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Die Welt · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Article
Zuckungen
Date
1899-02-10
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 „Die Welt“ Seite 7 Würde des Stolzes, welche eine Stütze gegen die moralischen Schwächen sind." Zum Beweise, dass kein Antisemitismus in der Armee herrsche, sagt er: „Das Leben im Heere reicht genügend hin, um die grundlosen Ideen aus früheren Zeilen zu zerstreuen. Nirgends mit wuchtigerer Macht erhellt die Einheit des Vaterlandes als im Heere. Dort sind alle Classen, alle Stände verschmolzen. Die socialen Verschiedenheiten vertilgen sich, die Religionsunterschiede verschwinden angesichts der Nationalfarben. Wer engen Sinnes genug wäre, um unter der Uniform, welche tapfere Herzen und wackere Brüste bedeckt, Herkunfts-, Glaubens¬ und Meinungsunterschiede zu machen, der wäre ein Sectierer und kein wahrhafter Franzose! Das Heer ist über diese Leidenschaften erhaben" u. s. w. Daraus erwuchs darwinisch-logisch auch der Blechofficier Cahn, der sicherlich vor dem Pater Du Lac geschmeidiger gewesen wäre. O! wären wir doch schon in Zion und hätten wir so ein Satansinselchen mit Kost, Logis und Haifischen für unsere Verräther! Ja! Juden als Verräther zu haben — dessen möchten sich gerne viele Nationen rühmen — aber nur das Judenthum besitzt welche — und rühmt sich ihrer nicht. P Krief aus örmila. Im Jänner 1899. Wie int ganzen Lande wurde auch in Braila dieMakkabäerfeier als nationales Fest begangen. Man hat sich nachgerade daran gewöhnt, im Chanukafeste nicht nur eine bloße'religiöse Feier zu erblicken, die ihren obligaten Abschluss in einer wehr oder weniger ostentativen Arwenbeschenkung findet, sondern eine "Zeit der Erinnerung an die Großthaten unserer Vorfahren, die einem Judenthume angehörten, das ein markiges Rückgrat besaß, und dessen Ehrgeiz weiterreichte, als derjenige unserer jetzigen Kleinjuden. — Bleiben wir bei diesem Namen, die Bezeichnung trifft zu. — Dieses Gefühl geweckt zu haben, ist nicht das geringste Verdienst des modernen Zionismus. — Es gibt auch bei uns Kleinjuden, die diese freudige, winterliche Stimmung am 25. December auf sich einwirken ließen, wenn man auch mit Recht fragen mag, worüber sie sich da eigentlich so sehr gefreut haben. Vielleicht deshalb, weil sie die Fenster bei dieser Gelegenheit sorgfältig schließen und verhüllen mussten — nicht weil sie sich vor Jud und Christ schämten, sondern damit kein unberufener Stein mit klirrendem Weihnachtsgepolter geradeaus in den jüdisch-runlänisch-orthodoxetr Weihnachtsbaum flegte und die festliche Stimmung einigermaßen herunterdrücke. Nur einigermaßen, denn das würde so einen verbohrtett, waschechten Kleinjnden nicht hindern, einen solchen Stein als kostbare Reliquie seinem Familienschatze einzuverleiben, bis er ein historisches Object wird, und einstweilen sich lustig weiter „Guten Jom tow" zu wünschen, die Schlafmütze über die blöden Augen zu drücken, versunken in den Zauber der schönen, winterlichen Weihnachtszeit, des „Zule tide" und des „mistletoe". Unser großer Moses schlug einst auf den Stein, und siehe da, er ward zu einer Quelle der Erquickung und Labung für das Volk, das ihm gefolgt war auf dem schweren Wege zu freiem, selbständigem Leben; wird auch dieser Stein, dieses kleine Hindernis auf dem Wege zur Assimilation und zum Untergange, eine Quelle der Erkenntnis und der Belehrung, eine „mene „tekel" auf der abschüssigen Bahn für diejenigen werden, die das Alte vergessen und das Neue nicht gelernt haben? — Da waren die Leute, die zur Makkabäerfeier im großen Tempel zusammenkanten, eine Versammlung ganz anderer Art. Die armett, geknechteten nnd verfolgten Juden, diejenigen, die beit Stachel voll empfinden, der sich Tag für Tag in Fleisch und Herz immer tiefer und tiefer eingräbt — Männer und Frauen aus allen Schichten, Aerzte, Kauflente, Beamte, Handwerker, Taglöhner und zum zitteren Müssiggauge Gezwungene, 1500 an der Zahl, in ihrem größten Gotteshause andächtig den Worten lauschend, die ihnen von einer Vergangenheit erzählten, wo es nicht nur Schatten, sondern auch eine Sonne gab, wo man kämpfte und siegte und als treuer Sohn seines Stammes für sein höchstes Gut, fiir feine nationale Ehre, wenn es galt, zu sterben wusste. Und erst die zionistischen Vereine, die in corpore erschienen waren, der „Erez Israel", der Lesevereiu „Zion", die „B'nei Zion", der Mädchenverein „Hadassah", wie das jubelte und mit seinem Beifall nicht kargte, als sie den Namen des Mannes hörten, der für sie die Verkörperung alles dessen ist, was sie tränmeu und hoffen, und worum sie täglich inbrünstig beten. Und sie war so gut und formvollendet, die Festrede des Herrn Leopol d F i s ch l, der das Alte, das ewig Junge, heranzog, um das Neue davon abznleiten, und wo er anschlug, da gab es eine glockenreine, klangvolle Antwort, das aus dem Herzen der Versammlung kommende Echo. Die speciell für diese Feier von Herrn Agent verfasste „Megilath Chanukah" war ein Meisterwerk biblischen Stiles, in einem Hebräisch geschrieben, das die Herzen aller derer erquickt hat, die ein frisches Aufleben der Sprache unserer Vorfahren mit aller Kraft herbeisehnen. Wenn nach Ga st er schon der bloße Anblick einer hebräischen Bibliothek auf unsere Jugend erziehlich wirken muss, um wie vieles mehr muss das erst das gesprochene Wort thun? Und so kam es, dass Leuten, die von der „Megilath Chanukah" nicht ein Wort verstanden, die Thränen in die Augen traten, als sie sahen, dass man die hebräische Sprache zur Vertheidigung einer hebräischen Sache heranziehen kann. Herr K a s s w o n entwickelte viel Talent, um mit einer recht undankbaren Aufgabe fertig zu werden: er sollte das Licht, das wir am Chanukaabende anzünden, mit dem Lichte vergleichen, das vom Judenthnme ausgeht. — Und die Leute, die alles, was jüdisch ist, von Christ und Jud mit Füßen getreten sehen, und von Juden mehr als von Christen — denn so will es die Mode — blickten verdutzt und verständnislos d'rein. Das erinnert an die Mission, an die „große Mission", die in jüdischen Zeitungen ihr keckes Unwesen treibt und die unsere Sophisten so klug ausgedacht ..haben, die vom Volke aber niemals verstanden wurde. Armes Pslästerchen für die große, stets offene Wunde! Das Volk weiß nur eines: Die Schläge fallen hageldicht und das thut weh, sehr weh. Das zu heilen, dazu reicht der Arzneischrank der so kunstvoll zubereiteten nud mundgerecht servierten Mission nicht aus. Dazu gehören andere, stärkere Mittel, und wer diesem Volke von Duldern, dem mit jedem Tage ein neues Golgatha geschaffen wird, auch nur ein winziges Lichtleiu als Wegweiser in diesem Labyrinthe, wo nur Nacht und Finsternis herrscht, aufsteckt, der hat sein Ohr und sein Herz. Deshalb haben sie Herrn E l l m a n n so jubelnd empfangen, der nach geraumer Zeit wieder zu ihnen sprach und ihnen erzählte, welche riesige Fortschritte trotz aller Gegnerschaft, die sich gegen „Zion" auflehnt, im praktisch arbeitenden und schaffenden Zionismus zuverzeichnen seien, und wie das Judenthum einen Reinignngsprocess durchmache, der alles, was tobt und morsch, innerlich oder äußerlich vom Judenthume abgefallen sei, aus dem noch immer kraftvollen Organismus ausscheide, uub sich zu neuem Leben emporringe. Und als die letzten Accorde des „Moaus Zur" im weiten Raume so weihevoll verklangen, da gieug es wie ein leises Ahnen durch die tauseudköpfige Menge, das Ahnen einer besseren Zukunft, geschaffen durch eigene Kraft. Das Lichtleiu flackerte hell und glückverheißend auf, um nicht wieder zu verlöschen. * * Auch unsere Frauen haben den Heimweg zu ihrem Volke gefunden und betreten; der Aufruf der Frau E l l m a n n an die Frauen- und Mädchenvereine Rumäniens, sich zu einer Körperschaft zusammettznschließen und gemeinschaftlich und einheitlich zu arbeiten,. hat gewirkt. Bon allen Seiten melden Vereine ihren Beitritt an die „Union" an, darunter manche mit beträchtlichen Fonds, die nunmehr in eine Casse fließen. Pünktliche Entrichtung des Schekels und Anschaffung von passenden Bibliotheken fiir alle Vereine ist die erste und oberste

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