Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · p. 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Article
Emile Zola in Menimen!
Date
1899-01-27
Page
8 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315801-3384267--10454-3384390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 Nr . 4 türkischer Bürger ein wohlbehagliches Leben führen, ohne daran zu denken, dieses Vaterland je zu verlassen. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: In Memmen wohnt ein junger Jude, namens Moses ben Giat. Wie jeder Jude und jeder rechtdenkende Mensch überhaupt interessierte er sich lebhaft für die Dreytus—Zola-Affaire. Der Mann hatte nur Mädchen, aber keinen Sohn. Da legte er ein Gelöbnis ab, falls ihm ein solcher geboren würde,, ihn Emile Zola zu nennen. Sein Wunsch gieng in Erfüllung und er löste sein Gelübde pünktlich ein. Seinen vorige Woche neugeborenen Sohn nannte er Emile Zola." „Hameliz“. Pfändung bei Zola. Am 21. Jänner fand die zweite Versteigerung des Mobiliars Zolas statt, deren Ertrag dazu bestimmt ist, die 2500 Francs betragenden Kosten der crfteit vor einigen Monaten vorgenommenen Versteigerung zur Bezahlung der Schreibsachverständigen zu decken. Freunde Zolas erboten sich, die erforderliche Summe zu zahlen, doch wurde dieses Anerbieten von dem Richter abgelehnt. Bei dem ersten zur Versteigerung gestellten Gegenstände, einem Spiegel, zahlte der Verleger Fasquelle die erforderliche Summe. Etwa hundert Personen waren bei der Versteigerung anwesend. Paty du CI am soll, wie das „Berl. Tageblatt" berichtet, vor dem Cassationshose eingestanden haben, das Werkzeug der Machenschaften gewesen zu sein, welche zur Verurtheilung Dreyfus' führten. „Triumph der Liebe." So heißt das neue Gedichtbuch Frll M a th eso n s, das „den Leidenden und Gedrückten, vor allem aber der jüdischen Rasse" gewidmet ist. Bezeichnenderweise wird an einer Stelle P'aulus als der „großherzige Jude" gepriesen. Eine schädliche Auszeichnung der russischen Juden seitens der Regierung besteht dann, dass jüdische Gemeiudefunctionäre als Staatsbeamte betrachtet werden, wenn sie sich irgend etwas zuschulden kommen lassen. Staatsbeamte werden aber mit einem höheren Strafausmaß bedacht. Unlängst hat nun der Senat erklärt, jüdische Gemeindefunctionäre seien keine Staatsbeamten und wie andere Leute zu bestrafen. Eine Revision auf Grundlage der Bibel verlangt, nach einer Meldung der w Westminster Gazette“, ein Mitglied des gesetzgebenden Körpers von Kansas. In seiner Begründung führte der Antragsteller aus, die Gesetze Mosis seien weitaus vollkommener als alles, was das hohe Haus jemals beschlossen, und deshalb müsse die Verfassung in Einklang gebracht werden mit dem Zehngebot, das heute, wie zu allen Zeiten, das Kriterion der höchsten Gerechtigkeit bilde. Channka in der indischen Armee. Einige jüdische Osficiere des in Bombay stationierten 22. Infanterie-Regimentes feierten am 11. v. M. in der Wohnung des Subadar Mayor Hyem Benjamin das Chanuka-Fest. Alle Beni Israel des Qnetta-Districtes waren dazu eingeladen worden. Ein höherer Osficier nahm nach dem Gebete und dem Anzünden des Chanuka-Lichtes das Wort und schilderte im Marathi (der von den Beni Israel adoptierten Muttersprache) die Thaten der Hasmonäer, die auch vom militärischeu Standpunkte sehr interessant und aller Bewunderung wert seien. Der rumänische Premierminister M. Stonrdza bemerkte in einer, anlässlich eines Galatzer Wahlmeetings gehaltenen Rede, dass alle Arten des Handels und der Industrie ans den Händen der Fremden genommen werden müssten. Fremde sind nach rumänischem Sprachgebrauche gleichbedeutend mit Juden. Dazu hetzen die christlichen Studenten die Landbevölkerung gegen die Juden auf. „Sie wollen Eure Kirchen niederreißen und Euch zu Christen machen," heißt es in einem Manifest der I a s s y e r Studenten, das in 40.000 Exemplaren vertheilt wurde. Das Märchen vom Dalles wird von einem niederländischen Blatte in folgender Weise erzählt: „Einem armen Juden, Witwer und Vater von sechs Kindern, geschah es, dass er den Zins nicht zahlen konnte und sein Logis räumen musste. All sein Hab und Gut stand auf einem Blatt Papier verzeichnet. Eh' er sortgieng, warf er einen prüfenden Blick in alle Ecken des Zimmers, ob nichts vergessen worden. Schließlich verglich er seine Auszeichnungen mit der Zahl seiner Kinder. Eins, zwei, drei-n. s. w. bis sieben. Ja, wirklich, da waren sieben, und in seinem Papier standen bloß sechs. Wer bist Du, fragte er voll Staunen den barfüßigen Jungen. „Ich bin der Dalles." Der Dalles! Wozu kommst Du her? „Ich zieh' mit Dir in die neue Wohnung." Der arme Jude wehrte sich. Warum denn der Dalles nicht zu einem Reichen gieuge, dort hätte er's ja comsortabler. „Freilich," erwiderte der Dalles, „thät' ich auch lieber. Aber Du begreifst, ohne Schuhe, wie ich bin, kann ich mich keinem Reichen vorstellen." So arm der arme Jude auch war, er beschloss (denn was thnt mau nicht, um den Dalles loszuwerden?), dem ungebetenen Gaste Schuhe zu kaufen. Zu diesem Zwecke opferte cr seine einzige Lampe. Als aber die Schuhe da waren, fand sich, dass diese zu enge seien. Also keine Lampe, und Schuhe, die zu nichts nütze! Was thun? Alles lieber, als den Dalles zum Aftermietcr zu bekommen. Darum verkaufte der Arme seine letzte Decke, aber diesmal, vorsichtig gemacht, nahm er zuvor dem Dalles das genaue Fußmaß ab. Aber, siehe da, auch die neuen Schuhe wollten nicht passen! Und auch ein dritter Versuch gieng nicht besser aus. Denn die Füße des Dalles wuchsen eben von Stunde zu Stunde. Da gab der Arme endlich alle Bemühungen auf, und der Dalles zog triumphierend in die neue Wohnung mit. Zion — Amerika. Diese Gleichung ist der Weisheit letzter Schluss, der auf dem Verbandstage der Union ot American Rabbis gezogen wurde. Die Herren behaupten : „Unser Zion ist Amerika" und stoßen damit den Beschluss des bekannten Napoleonischen Synhedrious um, der da lautet: „Unser Zion ist Frankreich". Bald werden alle fünf Welttheile um den Besitz des echten Zion streiten. Wahrscheinlich wird Asien Recht bebakten. Der Geburtstag der Bäume, der in diesem Jahre auf den 26. Jänner fällt, markiert einen der vier Jahresanfänge, welche durch die Weisheit unserer Weisen bestimmt wurden. Nichts kann für die ursprüngliche Eigenart des jüdischen Volkes als eines ackerbautreibenden bezeichnender sein, als die Einrichtung dieses Geburtstages. Ihn wieder mit vollem Rechte feiern zu dürfen, kann als der einfache Sinn des Zionismus ausgesprochen werden. „Der Tag der Bäume", das ist der Tag der Befreiung. Die Heuschrecken in den argentinischen Colonien. Ueber die Heuschreckenplage in Argentinien hat das Auswärtige Amt in Washington von dem Consul Mayer aus Buenos Aires einen eingehenden Bericht erhallen, der das Datum des 12. October trägt. Obgleich der Kampf mit großem Eifer geführt wird, macht die Verbreitung des Ungeziefers erschreckende Fortschritte, und es ist zu befürchten, dass es auch über die Provinz Buenos Ayres Hereinbrechen wird. Besonders heimgesucht sind die Provinzen Entrerios, Theile von Santa Fe und Cordoba. Au den drei ersten Tagen des October wurden in Entrerios allein 7960 Centner Heuschrecken gesammelt. Auch Paraguay liegt unter dicken Wolken von Heuschrecken. Die südlichen Colonien der Provinz Santa Fe waren noch nicht von der Plage erreicht und die Farmer hofften, ihren Weizen und die Leinsaat noch glücklich herein zn bringen. Außerordentlich stark gelitten haben die jüdischen Colonien in Villaguay, wo die Heuschrecken die ganze Ernte veruichtet haben. Der Besitz der Ansiedelungs-Gesellschaft erstreckt sich über 70.000 Hektar, wovon 25—20.000 unter Kultur stehen; mau kann sich danach eine Vorstellung von dem ungeheuren Verluste machen, der nur durch den Eintritt von Regen vielleicht noch etwas gemildert werden könnte. Die dortigen Bauern haben den Kampf gegen das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.