Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 3 (20.1.1899)
- Article
- Wien
- Date
- 1899-01-20
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 Seite 13 fall der Zuhörerschaft, welche den Saal des niederösterreichischen Gewerbevereines füllte. — Der Präses der Lesehalle, Herr Salo Deutsch, hatte den Eyelus mit Worten des Dankes gegenüber dem Vortragenden und den Zuhörern eröffnet, deren Anwesenheit er nicht bloß als Zeichen des Interesses für die Vorträge, sondern theilweise auch als Beweis des Wohlwollens für die Lesehalle der jüdischen Studentenschaft ansehen zu dürfen bat. Denn die Lesehalle brauche dieses Wohlwollen mehr als je, und die jüdischen Bürger sollten an die Studentenschaft mehr als bisher denken. Denn den Dank des nachwachsenden Geschlechtes könne gerade das Judenthum derzeit recht gut brauchen. — In dem erwähnten Eyelus sprechen noch Herr Hermann Bahr („Humor"), Herr Dr. Sad g e r (Goethe), Herr Redaeteur Glücksmann („Komödie des Lebens"), die gew. Hofschauspielerin Frau v. T ür k- L e ut h o l d (Recitation) und Herr Dr. Rudolf Lothar (Burgtheater). — Karten (für den ganzen Cyclus a 3 fl. und 2 fl.) in der Lesehalle, IX., Berggasse 4, oder an der Cassa. Wien. (Jüdisch-akademische Lesehalle.) Samstag, den 21. d., Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisengrün: Einleitung in die So eialwissensch asten II. Zur Philosophie der Geschichte. Wischau. Am 7. Jänner veranstalteten die jüdischen Hochschüler in Wischau eine Akademie, welche der zionistischen Idee gewidmet war und ein sehr zahlreiches Publicum von Nah und Fern versammelte. Es war ein echt jüdischer Festabend, und es wäre nur sehr zu wünschen, dass auch andere Städte mit jenem Feuereifer für die Idee wirkten, wie die Wischauer. 8tuä. Alt hielt eine 'begeisterte schöne Begrüßungsrede, worauf J.-U.-C. Arthur Feldmann mit dem Vortrage seiner prächtigen „Jüdischen Eulturbilder" viel Verfall erntete. Auch das Gedicht „Ehanuka" von Berthold Feiwel, welches in Herrn Dr. Ad. Feldmann einen würdigen Interpreten fand, wurde lebhaft acclamiert. Die piece de resistance des Abends bildete der Vortrag der „I u d e n l i e d e r" von Adolph Donath. Der allgemein beliebte Dichter selber war aus Wien herbeigeeilt und recitierte diese seine künstlerisch vollendeten und ged ankentiefen, originellen Poesien, die überall berechtigtes Aufsehen erregt haben, unter stürmischem Applaus des dankbaren Publicums. Ein großes Verdienst um den herrlichen Abend erwarben sich die Wischauer Damen. Ein animiertes Tanzkränzchen unter den Klängen der Militärkapelle beschloß das gelungene Fest. Wien. Am 11. d. M. fand in den Favoritensälen die zweite Generalversammlung der Ortsgruppe Favoriten des „Zion" unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Dr. Rosenthal statt. Nach Genehmigung einer Statutenänderung erhielt Herr Jork-Steiner das Wort zu seinem Vortrage: „Was ich m Palästina erlebte". Der Redner entledigte sich seiner Ausführungen in vortrefflicher Weise; jeder der zahlreich Anwesenden durfte glauben. Selbsterlebtes zu vernehmen, in solch realistischer Weise wusste der Vortragende die einzelnen Erlebnisse — oder wenigstens einen Theil derselben — aneinanderzureihen. Im Verlaufe seiner Darstellung betonte der Redner mit Bezug auf die jüdische Bodengesetzgebung der Bibel, wie diese so treffend den klimatischen und anderen Verhältnissen im heiligen Lande angepasst sei und erläuterte dies an einigen Beispielen. Reicher Beifall wurde dem Redner am Schlüsse, wie im -ganzen Verlause der Rede zutheil. In der darauf folgenden Discussion nahm zunächst, von lautem Beifall begrüßtj Herr Dr. H e r z l das Wort, um einem socialistischen Redner zu antworten. Dieser hatte an Herrn Dr. Herzl die Interpellation gerichtet, wie er sich den zukünftigen Staat denke, als ein colleetivistisches Gemeinwesen oder als einen modernen Staat mit der Herrschaft des Eapitals. In seiner Beantwortung meinte Herr Dr. Herzl, dass er — und wohl die meisten vernünftig denkenden Menschen — auf ihr durch eigene Kraft und Fähigkeit Erworbenes gerechten Anspruch machen würden; jedenfalls gebe sich der Zionismus nicht mit derartigen Utopien ab. Noch ein anderer Redner hatte verschiedene Einwände gegen den Zionismus, die ebenfalls von Herrn Dr. Herzl widerlegt wurden. Zum Schluffe nahm noch Herr Dr. Leopold Kahn das Wort, um auf einen Einwand zu erwidern, den der erste Contraredner in einer früheren Versammlung erhoben, indem er nachwies, dass das 3<>r)0 Jahre alte jüdische Gesetz im Hinblicke auf den Schutz der Minderbegüterten un allgemeinen und der Fremden im besonderen weit über allen modernen Gesetzen stehe, sogar noch über den Zielen, die die socialistischen Parteien in ihrem Programme erstrebten, und dass gerade diese am allerwenigsten Ursache hätten, gegen den Zionismus aufzutreten. Auch seine Ausführungen wurden mit Beifall ausgenommen. In Summa — es war ein sehr schöner und vor allem ein sehr lehrreicher Abend, und die zahlreich Erschienenen, Damen wie Herren, hatten nur den einen Wunsch, dass der Verein weiter erblühen und noch recht oft solche anregende Stunden seinen Gästen bereiten möge. B. Wien. In dem Vereine jüdischer Mädchen „Badassa" fand den 8. d. eine Plenarversammlung behufs Neuwahlen in den Ausschuss statt. Es wurden gewählt: Frl. K. L e d e r e r, Präsidentin; Frl. H e r l i n g e r, Vice-Präsidentin; Frl. G e l b t u ch, Schriftführerin; Frl. 3.. Bock, Cassierin; ferner die Damen Schulm a n n, B e tt elh e i m, Ehill, Eisenschreiber und Kraus. Der nächste Vortragsnachmittag des Vereines findet Sonntag den 22. d. statt und wird Herr Dr. Schorr über den Geschichtsschreiber „Flavius Josephus" sprechen. Wien. Im Einzelverein „W i e n" des „Z i o n" findet am Dienstag den 24. Jänner, 7’2<s Uhr abends, im Vereinslocale, II., R e m b r a n d t str a ß e 11, eine ordentliche Generalversammlung statt, zu welcher die Herren Mitglieder höflichst eingeladen werden. Wien. Die rühmlichst bekannte Opern- und Coneertsängerin Frl. Grethe M o d li n g e r, Tochter des im Juni v. I. verstorbenen Gelehrten Sam. Modlinger, veranstaltet Dienstag, den 24. Jänner im Saale Ehrbar unter gef. Mitwirkung der Schauspielerin Frl. B. D o v s kp einen Liederabend. V ZciWiftciilmW»». Wir haben die große Freude, das Erscheinen eines neuen zionistischen Organs, und zwar in französischer Sprache, anzeigen zu können. «Be Flambeau" („Die Fackel") heißt die neue Monatsschrift, die von unserem bewährten .Mitarbeiter Mr. Jacques Bahar in Paris herausgegeben wird. Die ersten Nummern werden Beiträge von Nordau, Lazare u. A. enthalten. Wir wünschen dem neuen Mitstreiter herzlichst Erfolg auf seinen Weg.^— Die Redaction des „Flambeau" sendet uns die nachstehende Ankündigung zu: „Le Flambeau“ (Die Fackel). Directeur: Jacques Bahar. Organe mentuel du judnisme Sioniste et Social. Redaction et Adminislration 132 Rue Cardinet, Paris. Seize pages du texte. Sommaire du lr Numero. Doctrine. La Redaction. Le Proletariat juif devant rAntisemitisme. Bernard Lazare. L’Algerie cubaine. Jacques Bahar. Alickiewicz. N. K. Varietes: Un clecore X. Mikweh Goycfi: Jochanann- 1 c - P1 o n g e u r. — Theatre: L e m a r c li a n d d e lorg nette. Abonnements: Union Postale 3 Fcs. par an. Abonnements de propagande par 20, 50 et 100 a prix reduits. Le prochain numero contiendra un article de M-r le Dr. Max Nordau. Ab onn em entsanm eld un gen für unser französisches Bruderorgan können bei der „Welt" aufgegeben werden. P Feuilleton. Ucrdaus „Doctor K-Hn". Von Benjamin Seff. Dieses Drama, das sie heute nicht zu spielen wagen, wird dennoch bleiben. Es ist von dem robusten Wuchs der Werke, welche dauern. Grillparzer durfte sagen: Mag uns're Zeit mich bestreiten, Ich lass' es ruhig gescheh'n — Ich komme aus anderen Zeiten Und hoffe in and're zu geh'u. Das gilt auch von dem neuen Stücke Max Nordaus. Er kann es ruhig geschehen lassen, wenn ihn die Einen beschimpfen und die Anderen verschweigen. Sein „Doctor Kohn" wird in spätere Zeiten hinübergehen und melden, was unsere Tage waren. Und zum beredten Werke gesellen sich nun auch dessen Schicksale in der Oeffentlichkeit.