Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Article
- Der Zionismus in England
- Date
- 1899-03-03
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 7 „Die A Welt“ scheinen. Zum Schlüsse überreichten unsere Freunde von den „D ors che Z i o n" den Herren Dr. Gaster und Montefiore Adressen. Den nächsten Morgen benützte ich zu einem Besuche des jüdischen Arbeiterviertels. Da erfuhr ich zu meiner Genugtuung, wie tief die Versammlung in diesen einfachen Seelen nachgewirkt. .,0, wir wollten uns gar nicht überzeugen lassen, als wir hingiengen: ob wir wollten oder nicht, kamen wir mit einer festen Ueberzengung zurück!" Und während ich und meine Freunde uns noch an solchen und ähnlichen Aeusserungen erfreuten, kamen freudestrahlend unsere zionistischen Brüder aus der Stadt und meldeten : Im Geselläfcsviortel notiere man nicht die Preislisten, sondern disentiere eifrig über Zionismus. In Leeds, wohin wir sodann unsere Reise fortsetzten, wurden wir wieder auf der Station empfangen und begriisst. Aber nichts rührte uns so sehr, wie die hebräischen Grussworte, die uns im „Beth Hasepher" von Knabenlippen entgegenschollen. Ja, als wir standen, flog unser Blick öfter zu den Bürschchen auf der höchsten Gallerie, denen Hebräisch eine lebende Sprache bedeutet, als zu den Grossen, die zu gewinnen wir gekommen waren. Die von Leeds waren von gewisser Seite verdächtigt worden: sie, als geschäftskühle Yorkshire-Leute würden der zionistischen Ueberschwemmung einen festen Damm entgegensetzen. Aber manchmal blamieren sich die Propheten auch in der Provinz, und der Zionismus von Leeds ist gerade von solcher Art, dass Mr. D. Co wen das witzige Wort wagen durfte: „Eine Zuhörerschaft, die dem Cassier „Bravo" zuruft, muss es schon recht ernst meinen." In welcher Weise der zionistischen Campagne in Nord-England entgegengearbeitet wurde, zeigt ein an den „Jewish Chronicle" gerichteter Brief unseres Gesinnungsgenossen Mr. L. J. G reenberg, in dem esu. a. heisst: „Als wir in Liverpool waren, da bemerkten wir von der Tribüne des zionistischen Meetings die Abwesenheit zweier erklärter Zionisten, die Angestellte der Gemeinde sind. Auf unsere Fragen erhielten wir die belehrende und bezeichnende Antwort : es sei den Betreffenden untersagt worden, an der zionistischen Bewegung theilzunehmen oder irgendwelche dem Zionismus günstige Erklärungen öffentlich abzugeben". Mr. Greenberg brandmarkt das Verhalten der anglomanen Liverpooler Gemeinde als zugleich u n e n gl isch und u njüdisch. London, 17. Februar 1 Si-M). W Die Südafrikanische zionistische Vereinigung. DasExecutiv-Comite der Südafrikanischen zionistischen Vereinigung hielt in der jüdischen Schule zu Johannesburg Sonntag, den 22. Jänner 1899 einen Parteitag ah. . Das Präsidium führte Herr S. B eb r o. Anwesend waren Delegierte aus Johannes! u r g, und zwar: Dr. J. Herz, Reverend W. Wasserzug, die Herren A. Dirmei k, N. Richard so n, J. K a r k. S. L e n li o x L o e \v e, A. Asrin; aus Elandsfontain: E. (lade n, J. F r a n k: aus P r ä t o r i a : S. Tourboivk. M. Silber; ans Roadeporte: S.Lazarus, B. J o f f e: aus Rand f o n t a i n: H. J o ffe, S. C a p 1 a n: aus Springs: S. Wilson; aus Potchefstrom: H. Gold mann; aus K Le r kjs dorp: N. H a n s o n. Die Wahl des Bureaus ergab folgendes Resultat: Präsident: S. Bebro; Vice-Präsidenten : Dr. J. He r z, Reverend W a s s e r z u g, J. M ar k; Schatzmeister: N. Richardson; V ertrauensmänner: H. M o r u s, H. Goldmaiir; Erster Secretär: S. Lenox Loewe, Hebräischer Secretär: J. T u r bowi tz. Subcomite für Ausbreitung der hebräischen Wissenschaft etc.: Obmann: Dr. Her z. Mitglieder: Reverend W asserzu g. die Herren H. Joffe, Lazarus, Gad en, Dirmeik, Turbovitsch, Karle, B. Joffe, Silber. Subcomite für Versammlungen und ^ngliederungen : Obmann : Reverend Wasserzug; die Herren: C a p 1 a n, Kark, F r auk, B. Jof fe, WiIso n, Silber, Dirmei k. Lazarus, Gol cl r ei. c h, Dr. J. He r z. Subcomite für Finanzen: H. G oldmanii, Le n o x L o e w e, Asrin, Hanso n, Morris. Goldreic h, R ichardso«, H. Joffe, Caplan, B. Jo f f o. Herr S. Bebro stellte folgenden Antrag: Alle H Tage wird dem Centralbureau in Johannesburg über alle auswärts abgehaltenen Hauptversammlungen Mittheilung gemacht. Die Delegierten jeder Branche veranstalten so bald als möglich ComiteVersammlungen und bringen soviel Geld als möglich auf, um die Eröffnung eines Bankcontoszu ermöglichen. Der Antrag, von J. Caplan unterstützt, wurde zum Beschlüsse erhoben. Ferner wurde von S. Bebro folgender Antrag vorgeschlagen und von Dr. J. H e r z. unterstützt: Eine jüdische Vierteljahrsschrift und eine südafrikanische jüdische Chronik in jüdischer und englischer Sprache werden gegründet, um die Kenntnis des Zionismus in vortheihaftester Weise zu verbreiten, und dem Subcomite wurde empfohlen, die Gründung des Agitationsorgans in die Hand zu nehmen. Dem Subcomite wurde in dieser Angelegenheit volle Actionsfreiheit gewährt. Der Antrag wird angenommen. Herr S. Bebro stellt ferner folgenden Antrag: Dem Subcomite wird für die Propaganda empfohlen, eine Frau eir¬ und Kindersection zu formieren, vermittelst einer nominativen Subscription. Der Antrag wird von Herrn Lennox Löwe unterstützt und gelangt zur Annahme. Vorgeschlagen von J. Turbovitz, unterstützt von S. Bebro und zum Beschlüsse erhoben wird folgender Antrag: Das Finanz comite wird ermächtigt, solche Wege einzuschlagen, welche sich als praktisch erweisen, um zum Absätze von Producten der jüdischen Coionien in Palästina beizutragen. Brief aus Saloniki. Von Mor. J. Cohen. Es war vor fünfundzwanzig Jahren in der untersten Classe des Gymnasiums einer österreichischen Stadt. Unter den jüdischen Schülern, welche sich bei Beginn des Schuljahres ihrem Religionslehrer vorstellten, befand sich auch einer von der Balkanhalbinsel, welcher des Deutschen nicht gut mächtig war und sich durch eine fremdartige Accentuierung des Hebräischen auffällig machte. Auf die Frage des Lehrers, welche Sprache die Juden in seiner Heimat als ihre eigentliche Muttersprache betrachten, gab der Knabe das. castilische Idiom an. Die spanische Sprache auf der Balkanhalbinsel. Calderon und Cervantes bei den Türken, Bulgaren, Rumänen, Griechen und Arnauten! Wie kommt Ca stillen nach der Türkei? Doch der Lehrer wusste bald Bescheid zu gehen: „Ja, Kinder," sprach er und eine freudige Erregung leuchtete aus seinen Augen, „wahr ist es, dass in der Türkei spanisch gesprochen wird, und zwar von dort lebenden Juden. Das sind nämlich die Nachkommen jener heldenhaften Märtyrer, welche vor vierhundert Jahren unter den schauerlichsten Verfolgungen und Qualen ans Spanien vertrieben wurden und im türkischen Reiche Gastfreundschaft und Duldung gefunden, haben. Unter den verschiedensten \ ölkern des Orients lebend, haben diese Juden die Sprache ihrer grausamen Bedrücker volle viel* Jahrhunderte lang wie einen kostbaren Schatz behütet und bewahrt, wie ein heiliges Vermächtnis vom Vater auf den Sohn fortgeerbt. Das Spanische ist heute noch die Muttersprache dieser Juden, trotzdem sie seit ihrer Vertreibung keinerlei Verbindung mit ihrer früheren Heimat mehr unterhalten haben. Ist das nicht ein einzig dastehendes Beispiel rührender Treue und traditioneller Anhänglichkeit und spricht dieser einzige Zug nicht ganze Bände für den jüdischen Volkscharakter?" Dann lobte der gute Lehrer vor dem aufmerksam horchenden Auditorium die einfach-reinen Sitten der spanischen Juden, ihre. Religiosität und Lebensweise, die Eintracht, welche unter ihnen herrsche, ihre Friedfertigkeit vor den zweitausend Leuten in der „Grand Assembly Hall"