Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Article
- New-York
- Date
- 1899-03-03
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 11 Nrd „Die & / i gründen, liät die jetzige Agitation für die Entwicklung iSes Landes, das im Vergleich .zu seiner einstigen BlüteSehr horabgeko.mmen ist, und../ filr^ die Einführung 'möderher .. rinflüs&e grosse Bedeutung* Der Sultan scheint geneigt' . I sein, Eisenbahnbauteri und andere Gründungen ,i gestatten. Die Zionistische Bewegung' erzieht in . >11 palaÄinehsischeh Jirdenneue Eigenschaftenftiini Schlüsse betont der Bericht, dass hotz mannigfacher'Hin der-' t isse die Aussichten sowohl für die Juden in Palästina, als i ii’ das Land selbst glänzender als je seine. Vor einigen?Wochen erörterte Rev.. Ru'H'eiifjr'. B e. x['~: i o w i t z, Rabbiner der Gemeinde. Rodepli Schöloni in! h i 1 a d e 1 p h i a, die Gewissensfrage : „Warum ich nicht ionist bin", . Ani nächsten Sabbath sprach der gewesene,! abbiner derselben Gemeinde, Dr. J a s tro w, einer der? erYorragendsten Gelehrteli von Amerika und Verfasser - nes englischen Lexikons zum. Talmud, über das Thema.: Warum ich Zionist bin". Aus der Rede, .die einen mach- ' ngen Eindruck machte und von der gesainhiten jüdischen resse reprodueiert wurde, heben Wir folgende Sätze hervor : .Ich bin Zionist,. weil ich Jude Hin, und bin Jude, nicht ur, weil ich der jüdischen Religion , anhange, sondern auch, eil ich mich zu dem jüdischen Volke zugehörig fühle .. . Vas sind wir? Juden, die den Glauben der Väter hochalten, Juden mit allen Tnstincten * und Inspirationen der lten, zähen. Rasse, und schliesslich Amerikaner, die, das .and ihrer Geburt und Adoption lieben und bereit sind, die eien Einrichtungen des Landes mit allem, was sie sind aid hab eii, zu vertheidi geh. Fragen Sie mich nicht, Was ich löher bewerte. Sie könnten mich ebensogut fragen, ob ich; ater oder Mutter niehr. liehe. Im Menschenherzen ist Platz ür mehr als eine Liebe und ein Ideal. Die Zionisten von \merika sind amerikanische Patrioten. Die Berichte des vriegsdeparfements beweisen das. Die Juden stellten weit über iiepercentuale Quote von Freiwilligen. Und es sind meist rus- Ische Namen, die in den Listen auftreten, und zugleich sind las die glühendsten Zionisten, Ja, ich bin Jude von Geburt, \merikaner aus freiwilliger Entschliessung, mein Herz chlägt für die Ideale des Judenthums, aber' nicht minder >jr Freiheit und Gleichheit. Ich sympathisiere mit den Unter-: Irückten aller-Rassen, insbesondere aber freut es mich, A enn die göttliche Stimme wiederum an die Armen meines Volkes sich wendet." Dr. Jast-row schloss seine Ansprache nit den Worten: „Alle Anstrengungen, die jüdische Frage u lösen, haben Fiasco gemacht, weil nicht auch die jüdische Miele mit auf gelichtet worden ist. Ein Volk ist kein Mechanismus, der da auseinandergenommen, dort zusammengesetzt verden kann; ein Volk ist ein lebender Organismus mit inev Seele. Diese Seele — an sie ergeht heute der Ruf: Irheb’ Dich aus dem Staube! Und die Seele antwortet: Gott ertrau ich! Und deshalb, Brüd er, b in i c h Zionist!" W Allerlei Nachrichten. Bis zum Jahre 180(1 durften im Königreiche Sachsen iuden nur in Leipzig und Dresden wohnen; das änderte sich nit dem Inkrafttreten der Freizügigkeitsgesetze. Nunmehr beluden sich jüdische Gemeinden auch in Chemnitz, Anuaberg, lauen und Zittau, erstere mit über 1000 Seelen, letztere Ir ei mit je 200. * Auch in Strassburg im Eisass gab's vor 14 Tagen einen Process k la Zola. Ein dort wohnender, seinerzeit von Viris wegen seines Blattes „Alliance nationale" ausgewiesener Schriftsteller Henry Strauss veröffentlichte auch in St. verschiedene Broschüren in der traurigen Angelegenheit und stellte darin u. a. auch Behauptungen auf, durch die uch der in St. wohnende Justizrath Ditsch beleidigt fühlte. Ger Angeklagte konnte aber den Wahrheitsbeweis erbringen, und das Gericht sprach ihn frei — wohlverstanden, das deutsche Gericht. Wegen Verleumdung von jüdische n Kaüfleuten verhängen die französischen Gerichte Geldstrafen und Insertion des Urtheils; wegen Bezeichnung der Schriftstellerin S e v e rine als Jüdin erhielt der antisemitische Redaeteur :> Monate Gefängnis, Geldbusse und Insertion.' Daraus geht lierypr, dass, -die Bezeichnung einest Christen als Juden schiimnxerist, wie die Verleumdung eines Juden als Aussauger etc. . . . ' . . . . . Einen bedeutsamen Schritt nach „vorwärts". hat die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde ausgehende Initiative zur Bekämpfung des Wanderbettels, zur Organ!sasa tioh der Arnieripfl.ege. und zur Begründung von Arb ei tsliachweisen und Arbeitsstätten' getlian. Die nredergesetzte; Cbmihissibr einigte sich ln ihrer am v. d. M. stattgehabten Satzung auf. folgende Punkte, die als Resolution angenommen muüenj Centralisatipn aller in einer Gemeinde besteh enden - \\"ohlfa.hütseüirichtüngön, Schaffün g von Bezirksverbänden, Vereinigung derselben zu einer Centralsteile, und endlich bezüglich der Einwanderung: 'dieZürüeksen&iing unwürdiger Elemente an die Grenze und ZüsammengeheiÜmit den be-, ’: stehenden . Eiiiwandeiungsste den durch die beüäch barten Verbände. — Was wird da alles als „unwürdig" gelten? ' - Ob - Max. R e g i s nun . wohl endlich lcaitgesteilt ist? Seine Verurtheilung zu drei Jahren Gefängnis und 1000 Frcs. ■ Busse, und die seines Busenfreundes Philipp i zu acht Monaten - Gefängnis und 100; Frcs. Busse sollte das voran s- :, setzen lassen. Wenn nur nicht das alte Wort sich'bewahrheitet: Den Bösen sind wir los, die Bösen sind geblieben. : Der frühere italienische Finanzminister LuzzattL wurde seitens des „Institut de France", zum correspondiereii- : den Mitgliede ernannt. , -V , \ / ' .; '; Die aus K r e t a nach Alexandrien geflüchteten Juden kehrennun nach und . nach wieder in ihre Heimat zurück,: nachdem der Gouverneur, Prinz Georg von Griechenland, dem Oberrabbiner versprochen hat,. er würde über die Sicherheit der Jutlen wachen. Bemerkt muss > werden,,dass die Initiative vom Prinzen selbst ausgieng, der den Rabbiner zu einer Besprechung geladen und dadurch zu erkennen gegeben hat, für wie nützlich er die Anwesenheit der Juden : für die Wiederbelebung von Handel und Verkehr auf der Insel hält. Nach den Berichten amerikanischer jüdischer, Blätter . sollen die Grabstätten von Mordechai und Esther entdeckt und durch Inschriften manche Zweifel an der Richtigkeit der Daten.der „Megillath^Esther" gehoben sein. Immerhin bedürfen letztere noch eingehender Untersuchungen. Für jene, welche an dem historischen Werte der Bibel zweifelten — und gerade unter jüdischen Gelehrten gibt es deren viele — haben die letzten Jahre manche Enttäuschung gebracht, wie die jüngst aufgefundenen assyrischen Tafeln bewiesen hatysn. Immerhin muss man ab warten, ob es sich . nicht um eine der bekannten „amerikanischen" Entdeckungen handelt. Sogar auf dem Indianer-Territorium der Vereinigten Staaten von Nordamerika gibt es jetzt eine jüdische Gemeinde. In Ardrnore wurde jüngst eine solche gegründet. ■ Eine hübsche Verwechslung passierte Z an g will,, als er neulich Sonntag nachmittags über die 5. Avenue in New-York gieng. Sein Aeusseres fiel, den zahlreichen Spaziergängern auf, so dass Zangwill sich fast belästigt fühlte. - Eine junge Dame näherte sich ihm, um sein Gesicht deutlicher anschauen zu können, und sich zu ihrer Freundin umwendend, sagte sie so laut, dass die Vorbeipassieren den es vernehmen konnten: „Aber, weisst Du, das ist ein — Philippino.a Das nachgelassene Vermögen Baloh Ferdinand v. Rothschilds beträgt allein V/2 Millionen Pfund Sterling an Grundstücken. Ausserdem sind Guthaben-bei den verschiedenen Rothschild’schen Bankhäusern. Die für Wofrlthätigkeitszwecke ausgesetzten Legate belaufen sich auf bedeutende Summen, so u. a. für das Evelina-Hospital 100*000 Pfund, zahlreiche Schenkungen von- 5000, 2000 bis . herab zu 100 Pfund Jahresrenten etc. Ein grosser Theil seiner Kunstsammlung fällt an das. British - Museum. Selbstverständlich sind die-Wohlthätigkeits-Aiistalten o h n e; Unterschied der Confession bedacht; - •> ' . ■ ■- -- ü- Die furchtbaren' Stürme, welche während der letzten - Wochen im Atlantischen Ocean herrschten, haben bekanntlich viele Dampfer zur Rückkehr genöthigt, um die Hafarien' auszubössern und die Passagiere anderen Schiffen zu übebgeb eii; An Bord des Dampfers „Pretoria", der 'Bamburg^Ameiicah- Lihie, . der in Plymouth einlaüfen müsste, befänden Sich imtek 550 Rassägieren über 200 Juden aus Galiziehj-Ruinähieii üntl; Deutschland,' u. zwv in einer bejämmeriiswerten Läge/ da sie* sich trotz des fürchterlichen Wetters weigerten, andere als rituell zubereitete Speisen zu gemessen, deren Herstellung