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Die Welt · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Article
London
Date
1899-02-10
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 „Die # Welt“ Seite 11 gegen den Chacham leiten, den er, im Gegentheile, sehr schätze. Die Gemeinde müsse stolz auf die Würdigung sein, die Doctor Gaster auf dem Baseler Gongresse gesunden. Dr. Gaster sei jedoch schon auf Grund seiner notorischen Gelehrsamkeit zum Chiefrabbi der Sephardim gewählt worden, und die Gemeinde habe es nicht nöthig, sich die ausgezeichneten Fähigkeiten ihres Chacham erst von den Zionisten bestätigen zu lassen. Es sei zwar richtig, dass Dr. Gaster bei zionistischen Versammlungen gelegentlich seinen Standpunkt als den eines Privatmannes betont habe, die Presse sehe aber gleichwohl in ihm den Chacham. Der Gehaltsantrag habe bloß den Zweck, ihm (dem Redner) Gelegenheit zu geben, über die Sache zu reden. Erst vor kurzer Zeit, anlässlich des Festdiners der „English Zionist Federation“, sei es deutlich geworden, dass die Oeffentlichkeit den Zionisten Gaster und den Chacham der Sephardim nicht auseinanderhalte. Dadurch werde die Gemeinde in eine falsche Position gebracht. Er (Redner) sei persönlich gegen den politischen Zionismus, der, ohne eine Spur zurückzulassen, vorübergehen werde. Mr. de Castro fasste sodann seinen Antrag in folgenden Worten zusammen: „Da die öffentliche Thätigkeit Dr. Gasters bezüglich der zionistischen Bewegung den Anschauungen der Synagogen-Aeltesten entgegengesetzt ist, so bittet die Gemeinde respeetvollst den Chacham, entweder von der zionistischen Agitation zurückzutreten oder aber bei jedem öffentlichen Auftreten zu betonen, dass er nicht die Anschauungen der spanisch-portugiesischen Gemeinde, sondern lediglich seine persönlichen zum Ausdruck bringe." Vom Vorsitzenden zur Stellungnahme ausgefordert, lehnte es die Versammlung ab, sich in der Frage, der gegenüber keine einhellige Beurtheilnng herrsche, zu äußern. Sir Francis Montefiore sagte, es sei nicht die Schuld Dr. Gasters, wenn die Presse ihn als das bezeichne, was er sei. Der Antrag sei entschieden zu verwerfen. Mr. E. 2. Mocatta wünschte ebensowenig wie der Vorredner eine Discussion. über Zionismus. In dem freien England habe jeden, also auch Dr. Ga st er, das vollkommene Recht auf freie Meinungsäußerung. Redner beantragte folgendes Amendement: „Da die Anschauungen der Gemeinde bezüglich des politischen Zionismus keine fest st ehendenundeinmüthigen sind, so wird der Chacham gebeten, in öffentlichen Versammlungen als Priv atm a n n aufzutreten." Mr. E. de Pass unterstützte das Amendement. Mr. de Castro habe einen „Sturm in der Theekanne" erregt. Mr. G. Lin do hielt sich darüber auf, dass der Chacham nicht vorher die Gemeinde um Rath gefragt habe. Dr. Herzl habe Palästina in seinen Plan ausgenommen und eine Nationalbewegung gemacht. Wollen die Zionistenden Messias in Jerusalem erwarten? Und wer werde der Messias sein? Redner bekenne den geistigen Zionismus, in dessen Sinne sein Freund Mr. Herman Landau den Wunsch geäußert habe, in I e r n s a l e m z u st e r b e n. Der Vorsitzende brachte sodann folgenden Compromissantrag ein: „Der Chacham wird gebeten, der jüdischen Presse anzuzeigen, dass er als politischer Zionist nur für seine Person spreche und nicht als Vertreter der Gemeinde, die als Körperschaft über den politischen Zionismus weder befragt worden sei, noch sich geäußert habe." Sir Francis Montefiore unterstützt den letzten Antrag, während Mr. I. de Castro forderte, der Chacham solle von der Gemeinde die Erlaubnis (zu seiner öffentlichen Thätigkeit) verlangen. (Mr. de Pass: „Das ist Tyrannei!") Vor der Abstimmung erklärte Mr. I. M. L e v y, es müsse in Mr. de Castros Antrag ersichtlich gemacht werden, dass es z u k e i n e r E n t s ch e i d u n g d e r Synagogen- A e l t e st e n betreffs d e s Z i o n i s m u s g e k o m m e n s e i. Nachdem eine diesbezügliche Richtigstellung hinzugefügt worden, wurde Mr. de Castros Antrag mit 10 gegen 4 Stimmen angenommen. Die sephardische Gemeinde von Canada hat an den Chacham Dr. Gaster folgendes Schreiben gerichtet: „ . . . Bei der unlängst abgehaltenen Generalversammlung unserer Gemeinde wurde unter enthusiastischem Beifall eine Resolution angenommen, in welcher unsere tiefe Genugthunng über Ihre bemerkenswerte Antheilnahme am zweiten Baseler Congress zum Ausdruck gebracht wird. Wir anerkennen es ganz besonders, dass Sie einer von den Männern sind, die dem Hause Israel sagen: Jetzt i st die Z e i t z u m Handeln. Als einer sepharbischen Gemeinde bereitet es uns ein ganz besonderes Vergnügen, zu. sehen, dass das Haupt der englischen Sephardim ein so edles und würdiges Beispiel gibt. I. L. Samuel, im Aufträge der spanisch-portugiesischen Gemeinde „Shearith Israel“ in Montrae l, Can ad a." London. Der Protest der Synagogen-Aeltesten der spanischportugiesischen Congregation wird in keiner Weise die Thätigkeit Dr. Gasters beeinflussen. Er fährt fort, seine eigene Meinung geltend zu machen, und seit er vor kurzem der erste Präsident der englisch-zionistischen Föderation ist, hat er in zwei öffentlichen Versammlungen Reden gehalten. Nächste Woche wird er in Manchester, Liverpool und Leeds sprechen. Das ganze Executivcomill; wird ihn begleiten. S'.r F. Montefiore wird ebenfalls in Manchester sprechen, ebenso in Nord-London, und zwar noch in diesem Monate. Ich weiß auch, dass die Föderation bedeutende Anstrengungen macht, um nur zuverlässige Mitglieder zu gewinnen, ferner um auch eine gesunde finanzielle Basis der Föderation zu schaffen. Alle Elasten der Bevölkerung zeigen lebhaftes Interesse für die Thätigkeit der Föderation, und inan erwartet baldigst grobe Resultate zum allgemeinen Bortheile der Bewegung. Interessant ist der Aufruf zu einer Subscription, um die Makkabäergräber zn kaufen. Es sollen ll.0 ) Pfund aufgebracht werden. Die englische Föderation wlll die Gräber aukausin und sie dem Congresse schenken. Amerika. New-Hork, Ende Jänner. Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle zionistischen Vereine des Landes binnen kurzem unter einem Banner sich zusammenschließen werden. Vor einiger Zeit wurde aus einer Conserenz der Führer der beiden bestehenden Federationen unter Theilnabme der beiden Mitglieder des Actionscomrtes für Amerika der Beschluss gefasst, auf eine Union ber Föderationen hinzuarbeiten. Ich hoffe. Ihnen schon in einigen Wochen die näheren Details dieser Union, die eine Repräsentanz aller Staaten und aller größeren Städte bedeuten und mehr als hundert Vereine umfassen würde, mittheilen zn können. * * * Am 30. Jänner wird eine öffentliche Versammlung der West Lide Zionist A ssociation von New-Jork in der Synagoge der spanisch-portugiesischen Gemeindeder ältesten jüdischen Körperschaft New-Iorks, stattfinden. Angckündigt ist eine Rede des Dr. Aron Friedenwald, eines der geschätztesten Aerzte von Baltimore, über „Colonisation Palästinas". Dr. Friedenwald, als glühender Zionist bekannt, ist erst unlängst von einem längeren Besuche des Heiligen Landes zurückgekehrt. *■ 4- * Eine vielversprechende Phase in der Entwicklung des amerikanischen Zionismus stellt sich in dem Versuche dar, den eine Gruppe ernstdenkender Studenten unternimmt, eine akademische zionistische V e r e i n i g u n g zn bilden, der sich locale Studentenclubs an allen Landesuniversiläteu anzuschließen hätten. Ein sehr interessanter Anlass vereinigte vor kurzem mehrere zionistische Vereine zu einem Bundesmeeting in Mi n n e a p o l i s (Minnesota). Einige christliche Freund e, eben von einer Palästinareise heimgekehrt, verehrten als Ausdruck ihrer Sympathien mit der jüdischen Nationalbewegung den Zionisten eine prachtvolle Fahne aus schwerer weißer Seide mit dem blaugestickten Davidschilde in der Mitte. Im Laufe seiner Ansprache bezeichnete der Spender Palästina als „ein Land ohne Volk", die Inden als „ein Volk ohne Land". „Aber wir sehen dieses Land aus seinem vielhundertjährigen Schlafe wieder erwachen. Rur- Gott weiß das Ende. Wir erheben ein Banner, das Wort ist ausgegangen in alle Welt. Wir haben Jerusalem gesehen. Welche Stadt! Und wir sagen Euch: Zieht in die heiligen Pforten ein, schließet Stein an Stein, erhebt das Banner . . . Jerusalem muss wieder erbaut werden!" -i- * * Auf Anfragen von vielen Seiten bezüglich des Ursprungs und der Entwicklung der zionistischen Bewegung hat die Federation ofAmeri c a n Z i o n i s t s mit der Publication einer Reihe von Broschüren begonnen. Die erste, eben erschienenestammt ans der Feder Professor Richard G o tt h e i l s und trägt den Titel: „Die Ziele des Zionismus." Tie Publicationen werden allmonatlich erfolgen. S. S. VVr. W

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