Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-02-24
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 11 Nr. s „Die A In Berlin existiert eine jüdische Stiftung, die Jacob- Israel-Stiftung " der Firma N. Israel, die wohl einzig in ihrer Art sein dürfte. Letzten Sonntag vor 8 Tagen hielten die Angestellten der Firma ihre Generalversammlung ab. Die Stiftung bildet eine Pensionscasse für die Angestellten, deren Witwen und Waisen. Das Vermögen beträgt 385.148 Mark, ca. 40.000 mehr als Anfang 1898. Die Mitgliederzahl ist 329, darunter 97 verheiratete Beamte. Die Chefs der Firma leisten einen jährlichen Zuschuss von 10.000 Mark. H- JnAachen starb am 21. v. M. Stadtbibliothekar Dr. Emil Fromm, der in seiner 10jährigen Thatigkeit die dortige Bibliothek auf eine Höhe gebracht, dass sie sich den Bibliotheken der größten Städte Deutschlands^ würdig anreihen konnte. Der Verstorbene war ein bedeutender Literatur-Historiker und leitete seit189l die Redaetion der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereines. Dem Leichenbegängnisse wohnten die städtischen Behörden und andere offieielle Persönlichkeiten bei. Rabbiner Dr. Iaulus hielt die Leichenrede. * In Zürich waren einige Gemeindemitglieder wegen Störung des Gottesdienstes aus der dortigen jüdischen Gemeinde ausgeschlossen worden. Eines derselben hatre deshalb beim BezirksgerichteKlage erhoben, war aber damit abgewiesen worden, wie auch später von einer höheren Instanz. Damit nicht zufrieden, begann dasselbe den Process von neuem auf veränderter Basis, hatte jedoch nicht mehr Glück wie vordem. Trotz eines großen Zeugenapparates erfolgte wiederum Abweisung der Klage, sowie der bedeutenden Kosten und sonstigen Entschädigungen. (In der Schweiz ist die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde facultativ. Red.) * Der Autor des berühmten amerikanischen Liedes Home, sweet home, I. H. Payn e, stammt von Juden ab, wie Prof. Max K o h! e r jüngst nachgewiesen. Payne war der Enkel eines Juden namens Aron Jsaaes, der in East Hampton, Long Island, ansässig gewesen, lange vor der amerikanischen Revolution. Seine Tochter Sarah verheiratete sich mit einem Lehrer namens William Payne, und war die Mutter des als Poeten, Componisten und Schauspielers berühmt gewordenen Mannes. * Ein junger jüdischer Student der Medicin in Algier widmete sich seit mehr als einem Jahre mit Todesverachtung der Pflege der Typhuskranken. Als die Unruhen im Jänner v. I. die Sicherheit unserer Glaubensgenossen auf den Straßen gefährdeten, begab sich Felix Jens, so der Name des Braven, schon vor Tagesanbruch hinaus vor die Stadt, wo die Epidemie-Baracken sich befanden. Aber man reizt den Tod nicht ungestraft. Bor wenigen Wochen erkrankte auch er und befindet sich nun, nach dem Urtheile der Aerzte, fast hoffnungslos darniederliegend. Schon vor mehreren Monaten war seitens der competenten Behörde das Kreuz der Ehrenlegion für Jw's verlangt, aber die Sache unbegreifticherweise nicht erledigt worden. Unter den jetzigen traurigen Umständen nun verlangte der Generalgouverneur telegraphisch beim Minister eine Anerkennung für den Kranken, und am Sonntag voriger Woche konnte der Gouverneur persönlich die goldene Verdienst-Medaille I. Elasse ihm überreichen. * Die berühmte, 6'J00 Bände umfassende Bibliothek des Berliner Gelehrten Dr. A. Berliner ist seitens einiger Kunstinäcene angekauft und der Frankfurter Stadt-Bibliothek zum Geschenke gemacht worden. Damit hat Frankfurt die größte Sammlung in gedruckten Hebraicis und Judaicis aufzuweisen. Aus Italien werden verschiedene Fälle von zwangsweisen Uebertritten von Juden zum Katholicismus gemeldet. Im Bürger-Hospital von Livorno, das von Nonnen beaufsichtigt wird, versuchten diese, mehrere kranke Jüdinnen zum Uebertritte zu veranlassen. Sobald den Behörden die Sache bekannt wurde, entließen sie zehn Nonnen und notificierten den übrigen, dass auch ihre Entlassung erfolgen würde, wenn ähnliche Vorkommisse sich wiederholen sollten. * In Wladimir wurden auf Befehl des Gouverneurs alle jüdischen Schüler aus den Lyceen gewiesen, sogar solche, die wenige Monate vor Beendigung ihrer Studien standen. Der Nnterrichtsrninister hat die Maßregel anulliert, die sonst auch in anderen Städten zur Ausführung gebracht worden wäre. Welt“ Me stmWche Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionisteneongresses, Wien, II., Rembrandtstratze 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionisteneongresses, Basel, zu senden. -Das Aetionscomite. Wien. Der Central-Ausschuss der Berliner zionistischen Ortsgruppen, welche in unermüdlicher Weise für die Propagierung unserer Idee thätig sind, versendet ein Circular, das wir im Auszuge folgen lassen. Der Aufruf besagt unter anderem: „Seit Jahresfrist hat der Zionismus eine ungeahnte Bedeutung gewonnen. Ueberall da, wo die verstreuten Glieder unseres unglücklichen Volkes wohnen, regt es sich gewaltig; die Zionsidee hat Hunderttausende ergriffen und begeistert sie zu selbstloser Opferwilligkeit. Selbst die schwankenden, die kritischen Naturen sind fortgerissen, hat doch der imposante Verlauf zweier großer Eongresse gezeigt, dass auch den Juden politisches Verständnis, Organisationstalent und Disciplin nicht mangeln, dass man nicht leeren Phantasien nachhängt/sondern Erreichbares mit praktischen Mitteln vollführen will! Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Er will unter voller Respectierung der türkischen Souveränitätsrechte allen, die sich nicht assimilieren können oder wollen, eine Lebensmöglichkeit schaffen; er will sie als Ackerbauer, Handwerker und Gewerbetreibende in das Land der Väter führen, um dessen Wiedergewinnung wir seit vielen Jahrhunderten täglich beten." Der Aufruf stellt hierauf fest, dass der Zionismus keine einzelne Partei vertrete, sondern alle umfasse, und dass die Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins und Volksgefühles zu seinen vornehmsten Aufgaben gehöre. In würdiger Form betont das Circular die doppelte Pflicht der deutschen Zionisten, gute Bürger ihres Geburtslandes zu sein, dessen Souverän erst jüngst die Führer der zionistischen Bewegung durch einen überaus gnädigen Empfang ausgezeichnet habe. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Wir glauben an unseren endlichen Sieg, weil wir eine gute Sache mit gerechten Mitteln vertreten, weil die Jugend für uns ist, und weil wir gelernt haben,lediglich der eigenen Kraft zu vertrauen. Und „W o ein Wille ist, da ist auch ein Weg!" Zur Aufklärung über die Ziele der Bewegung veranstaltet der Central-Ausschuss große öffentliche Versammlungen, deren erste, mit Dr. Max Nord au als Redner,bereits stattgefunden hat. Am 1. März wird Dr. Leopold Kahn aus Wien, Mitglied des Actionsconntes, „über Zionismus und gesetzestreues Judenthum" sprechen. Weitere Vorträge werden von Jacques Bahar (Paris) und Dr. Schauer (Mainz) gehalten werden. — Das Bureau der Berliner zionistischen Vereinigung befindet sich in der Schönhauser Allee 186, wo alle gewünschten Auskünfte ertheilt werden. Olmütz, 6. Februar. Der Einzelverein O l in ü h des „Zion" hielt am 25. Jänner a. c. eine mit einer außerordentlichen Generalversammlung verbundenen Plenarversammlung ab, in welcher auf Anregung des Ausschusses der Beschluss gefasst wurde, den Mitglieder-Jahresbeitrag von fl. 2.40 auf fl. 3.— zu erhöhen, wofür der Verein für alle Mitglieder den Schekel entrichtet, damit ihnen das Wahlrecht für den Congress zustehe. Hierauf hielt Herr M. Reiniger, k. k. Religionsprofessor, einen sehr lehrreichen und interessanten Vortrag über Palästina, der in hoffnungsvolle Worte der Wiedererwerbung unserer Heimat ausklang. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Hierauf folgte ein von Herrn P o l l a k geschickt zusammengestelltes Unterhaltungs-Programm. Fräulein G a r t n e r, Herr B e r g l, sowie die allbewährten Azteken, die Herren Eisler und Zweig und Herr Th. Eisler, machten sich um dasselbe sehr verdient. Dem Vereine traten mehrere neue Mitglieder bei. Am 25. d. findet ein großes Costüm-Kränzchen statt. Bochnia. Auf Anregung des Herrn Josef Klausner stattete unser bestbekannter Gesinnungsgenosse Herr L. Taubes aus Kolomea Sonntag, den 29. Jänner, unserer Stadt einen Besuch ab und hielt hier zwei Vorträge, den einen nachmittags im jüdischen kaufmännischen Vereine und dann abends in fip EHHn Es gelang unserem geehrten Gaste, durch die Kraft seiner Worte eine solche Begeisterung zu erwecken, dass unser Städtchen für den Zionismus gewonnen ist. Unter dem frischen Eindrücke der Reden eonstiluierte sich ein Eomitö, und zwar aus den Herren Ch. K a tz, A. Holländer und M. Vorschirm, das die Statuten eines Zionvereines an die Statthalterei zur Genehmigung absandte. Wir können nicht umhin, unseren wärmsten Dank dem verehrten Herrn Taubes dafür auszusprechen, dass er uns durch seinen Besuch aus unserer bisherigen Indolenz gerissen hat. Horodenkn. Auf Ansuchen der hiesigen Zionisten sprach hier am 5. d. im „Beth-Hamidrasch" der orthodoxe Rabbiner