Verfassers acceptiert werden — sie sind nicht auf eine Stufe zu stellen mit Meldungen, wie sie Herr Dr. Landau für die antizionistischen Blätter schrieb. Die ersteren haben einen literarischen Marktwert, die letzteren haben nur einen Wert im Feindeslager. Niemand wird es Herrn Dr. Landau verdenken, wenn er wo immer seine journalistischen Arbeiten unterbringt. Wenn er aber als „Zionist“, als „wohlinformierter Zionist" zu unseren Feinden geht und ihnen vertrauliche Mittheilungen macht, deren Wahrheit wir nicht einmal untersuchen wollen, so ist das Urtheil über ihn abgeschlossen. Herr Dr. Landau wünscht noch, dass wir die Gründe seiner Entlassung publicieren. Er wurde nicht wegen seiner „Unabhängigkeit" aus der Redaction entfernt, vielmehr wegen seines ungehörigen Benehmens gegen jedes einzelne Milglied der Redaction und Administration. Dieses Betragen führte schliesslich zu einem Auftritt, welcher für Herrn Dr. Landau so peinlich und beschämend war, dass wir sogar jetzt noch Anstand nehmen, ihn zu veröffentlichen. Da nun die Wahl stand zwischen dem wirklichen Redacteur und Herrn Dr. Landau, war die Wahl nicht schwer. Herr Dr. Landau erhielt die Kündigung. Dies geschah einige Monate vor dem zweiten Congress. Vielleicht wird mancher das Benehmen des Herrn Dr. Landau in Basel jetzt besser verstehen. DieRedaction. W Vereinsnachrichten. Wien. Mittwoch den 8. März findet um 8 Uhr abends im grossen Saale des „Hotel Union", IX., Nussdorferstrasse 23 eine Versammlung' statt, , in welcher Herr Architect Oscar Marm orek das Referat: „Der Zionismus und seine ethische und culturelle Bedeutung" führen wird. Zweck der Versammlung ist die Gründung eines Einzelvereines für den IX. Bezirk des „Zion", Verbandes der Oesterreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens. Wien. Samstag den 25. v. M. fand die erste gesellige Unterhaltung der Ortsgruppe Mariahilf-Neubau des „Zion11 statt, zu der das Purimfest willkommenen Anlass geboten hatte. Die kühnsten Erwartungen des Comites wurden durch den massenhaften Besuch überboten, so dass kurz nach Beginn kein Plätzchen, wenn auch nur zum Stehen, vorhanden war und viele zur Umkehr genöthigt wurden. Trotz der peinvollen Enge, in der die hunderte Besucher aneinander gedrängt ausharrten, lauschte Alles den Vorträgen, die Dr. J. W. Marmorek mit einer ge danken tiefen Festrede einleitete. Hierauf sang Dr. L. Poborski mit bekannter Meisterschaft mehrere Lieder, während die Herren Grossmann und Mohr in ihren Vorträgen dem heiteren Charakter des Abends Rechnung trugen. Zum Schlüsse hielt ein Tanzkränzchen das junge Volk bis in die frühe Morgenstunde zusammen. Wien. Im Verein jüdischer Mädchen „Hadassa", II., Rembrandtstrasse Nr. 11, findet am 5. März ein Vortrag des Herrn Dr. Rosenzweig über „Don Joseph Nasi, Herzog von Naxos" statt. Gäste willkommen. Wien. (Krankenunterstützungs-Verein „Liwias Chen".) Am 12. v. M. fand unter Vorsitz des Vereinsobmannes Hrn. Leop. Gold dieXII. ordentl. Generalversammlung dieses Vereines statt. Nach erfolgter Begrüssung der anwesenden Mitglieder durch den Obmann und Verlesung des Jahresberichtes wurde dem Verein au sschusse einstimmig das Absolut orium ertheilt. — In die Vereinsleitung wurden gewählt die Herren : Leopold Gold, Anton L o e w, Sal. Trige r, Leo Schnürer, Jacob März, C. Hirsch, Ad. Kohr, H. Schi ff mann, Josias Gold Schmidt, J. Kerner und M. Mingelgrün. Schliesslich wurde der einstimmige Beschluss gefasst, den derzeitigen Obmann Herrn Leopold Gold, in Würdigung der grossen Verdienste, die sich derselbe um die Hebung des Vereines erworben hat, zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. G Zeitschriftenrundschau. Der Inhalt der Februarnummer von „Le Flambeau" ist folgender: Aufruf des Actionscomitö; Die ausbeuterischen Juden — Dr. Max Nord au; Friedrich Nietzsche und die -luden — Dr. N. Klugmann; Unsere Belohnung — Die Redaction; Zionismus und Patriotismus — Jacques Bahar Ein Ritualmord — Der kleine Mortara; Rennen um das Judenthum — Pinchas; Purim (mit Illustration) — Ben Jai'r : Grausame Eisenfresser — Sameas; Blöde Subscriptionen — Le Pere Jacques; Die Herren Studenten — Eiiahou en Habit; Tribüne der Widersacher etc. etc. Diese Nummer enthalt 37 Seiten anstatt 16. Sommaire du Numero le Fevrier. Proclamation du Comite d’Action; — Les juifs exploiteurs — Dr. MaxNfordau; Frederic Nietzsche et les juifs — Dr. N. Klugmann; Notre rdcompense — La Redaction; Sionisme et patriotisme — Jacques Bahar; Un meurtre rituel — Le petit Mortara; La course anjudaisme — Pinhas; Pourim (Illustration) — BenJair; Les cruels Vatenguerres — Sameas; Les souscriptions sangrennes — Le Pere Jacques; Messieurs les Etudiants — Eliahou en Habit; etc. etc. In seiner Nummer vom 14. Februar stellt der „Temps" in einem „Lille-Alger" iiberschriebenen Artikel ernste Betrachtungen an über die Priesterhetze in Lille und die Judenhetze in Algier, sowie die antisemitischen und anticlericalen Demonstrationen in Paris. Er tadelt in harten Worten den Niedergang der öffentlichen Sitte, welche sich in diesen so verschiedenen Manifestationen kundgibt. Als Beispiel der Toleranz citiert er eine Notiz der „Wel t", welche von der Jom kippur-Predigt des Pater D o h e r ty im spanisch-amerikanischen Kriege berichtet. Der Artikel schliesst mit den Worten: „....und wenn wir lernen wollen, was das Wort „Toleranz“ und das Wort „Freiheit“ bedeutet, so müssen wir, die eingebildeten Nachkommen derer von 1789 unseren Blick und unser Ohr einer Gruppe jüdischer Soldaten zuwenden, welche mit Respect den Priester in seiner Soutane umringten, im Feldlager der amerikanischen Armee bei Maniila auf den Philippinen." In Wien erscheint seit Mitte Februar das „Jüdische Volksblatt". Dieses Wochenblatt vertritt ein jüdisch-nationales Programm. Es will die Organisation der österreichischen Juden fördern und zur Gründung einer jüdischpolitischen Partei in Oesterreich beitragen. Zum Zionismus hat es bisher noch nicht Stellung genommen. Das zweite Heft der im Jargon geschriebenen Halbmonatsschrift „Der Jude" bringt einen Leitartikel, der in populärer Form auf die Wichtigkeit der Kindererziehung hinweist. Die Fortsetzungen der im ersten Hefte begonnenen Publicationen, ein Artikel über „Juden im Lande Israels“ von Barsilai, ein ausserordentlich stimmungsvolles Gedicht von Frug, ein Brief von Dr. VV erner, in welchem er seine Ansicht über die Bedeutung eines auf der Höhe seiner Aufgabe stehenden Jargonblattes auseinandersetzt, ein Feuilleton vonDinesohn und ein gut geleiteter Notizentheil nebst einer Recension über die Publicationen der Verlags ge Seilschaft „Esra" bilden den weiteren Inhalt dieses zweiten Heftes. — Wir machen nochmals unsere Gesinnungsgenossen auf diese Jargonzeitung aufmerksam, die vom „Achiasaf“ herausgegeben wird und als deren verantwortlicher Redacteur M. Berkowicz zeichnet. In der Nummer 6 des Warschauer Wochenblattes „Prawda" charakterisiert der den Lesern der „Welt" bereits rühmlichst bekannte Alexander Swietochowski in einem Feuilleton „lieber den Witz Warschaus“ auch den jüdischen Geist. Er knüpft an die Frage: „Sind die Slaven witzig?" folgende Antwort: „In geringem Masse. Sie besitzen zwar einige sehr talentierte Satiriker im Stile Mark Twains, d. h. Leute, die es verstehen, auf humoristische Weise zu erzählen, aber sie haben keine Fähigkeiten zu kurzen, blitzenden und scharfen Aphorismen. Ihnen entstammten kein Larocliefoucaiild, Voltaire, ja nicht einmal ein Dumas jun. Aber in der Mitte der Slaven wohnen dicht die Juden, welche in der That viel Witz haben. Unter ihnen wandert Heine, um getan seht in kleine Münze. Wenn wir aber aus diesen Kleinmünzen alles Edelmetall zusammennehmen wollten, könnten wir dasselbe in einer Menge erhalten, die gewiss das Genie des Dichters der „Reisebilder" weit übertreffen möchte. So weit wir nur die Quelle der in Warschau circuli er enden Witze herausfinden können, entstammen dieselben immer nur den Juden und zwar häufig den nichtstudierten. In der Reihe der Advocaten, Aerzte, Kaufleute und Handwerker dieses Stammes kann man eine Menge überaus witziger Leute finden. Einige derselben betreiben diese Kunst gleichsam fachmässig und erlangten in ihr weiten Ruhm" . . . „Eben dieses gesellschaftliche Element", heisst es weiter, „welches einen Hauptkestandtheil unserer Gesammtheit bildet, erzeugt den Schein einer Fähigkeit des slavisehen Stammes, welche derselbe gar nicht besitzt.“