Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Article
- Die Goldschilds
- Date
- 1899-02-24
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 „Die Welt“ Nr. 8 Ohne zu zögern, gierig Dr. David Goldschild ans Werk. Hatte er bisher dem Knaben durch Erzählung der deutschen Heldensagen, der römischen und griechischen Kriegsthaten manche Stunde vertrieben, so kramte er jetzt alle die alten, fast iu seinem Gedächtnisse verblassten Legenden aus, die die welken Lippen der Apseljüdin einst ihren Jüngelchen in Chiesch erzählten. Von der Trauer, die der Abfall des reichen Vesons vor -vielen Jahrhunderten der Pariser Gemeinde verursacht, von den Königen Jzates und Monobaz, von den Leiden der Marranen und nicht zum mindesten von jenem merkwürdigen Don Joseph Nassi, der es vom einfachen Kaufmanne zum Herzog von Naxos gebracht, wusste der greise Tr. David gar viel Wissenswertes zu berichten. Pfarrer Josef hatte es — sei es nun absichtlich oder zufällig — unterlassen, den kleinen Jonathan über das nahe verwandtschaftliche Band, das sie verknüpfte, aufzuklären, und der Arzt war mit dieser Anordnung völlig einverstanden, da eine Aufklärung des gespannten, feindlichen Verhältnisses zwischen Jsak und Karl-Raphael nur schwer zu geben gewesen wäre, ohne den Großvater dem Enkel gegenüber bloßzustellen.^ Stillschweigend kam man daher überein, dass der Geistliche nach wie vor für Jonathan nur der Pfarrer von Siegling und ein zufälliger Namensvetter bleiben solle. Dieser Umstand gestaltete aber den Kampf, der nun in der prunkvollen byzantinischen Villa zwischen David und Josef Goldschild um die Seele des jüngsten Goldschild entflammte, nur umso leidenschaftlicher und erbitterter. VIII. Der Herbst zog ins Land. Dem Kalender nach wäre es längst an der Zeit gewesen, das städtische Quartier zu beziehen. Aber der kleine Jonathan bestand darauf, noch in der Billa zu bleiben, und da die Ruhe des Landlebens dem Leidenden wirklich wohl that, fügte sich Dr. David diesem Wunsche. Es war dies allerdings kein geringes Opfer, das der alte Arzt brachte. Denn obgleich die schnellen Pferde aus dem Goldschildschen Marstalle David zur Verfügung standen, bedeutete der tägliche Besuch auf dem Kahlenberge immerhin für den vielbeschäftigten Mann einen großen Zeitverlust. Dann wurde er den quälenden Gedanken nicht los, dass Jonathans Neigung für den Landaufenthalt der immer erstarkende Einfluss des Pfarrers von Siegling zugrunde liege. Der Monat November brachte der Billa Goldschild einen neuen, unerwarteten, ständigen Bewohner. Und das war niemand geringerer, als Jonathans Vater — Baron Moritz. Die Veranlassung, die den Sohn Jsaks bewog, das prächtige, byzantinische Asyl aufzusuchen, war allerdings gar traurig und unfreiwillig. Schon im Laufe des Sommers hatte der Charakter des dicken, gutmüthige". Herrn eine ganz schlimme Wandlung gezeigt. Eine ungewöhliche Erregtheit und Reizbarkeit stellte sich ein, die sich anfangs iu heftigen Zornesausbrüchen der Dienerschaft gegenüber entlud. Lange Zeit ließ sich die Sache geheimhalten. Als aber Baron Jsak wieder einmal aus Paris in Wien eingetroffen war und seiner Gewohnheit gemäß den Erben mit jener verletzenden Geringschätzung behandelte, war es plötzlich zwischen Vater und Sohn zu einem furchtbaren Auftritte gekommen.; Der Unterdrückte hatte sich jetzt gegen seinen hochmüthigen Peiniger empört und diesen, das gezückte Messer in der Hand, verfolgt, so dass Baron Jsak laut um Hilfe schreiend durch die Prunkgemächer des Palastes hatte fliehen und sich schließlich in dem kleinsten Raume seiner Wohnung verrammeln müssen. Nilr mit Mühe war es gelungen, den Erbosten zu entwaffnen und zu beruhigen. Dieser Auftritt hatte auf Baron Jsak einen tiefen Eindruck gemacht. Sich im eigenen Hause nicht mehr sicher fühlend, war er auf der Stelle in ein Hotel gezogen und hatte ein Consilium der bedeutendsten Aerzte berufen, um den Geisteszustand seines ungerathenen Sohnes prüfen zu lassen. Das Urtheil der weisen Herren bestätigte das, was sich das Gesinde seit geraumer Zeit zuraunte. Alle Anzeichen eines beginnenden Gehirnleidens ließen sich an dem. beklagenswerten Baron Moritz feststellen. Man brachte den Kranken schleunigst in eine nahe Wasserheilanstalt. Aber alle Hilfe erwies sich vergebens. Das unheimliche Leiden machte so reißende Fortschritte, dass die Aerzte bald die Hände in den Schoß legten und den Zerstörungsprocesse ruhig seinen Lauf nehmen lassen mussten. Da keine erneuerten Wuthausbrüche zu befürchten waren, überführte man den ganz kindisch gewordenen Mann in die Villa auf dem Kahlenberge. Als er dort eintraf, hatte das Leiden bereits einen so hohen Grad erreicht, dass er die Herrschaft über die Füße fast gänzlich einbüßte. Das geringste Steinchen auf der Straße vermochte den Unglückseligen zum Falle zu bringen. Da leisteten denn die ebenen, gepflasterten Wege des Parkes vortreffliche Dienste. Ein schauerliches Familienleben entwickelte sich nun in der byzantinischen Villa Jsak Goldschilds. In sonnigen Nachmittagsstunden konnte man die Bahre Jonathans von betressten Dienern durch den Garten tragen sehen, während die unförmliche, iu auffallende Stoffe gekleidete Gestalt des Baron Moritz, durch den Arm eines Wärters gestützt, in einiger Entfernung folgte. (Fortsetzung folgt.) Drikflmste» ta iUitartian. Jüdischer Lesezirkel, Bielitz. Herzlichen Dank und freundliche Grüße. M. K., Wien ll. Nicht der Rede wert. Wenn Sie es sich etwas kosten lassen wollen, schreiben diese Leute genau das Entgegengesetzte. Fr, Kolonien. Dem Gönnte übergeben. Ziorristin, Wien. Solche Empfehlungen geben wir prineipiell nicht. Bialystoker Freunde. Besten Dank und herzlichen Glückwunsch zur Constituierung. Heidelberger Zionisten und Gäste: Herzlichen Dank und Gruß. N. Ch., Wien. Was hinter diesem Artikel steckt, dem Sie die unverdiente Ehre einer Polemik widmen, wissen wir nicht. Aber die Banken als Wohlthäter hinzustellen, ist jedenfalls nicht ganz richtig. Freunde in Neckarsteinach. Herzlichen Dank und Gruß. ScheschanaS Jericho, Bialystok. Herzlichen Dank und Grüße. Dr. meä. M. O., Jassy. Wir danken für die freundliche Gesinnung. Leider aber nicht zur Veröffentlichung geeignet. Statt jeder besonderen Mittheilung. Todesanzeige. Am Abend des 17. Februar entschließ sanft nach kurzem Leiden meine theure Mutter, Frau Rosalie Schauer Wfe- Mainz, 20. Februar 1890. Dr. Rudolf Schauer. Herausgeber: K. Lafchaurr Berantw. Red.: Dr.^irgm. Wrrntt. Buchdruckerei »Industrie' (S. Bergmann). VMSchlöffe!« '11