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Die Welt · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Article
Prag / B.
Date
1899-01-20
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Sk. 3 ■ Sette 9 die Eonsequenze» auf jeden Fall die gleichen. Die Deutschen schlagen unsere Fensterscheiben ein, weil sie das Cabinetsschreiben nicht anerkennen, nach ihnen also die Rechte der Juden — nicht zu regeln sind. Denn von den, Momente an wäre es ungesetzlich, die Juden mit den Gesteinsarten des geologisch so interessanten Böhnierlandes ans dem Wege durch's Fenster bekannt zu machen. Für die Czechen wieder sind die Rechte „ihrer" Juden erst zu regeln, eben weil das Cabinetsschreiben von ihnen anerkannt wird. Was aber erst zu regeln ist, das ist eben noch nicht geregelt. Den Juden die Fensterscheiben einzuschlagen, könnte nur nach einem Gesetze verboten sein, das schon da ist. — Die böhmischen Juden haben also thatsächlich nur ein Recht, das des Optierens zwischen einer lex ferenda und einer lex lata. Und nach beiden haben sie die Glaserrechnung zu zahlen. B. Deutschland. Berlin. Anlässlich der Begründung des h n n d e r t st e n Vereines für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland (Oesterreich hat dank der Indifferenz breiter Schichten gegen alles, was jüdisch heißt, noch nicht einmal zehn solcher Vereine aufzuweisen!) ist im Sprechsaale der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" ein Streit darüher entstanden, welcher von den Vereinen für sich die Priorität in Anspruch nehmen kann. Der Streit erscheint recht müßig; wb nun Frankfurt an« Main oder Glogau, oder etwa Bochum den ersten Verein aufzuweisen hat — der Gedanke soll übrigens von Jakob Nachod zu Leipzig, dem verdienstvollen Mitbegründer des „Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes", stammen — Thatsache ist, dass ein rechtes Leben erst mit der Begründung der Vereine zu Cöln am Rhein und Berlin in die Bewegung kam. Alle Betheiligten wissen, dass der Aufschwung hier hauptsächlich der Agitation g e w i s sie r zionistischer Kreise zu danken ist, die in der richtigen Erkenntnis, dass die Verbreitung jüdischen Wissens die conditio sine qua non für das so vielfach verloren gegangene jüdische Selbstbewusstsein und Volksgefühl sei, mit Eifer für die Sache der Literaturvereine eintraten. Der große Aufschwung der Bewegung ist sicherlich erfreulich, wenn auch nicht verhehlt werden kann, dass die Wirksamkeit manches der hundert Vereine aus Mangel an Mitteln, an geeigneten Vortragenden u. s. w. recht problematisch ist. Dafür lässt sich aber andererseits in vielen Gemeinden ganz deutlich ein steigendes Interesse früher fernstehender Kreise für jüdische Fragen constatieren, das zum großen Theile auf die Wirksamkeit der betreffenden Vereine zurückgeführt werden muss. K. Frankreich. Paris, 17. Jänner. (Meldung der „Agence Havas".) Advocat Cabanes versichert, Esterhazy werde wahrscheinlich bald nach Paris kommen. Paris, 17. Jänner. Quesnay de Beaurepaire wird heute von der zur Untersuchung des Zwischenfalles Bard- Beaurepaire eingesetzten gerichtlichen Commission vernommen werden. „Matin" versichert, dass die Entscheidung bezüglich der Revision des Processes Dreyfus vor dem 15. Februar erfolgen werde. England. London. Die „English Zionist Federation“ wird am 22. d. M. ihre Thätigkeit aufnehmen. Der Zeitverlust, der durch das späte Datum markiert wird, ist nur ein scheinbarer. Dos hat sich in der vorwöchentlichen Konferenz in Leeds gezeigt. Die Begeisterung für unsere Bewegung erhält sich fortwährend auf gleicher Höhe, das auffallende Schweigen der Opposition hat nirgends Schlaffheit und Bequemlichkeit erzeugt. In London steht das Erziehungsproblem wieder im Vordergründe der Tagesdiscussion. Veranlassung dazu bot Lord Rothschild, der sich offen an die Seite der antichedarischen Bewegung stellte. Darüber sind natürlich die Melamdim schwer gekränkt, und, unterstützt von einigen Leuten, die mit. der Haltung Dr. Adlers in dieser Frage gar nicht einverstanden sind, bereiteten sie dem Chiefrabbi am letzten Samstag-Abende einen ziemlich ungewöhnlichen Empfang. Es mag bedauerlich gesunden werden, dass dieses Meeting so stürmisch verlief. Aber wenn es ein-s Beweises bedurft hätte für die Thatsache, dass Dr. Adler das Vertrauen des „Fast End“ gänzlich verloren hat, so konnte er schwerlich in elementarerer Weise geliefert werden.. Amerika. New-Pork. Neue zionistische Vereine sind in vielen Städten der Union in Gründung begriffen. Die Nachricht vom Empfange der zionistischen Abordnung hat mächtig gewirkt. Wir alle fühlen, dass wir am Vorabend großer Ereignisse stehen. Die leitenden amerikanischen Blätter beginnen nunmehr, sich mit dem Zionismus und seinen Bestrebungen auseinanderzusetzen. So z. B. brachte die „North American Review“ einen glänzenden Artikel aus der Feder des Herrn Rev. Dr. H. Pereira-Mendes über den letzten Cougress. In zionistischen Kreisen begegneten wir öfters dem Wunsche, es solle ein eigenes zionistisches Organ herausgegeben werden. Die National Federation ot American Zionist Societies gab aber diesen Gedanken nach reiflicher Erwägung wieder auf, da es für die Verbreitung der zionistischen Ideen in unserem Lande vortheilhafter schien, von Zeit zu Zeit in nicht ausgesprochen zionistische Organe geeignete zionistische Nachrichten und Artikel zu lancieren. So gelang es dem Schreiber, in einer der angesehensten jüdischen Zeitungen von New-Uork eine Rubrik, die ausschließlich dem Zionismus gewidmet ist, zu organisieren. — In der letzten Zeit haben Herr Professor Gottheil und meine Wenigkeit in Bersammlungeu zn Baltimore, Washington, Newark, Boston, Springsiel d, Brooklyn, Providence und Trentou gesprochen. Große Erfolge erzielen die von jüdischen Frauen und Mädchen gegründeten Vereine, die mit achtungswerten Resultaten sich mit dem Studium der jüdischen Geschichte und der hebräischen Sprache beschäftigen. In diesen Bestrebungen werden sie von Frau Prof. Gott heil wirksam unterstützt. Die von mir unlängst in diesem Blatte angekündigte Versammlung im West End von New-Aork hat inzwischen in der portugiesischen Synagoge stattgefnnden und hatte, dank einer prächtigen Rede Prof. Gottheils und einem wundervollen Essay Miß Josephine Lazarus über den Ziouismns, einen außerordentlichen Erfolg. Die letztgenannte, die einen guten Ruf als distinguierte Schriftstellerin genießt, ist die Schwester der vielbeweinten jüdisch-amerikanischen Dichterin Emma Lazarus. — Die Jahresversammlung der zionistischen Vereine Amerikas wird in der Pessach-Woche stattfinden. St. \Y. P Allerlei iUdiridjtcn. In den jüdischen Blättern der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika wird dafür plaidiert, es solle die Regierung mit Russland einen Vertrag schließen, auf Grund dessen es den amerikanischen Bürgern jüdischer Konfession gestattet sei, in Russland zu reisen, wie allen übrigen nichtjüdischen Ausländern. Allerdings, so wird bemerkt, sei der Augenblick nicht günstig gewählt, da die jetzigen Verhältnisse zwischen Amerika und England sehr freundschaftliche seien, während zwischen England und Russland eine Spannung herrsche. In jedem Falle aber solle die Negierung der Vereinigten Staaten auf Schließung des genannten Uebereinkommens bestehen. * Am letzten „Danksagungstage" hielt der berühmte amerikanische Jude, das Parlamentsmitglied Simon Wolf aus Washington, in einer quasi religiösen Versammlung in New-Iork eine Gedenkrede, in der er am Schlüsse die Zuhörer aufforderte, „Gott zu danfen für einen Georg Washington, Abraham Lincoln und William Me. Kinley, aber auch dafür, dass wir unter uns einen „Träumer aus dem Ghetto" haben (Zangwill), der in vier Wochen das, was uns noththut, besser herausgefunden, als der beste amerikanische Jude in fünfzig Jahren."

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