Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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Jahrgang. ©p- Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft, p» werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorxunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Dir Administration. Sir Francis Montefiore. Von Benjamin Seff. In einer Bewegung, wie die unserige ist, gibt es gute und böse Tage. Es gibt Tage, an denen man verzweifeln möchte, wenn man sieht, wie Absichten von aufrichtiger Reinheit beschimpft, verlacht, verdächtigt werden; wenn diejenigen, zu deren unverkennbarem Wohle doch alles unternommen werden will, stumpf und theilnahmslos oder gar hassvoll sich verhalten. Kein äußerer Widerstand weckt solchen Zorn, keine Hindernisse sind so entmuthigend, wie die im eigenen Volke sich zeigenden. Aber dann gibt es auch gute Tage, an denen der Muth den Kämpfern für die gerechte Sache zehnfach wiederkehrt, und freudig die Hoffnung herauszieht, weil die Lebenskraft der Idee mächtig in die Erscheinung tritt. Die zionistische Bewegung hatte in den letzten drei Jahren manchen Erfolg zu verzeichnen. Zuweilen überfliegt uns eine Genugthuung, wenn wir bemerken, dass der Ernst und die Menschlichkeit unseres Beginnens auch von Außenstehenden anerkannt werden. Der Zionismus ist heute in der öffentlichen Meinung keine verkannte Größe mehr. Eine der schmerzlichsten Fragen der Menschheit wollen wir lösen, nicht durch Gerede, nicht durch Wühlereien und Umsturz, sondern durch sittliche und sittigende Arbeit. Auf eine der beschämendsten Bewegungen, auf den Antisemitismus, haben Juden eine Antwort gefunden, der man die Theilnahme nicht versagen kann, auch wenn man nie zu den Judenfreunden gehörte. Culturvermehrung! ist diese Antwort. Die Zionisten wollen den Besitzstand der jetzigen Cultur durch friedliche Arbeit vermehren. Wir brauchten uns nicht zu verwundern, wenn eine solche Bestrebung von den rechtschaffenen Leuten aller Länder, aller Parteien freundlich begrüßt wurde; wundern mussten wir uns nur, wenn im eigenen Volke sich Widerstände dagegen erhöben. Vielerlei Missverständnisse haben da mitgespielt. Die einfachen Dinge begreift inan oft am schwersten. Alte Denkgewvhnheiten streift man nicht leicht ab. Und wer'sich in einer behaglichen Situation befindet, hat eine natürliche Abneigung gegen jede Veränderung. Einer der tiefsten Gründe für die Theilnahmslosigkeit oder wenigstens für die Ausdrucksträgheit gerade der social höheren jüdischen Kreise war der Umstand, dass die Juden während der langen Unterbrechung ihrer Geschichte ein unpolitisches Volk geworden waren. Es gibt ausgezeichnete, aber etwas zu heißblütige Männer unter den Zionisten, welche daraufhin ein generalisierend allzu scharfes Urtheil über die Mächtigen und Reichen, kurzweg „die Millionäre", fällen. Unsere Reichen sind jedoch gewiss nicht schlechter als andere „Millionäre". Ja, sie haben sogar eine unleugbare Tradition des Wohlthuns im Blute, die allerdings den Zweck verfehlt, weil sie die Bettelei hervorruft. Und es gibt ja auch ganz große Beispiele, die in ihrem grandioseren Zuge schon dem Volksmäßigen verwandt sind. Die bekannten großen Stiftungen zeugen jedenfalls von Herz für das Judenthum. Wenn"man diesen Leuten daher ein gerechtes Zeugnis ausstellen wollte, musste es richtiger lauten: Rechnen ausgezeichnet, Politik schwach! Aber die Tage sind vorbei, in denen der politische Zionismus in diesen Kreisen keinen Widerhall fand. Man versteht ihn immer besser; versteht namentlich, dass ja keinem zugemuthet wird, seine Position gezwungen aufzugeben. Der Zionismus behindert die Assimilatlon derjenigen nicht, welche vom Judenthum wegwollen; erleichtert sie vielmehr durch die Ableitung eines sonst unvermeidlichen Zuflusses aus den Elendgebieten. Man beginnt endlich zu verstehen, dass der Zionismus eine Wohlfahrtssache ist, für die man sich noch höher begeistern darf, als für Wärwestuben, Findelanstalten, Spitäler und Siechenhäuser. Denn der Zionismus will den Armen nicht erst helfen, nachdem sie elend geworden, sondern schon vorher. Es sind gute Tage, an denen wir vom fortschreitenden Verständnis der Leute hören. Und kein Tag war besser als der, an welchem Sir Francis Montefiore, der jetzige Chef dieses edlen Hauses, seinen Anschluss an die zionistische Bewegung öffentlich erklärte. Seit Sir Moses Montefiore hat es in der gesammten Judenheit keinen Familiennamen gegeben, der solche Verehrung genossen hätte, wie dieser. In Jemen und Sibirien, in Australien und Argentinien, in allen Staaten Amerikas, in jedem Lüüde Europas, im reichsten Pkläfte wie in der ärmsten