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Die Welt · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Article
Unterlassungssünden und Missgriffe
Date
1899-01-27
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 JfcÜVWr Äette- Jahren Inspektoren ernannt worden, welche über das Blühen und Gedeihen der Religionsschuleu zu Wachen haben, und trotzdem muss von dem Unterrichtsministerium die Initiative zur Einführung eines dem Zeitgeiste Rechnung tragenden Lehrbuches ausgehen! Die Thatsache ist fürwahr tieftraurig und ganz dazu' angetban, uns die Schamröthe ins Gesicht zu treiben. Bedeutet sie nicht einen Bankerott jenes weitläufigen Apparates? Und wie hat sich der Vorstand aus der Affaire gezogen? Lange Berathungen wurden gepflogen, Enqueten wurden veranstaltet, und das Resultat steht in keinem Verhältnisse zu den Vorbereitungen. Parturient montes, nascutur ridiculus mus! Es wurde beschlossen, Professor Braun in Breslau um eine Bearbeitung seiner Geschichte Israels zu ersuchen. Also aus Breslau winkt das Heil! Durch diesen. Beschluss hat der Cultusvorstand sich und den österreichischen Religionslehrern einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Sich, indem er implicite den Lehrern, die er selbst angestellt, die Fähigkeit absprach, ein Lehrbuch zustande zu bringen, und dpn österreichischen Religionslehrern, indem er über sie den Stab brach, über sie zur Tagesordnung übergieng. Wie soll in ihnen ein Selbstbewusstsein sich entwickeln, ein höheres Streben sich in ihnen festsetzen, wie sollen sie mit den höheren Zwecken wachsen, wenn sie in solcher Weise vor aller Welt entehrt werden? Und welche Meinung können darnach die staatlichen Behörden sich von diesen Männern bilden, welche ohnehin von ihnen mit einem mitleidigen Achselzucken angesehen, mit dem Namen von „Hilfslehrern" oder „Nebenlehrern" belegt werden? Wir würden uns gar nicht wundern, wenn'in diesen der bittere Gedanke sich einnistete: „Gott schütze mich vor meinen Freunden, mit meinen. Feinden werde ich schon selbst fertig werden." Wie ganz anders geht doch das Unterrichtsministerium in ähnlichen Fällen zu Werke! Wir müssen mit patriotischer Genugthuung constatieren, dass an unseren Volks-, Bürger- und Mittelschulen nur solche Lehrmittel eingeführt sind, welche heimische Lehrkräfte zu Verfassern haben. B. Jacobs. # WeltchrmiK. Der Preis der jüdischen Hymne. Wie man sich erinnern wird, hat ein Zionist, der sich unter dem Namen JschJehudi verbirgt, vor einiger Zeit einen Preis von fünfhundertFrancs für die beste jüdische Volkshymne ausgesetzt. Diese Preisausschreibung ergab nicht das gewünschte Resultat. Die Preisrichter konnten keinem de/ eingesandten Concurrenzlieder den Preis zuerkennen. Diese Manuskripte werden nun verbrannt und die Anonymität der Einsender bleibt gewahrt. —Was sollte aber mit dem ausgesetzten Preise geschehen? Jsch Jehudi hat sich nun entschlossen, einem anderen Kunstwerke den Preis zu widmen. Seine Absicht war es gewesen, ein Werk zu prämiieren, welches die Propaganda der Zionsidee in möglichst vollendeter künstlerischer Form besorgen könnte. Als ein solches, wenn auch nicht dichterisches, Werk stellte sich die schöne Medaille dar, die der Bildhauer Friedrich Beer in Paris für den Baseler Congress schuf. Diese Medaille hat den größten Beifall der Kunstkenner gefunden. JschJehudi hat deshalb der Beer'schen Congress medaille den ursprünglich einem Liede zugedacht gewesenen Preis zuerkannt. Das Lob des Ghetto. In folgender Weise charakterisierte Zangwill seine Eltern der ihn vergötternden amerikanisch-jüdischen Frauenwelt: „Mein Vater ist ein Russe, meine Mutter eine Polin. Ich bin ein echtes Product des Ghetto. Mein Vater glaubt an die 613 Gebote, legt Tefillin, trägt Kittel und Talleth, singt Barne madlikin und Semiroth. Er lässt sich nicht rasieren, dafür fastet er am Jom Kippur. Er schlürft keine Austern, dafür.speist er-köst-f lich am Simchath Thora. Meine Mutter glaubt an Koscher-. fleisch. Sie hat in ihrem ganzen Leben kMe NovelleHeÜsE^ dafür hat sie geweint über den Kirioth. Sie hat noch .nie. etwas von einem „Müttercongress" gehört, dafür genau an-, gesehen den Tzena urena. Sie hat nie bei einem Kaffeeklatsch mitgethan, dafür segnet sie die SahbäHlichtyk '.'M/WeltzHahiKM Jetzt frag' ich Euch, die meinem polnischen Mutter so weit überlegen sind i Könnt - I h r einen' Kerl, wie ich einer bin, hervorbringeu? — Run also!;t- ’ Brownings Rache an Beaconsfield.. /Zur Zeit, da die. Londonerdurch einen ^Stxaßenhane/ genügst'/ wurden, der mit den Worten begann: „Wir haben rächt Last/ zu kämpfen," rächte sich der schon ganz verzweifelte j Browning — an Beaconsfield. Er cornpöniertrM tzeW Unsinn von der Straße eine Salpnväriante, , die ,also,gnhyb:^ „Wir haben nicht Lust zu kämpfen ' ' Doch manchmal thät' es gutz ' .; Wenn' einer wär' zu köpfen/' Der Beaconsfield, der Jud'," / Ein derber Stilist scheint der Prästdent der Tälmud- Thoraclassen des Westend von.London, Herr *£.Äitztor/H'.'sM^ In einer Bezirksversammlung ergriff vor einiger Zeit hex, Chiefrabbi das Wort, um seine Meinung-über die Thätigkeit! der Bezirksseelsorger zu äußern, Geschliffener'CultürMenfch,'d'ü'' er ist, fasste er sein Urtheil in einen halben Satz, dessen/ andere, verschwiegene Hälfte nicht die bessere, war. . Es feien,; sagte er fein, in diesem Bezirke verhältnismäßig mehr Seel-- sorger als sonstwo. „Ja, und verteufelt wenig" leisten sie," . polterte Herr Victor drein und war recht erstaunt, als et'die' Versammlung infolge seiner Satzergänzung bestürzt und verlegen sah. Daraus ergibt sich:-An einem Rabbiwort darf man wohl mäkeln, aber nicht deuteln, und was ein Chiefrabbi weise' verschweigt, zeigt — andere als Meister der Offenheit. Better Fuhrmanns Peitschenstiel im Journalismus. Im „D a i 1 v P i e a y u n e ‘ von New- Orleans lesen wir: „Der „Pest.er Lloyd" erfährt aus St. Petersburg, sagt der Wiener Correspoildeni des Londoner „S ta nd ard", dass ein jüdisches Blatt in dieser Hauptstadt eine Nachricht aus P ä l ä st i üa - erhalten hat, wonach die türkischen 'Behörden daselbst vM .Co.ustautinvpel aus angewiesen worden .wären, darauf zu sehen, dass Juden, selbst als türkische Staatsangehörige, keine- Güter in Palästina erwerben dürfen." ■ . ' ’ / Ein ganz neues Schauspiel bot sich dieser Tag/ an dem jüdischen „Lichtfeste" in der . Londoner „Central-« Synagoge". „Die Juden sind eine kämpfende Rasse", bemerkt dkr/ „Morning Leader" darüber. Es erschienen beinahe, zweihundert, jüdische Soldaten in der Uniform der verschiedensten Regimenter.. Alles Leute, die nicht,, wie in anderen Ländern, unter dem" Militärzwange standen, sondern sich freiwillig hatten aiiwerben lassen. Manche trugen den Kilt der schottischen Hochländer und viele zeigten, als ans dem Süden heimgekehrte Grenadiere, die Ehrenmedaille für ihre in der Schlacht bei Omdurman bewiesene Tapferkeit an diesem „Feste des' Lichtes", das dem Andenken des altjüdischen Heros Judas Maccabäus gewidmet ist. Es kam zu lebhaften Ausbrüchen von Patriotismus, und manche ihrer Glaubensgenossen schüttelten ihnen dankbar die Hände als „echten Vorkämpfern für ein künftiges Zion". Nach Schluss der Feierlichkeit marschierten sie in Reih und Glied unter Hörnersignalen davon. Es war eine überraschende Demonstration, die erste ibrer Art! „Emile Zola in Menimen!" Unter diesem Titel erzählt ein Smyrnaer türkisches Blatt folgende artige'Geschichte' aus dem, in der Nähe Smyrnas gelegenen Städtchen: „Seit' mehr als acht Tagen ist Emile Zola in Menimen. Er hat sich nicht aus Europa geflüchtet,, nicht im Geheimen, schlug er dort seinen Wohnsitz auf, sondern am helllichten Tage vor allör Welt, und wenn ihm Gott langes Leben schenkt, wird er als

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