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Die Welt · 1899-02-17 · 7 (17.2.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
7 (17.2.1899)
Article
Die Conferenz der bulgarischen Zionisten
Date
1899-02-17
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 Nr. 7 „Die H Welt?* Es wäre am Platze, eine Resolution zu fassen, in welcher der Alliance die Hebräisierung unseres Volkes, das sie ja erziehen will, ans Herz gelegt wird, gleichzeitig mit dem Ersuchen, ihre Präparandien dahin zu modificieren, dass dem Lehrpersonale die vollkommenste Aneignung der hebräischen Sprache und Literatur neben der Religion zur Maturapflicht gemacht werde. Diese That wird der Alliance nicht einmal viel kosten, während die Juden in Bulgarien kaum in der Lage sein dürsten, je einen Lehrer nach Europa für je eine Gemeinde zu entsenden. Aehnlich äußerte sich Herr M a r a n d aus Tatarbazardzik. Dr. Vierer beantragte, die Zionisten sollen vorläufig mit dem Fundamentbau des Kebräismus beginnen und dafür sich einsetzen, dass in jeder größeren Gemeinde Kindergärten errichtet werden und die leitenden Kräfte, welche zumeist Mädchen sein könnten, aus den Schulen der Colonien und Jerusalem acquiriert werden mögen. — Es wurden die Anträge des Referenten angenommen. Auch wurde dem Verbandscomitä der Auftrag ertheilt, eine Lehrerconferenz zur weiteren Erörterung der Nationalisierung der Schulen einzuberufen. Der letzte Sitzungstag hatte sich mit dem Schekel und der Colonialbank zu beschäftigen. Nach mehrstündiger Berathung wurde von der Versammlung beschlossen: Die Einsammlung des Schekels und die Subscription auf Actien wird von nun ab durch ein Eornitö aus 4 Personen der Tatarbazardziker Zionisten stattfinden. Die Land es-Centralstelle wurde nach Philippopel übertragen. Gewählt wurden die. Gebrüder Romano (Advoeaten), Herr Dr. Ryrnatorvsky (Arzt), Herr Szonarjewsky (Stadtarchitekt) und noch ein fünfter ~ Herr aus Philippopel. Das Erscheinen eines eigenen Organs „El Dia“ einmal wöchentlich in spanischer Sprache mit einer bulgarischen Beilage wurde acceptiert. Es wird auch ferner in Sofia herausgegeben werden. Schließlich wurde noch ein Organisatiönsstatut durchberathen, und dann die Conferenz unter den üblichen Formalitäten geschlossen. Das Interesse für den Zionismus hat sich selbst unter den bulgarischen Evangelischen recht lebhaft gezeigt. Die gesammte Geistlichkeit nahm an allen Sitzungen theil und applaudierte am lebhaftesten jene Stellen der Reden, die von der Erlösung Israels handelten. Die Herren schwuren hoch und theuer, dass die Evangelischen die besten Sympathien der zionistischen Sache entgegenbringen. „Das Heilige Land muß Altisrael gehören, während wir, Jungisrael, unser Hoffen auf die Erfüllung der Weissagungen der heiligen Propheten setzen. Wir sind Brüder eines Vaters," fügte der ehrwürdige Geistliche hinzu. Wer aber keinen Antheil nahm, das waren die reichen Juden. Indessen dürften auch diese bei einer andermaligen Veranstaltung kommen. Der kleinste zionistische Erfolg bekehrt tausende Wankender und Schwankender unseres Volkes. Fügen wir noch hinzu, dass zwei zionistische Frauenvereine an der Sitzung theilnahmen, so haben wir das Referat in seinen allgemeinen großen Zügen erschöpft. Wer ein näheres Interesse der Sache entgegenbringt und sprachkundig ist, kann dann die lesenswerten stenographischen Protokolle, welche demnächst erscheinen werden, Nachlesen. Es bleibt natürlich noch ein großes Stück Arbeit, um die noch ausstehenden Gemernden in Bulgarien der zionistischen Sache zuzuwenden. Auch konnte eme größere Betheiligung wegen der noch mangelhaften Communicationen während des Winters nicht erwartet werden. Widdin, Rustschuk, Burgas, Warna, Slivno, Karnabat haben bereits Zionsvereine und konnten nicht rechtzeitig eintreffen. Dass die I. Zionistenconferenz ein begeistertes Telegramm an unseren verehrten Führer gleich am ersten Sitzungstage abfertigte, ist selbstverständlich. Der Enthusiasmus unter den Zionisten ist groß — mögen auch die Thaten darnach sich richten. R. B. « Münk. Der bekannte Schriftsteller Herr Herzberg-Fränkel sendete folgendes Schreiben an Dr. Herzl: Hochgeehrter Herr! Ich bin bisnun weder Anhänger noch Gegner des Zionismus gewesen, nicht etwa aus Jndifferentismus oder weil ich nicht fähig wäre, mich für eine große Idee zu begeistern, welche dahin geht, ein grundlos verfolgtes, ans seinem Besitzstände gehetztes, social boycottiertes Volk in einem gesicherten neutralisierten Staatswesen zu vereinen und ihm eine ruhige Existenz zu ermöglichen — sondern weil ich diese Idee, obschon von Leuchten unseres Volkes hervorgegangen, nicht für realisierbar hielt und die vielen politischen und pecuniären Schwierigkeiten erkannte, die dem groß gedachten Projecte entgegenstehen. Die letzter: Reden jedoch, die Sie und Ihr Freund, Herr Doetor N o r d a u in Wien hielten, haben eine Wandlung in mir hervorgerufen und die Hoffnung geweckt, dass der Zionismus — jedoch mit Ausschluss eines Judenstaates — denn doch kein leere: Wahn bleiben müsste, wenn die Führer, die Leiter der Bewegung, die Männer, die in die Bresche traten, ihren Muth und ihre Thatkraft nicht verlieren. Ich theile nicht die Besorgnis, dass ein für die Inden gewonnenes Gebiet in: Osten sich bald mit Proletariern füllen werde. Ich war in den Jahren 1880 und 1881 Zeuge der russischen Emigration. Zuerst Charles Netter als Vertreter der Pariser Allianz Israelite Universelle, dann Felix Venezian i als Delegierter des Freiherrn Moriz Hirsch, haben eine wahrhafte Assentierung unter den Emigranten vorgenommen und in der ersten Zeit nur brauchbares Material zur Colonisierung nach Amerika entsendet: Ackerbauer, Gärtner, Handwerker. Das mindere Material folgte nach, als jenes bereits festen Fuß fasste. Umsichtig besiedelte Niederlassungen in Palästina und Arabien, wo vom Sinai und Libanon tausendjährige Erinnerungen den Juden entgegenwehen, würden unbedingt prosperieren, weil auch bessere Qualitäten hingiengen, und weil die Juden mit wahrem Enthusiasmus die Erde ihrer Väter bebauen würden. Die zerstreuten, unter gemeinsame Administration, unter eine Bezirksverwaltung zu stellenden Colonien — United States im Kleinen — wären eine sichere Zufluchtsstätte für die wirtschaftlich bekriegten und besiegten Juden in Galizien und Russland, in die nicht bloß Arbeitskräfte, sondern auch Capitalien, Unternehmungslust und Intelligenzen einwandern würden, und wo auch in nicht ferner Zeit eine lebhafte Industrie aufleben würde, wem: die Regierung des Sultans in Erkenntnis der großen Vortheile, die ihr aus der Colonisation, dem Zuzuge einer arbeitsamen Bevölkerung und der Urbarmachung jetzt steriler Strecken erwachsen werden, die erforderlichen Concessionen zu machen geneigt sein wird. Da das neue Jahrhundert nicht so klar herandämmert, wie man früher gehofft, da der Clericalismus und der Rassenhass vielmehr täglich an Intensität und Expansivität znnehmen, so muss für die so oft und so grimmig verfolgten Juden ein Asyl geschaffen werden, wo sie Ruhe und Arbeit fänden. Gelingt dies den Leitern der jetzigen Bewegung, den Männern, die ihre Thatkraft ihrem Volke weihen, so verdienen sie die Anerkennung und Unterstützung aller Kreise und ein Ehrenblatt in der Geschichte der Juden, die sie aus der Lethargie aufgerüttelt, ihr Stammesbewusstsein gehoben, ihre Solidarität gefestigt und ihre Hoffnung belebt haben. Empfangen Sie, verehrter Herr Doctor, den Ausdruck meiner Sympathie und Hochachtung. Leo Herzberg-Fränkel. Teplitz, 7. Februar 1899. Meltchrmik. „Das neue Ghetto" wurde am 10. d. M. am Olmützer Stadttheater zum erstenmal mit glänzendem Erfolge aufgeführt. Das Verdienst hierfür gebürt dem ersten Liebhaber dieser Bühne, Herrn Max Wolf, welcher aufrichtiger Zionist ist und mit diesem Stücke schon voriges Jahr in Bielitz Triumphe gefeiert hat. Die im Olmützer „Mähr. Tagblatt",' einem deutsch-nationalen Organe, erschienene, gewiss nicht für Dr. Herzl eingenommene Recension spricht sich im ganzen sehr günstig aus. Verfasser derselben ist Dr. Jacob Eben, Vicepräsident der Cultusgemeinde, Schriftführer des „Deutschen Vereines", Obmann der „Schlaraffia", einer unserer größten Gegner, der den Zionismus am liebsten todtschweigen möchte. Trotzdem beurtheilt er das Stück nicht gar zu feindlich, wenn er es auch ungerechterweise ein Tendenzstück nennt, während es doch nur ein Zeitbild ist. Im Theater sah man unter anderen den Präsidenten der Cultusgemeinde und fast alle Mitglieder des Vorstandes, welcher mit geringer Ausnahme nichtzionistisch

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