Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-03-03
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 9 „Die & Welt44 aber unmöglich war. Bei der Landung in Plymouth wurde seitens der dortigen jüdischen Comites sofort das Nöthige veranlasst, die Auswanderer wurden von Freitagbis Sonntag in den Räumen der Gemeinde verpflegt und bei der Weiterreise mit allem Nöthigen reichlich versehen, wobei namentlich auch der Hafenbehörden dankend zu erwähnen ist, welche das Möglichste zur Linderung des plötzlich eingetretenen Nothstandes gethan haben. -r- Nachdem anlässlich der letzten Weltausstellung in Chicago ein Religions-Congress stattgefunden und bereits der Antrag zu einem solchen gelegentlich der Pariser Weltausstellung vorliegt, sind inzwischen seitens christlicher Geistlicher im Staate New-York die Anregungen zu halbjährlichen geistlichen, von allen Confessionen zu beschickenden Conferenzen ausgegangen, auf denen vor allen Dingen über Religion, Moral und Socialreform verhandelt werden soll. Ob und wieweit die Anregung in den Kreisen der jüdischen Geistlichkeit Anklang gefunden, darüber verlautet noch nichts Bestimmtes. * Wieviel Juden wohnen in den Vereinigten Staaten? Darauf gibt eine Statistik Antwort, welche ein amerikanisches Blatt jüngst vornehmen Hess. Darnach gibt es 8,4 Millionen Katholiken, 4,4 Baptisten, 5,9 Methodisten, 1,5 Presbyterianer und 1,2 Millionen Juden. Merkwürdig ist es, dass es bis jetzt nicht möglich gewesen, die letztgenannte Ziffer auf ihre Richtigkeit zu prüfen, indem von vielen Seiten 800.000 als die höchste Zahl angenommen wird. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, H., Rembrandtstratze 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel, zu senden. - Das Nctionscornits. Spenden für die zionistische Bewegung. Evangelische Gemeinde Brüssel fl. 1.82. I. Weinstein, Gerbersdorf, fl. 4.53. Josef Reisch er, Präses des Vereines „Erez Israel" in Braila, sendet für zionistische Zwecke: 5 Frcs. aus Anlass der Verlobung des Herrn Isidor Kirschen in Antwerpen mit Fräulein Lang in Lille; 5 Frcs. aus Anlass der Verlobung des Herrn Max Wolf in Braila mit Fräulein Löwenthal aus Mannheim. Wien. Das zionistische Bureau für Galizien in Kolomea lässt überall einen Aufruf zur Organisation und Schekelsammlung plaeatieren. In schwungvoller Sprache und in eindringlicher Klarheit wird den Juden Galiziens der Zweck der Institut on auseinandergesetzt. Der Aufruf ist einer der bestverfassten, welche von den zionistischen Vereinen veröffentlicht wurden. Es wäre zu wünschen, dass andere Eomites in gleicher Weise vorgrengen. Als Zahlungsstelle für Galizien und die Bukowina ist das Bur au des Dr. S. R o s e n h e ck in Kolomea bezeichnet. Halicz. Am 5. Februar fand eine Versammlung in unserem Vereinslocale mit der Tagesordnung „Aufklärung über dckr Zionismus und die Schekelzahlung" statt, welche von etwa 150 Personen besucht war. Dr. Jonas aus Stanislau erörterte die Lage der Juden in Galizien und forderte zur Selbsthilfe auf. Seine Rede hatte auch den gewünschten Erfolg.; Stanislau. Hier erfolgte am 10. December 1898 d-ie Gründung eines Vereines jüdischer Frauen „Rahel". In den Ausschuss wurden gewählt: Präsidentin Frau Minna Horowitz, Vicepräsidentin Frau Eäcilie Maschler, Schriftführerinnen Frl. Karoliue Rosenberg, Frau Emma Ostermanp, Eassierin Frl. Regine Meller, Bibliothekarin Frl. Henriette P omeranz. Die Mitgliederzahl beträgt derzeit 150. Darabani (Rumänien), den 25. Jänner. Auf Initiative dös Frl. Aurelie Horowitz hat sich hier ein zionistischer Männerverein der bis heute ca. 100 Mitglieder zählt, gebildet. Galatz, 16. Jänner 1899. Die „B n e i -Z i o n - K a d i m ah" feierten gestern in dem Handwerkertempel ihren ersten Jahresbestand und man kann sagen: sie haben gehalten, was sie im B orjahre bei der Gründung versprad)en: sie sind Zionisten. Es assistierten vom Centralcomite die Herren Samuel Pi n el e^s, M. H. Schein, B. Her man; von der Seetion „Th. Herzl" Herr Weiß mann; von „Bnei-Zion" Herr Rubin st ein; die „Chowewe-Zion" in Namolcsa delegierten ihren alten Präsidenten Herrn Elias Klein; viele Glückwunschadressen und Telegramme liefen ein. Der Tempel und die Damengallerie waren gut besetzt. Nach dem Minchagebet, trug. der Cantor Herr E. Goldenberg ein von ihm verfasstes Gelegcnheirsgebet hebräisch vor, worauf nach einigen einleitenden Worten des Herrn Pi n eles der Präsident der „B.-Z.-Kadimah", Herr Z. Z ip kes, rumänisch den Generalbericht erstattete, und dann die Herren Bisameer, Eompagniez, Schäfer, Leon Wechsler und Herschcovici längere Borträge in rumänischer Sprache hielten, aus denen man mit Vergnügen constatieren konnte, dass die Kadimahner ihre Zeit im verflossenen Jahre tüchtig benützten und auf der Höhe ihrer Mission waren. Es gebürt ihnen volles Lob und wäre nur zu wünschen, dass sie anch künftighin der hebräischen Sprache mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, was sie versprachen. Jedem Redner lohnte allseitiger Beifall. Hierauf sprachen die Herren Elias Klein (Jargon), F a i n a r und Rabbinersohn Margulies unter allgemeinem Applaus. — Am 28. Jänner veranstaltete die „Chibas Zion" (Mädchenverein) mit Assistenz der Seetion „Th. Herzl" einen Ball im großen Theater. — In S u l i n a (Donaumündung ins Schwarze Meer) wurde am 6. Jänner ein Zionsverein „Arse Halibanon" gegründet. Präsident Herr I. Feinsilber, Vicepräsident Herr H. Datelkrämer, Cassier Herr Moses Grünberg, Secretär Herr D. I n g a ll, Eontroleür Herr B. Schwarz mann, Beisitzer die Herren S. Rewicz und P. Grünberg. Czenstocharr. Hier wurde ein Zionsverein „Hebra Achim Bnei Zion" gegründet! Petrikau (Russisch-Polen), 10. Februar 1899. Behufs Organisation des hiesigen Zionsvereines wurde von dessen Leitern, Herren Josef Lewkowits ch und Moses F e i n k i n d/ am Abend des Ehamische Assar b'Schwat eine zahlreiche Versammlung veranstaltet, an welcher alle Mitglieder, sowie geladene Gäste, die sich aus allen Ständen recrutierten, theilnahmen. Unser eifriger Gesinnnngsgenosse Herr M. Feinkind hielt eine zionistische Ansprache, in. welcher er bündig und gediegen die Zwecke und Ziele des Zionismus erklärte und auf die Aufopferung unserer Führer für das heilige hohe Ideal hinwies. Redner appellierte an die Opferwilligkeil unserer Mitglieder und befürwortete erfolgreich die Unterstützung des Odessaer Colonisations-Comites. Die Theilnehmer haben den Schekel entrichtet und Actien gezeichnet und auch eine freiwillige Spende für das Colonisations-Eomite entrichtet. Der Verein hat an diesem Abende nach traditionellem (gebrauche mit Karmelwein und Palästinafrüchten eine kleine Feier abgehalteu. Die nächste Aufgabe des organisierten Vereines wird die Agitation in der Umgegend sein. Eine zionistische Bibliothek wurde begründet, welche unentgeltlich ihre Werke entleiht. — In diesen Tagen hat auch der rühmlichst bekannte orthodoxe Volksredner der Magid Herr G. Kreidmann aus S okolar auf Ansuchen einige zweckmäßige, zionistische Agitationsreden in unseren Bethäusern gehalten. Die Vorträge fanden bei allen Zuhörsern großen Beifall. Dr. 8. R. Landau. In Dr. Blochs ),0österreichischer Wochenschrift* veröffentlicht Dr. S. R. Landau einen von Beschimpfungen strotzenden Artikel, in welchem er einbekennt, was selbst ihm zu leugnen schwer gefallen wäre: dass er der Verfasser der von uns jüngst erwähnten Angriffe in der Blochschen Wochenschrift und im „Jewish Chronicle“ sei. Auf das grosssprecherisclie Gefasel dieses Schimpfartikels einzugehen, verlohnt nicht der Mühe. Die „Idee“, ein zionistisches Blatt zu gründen, wird als Privateigenthum von Dr. Landau in Anspruch genommen, als ob nicht die jüngsten Studenten an Discussion sab enden den gleichen Wunsch geäussert hätten. Die Studenten verbanden übrigens mit diesem Wunsche nicht auch den, eine Anstellung bei dem Blatte zu erhalten. Den Typus unseres Blattes hat nicht Dr. Landau festgestellt, auf die politische Haltung hatte er keinen Einfluss und die Redaction hat er zu keiner Zeit geführt. Wenn er sich ausserhalb unseres Kreises dessen rühmte, so lachten die Eingeweihten einfach darüber. Herr Dr. S. R. Landau gesteht weiters zu, was auch ihm zu leugnen schwer fiele, dass er für seine anonymen Angriffe auf die zionistische Bewegung von den antizionistischen Blättern Honorare erhalten hat, freilich nur bescheidene. Wieviel oder wie wenig er für seine Angriffe bekommen hat, wissen wir nicht, es interessiert uns auch nicht. Die Thatsache wollten wir feststellen, und sie steht nun fest. Es ist eine Lächerlichkeit, diese Arbeit für die antizionistischen Blätter mit den Publicationen zu vergleichen, die früher durch Zionisten in solchen Organen gemacht wurden. Erstens geschah das . unentgeltlich, zweitens hatten diese Zionisten damals keine anderen Zeitungen für ihre Propaganda zur Verfügung. Herr Dr. Landau wagt es aber auch, seine nun schon genügend charakterisierten Angriffe mit journalistischen Arbeiten zu vergleichen, die in von unserer Richtung abweichenden Tagesblättern erscheinen. Wir wollen ihm den Unterschied erklären. Tagesliterarische