Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 5 (3.2.1899)
- Article
- Die Kindheit der Massen
- Date
- 1899-02-03
- Page
- 13 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S „Die Welt“ Seite 13 Mitleid für unsere Kinder lasst uns dem schmalen Pfade unserer eigenen Geschichte folgen! Wenn Ench unsere Logik nicht passt, gut, so erklärt sie für apokryph, aber des Mitleids Kinder sollten Euer M'tleid haben um ihretselber willen! Unter der heiteren Sonne des Ostens geschehe unsere Wiedergeburt. Unsere Kinder sollen nicht länger in der Wiege die Unkenrufe hören, die ihnen eine traurige Zukunft vorherkünden, weil sie Juden sind. Lasst uns die Kindheit unserer Kinder wiederher st eilen und die Kindheit unserer Rasse! J. de Haas. Wellchmik. Unser Käthchen. Die sattrische Komödie von Dr. Theodor Herzl, welche vom Wiener Burgtheater zur Aufführung besttmmt, später aber unvermuthet vom Spielplan abgesetzt wurde, nachdem der Dichter nicht geneigt war, einzelne Stellen auszumerzen, gelangt am 4. Februar am Deutschen Volkstheater in Wieu zur Aufführung. Vom 5. Februar an kann das Stück in Buchform von der Administration der „Welt", IX., Türkenstraße 9, bezogen werden. Ein interessantes Tagebuch muss, nach dem „Daily Chronicle“ jenes sein, das der verstorbene Baron Rothschild geführt hat. In demselben verzeichnete der Herr von Schloss Waddesdon all die Gespräche, die er mit den hervorragendsten seiner Gäste, Männern des öffentlichen Lebens und fürstlichen Personen, im Laufe der letzten Jahre führte. Aenderung des letzten Willens. Die israelitische Gemeinde in Dresden hat von einem ihrer Mitglieder, welches dieser Tage verstorben ist, 60.000 Mark geerbt. Die Summe soll bereits vor Jahren der Stadt Dresden testamentarisch ansgesetzt gewesen sein, der Erblasser hat sich jedoch durch den kürzlich gefassten Beschluss der dortigen Stadtverordneten gegen die Naturalisation eines sonst hochgeachteten, völlig einwandfreien Mitgliedes der Dresdener israelitischen Gemeinde zur Aenderung seines letzten Willens bestimmen lassen. Der Entdecker des Diphtherie-Heilserums — Akademiker. Die französische Akademie unterscheidet sich zu ihrem Vortheile von dem Orden der Ehrenlegion. Mit 45 Jahren in das Institut von Frankreich ausgenommen zu werden, ist ein überaus seltener Fall. Diese Ehre widerfuhr heute dem Vicedirector des Pasteur'schen Institutes, Roux, dem Entdecker des Divhtherie-Serums, welcher zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften im ersten Wahlgange gewählt wurde. In den letzten Jahren widmete er sich auch dem Studium der Pest und er ließ sich gelegentlich der Wiener Pestfälle von dem nach Wien delegierten Abtheilungsvorstande Dr. M a r m o r e k täglich Rapporte telegraphisch übermitteln. Ein jüdischer Bürgermeister. In Belfast ist ein Jude, Mr. Otto Jaffe, zum Lordmayor gewählt worden. Einer der geachtetsten und wohlthätigsten Mitglieder der Kaufmannsgilde, ist der Gewählte zugleich ,.Fellow1 der Königlichen astronomischen Gesellschaft in London. In Leeds (England) soll in nächster Zeit eine jüdische Arbeiterzeitung erscheinen, die sich mit der jüdisch-nationalen Frage und der Verbreitung des Trade-Unionismus unter den jüdischen Arbeitern Englands beschäftigen wird. Der „Globe", die älteste englische Abendzeitung, findet in einer Besprechung der englisch-französischen Beziehungen, eine Hauptursache des Hasses, den der Durchschnitts-Engländer gegen den Franzosen hege, sei in dem Dreyfusfalle gelegen. Das englische Rechtsgefühl sträube sich gegen die Vergewaltigung der Menschlschkeit, die in der traurigen Affaire zutage trete. Eine Millionenspende. Baronin Hirsch hat für die algerischen Juden zwei Millionen Francs gespendet. Es sollen damit Geschäfte gegründet werden, in denen von Christen entlassene Juden Stellung finden können. Aussprüche über Juden. Unter diesem Titel richtet ein Wiener deutschnationales Blatt folgende Bitte an seine Leser: „Gesinnungsgenossen, die beim Lesern von Büchern auf Aussprüche von Gelehrten, Denkern und Dichtern über die Juden stoßen, wollen solche Aussprüche gefälligst der Schristleitung unseres Blattes übermitteln." Natürlich sind da nur die antisemitischen Aussprüche gemeint. Der Proeess Henry-Reinach der am 18. Jänner in Paris verhandelt wurde, ist vertagt worden. Die vom Zugang des Justizpalastes zurückgedrängten Antisemiten sammelten sich auf der Place Chatelet und riefen: „Nieder mit den Juden, es lebe die Armee!" Im Geiste der 10 Gebote. Ein Landesbote des Staates Kansas in Amerika stellte in der letzten Tagung der Legislatur von Kansas einen Antrag aur Revision der Verfassung im Geiste der 10 Gebote. Der Landesbote hat nämlich gefunden, dass die Vorschriften, welch Mosese im Buche Exodus über die Lebensführung gegeben hat, und welche in den 10 Geboten kurz zusammengefasst sind, alles, was die ehrwürdige legislative Körperschaft von Kansas aus diesem Gebiete geleistet hat, beiweitem überrage. „Los von 9frnn!" Aus Innsbruck wird gemeldet, dass Sonntag den 29. Jänner nach dem Sonntags-Gottesdienste in der evangelischen Kirche 70 Katholiken zum Protestantismus übergiengen. In der nächsten Zeit stehen noch weitere Austritte bevor, namentlich von Universitütshörern. — Jetzt wird den deutschnationalen Juden nichts anderes übrigbleiben, als gleichfalls zum Judenthum überzutreten. Thut nichts, der Jude.... In C h e r s o n wurde ein Jnde zu 300 Rubel Geldstrafe verurtheilt, weil sein Sohn F r o i m (Ephraim) sich angeblich der Recrutierung entzogen habe. Der Mann bethenerte, er habe gar keinen Sohn, sondern nur eine Tochter, deren Name, Zruma, wahrscheinlich im Geburtsregister entstellt worden sei. Diese Angabe erwies sich als richtig. Das Strafgeld aber — wurde nicht zurückgezahlt. Lehrereonferenzen. Am 31.Jänner und t.Februar l.J. fanden die Conferenzen sämmtlicher an den Baron Hirsch- Stiftungsschulen Galiziens und der Bukowina angesteltten Lehrkräfte im Gebäude der Stiftungsschule in Kolomea statt. Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Israel Mozkin aus Kiew hat sich mit Fräulein Rebekka Rosenberg aus Jekaterinoslaw verlobt. G Die amerikanischen Inden nnd das GinmandernnKsverkot der Türkei. Washington, 23. December. Eph. Deiuard, Esqu., Präsident dev zionistischen Urheber-, respective Schriftsteller-Gesellschast. Ich bestätige den Empfang Ihres Briefes vom 25. l. M., worin Sie schreiben, dass laut einer Ihnen zugegangenen Nachricht, es neun amerikanischen Bürgern jüdischen Glaübens nicht erlaubt wurde, in Jaffa (Palästina) zu landen, weil sie nicht imstande waren, die von den türkischen Behörden verlangte Sicherheit (Bürgschaft) zu geben, dass sie innerhalb 30 Tage abreisen würden, während mehrere französische Juden auf demselben Schiffe nicht am Landen verhindert wurden. In Erwiderung habe ich Sie zu benachrichtigen, dass eine Copie Ihres Briefes an unseren Minister in die Türkei geschickt wurde, mit der Weisung, die Thatsachen festzustellen und dieselben dem Departement zu übermitteln. Nach dem vom Minister erhaltenen Berichte wird das Departement Sie weiter von der Angelegenheit unterrichten. Ergebenst D. Hill assist. Secretär