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Die Welt · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Article
Paris
Date
1899-03-03
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 8 Seit« 10 „Die?K Feit“ Deroustzde dem Pferde desGenerals Roget in die Zügel und suchte die Brigade gegen das Elyfäe zu „drängen". General Noget und .seine Truppe, die von . dem Dienste, des Tages sehr ermüdet. waren und. sich nach der Rühe der Kaserne sehnten, zeigten nicht die geringste Lust, der. Einladung Dörouledes Folge zu leisten und den längen Marsch nach dem Elysoe anzutreten, obwohl Dsroulcde MW Cigarren an die Soldaten vertheilte. Generäl Roget fand e§, nicht verlockend, mit einer handvoll ruhebedürftiger Soldaten.Paris zu erobern. So lief denn Deroülede neben den Soldaten her und redete wie ein Trunkener auf sie ein. Als die.Soldaten in die Kaserne einzogen, folgte ihnen Deroülede, Hadert und ein TheilDer Patriotenligmsten, und Deroülede begann eine Ansprache an die Truppen zu halten. Räch den ersten Worten wurde er und Hadert ststt>enonnnen,Z.das Häuflein Anhänger wurde aus der Kaserne gejagt. Nach ihrer "Verhaftung gaben Deroülede und Hadert ganz offen zu, sie hätten beabsichligt, die Truppen zu einer aufständischen Bewegung zu drängen, um die parlamentarische Republik durch eine plebiseitäre Republik zu ersetzen. Den Generalproeurator verlangt die Ermächtigung; zur Verfolgung der beiden Deputierten wegen 8er beabsichtigten Ablenkung der Truppen von ihrer Pflicht. Die Kammer hat dem Begehren nach Auslieferung der beiden Deputierten bereits stattgegeben. Paris. In Paris ist man einer orleanistischen Verschwörung auf die Spur gekommen. Bei Buffet, dem Pariser Vertreter des Herzogs von Orleans, wurden Papiere beschlagnahmt, welche das Bestehen einer orleanistischen Verschwörung unwiderleglich darthun. Auch auswärtige Herrscher sollen Gelder für das Gelingen des Anschlages beigesteuert haben. Ein aetiver General hätte den Plan ausführen sollen. Die Orleanisten hätten in dem Augenblicke handeln sollen, in welchem dieser General Kriegsminister geworden wäre, was für die nächste Zeit in Aussicht gestanden. „Le Journal“ glaubt zu wissen, dass sich unter den - beschlagnahmten Papieren Listen-mit Namen von Personen befinden, welche gestimmt gewesen seien, im Augenblicke des Gelingens des Staatsstreiches die gegenwärtigen Präfecten und andere Funetionäre zu ersetzen. „Figaro" will gleichfalls erfahren haben, dass die saisierten Schriststücke alle Einzelnheiten über die Organisation des künftigen monarchistischen Regimes und Namenslisten von Personen enthalten, welche vom Herzog von Orleans ... für den Fall seiner Rückkehr nach -Frankreich als Funetionäre ausersehen gewesen seien. „Figaros glaubt indes nicht, dass man - die Existenz eines Complots beweisen könne, obgleich ein Schreiben ,-| zinmlich gravierenden Inhaltes gefunden worden sei, in welchem es heiße: „Trachten Sie, zu erfahren, ob General X zum Handeln . bereit wäre. Wenn ja> theilen Sie mir dies sogleich mit, und ich werde Ihnen die Antwort übermitteln. Dann gierige alles gut!" j Buffet, der Vertreter des Herzogs von Orleans in Paris, ver- , sicherte einem Vertreter des „Figaro", die Royalisten hätten weder mit Deroülede, noch mit irgendeinem in leitender Stellung befindlichen General conspiriert. Der „Petite Rdpubli(£ue“ zufolge erklärte Buffet in einem Interview, er verlange, falls man glaube, , er sei in eine Verschwörung, verwickelt, vor den Staatsgerichtshof gestellt zu werden. Gelegentlich der bei dem orleanistischen Comito vorgenommenen Hausdurchsuchungen wurden Bildnisse des Herzogs von Orleans, die Eorrespondenz mit den Provinzeomites und eine von Lilien überragte Tricolore mit Beschlag belegt. Der - tolle Streich Dcrouledes, der den Anstoß zu den Hausdurchsuchungen und zur Aufdeckung der orleanistischen Verschwörung ■ gab, hat sich somit zu einer Wohlthat für Frankreich ausgewachsen. ' Russland. .. Kiew. Auf Grund des. Gesetzes über Gewerbesteuern | wurdevon der Polizei veiiautbait, dass die gewerbetreibenden j Juden in Kiew nur Gegenstände eigener Erzeugung verkanten können, und dürfen daher deren Frauen und Töchter keinen anderen Kleinhandel als den mit Gegenständen ihrer Erzeugung führen. . „ ...... KauschaiiylGouv. Bessarabten). Fünfzig Jud-enELiiwohner.f dieses Städtchens, durchwegs junge Leute, haben am 10. Juli 1808 dem Ackerbauminister ein Gesuch eingereicht mit der Bitte, ihnen den Ankauf kleiner Grundstücke . zuna Zwecken des Ackerbaues zu gestatten,, mit der'Bedingung, den Boden c. persönlich' zu pflegen. Da im Laufe von vier Monaten keine.. . Ant. wort erfolgte, wurde das - Gesuch, am lb. „ November erneuert. Zur Zeit erwartet. die jüdische Bevölkerung mit Un-; geduld die Erlaubnis für die Errichtung einer Ackerbaucoloiiie,. welche. allein den hiesigen : Jud.en ein e Existenzlnöglichkeif bieten kann. Diesem. Bestreben der. Juden in Russland* sich dem Ackerbau zuzuwenden, kommt, wenn , a u ch ,theilweise,-f die Behörde entgegen. Ende 1897 wurclej untey Ansitz des;Baren Ue^iditl von Hildebrandt . eine ’ Gömnais^Qir^gebjJdet, welche . die; :Interims-Gesetze - voiu; 3. i Mai; .1882 iVerbof; cher; An Siedlung , der Juden in D o iferhv Erwerbung von Grundbesitz..,. V) ein er: gründlichen - Durchsicht. unterziehen soll. Angeblich, neigt die Commission dev , Ansicht zvi, dass kein Grund Vorhandeu ist, die. Juden von’ der „Erde“ zu entfernen, und dass der Bauer, weicher durch die erwähnte Massregel vor dem Juden geschützt werden soll, viel besser durch die strengen Gesetze und das Brantwpinmönopol geschützt ist. Die Statistik zeigt übrigens (lass überall, wo Juden wohnen, der materielle Wohlstand der Bauern ein höherer ist, als dort, wo der Bauer der keinem Gesetz unterliegenden Willkür der eigenen Glaubensgenossen, den sog. „Fäusten“, ausgeliefert ist. — Ausserdem würde unter Vorsitz des wirklichen Staatsrathes Sch t j chte glowity vor ‘kurzem eine zweite Commission gebildet, welche in direct die Judenfrage auf dem '{lachen Lande berührt: grössere Dörfer sollen zum Range der Städte erhoben werden. Dadurch wird es den Juden möglich sein, in Dörfern zu wohnen. Viele Dörfer haben auch darum angesucht und betont, dass sie durch den dFecten Verkehr mit dem jüdischen Getreideexporteur nur 'gewinnen. — Thatsächlich wurde das zur Zeit bestehende Verbot oft.zugunsten grosser Gutsbesitzer, auf deren Ansuchen beim Gouverneur, aufgehoben und dem jüdischen ■;Agenten gestattet, sich das Getreide des hochgeborenen Herrn behufs Ankauf anzusehen. A. B. England. ' London. Die„Vine Court Synagogue Zionist Society“ hielt Samstag abends ihre Generalversammlung ab, bei welcher d ie Herren B, Ritter und M. S i 1 v e r m a n als Vorsitzende füngierten. Nach Genehmigung des Comiteberichtes wurde in einer einstimmig angenommenen Resolution der . Wunsch ausgedrückt, sich der „Ehglish Zionist Federation“! aiizuschliessen. Es wurde hierauf die Wahl des Comit.es i vorgenommen. — In der Jetzt wöchentlichen Versammlung der „North London Zionist Society“ hielt Dr. J. Snovmaii einen ausgezeichneten Vortrag über jüdische Literatur und Zionismus. Ueber jüdische Wallfahrten, im Mittelalt.er sprach Mr. -H. S. Lewis in der „B'nei Zion Association“. — Die „West London Zionist Association“ eröffnet nächsten Dienstag ihre Propäganda-Thäfcigkeit mit einer, durch Mr. L. J. Gr eenber g eingeleiteten Debatte über „Die Einwände gegen den Zionismus“. —Unsere nächst wöchentliche Hauptversammlung wird in der Schule der „New Dalston Synagogue“ stattfinden. Zum Vortrage ist Sir- Francis Montefiore angekündigt. Es regt sich also an allen Ecken und Enden der Riesenstadt, über die sich binnen kurzem ein Netz der Propaganda wird gebreitet haben. Täglich öffnen sich neue Herzen der Botschaft des neuen Judenthums und jubeln, wenn man von ihnen Opfer verlangt. Amerika. Montreal. Unter den Au spielen der „Local Zionist Society“ wurde am 29. Jänner ein Meeting abgehalten. „Die Ziele desZionismus und die Zukunft der Bewegung“ hiess der Vortrag, der auf der Tagesordnung stand. Den Vorsitz der ungemein zahlreichen Versammlung führte Herr Dr. David PI ar t. Auf der Tribüne und im Publicum sassen die hervorragendsten jüdischen Bürger der canadisehen Hauptstadt. Zionistische Vorträge und Gesänge wechselten ab. Zuih Schlüsse kam es zu einer rührenden Scene. Der Pr äsident trat an den Rand der Tribüne und entfaltete die zionistische Flagge, die über dein Baseler Congresshause geflattert und die der “Montreal Zionist Society“ durch die Vermittlung des Herrn Rev. Stephen S. Wise geliehen worden war* Der Anblick erregte einen Sturm der Begeisterung, die sich in minutenlangen Zurufen Luft machte. Mr. C 1 a r e n c e de Sol a zeigte hierauf Skioptikon-Bilder von den beiden Congressen und den Führern der Bewegung, sowie von verschiedenen palästinensischen Landschaften. New-York. (N ew-Yorker C h roni k.) Der Gonsul der Ver-einigtenStaaten in Beil u t, Mr. G. B. Raynda 1, hat unterm 1. December 1898 an das Staatsdepartement einen Bericht gesendet, der ein ausserordentliches Interesse beansprucht und die Zionisten von Amerika mit tiefer Genugthuung erfüllt. Nach einer Schilderung der Lage und des Zustandes einiger jüdischer Colonien fährt der Bericht fort: „.. Ganz abgesehen von der Frage, ob die zionistische Agitation imstande sein wird, im jüdischen Volke nationales Gefühl zu erwecken und schliesslich ein jüdisches Staatswesen mit dem Centrum in Jerusalem

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