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Die Welt · 1899-02-24 · 8 (24.2.1899) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
8 (24.2.1899)
Article
Esther
Date
1899-02-24
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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«Seite 6 „Die H: Welt“ Nr. 8 traurig über den Untergang des Einzelnen, es nimmt ihn gottergeben hin, als Erfüllung des Geschickes aller: „Darum leben wir eben im Golus." So hat unser Schicksal Esther leben lassen und Ruth in den Hintergrund geschoben. Es war uns immer wie zur Zeit des Ahasveros, und gerne hörte das Volk von Esther und schöpfte Hoffnung, dass ihm wieder eine Esther erstehen werde in schwerer Zeit. Und darum wird wieder die Fröhlichkeit einiger Stunden einem Theile unseres Volkes Trost mitgeben auf den Weg seines traurigen Daseins. Freilich werden es die jungen und alten Kinder allein sein, die sich getröstet fühlen werden. Die anderen werden nur mit müdem Lächeln diese Lust über sich ergehen lassen. Unsere Alten sagen, dass, wenn alle Feste vergessen werden sollten, Purim noch gefeiert werden würde. Das ist ein trauriges Prognostikon. Es setzt unsere ewige Wanderschaft voraus. Megillath Esther! Wie lange werden wir sie wirklich noch zu unserem Tröste lesen müssen? Solange die Zeiten des Ahasveros dauern. Wenn aber wieder unsere Richter im Thore sitzen und unsere Alten Rath pflegen, dann werden wir zwar Esther nicht vergessen, aber auch wieder an Ruth uns freuen und am Hause Davids. Wir sind auf dem Wege. .. P Die MW ^olonialbanfa. Die Subscriptiou wird bekanntlich am 28., 29. und 30. März stattfinden. Es gibt sich für dieselbe in allen zionistischen Kreisen die lebhafteste Theilnahme kund. Versammlungen sind schon an vielen Orten abgehalten worden, in welchen die Zwecke und Ziele der Bank erklärt wurden. Solche Versammlungen sollten in den nächsten Wochen von sämmtlichen Zionsvereinen veranstaltet werden. Die Wichtigkeit dieser Action braucht wohl nicht mehr betont zu werden. Von jedem einzelnen unserer Genossen wird mit Bestimmtheit erwartet, dass er nicht nur an der Subscription selbst theilnehmen, sondern auch für die Bekanntmachung des Subscriptions- Aufrufes nach besten Kräften agitieren werde. Die wünschenswerteste Form der Propaganda ist die in Versammlungen, in welchen über die bisherigen Fortschritte der Bewegung und die durch die Bank zu bewerkstelligende Ausführung der zionistischen Pläne berichtet wird. -I- Im Aufträge des Actionscomitös hat sich Herr Hof- und Gerichtsadoocat Dr. O. Kokesch nach London begeben, um mit den englischen Rechtsvertretern der Jüdischen Colonialbank die nöthigen Abmachungen zu treffen. Der vom Directorium und Aufsichtsrathe unterfertigte Prospect wird anfangs März zur Versendung gelangen. Wegen vorläufiger Auskünfte wende man sich an jeden beliebigen Zionsverein oder direct an den Secretär der Jüdischen Colonialbank in London. Adresse: kill', lsmes H. Loewe Broad Street Avenue, London E. C. V Aus Palästina. Jaffa, den 6 Februar 1899. Baron Edmond Rothschild traf am 26. Jänner 2 Uhr nachmittags mit seiner Yacht „Athina“ vor Jaffa ein, woselbst er bis zum 30. v. M. verblieb. Seine Anwesenheit benützte er zur Besichtigung mehrerer Colonien, wobei er sich in jeder Hinsicht von deren Fortschritt überzeugen konnte. Als hervorragendstes Ergebnis dieser Inspicierung muss die seinen Colonisten gewährte beschränkte Selbstverwaltung, im Gegensätze zu der bisher alles Thun und Lassen der Colonisten dirigierenden Thätigkeit der Administrationen hervorgehoben und insbesondere betont werden, dass diese Neuerung nicht über Verlangen der daran Interessierten, sondern aus eigener Initiative des Barons erfolgte! Gelegentlich einer am Sabbath vom Baron gehaltenen Ansprache beklagte sich dieser, „dass manche sein Wirken in der letzten Zeit gestört, dass es jedoch bald ruhiger und besser kommen werde . . Producte der jüdischen Colonien, in erster Linie Wein, finden leider nicht den erforderlichen Absatz. Die Vorräthe in den Kellereien von Rischon le Zion und Mikweh- Israel zählen nach Millionen im Werte. Man beginnt sich daher mehr der Anpflanzung von Oliven zuzuwenden. Die Olivenholzarbeiten Jerusalems schreiten rüstig fort; die Arbeiten werden schöner, gefälliger und finden speciell in Deutschland flotten Absatz. * * * Einwanderung. Es ist wirklich unglaublich, dass noch immer einzelne zionistische Vereine — entgegen den HerzFschen Principien — Leute herausschicken! Die Scenen, die sich bei Landung solcher Individuen abspielen, sind bedauerlichster Natur, die Kosten einfach enorme. * * * Arbeitscomites. Einige beherzte Männer, an deren Spitze Herr Wilhelm Gross in Jaffa haben sich in letzter Zeit zusammen ge th an, um einerseits dem beispiellosen Elende der grossen Masse hiesiger Juden abzuhelfen, und andererseits um in den Colonien mehr jüdische Arbeiter unterbringen zu können. Ein erster Versuch .mit circa 30 jungen Leuten, die nach Chederah entsandt wurden, hatte leider nicht den gewünschten Erfolg, indem ein Theil schon nach einigen Tagen fieberkrank zurückkehrte! Man hält jedoch mit den Bemühungen nicht still und erhofft das Beste! (Speciell nach Trockenlegung der Sümpfe, die mit Eucalyptus bepflanzt werden, was rüstig fortschreitet.) Deutschland dürfte demnächst bei Cassaria*) ein grosses Terrain erwerben, wozu die Türkei grösstes Entgegenkommen beweist! 4- . * -i- Die Deutsche Palästina-Bank, die mit so lächerlich kleinem Capital begonnen, arbeitet flott weiter und hat sich in Palästina bereits eine achtunggebietende Position erobert: die Leute arbeiten^mit grosser Berechnung, und wenn nicht sehr bald unsere Bank ihre Thätigkeit beginnt, werden wir das nehmen müssen, was übrigbleibt! In Jaffa z. B. vollzieht sich folgender Process: Die Uferstrecken nordöstlich der Stadt Jaffa, die für den künftigen Hafen die Quais bilden werden, gelangen durch Unterstützung der Bank nach und nach in den Besitz der Deutschen, und heute gehört bereits der grösste Theil ihnen. Die Franzosen und Italiener wieder arbeiten unter dem Schutze des elericalerseits inspirierten „Credit Lyonnais.“ Und wir Juden? Hunderte warten schon mit Sehnsucht auf ihre Bank die meisten wollen Grundstücke belehnen, Bauer echte haben, etc. Die Leute sind aber auch schon sehr ungeduldig. Vielleicht könnte die Bank aucli mit weniger als Millionen hier beginnen? _ G *) Eine halbe Stunde vom Meere entfernt.

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