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Die Welt · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1899-02-10
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die x£ Welt“ Nr. 6 Müllnergasse 35) ein Bortrag über Zionismus statt, an welchen sich eine lebhafte Discussion schloss. — Nächsten Samstag den 11. 1. M. findet die For tsetzung der Discussion statt, zu welchem Vortrage Gäste jeder Parterschattierung herzlichst willkommen sind. Wien. In der „Jüdisch-akademischen Lesehalle" hielt Dr- Altschüler am 19. Jänner den zweiten Vortrag in seinem Cyclus über die Bibel. Diesmal behandelte er das „Volkslied in Israel". Gr wies in der Einleitung darauf hin, wie die Würdigung des Volksliedes in neuerer Zeit namentlich von Herder angebahnt wurde, dessen „Stimmen der Volker in Liedern" nicht wenig zu innigerem Verständnisse der Volksindividualität beigetragen haben. Zum eigentlichen Thema übergehend, zeigte nun der Vortragende in überraschender Weise die poetischen Elemente in der Bibel —■ Bruchstücke echter Volkslieder, Zeugnisse lebendigen, naivfrohen Volksthums, an denen man nur zu rasch vorübergeht, weil man sie in der doch meist prosaischen Diction kaum bemerkt. Ueberbaupt kann im Hinblicke auf die Ausführungen des Dr. Attschüler gesagt werden, dass wir unser Volksthum umsomehr kennen lernen, je mehr wir es in seiner ursprünglichen Quelle betrachten. Und diese Quelle ist die Bibel. Wien. Samstag den 28. v. M. begann im Mädchenverein „H a d a s s a" eine fortlaufende Reihe von Vorträgen über Bibel und biblische Literatur. Der greise jüdische Gelehrte Herr Lector I. Fried mann hat sich uns in gütigster Weise zur Verfügung gestellt, und wir nehmen sein Anerbieten mit desto größerer Freude nu, als wir uns von seinen geistvollen Ausführungen einen edlen Genuss und nachhaltige Anregung versprechen. Es ist zu erwarten, dass diese Vorträge dem Vereine viele neue Mitglieder zusühren werden. Die Vorlesungen finden jeden Samstag von 8—9 Uhr abends im Beth-Hamidrasch, Tempelgebäude 1L, Tempelgasse, statt. Beitrittserklärungen nimmt die Schriftführerin des Vereines, Frl. Amalie Gelbtuch, III., Matthäusgasse 9, entgegen. Wie \ Der humanitäre Verein „Leopold st ädter Kind er schütz" veranstaltet am 15. Februar 1899 in den Sofiensälen ein Costümfest (ohne Costümzwang), dessen Neinerträgnis den humanitären Zwecken dieses bekannten Vereines gewidmet ist. Die Namen der Mitglieder des Executiv- und Ballcomit^s verbürgen dem Feste den Erfolg, der ihm in reichem Maße zu wünschen ist. . Lemberg. Der hiesige Verein „Dorsche Schlom Zion“ entwickelt sich tu erfreulicher Weise und zählt bereits beinahe dreihundertMitglieder. Gegenüber denAusstreuungen von verschiedenen Seiten bemerken wir ausdrücklich, dass der Verein ohne jeden Vorbehalt auf dem Boden des Baseler Pragrammes steht und sich in allem und jedem den Beschlüssen des Baseler (Kongresses und der von demselben gewählten Leitung unterwirft. E. M. Drohobyez, den 5. Februar 1899. In unserem Zionvcreine findet dreimal wöchentlich unter Leitung des Herrn Maier Halevy Singer ein hebräischer Curs statt. Die zahlreichen Schüler — auch Nichtzionisten — sind voll Begeisterung für die alte, wiedererstehende Sprache des Judenthums. Gleichzeitig macht sich in Drohobyez ein starkes Bedürfnis nach einer zionistischen Turnhalle geltend. Das Agitations-Eomite befasst sich lebhaft mit der Vertheilung von „Schekel"; die Gemeinde benimmt sich sehr entgegenkommend. Mit der Subscription der Shares beginnen wir Mitte dieses Monates. Ein günstiger Erfolg steht zu erwarten. T. Stanislau, den 27. Jänner. Bei der im Jänner c. abgehaltenen Generalversammlung des Vereines „Erez Israel" in Stanislau wurden in den Ausschuss gewählt: Als Präsident Herr Dr. Schur, als Vicepräsident Herr I. Landy; als Ausschussmitglieder die Herren Alme r, Dr. Bacher, Bleimann, Dr. Jonas, K r a m p e r, M a h l e r, M o n d s ch e i n, Pa ukler, Pfeffer, Dr. Pomeranz, Schifter, Schönseld, Arnold I. L. und Mosner. Am 17. d. beehrte uns Herr Dr. Birnbaum aus Wien mit einem Besuche. Er hielt vor einem einige Hunderte zählenden Publicum einen Vortrag über das ' Thema . §Wie wird sich der Zionismus erfüllen". Die logischen Ausführungen, sowie auch die klare und überzeugende Form riefen nicht nur unter den Zionisten, sondern auch unter den Gästen, die unserer Bewegung fernestehen, ja sogar unter den anwesenden Christen* stürmische Begeisterung hervor. Abends fand zu Ehren des Gastes ein Bankett statt, an dem sich auch zahlreiche Delegierte der Nachbarvereine betheiligten. Przemysl. Dank den Bestrebungen der Herren Lasset und Meis els constituierte sich am 28. Jänner d. I. in unserem Vereine „Zion" ein Club unter dem Namen „JYTj-n NLV", der es sich zur heiligsten Aufgabe macht, die hebräische Sprache möglichst zu fördern und dem ihm als Mitglied Angehörenden die Pflicht auferlegt, bei jeder Gelegenheit sich der hebräischen Sprache zu bedienen, besonders im Vereine „Zion" nur in derselben zu conversieren. Hebräische Borträge werden jede Woche abgehalten werden, nach welchen stets eine hebräische Discussion, an welcher sämmtliche Clubmitglieder theilnehmen können, stccktfinden wird. Der Ausschuss dieses Clubs besteht aus dem Präsidenten des Zionsvereines Herrn Jacob Ehrlich, Ehrenpräsident, A. M e r nr e l st e i n, Obmann, B. T i l l e m a n n, Obmannstellvertreter, N. Lasset, Schriftführer, S. M ei se l s, Cassier und dem Herrn I. La n gb an k, Bibliothekar. Eine hebräische Bibliothek wird angeschafft und viele hebräischzionistische Zeitschriften wollen abonniert werden. Möchten doch noch viele andere Vereine unserem Beispiele folgen! ZtitslhnstenmnWm. In der „Deutschen Revue" vom Februar 1899 erörtert Henry D u n a n t, der Begründer des Rothen Kreuzes und der Genfer Convention den Vorschlag Seiner Majestät des Kaisers Nikolaus II. betreffs der Abrüstungsfrage, respective der Frage, wie man „allen Völkern die Wohlthaten eines dauernden und wirklichen Friedens zusichern könnte". Die Publication Dunanis ist mit jener Herzenswärme, jener aufrichtigen, alles bezwingenden Ueberzeugung geschrieben, die man schon an seiner „Erinnerung an Solferino" so sehr bewundert hat. Wenn der greise Mann aus seiner Einsamkeit zu Heiden seine Stimme ertönen lässt, dann darf er sicher sein, dass er immer achtungvolles Gehör bei allen civilisierten Menschen finden wird. Was er über den Vorschlag des Kaisers Nicolaus schreibt, wird zweifellos viel zur Propagierung desselben unter allen Völkern beitragen. Dunant knüpft große Hoffnungen an den Congress, der demnächst zur Berathung des Friedens manifestes des Czaren zusammentreten soll. Er schlägt vor, dass der Congress sich in Permanenz erklären möge. Das Princip der Eontinuität solle diesem Congresse gesichert werden. Diese Eontinuität, das Verbleiben am selben Orte mit jährlichen oder alle zwei bis drei Jahre wiederkehrenden Sitzungen würde die Eigenliebe der einzelnen Völker am besten schonen, und das Werk des Czaren würde die Fähigkeit zu glücklichster Entwicklung gewinnen. Dunant bespricht dann die Möglichkeit, dass dieser Congress in seiner Permanenz zum Schiedsgerichte oder doch wenigstens zum Vermittlungsausschusse zwischen den Völkern werden könnte. Ein lebhafter Appell an die Männer und Frauen aller Volksstämme und der Hinweis, wie auch das skeptisch belächelte Werk des RothenKreuzes und der Genfer Convention zur Wirklichkeit geworden, schließen die Ausführungen Dunants wirkungsvoll ab. — Wir brauchen es wohl unseren Lesern nicht erst in Erinnerung zu bringen, dass der zweite Baseler Zionisten-Congress die erste Corporation war, welche den Friedensvorschlag des Czaren mit einmüthiger Begeisterung begrüßte. Dr. Adolf Kurreins Monatsschrift „Jüdische Chronik" vom Februar a. c. zeigt einen reichen Inhalt. Von besonderem Interesse ist die vom Herausgeber geschriebene Monatsschau. Seine Ausführungen über den Schekel würden verdienen, allen seinen rabbinischen Amtscollegen im Separatabdruck übersendet zu werden als Muster objectiver Betrachtung und wohlüberlegter Beurtheilung der vom Baseler Congresse zu neuem Leben erweckten altjüdrschen Schekelinstitution. Ein auch literarisch bemerkenswerter Beitrag ist die Publication „Purimspiel" aus dem Jahre 5475 (1715). Auch Dr. Biach und S. M e i s e l s, ebenso wie Dr. Grünfeld und M. Weismann haben lesenswerte Abhandlungen in diesem Hefte veröffentlicht. „Jüdische Bolksstimme" betitelt sich eine dreimal im Monat in Krakau erscheinende Zeitung in deutscher Sprache mit jüdischer Schrift, deren erste Nummer uns vorliegt. Aus dem Programmartikel, sowie aus anderen Beiträgen geht hervor, dass das neue Blatt sich zum Ziele gesteckt hat, gegen die Assimilation und für die jüdischnationale Idee und den Zionismus zu kämpfen. Wir wünschen dem Organe besten Erfolg. B. Der „Hailvri" erscheint seit dem 1. Jänner nunmehr dreimal im Monat. Die letzte Nummer enthält zwei Aufsätze von besonderem Interesse. In dem einen entwirft der Redacteur des Blattes, G. B aa 0 e r, eine Charakteristik des soeben verstorbenen hebräischen Schriftstellers K. S ch u l rn a n n. Treffend wird die Thätigkeit dieses Mannes gewürdigt, der zwar kein originaler Geist, kein Schöpfer neuer Ideen, dennoch viel Ersprießliches geleistet hat, indem er modernes Wissen in gediegenem Hebräisch als einer der ersten den Orthodoxen zugänglich machte und andererseits die Welt des Judenthums in modern hebräische Form prägte. K. Schulmann hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. Ehre seinem Andenken. — Ein zweiter Aufsatz von Ben Samuel Hakohen beschäftigt sich mit der Nothwendigkeit des Schekelbeitrages. „I! Corriere Israefitico“, die in italienischer Sprache in Triest erscheinende Monatsschrift, kämpft seit Jahr und Tag unermüdlich, um dem Zionismus rn den Reihen der italienischen Juden An-

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