Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-01-27
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 j/k vm treffenden Jahre die Einwanderung um ein Geringes — 747o — ab genommen, während die der Juden um über 25y„ gestiegen ist (allein aus Oesterreich sich verdoppelt hat). Ferner geht daraus hervor, dass nur 16 Einwanderer sich nach den jüdischen Eolonien wandten, ein Beweis, wie geringes Vertrauen man zu ihnen hat, trotz der weitgehendsten Unterstützungen. In Threinzen (Großherzogthum Baden) ist von dem dortigen Lehrer Strauß die erste jüdische Schule für geistig zurückgebliebene Kinder errichtet worden. Der Genannte hat sich in dieser Beziehung bereits bewährt, und es wird der neuen Anstalt an Schülern wohl kaum fehlen, da sie die einzige in Deutschland ist und die Eltern zurückgebliebener Kinder bis jetzt genöthigt waren, entweder Privatlehrer zu nehmen oder sie Jdiotenanstalten zu übergeben. Ein weiterer Beweis für die „Judenfreundlichkeit" der Eonservativen des deutschen Reichstages ist in Nr. 2 der „Deutschen Reform" zu finden. Daraus geht hervor, dass der für Kolberg-Köslin gewählte Abgeordnete Frizlaff sich u. a. verpflichtet hat, „für ein alle Juden treffendes Auswanderungsgesetz zu stimmen". Unserem neulichen Bericht über die Naturalisation von ausländischen Juden in Deutschland ist eine Nachricht aus Dresden beizufügen, wo die Stadtverordneten beschlossen, künftig aus principiellen Gründen Ausländern mosaischer Eonfession die Naturalisation zu versagen. Es handelte sich um das Gesuch eines völlig einwandfreien, aus Oesterreich gebürtigen Procuristen eines dortigen Bankhauses. „Wir Wilden sind doch bessere Menschen", kann der Sultan von Maro kko von sich sagen. Bei einer Audienz, die er jüngst unserem Glaubensgenossen Moses Corcos und dessen Gemahlin, die sich als Leiterin der englisch-jüdischen Schule in Mogador einen Namen gemacht, gewährt hat, nahm letztere die Gelegenheit wahr, den Sultan zu bitten, er wöge etwas für die arme jüdische Bevölkerung thun. Sofort ließ er seinen Architecten kommen, um ihn zu beauftragen, 150 neue Häuser zu einem neuen jüdischen Stadtviertel zu vereinen, wo die armen Juden eine menschenwürdige Behausung erhalten werden. * Die vorletzte Nummer des „Jewish Chroniele“ bringt unter anderen statistischen Notizen auch die uns besonders interessierende, dass die russisch-jüdische Bevölkerung Englands im ganzen nur 0-14 Percent beträgt, wovon mehr wie die Hälfte — 30.000 — in London leben. Und um dieser verschwindend kleinen Anzahl „Fremder", die die englischen Arbeiter schädigen sollen, wird, eine ganze parlamentarische Action in Scene gesetzt! Gewiss sehr „parlamentarisch" gehandelt von Herrn Ehamberlain. Ob wohl das House of Commons seinem 9kamen Ehre machen wird und den Lords Gefolgschaft leistet? Hoffentlich — nicht! Nmimchnchtk«. Koffow, 15. December 1898. Am vorletzten Ehanukah- Abend veranstaltete der hiesige Verein „Z i o n" eine Makkabäerfeier, an der über 1200 Personen theilnahmen. Der Vereinsschriftführer Herr S. A. Häusler entwickelte in der Festrede eine Allegorie der acht Ehanukahlichter, Herr Dr. R o s e n h e ck als Gast in zweistündiger, glänzender Rede die Tendenz des Zionismus. Nach einer hebräischen Schlussrede des Herrn Kressel vereinigte ein animiertes Bankett die Festtheilneymer. Grzymalöw. Am 11. v. M. veranstaltete der hiesige Verein . I) o r s c h e - Z i o n“ eine solenne Makkabäerfeier. Nach der Begrüßungsrede des Herrn B. T u n e s hielt Herr I. Wurzel aus Stanislau die Festrede. Großen Beifall fanden die künstlerischen Productionen der Herren Nuss bäum aus Tarnopol (Oper „Faust"), Hefter und Brunn (Dialog aus „Nathan der Weise"), Kirschen („Kojawiak a Madrigal“), Nussbaum aus Borki Wielki (Lied „Fern im Osten"). Auf das von Herrn Margulies vorgetragene selbstverfasste Gedicht „Ehanukahüchter" folgte die Schlussrede des Herrn W a l d m a n n aus Tarnopol. Stanislau, Anfang Jänner. Die eonstituierende Generalversammlung des auf Initiative des akademischen Zionistenelubs gegründeten Frauen- und Mädchenvereines „Rachel" wählte in den Ausschuss: Fr. M. Horowitz, Präsidentin; Fr. M a s z l e r, Vicepräsidentin; Frl. Rosenberg, erste Schriftführerin; Fr. Ostermann, zweite Schriftführerin; Frl. Meller, Eassterin; ferner Fr. Landau, Fr. S z t e n e e l, Frl. Ungar, Frl. Appenzeller. — Die Ansprachen der Herren Dr. S zur, Präsidenten des „Erez Israel“, und Wurz el wurden lebhaft aeelamiert. Zbaraz. Der Zionismus macht hier erfreuliche Fortschritte, wir haben die ganze Arbeiterclasse und den Mittelstand für unsere Sache gewonnen. Am 24. v. M. war die Generalversammlung des Vereines „Hazionim hazeirim“. Herr I. Pordes legte Rechenschaft über die Thäti^keit des Vereines ab; dann wmdete sich Herr H. Fl am an die Jugend. Die Neuwahlen ergaben : Herr H. F l a m, Obmann; die Herren S. Schein und I. G r u b e r g, Stellvertreter; Herr M. Aschkenasy (hebräischer Secretär); Herr I. Werber, Casster; ferner die Herren S. Gelles, I. Jmber, I. Witriol. Auch eine Ortsgruppe des Verbandes Lemberger „Zion" hat sich hier gegründet; der Präsident ist Herr L. W i l l n e r. M. A. Haliez (Galizien.) Am 4. v. M. hat die erste Generalversammlung zur Eröffnung des Vereines ,Schaare Zion“ stattgefunden. Die Herren D. H. Tieg er aus Lemberg, L. Zweig und M. Apenzeller- Herscher aus Stanislau hielten zionistische Vorträge. In den Ausschuss wurden gewählt die Herren Eh. Spiermann zum Präsidenten, D. Weitz zum Vicepräsidenten, S. G o l d, Secretär der Landessprache, R. F a h n, Secretär fürs Hebräische, M. Akselrad, Cassier und I. P laner als Bibliothekar. Der Verein bittet um Zusendung hebräischer und deutscher Werke. Rohatyn. Bei der am 11. v. M. im Locale des Vereines ,Bnei Zion“ ab gehaltenen und vom Präsidenten Herrn A. Weidmann eröffneten Chanukahfeier schilderte Herr S. Melzer die Makkabäerzeit, Herr S. Margulies feierte den modernen Makkabäismus in einer Rede, deren Drucklegung von der Versammlung' beschlossen wurde. Bei dem folgenden Eommerse hielten Toaste die Herren Nagelberg aus E h o d o r 6 w, Melzer, Z i e r l e r und Margulies. Herr W e i n l ö s toastierte unter stürmischem Beifalle auf Dr. H e r z l. J. W. Tg. Frunws. Vor einigen Monaten hat sich hier ein Verein „Bne Zion, Dr. Lippe“ mit Herrn B. Judcowitz als Präsidenten und Herrn I. Frisch als Secretär gegründet, durch dessen Thätigkeit der Zionismus erfreuliche Fortschritte macht. Wir konnten bereits an das Galatzer Centralcomito eine aus Schekelgeldern gesammelte stattliche Summe einsenden. Am 28. v. M. sprach Herr Dr. Lippe im hiesigen Bethamidrasch in einer großen jüdischen Volksversammlung über den politischen Zionismus und die Nothwendigkeit der Eolonialbank, sowie über die Gründung einer Knabenschule zum Unterrichte in der hebräischen Sprache. Herr Dr. Lippe erntete für seine trefflichen Ausführungen den begeisterten Beifall der Versammlung. Radautz. Bei der am 20. v. M. stattgefundenen Plenarversammlung des Vereines „Dorsche Zion“, dessen Gründung den Bemühungen der hiesigen Jugend zu danken ist, wurden nach einer mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ansprache des Herrn Dr. Jos. Vierer gewählt die Herren: Dr. I. Vierer zum Ehrenpräsidenten, Ehrwürden Rabbiner S. Schapira zum Obmann, I. L. Kaßner zum Stellvertreter, B. Lehrer zum Cassier, I. Frischwasser zum hebräischen, I. K l a m m er zum deutschen Schriftführer, S. Harth sen. zum Zeitungsverweser und Bibliothekar und die Herren Eh. Wild mann, A. P r e s s n e r, S. Hirsch, M. R i e z k e r, S. H e r s ch l e i f e r und L. Land mann in den Verwaltungsausschuss. Der Verein zählt bereits über 100 Mitglieder. P MschristenkunWa«. Die „Zeitschrift des Deutschen Palästina-Bereines" bringt eine interessante Studie über „die Landschaft Hauran in römischer Zeit und in der Gegenwart". Der Verfasser schildert die Geschichte des Landes, das einen Theil des östlichen Syriens bildet, zur Zeit der römischen, seine spätere Verödung durch die Muslimen bis zur Gegenwart. Die Bevölkerung der Gegenwart theilt sich in sesshafte Bauern und Beduinen, die früher die Bauern und die Reisenden zu berauben pflegten, bis sie die türkische Regierung gezähmt, zum sesshaften Leben bekehrt oder in die Wüste hinausgedrängt hat. Eonfessionell gehören die Einwohner dem Islam an, die Drusen sind eine Secte, deren Religion ein Gemisch von christlichen und islamitischen Lehren ist. Sie sind ein kräftiges Bergvolk, tapfer, gastfreundlich, patriarchalisch. Früher 7000 an Zahl haben sie 1865—1870 17 Bergdörfer neu besiedelt. Sie empören sich gegen die Regierung aus religiösem Gegensätze und weil sie keine Steuern zahlen wollen. Noch in den Jahren 1893 und 1895 erhoben sie sich, im Jahre 1896 wurde der Aufstand unterdrückt. Jetzt herrscht Ruhe. Am zahlreichsten sind die Jslambekenner in Hauran vertreten. In der Nukra allein wohnen 150.000 Muslimen gegenüber 290 Christen. Die Bevölkerung lebt vornehmlich von Ackerbau, auch von Industrie. Ein großes Uebel für die wirtschaftliche Entwicklung ist die Schwierigkeit des Transportes. Es verfaulen darum Massen von Getreide. Von einer englischen und französischen Gesellschaft werden dort zwei