Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Date
- 1899-02-24
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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MM- Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläust, so werden dir Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorpmrhmrn, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung rintrete. Dir Administration. Der Präsident der Republik. Frankreich hat einen neuen Präsidenten. Rasch hat der Tod F a u r e gefällt. Ein Glücklicher war er im Leben und im Sterben. Ohne ein langes Krankenlager, ohne zerstörendes Siechthum kennen zu lernen, ist Felix Faure geschieden. Aus kleinen Anfängen rastlos emporstrebend, hat er die höchsten Ehren erreicht, die sein Vaterland zu vergeben hat. Er hat sie mit Würde und ohne Ueberhebung getragen. Zwei große Ereignisse kennzeichnen seine Präsidentschaft : Die Allianz mit Russland und die Dreyfus-Affaire. Die erste hat ihn populär gemacht, die zweite konnte ihm seine Popularität nicht rauben. Es ist merkwürdig, mit welcher Geschicklichkeit er sich in dieser unglücklichen Affaire, die Frankreich so tief zerrüttet hat, zu benehmen wusste. Ein Gegner der Revision, ein entschiedener Freund der Clericalen und der Offeriere, ist er trotzdem nie öffentlich derartig aufgetreten, dass er seiner Stellung etwas vergeben hätte. Er war äußerlich correct bis ins Kleinste. Freilich, Frankreich hätte weniger einen correcten als einen energischen Präsidenten gebraucht, der mit starker Hand die Republik vor allen Fährnissen beschirmt hätte; aber niemandem fiel es ein, das von Faure zu erwarten. Selbst was hinter denCoulissen mit seinem Willen, wenn auch ohne seine offene Mithilfe, geschah, hat man ihm nicht nachgetragen. Frankreich kam an den Rand des Abgrundes, und das Prestige Faures hat nicht darunter gelitten. Selbst seine oft verspottete Repräsentationssucht, seine Liebhaberei für die Pose hat man ihm nachgesehen. Das alles war zu echt französisch, pariserisch, um ihn in den Augen des Volkes herabzusetzen. So konnten sich die ungeheuerlichen Vorkommnisse der sogenannten Revision abspielen, ohne dass die Schmutzwellen, die reichlich aufgerührt wurden und so manchen guten Ruf verschlangen, ihn zu erreichen vermocht hätten. Frankreich hat sich besudelt, verunehrt. Faure blieb rein, trotz der Hetze, die man auch gegen ihn veranstaltet hatte. Für die Erbschaft aber, die er seinem Nachfolger zurückgelaffen, mag ihin der nur wenig danken. Auch Laub et hat sich aus geringen Anfängen emporgearbeitet. In Montelimar, einem der vier Arrondissements des Departements Drüme, ist er in einem Bauernhause zur Welt gekommen. Montelimar hat ihm auch durch die Wahl zun« Maire seine politische Laufbahn geebnet. Der Bauernsohn hatte sich der Advocatur zugewendet und sich als Provinzadvocat allgemein bekannt und beliebt gemacht. Im Jahre 1886 zog er zum erstenmale ins Palais Bourbon ein, und wenige Jahre später, 1888, fungiert er bereits als Minister im Cabinet T i r a r d, demselben Cabinet, dem auch Faure als Unterstaatssecretär angehörte. Im Februar 1892 wird Loubet Ministerpräsident, bald von den Radikalen und Socialisten, die ihn jetzt gewählt haben, bitter angefeindet wegen seiner Intervention in dem bekannten Strike von Carmaux. Die Panama-Affaire führt seinen Rücktritt herbei; wohl nimmt er auch in dem folgenden Cabinet Ribot eine Zeit lang die Stelle eines'Ministers des Innern ein, aber schon nach wenigen Monaten tritt er zurück und beginnt erst wieder eine hervorragende Rolle zu spielen, nachdem er als Nachfolger CH a lle m e l- Lacours Präsident des Senates geworden. Nun haben sie ihn zum Präsidenten der Republik gewählt, trotz der Dru mo n t s und Beaurepaires, trotzdem dass ihm in M6line ein ernster Gegenkandidat gegenüberstand. Und die Wahl vollzog sich unter dem Kampfgeschrei, das jetzt jede Lebensäußerung Frankreichs begleitet: Für die Revision - gegen die Revision! Fast könnte es also scheinen, dass L o übet von vornherein sich in einer Angelegenheit engagiert hat, der Faure öffentlich so vorsichtig aus dem Wege gegangen ist. Und doch ist dem nicht so. Weder für noch gegen die Revision ist Loubet jemals in die Schranken getreten. Dass die Revisionisten ihm den Vorzug gaben, mag er eben dieser Enthaltsamkeit und seinem untadelhaften Vorleben verdanken; denn wenn man ihm Panama vorwirft, so hat man bisher auch nicht den Schatten eines Beweises dafür erbracht, dass er in diese schmutzige Geschichte irgendwie mit Unehren verwickelt war. Es ist möglich, dass die Freunde der Revision glauben, an Loubet den unparteiischen Präsidenten gefunden zu haben, der endlich die Affaire gesetzmäßig zuende führen werde. Wir können diesen Glauben nicht theilen. Das Unrecht, das Frankreich an einem Schuldlosen verübte, hat sich bereits bitter