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Die Welt · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
None (sequence 5)
Language
German
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Die w Welt s-m Aedartion und Rdministration: Wien IX., Türkenstraße 9. Trlephon Nr. 6805. 0-N Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaetion oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuseripte nicht zurückgesendet. 1 l —"1 1 0 Preise der Anzeigen: Die viermal gespultene Petitzeile 10 kr. Einzelne Nummern 15 kr. U-U * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland ♦ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6Mk.85Ps., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rurnänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Fres. 50 Ets., Amerika ganzjährig 3 Doü. 40. Nr. 3. Wien, 3. Februar 1899. 3. Jahrgang. Das Manifest des großen Actionseomites wird in unserer nächsten Unmmer erscheinen. Makedonien. Von O. Erter. * An allem, was sich in der Türkei begibt, haben wir ein naheliegendes Interesse. Nicht bloß örtlich, sondern auch im cioilisatorischen Sinne liegt das Ziel unserer Bestrebungen innerhalb des türkischen Herrschaftsgebietes und unser Weg nach Palästina geht — um das historische Wort eines russischen Generals zu variieren — über Constantinopel. Wenn es nun jetzt in Makedonien sehr merklich zu glimmen beginnt, so erinnern wir uns überdies, dass in der großen Haupt- und Hafenstadt Macedoniens sich eine der ehrwürdigsten und bedeutendsten europäischen Judengemeinden befindet. Salonich beherbergt seit vielen Jahrhunderten leuchtende Rabbinergestalten,, und in den Gutachtensammlungen stößt man oft auf Fragen und Antworten, die von dem Rabbinat in Salonich über schwierige talmudische Controversen durch die gesammte Judenheil hin gestellt und ertheilt wurden. Roch heutigen Tages blickt der Reisende aus dem Occident in Salonich mit Wohlgefallen auf die schönen, starken, bärtigen Gestalten der jüdischen Lastträger und Bootsührer, die stolz und ernst ihr schweres Geschäft verrichten; sie strafen das Vorurtheil Lügen, als ob der Jude anstrengende körperliche Arbeit scheue, denn sie bilden die übergroße Mehrzahl unter den Gestalten, die am Hafen das Ein- und Ausladen der Schiffsfrachten besorgen. Sind wir nun also in doppeltem Sinne legitimiert, die Bewegung in Macedonien, die jetzt an einem gefährlichen Punkte angelangt zu sein scheint, in den Kreis unserer Erörterung zu ziehen, so versteht es sich andererseits von selbst, dass wir diese Bewegung aus unserem specifischen Gesichtspunkte, nicht aus demjenigen ihrer Urheber oder aus dem der temporären diplomatischen Interessen zu beurtheilen haben. In Macedonien wiederholt sich das alte und kaum mehr kurzweilige Spiel der maskierten slavischen Losreißungs- Operation, das vor dreißig Jahren in Serbien begonnen hat, vor zwanzig Jahren in Bulgarien fortgesetzt wurde und noch ganz kürzlich in Kreta zur factischen, wenn anch hinter einem diplomatischen Feigenblatte verhüllten Amputation führte. Früher wurden diese blutigen Zerrungen am Staatskörper der Türkei als philanthropische und religiöse Rothwendigkeit unter dem Titel der Befreiung der Rajah vorbereitet und ins Werk gesetzt. Russland, das sich in dem Friedensschlüsse von Kutschuk Kainardschi, eine Art Schutzrecht über die slavischen Christen und damit einen Vorwand zur fortgesetzten Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei gesichert hatte, stand diesen Befreiungsactionen nicht ferne. Das ist nun erstaunlicherweise in Macedonien nicht der Fall, und darin kann man eines der meistbezeichnenden Merkmale der macedonischen Bewegung erblicken. Russland und Oesterreich-Ungarn, die beiden an dem Balkan nächstinteressierten Mächte, sind übereingekommen, den Balkan vor kriegerischen Erschütterungen zu bewahren; ihr Gegensatz von einst hat sich in die Harmonie von heute verwandelt. Dagegen sind die aus dem Körper der Türkei herausgeschnittenen Balkanstaaten der eigentliche Herd der macedonischen Bewegung, unter ihnen voran Bulgarien und Montenegro. Von dem macedonischen Comitö in Sofia ist der Funke nach Macedonien geschleudert worden, und die bulgarische Regierung hat es nicht gehindert; sie hat nur immer aus Rücksicht auf Russland versichert, dass sie mit der macedonischen Bewegung nichts zu schaffen habe. Dieselbe scheinbar passive Rolle spielte und spielt noch der Fürst von Montenegro, der alles mirmacht, was dem serbischen Königreiche Verlegenheit schafft, weil er selbst sich als den providentiellen Mann betrachtet, der bestimmt wäre, das Oberhaupt eines künftigen Großserbenreiches zu sein. Die beiden russischen Werkzeuge auf der Balkanhalbinsel kehren sich also gegen die Hand, von der sie bisher gelenkt worden sind. Dies ist das zweite hervorstechende Merkmal der macedonischen Bewegung. Und das dritte Merkmal ist, dass die zu Befreienden sich sehr verschieden zu denen verhalten, welche sie von der türkischen Herrschaft befreien wollen. Die bulgarische Bevölkerung in Macedonien verlangt, die herrschende zu sein; die serbische, griechische, rumänische aber will — wir variieren wieder ein historisches Wort — lieber türkisch sterben, als bulgarisch verderben. Es ist, wie aus alledem zu ersehen, eine höchst complicierte, in sich selbst zerklüftete Bewegung; nur soviel ist klar, dass die Türkei wieder einmal vor der Gefahr steht, eine ihrer

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