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Die Welt · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Article
Jüdische Turner in Südafrika
Date
1899-01-20
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 3 Sette 7 klang die Rede aus. Darauf wurden die Chanukalichter angezündet und spiegelten sich in den glänzenden Augen der jugendlichen Hörer, von denen mancher in dieser Stunde Vorsätze gefasst haben mag, die nicht ganz mit dem Geschmacke gewisser Protestler übereinstimmen dürften, dafür aber ein C h a n u k a der Zukunft erhoffen lassen. Die Einbürgerung fremder Juden in Deutschland. Unter diesem Titel berichtet am 16. Jänner ein Wiener deutschnationales antisemitisches Blatt: In seiner letzten Sitzung hat das Dresdener Stadtcollegium einen bemerkenswerten Beschluss gefasst. Zur Berathung stand das Einbürgerungsgesuch eines jüdischen Kaufmannes aus Oesterreich, der in Dresden wohnt. Es fand darüber eine eingehende Erörterung statt, und schließlich wurde das Gesuch des österreichischen Juden abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, ob man nicht in Zukunft grundsätzlich die Einbürgerung ausländischer Juden verweigern solle, und wenn auch dieser Grundsatz nicht geradezu aufgestellt wurde, so konnte man doch nicht im Zweifel darüber bleiben, dass die Dresdener Stadtverordnetenversammlung in ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit entschlossen ist, derartigen Einbürgerungsversuchen in Zukunft die Genehmigung zu versagen. Ein jüdischer Polizeieornrnissär. Seit dem Jahre 1879 versieht ein Jude, Paul Blatner, das Amt eines Jnspectors der Polizei auf Cypern. Als 34jähriger, zu Beginn der Occupation der Insel durch die Engländer, nach Cypern eingewandert, trat er bald darauf in den Staatsdienst, in welchem er infolge seiner vielseitigen Sprachkenntnisse eine rasche Carriere machte. Bemerkenswert ist, dass er, obwohl Jahre hindurch der einzige Jude auf der Insel, stets treu zu seinem Glauben gehalten hat. Sonderbare Heilige. Einen Rabbiner am Unrechten Orte predigen zu hören, ist heutigentages kein allzu erschütterndes Wunder mehr. Vielleicht genügt der Hinweis auf die Protestrabbiner, die ihren Antizionismus von der Kanzel herab verkünden. Aber alle in dieser Hinsicht gemachten heiteren Erfahrungen werden überboten sein, wenn der amerikanische Rabbi I. Leonard L e v y seine angekündigte Absicht ausführen und im Mormonentempel predigen sollte. Besagter Herr hielt unlängst einen Sermon über „die Grundlage der Ehe". Man vermuthet daher, dass jene Predigt, welche die Anhänger des Brigham Dornig erbauen soll, den Titel führen wird: „Die Grundlagen der Ehe". — In anderem Sinne erheiternd wirkt folgende Stelle aus einer Chanukapredigt des Rabbiners A. Loewenheim (Chicago): „... Und nun zu denken, dass diese amerikanischen, französischen, deutschen rc. Juden eine orientalische Satrapie auf Grundlage der C h a l u k a bilden würden und mit einer Rabbinersynode, die den Kindern den Besuch der Allianzschulen zu verwehren im- . stände wäre — der Gedanke ist zu absurd." Ganz richtig, zu absurd! Ein „Eruw"‘ und die Polizei. Eine interessante Verwaltungsstreitsache zwischen der Polizei und dem Vorstande der Synagogengemeinde in Rogasen ist in der letzten Sitzung des Bezirks-Ausschusses Posen zu ungunsten der jüdischen Gemeinde ausgefallen. Die Polizeiverwaltung hat nämlich den Vorstand der Synagogengemeinde aufgefordert, den zu rituellen Zwecken zwischen den Hausern des Schankwirtes K. und des Kürschners S. quer über die Czarnikauerstraße in der Höhe von mehreren Metern gezogenen Draht („Eruw"), sowie die zur Befestigung des Drahtes angebrachten Stangen bei Vermeidung von Zwangsmaßregeln zu beseitigen. Dem seitens der Synagogengemeinde bei dem Kreisausschusse gestellten Anträge, die Verfügung der Polizeiverwaltung insoweit aufzuheben, als sie die Beseitigung des Drahtes verlange, wurde keine Folge gegeben. Die beim Bezirks-Ausschnsse eingelegte Berufung wurde verworfen. Vater und Sohn. Der Eintritt Hon. Walter Rothschilds in das Haus der Gemeinen kann in gewissem Sinne als ein Unicum in der Geschichte des europäischerl Parlamentarismus bezeichnet werden. Zum erstenmale nämlich sitzen Vater und Sohn, beide Juden, nacheinander in einem der bedeutendsten Vertretungskörper der Welt, dem englischen, das nicht zu allen Zeiten so tolerant gewesen ist. Meinte doch noch G l a d st o n e, in einem christlichen Staate könne ein Andersgläubiger keine Gesetze machen. — Hon. Walter hat von der Universität Gießen das Ehrendoctorat der Philosophie erhalten. „Dentschnationale" untereinander. Im „Deutschen Hause" in Brünn kam es zu einer Prügelei zwischen jüdischen „deutschnationalen" Turnern und arischen deutschnationalen Hochschulen:, welche mit verschiedenen blutigen Köpfen endigte. Welche Partei mit einer größeren Zahl von blutigen Köpfen davonkam, ist nicht festgestellt. Die Polizei schritt ein. Die Alien-Bill. In einer Versammlung, die sich mit der Fremdenbill beschäftigte, constatierte ein Redner, dass die Zahl von 3450 Einwanderern im Jahre 1895/96 im vergangenen Jahre auf 2060 gesunken sei. Es gebe also keinen gerechten Grund mehr für jenes harte Gesetz. SOO.OOO Pfd. St. Soviel beträgt nach einer ungefähren Schätzung der Gesammtwert des Vermächtnisses Lord Rothschilds an die englische Nation. Recht geizige Leute, diese Inden! Dr. Adolf Silberstein, der auch unter dem Namen Eöwös bekannte Journalist, knnstkritische und philosophische Schriftsteller, Redacteur des „Pester Lloyd", ist in Budapest am 13. Jänner im Alter von 54 Jahren gestorben. Judenkrawalle in Frankreich. In Nancy fand am 16. Jänner ein Militärfest statt. Mehr als zehntausend Personen begrüßten mit außergewöhnlicher Begeisterung die Truppen und riefen: Rieder mit den Juden, nieder mit Dreyfus. Mehrere Juden wurden beschimpft und misshandelt. In Tonlose riefen am 14. Jänner Kungebnngen für und wider Dreyfus Tumulte hervor, bei denen einige Verwundungen vorkamen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgeuommen. Schnee in Palästina. Wie man türkischen Blättern aus Beirut meldet, musste der Bahnverkehr zwischen dieser Stadt und Damaskus wegen der Menge des gefallenen Schnees eingestellt werden. Jugendbildner. In Wien ist eine Vereinigung antisemitischer „Lehrer und Schulfreunde" in Bildung begriffen. Die öffentliche Revisionsverhandlung irn Falle Drensus wird, wie der Präsident der Eriminalkammer des Eassacionsbofes, Loew, einem Interviewer erklärte, spätestens in drei Wochen stattfinden. Kaiser Wilhelm als Theaterkritiker. Helene Odilon in Wien, die bekanntlich Mitglied des Berliner Königlichen Schauspielhauses war, plaudert jetzt im „N. W. I." allerlei Theatererinnerungen aus. Von besonderem Interesse dürfte daraus folgende Aenßerung über den Kaiser sein: „Kaiser Wilhelm bekundet als Zuhörer den eingeweihten Theatermann, der einen Blick hinter die Eoulissen gethan und die Geheimnisse der Bahne ebenfalls studiert hat. In früheren Jahren besuchte er gerne Proben, las viele Theaterstücke — auch diejenigen, die beanstandet waren, ließ sich, wie ich aus verlässüHstem Munde weiß, die von den Regierungspräsidien verbotenen Stücke vorlegen und las sie selbst durch. So hätte ein Gerhart Hauptmann'sches Werk, das beanstandet wurde, nie das Lampenlicht erblickt, wenn Kaiser Wilhelm das Stück nicht — sozusagen — nachträglich censurierte, nachdem es bereits verboten war. Mir theilte ein Herr aus der nächsten Umgebung des Kaisers die Worte mit, die der Kaiser äußerte, nachdem er das Hauptmann'sche Stück gelesen: „Das Stück ist sehr anregend; man kann nichts dagegen einweuden, wenn auch auf der Bühne das Elend vor Augen geführt wird, das zweifellos in verschiedenen Gegenden vermöge der ganzen Lage und durch Umstände, die immer mit berücksichtigt werden müssen, herrscht: aber man soll nicht damit das Volk nutzlos aufreizen, sondern gleichzeitig mit dem Bilde des Elends vernünftige Mittel angeben, wie dem Elend abgeholfen werden kann, ohne die Ordnung, die Rechte anderer zu knebeln." Max Regis, der Antisemitenhäuptling von Algier, hat wieder Algier verlassen, und sich zu Agitaticmszwecken nach Paris begeben. Mr. A. I. Wilson schreibt in seinem Journal, „Investors Review“ über die französischen Juden und ihre heutige Position Folgendes: „Wenn auch einige von den französischen Juden

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