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Die Welt · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Article
New-York
Date
1899-01-13
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. S JPk£rWdr Seite 13 Amerika. Netv-Dork. (New - D orker Chronik) Zangwill ist noch immer bei uns. Er hat bereits eine' Menge Vorlesungen gehalten, das heißt, eigentlich einen kleinen Cyclus in vielfacher Wiederholung. Wir erwarten, dass er noch bis zum Frühjahre unser Gast bleiben und in dieser Zeit genug Geld verdienen wird, um es mit den Plutokraten seiner Heimat aufnehmen zu können. In welche Stadt er nur kommt, immer drängt sich das Publicum in Scharen dazu, den am meisten bekannten und gelesenen Judenliteraten unserer Zeit zu sehen und zu hören. Echter Zangwill ist es, dass er seinen Haupterfolg damit erzielt, dass er nacheinander an allen Punkten, an die seine Satire rührt, wahre Stürme des Missvergnügens, der Entrüstung, der Wuth entfesselt. Bei einem Diner, das die Juden von New-Iork City ihm zu Ehren gaben, machte sich der gefeierte Gast das Vergnügen, das amerikanische Neformjudenthum, insbesondere aber die Reformrabbiner in der heftigsten Weise anzugreisen. Seine wilden Anklagen wurden natürlich von den Opfern seiner Epigramme nicht geduldig hingenommen, und die letzteren fanden eine, wenn auch etwas schwächliche Erwiderung. Dann wieder rückte Zangwill den Reformern etwas näher, indem er die Orthodoxen mit einen: Sturzbade von Epigrammen überschüttete. Und so sind beide Theite zufriedengestellt, jeder deshalb, weil er vor allem den anderen als Opfer des gefürchteten Sarkasmus Zangwills ansieht. Nicht zufrieden damit, auf diese geschickte Art zwei Stürme gegeneinander auszuspielen, beeilte sich Zangwill, einen neuerlichen Sturm zu erregen durch die bitteren Vorwürfe, die er in seiner Vorlesung über „Das Drama, die feinste Kunst" der Reihe nach gegen das heutige Theaterstück, die Bühnenschriftsteller und die Schauspieler erhebt. Dafür ist ihm Rache in allen Arten und Abarten von erbitterten Leuten geschworen worden, und die amerikanischen Theaterdireetoren haben sich zu einem fürchterlichen Bunde zusammengefunden, mit der obersten Bestimmung: jedes Stück, das Zangwill jemals schreiben sollte, zu boycottieren. Ein Bühnenschriftsteller dankt ihm in einem offenen Schreiben für die gütige Rücksicht, die er bewiesen, indem er es unterlassen, Shakespeare zu kritisieren, und ein anderer meint, da keiner es Zangwill recht mache, so solle er sich der kleinen Mühe unterziehen, alle Stücke für die Nationen englischer Zunge selber zu schreiben, zu spielen und — zu recensieren. — Aber ruhig und unbeirrt geht Zangwill seinen Weg, erringt die Bewunderung aller Nichtbetroffenen und heimst den klingenden Lohn seines Genius ein. Er hat versprechen müssen, seine „Kinder des Ghetto" im kommenden Jahre zu dramatisieren. Auf die „Thätigkeit" Zangwill's und anderer Schriftsteller seiner Art, die auf die Veranlassung Major Pondes herübergekommen sind, ist vielleicht das witzige Wort zu beziehen, das bei einem zu Ehren Lord Herschell's gegebenen Diner von einem Tischredner geprägt wurde: Wir haben genug von „Pondes englischem Extract!" Nercmrmlhriihtkil. Wien. DieJüdisch-akademischeLesehalle veranstaltet im Wintersemester 1898/99 einen Vortragscpclus in nachstehender Reihenfolge: 14. Jänner. Herr Univ.-Prof. Dr. Moriz Benedikt: „Minderwertige und anderswertige Menschen." 28. Jänner. Herr Med.-Dr. I. S a d g e r: „War Goethe eine pathologische Erscheinung?" 5. Februar. Herr Schriftsteller Hermann Bahr: „Humor." 11. Februar.Herr SchriftstellerH einrich Glücksmann: „Komödie des Lebens." Frau Henri ettev. T ü r k - L e u t h o l d, gew. k. k. Hofburgschauspielerin: „Recitation." 19. Februar. Herr Schriftsteller Dr. R u d. Lothar: „Das Burgtheater und seine Dichter." Die Vorträge sinden im S a a l e d e s N i e d e r ö st e r r. Gewerbe Vereines, I., Eschenbachgasse 11, statt und beginnen um 7 Uhr abends. Karten — für den ganzen Eyclus ix, 3 fl. und a 2 fl. — sind in der Lesehalle, IX, Berggasse 4, täglich von 10 bis 12 und von 4 bis 6 Uhr zu haöen oder werden über Bestellung zugeschickt. Der erste Bortrag Samstag, 14. Jänner. Wien. (Jüdisch - akademische Verbindung „K ad im ah".) Infolge Abreise des bisherigen Präses Herrn Silberberg wurde Herr cand. med. Mar Arminsky zum Erstchargierten gewählt. Zweilchargierter würde Herr cand. med. Julius Uprimny, Wien. Die Ortsgruppe „Mariahilf-Neubau" des „Zion“ veranstaltete Samstag den 7. d. M. eine Versammlung in Löbl's Restaurant, die sehr zahlreich besucht war und sich zu einem äußerst interessanten Abend gestaltete. Der Referent Dr. Ernst Weist verstand es, durch lose verknüpfte Episoden aus dem politischen und wirtschaftlichen Leben der Juden in Oesterreich eine lebendige Darstellung der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes zu geben und leitete damit eine interessante Discussion ein. Auf Anregung des Vereinsmitgliedes Herrn H a h n d e l erläuterte Dr. Schnirer das Programm des Zionismus und gab gemeinsam mit einem Gaste ans weiter Ferne, unserem Gesinnungsgenossen Herrn Barbas ch, eine getreue Darstellung der wirtschaftlichen, geographischen und physikalischen Verhältnisse unseres Heimatlandes Palästina. — Mit dem Appell, zu jeder Zeck für das Aufblühen und Erstarken der neuen Ortsgruppe, die bereits 160 Mitglieder zählt, zu wirken, schloss der Vorsitzende Herr Barkan die Versammlung. Berlin. Eine interessante Scene fand unlängst in dem jüdischen Turnverein „Bar Kochba" statt. Nach dem Turnen wurden beider, wie gewöhnlich, abgehaltenen Hauskneipe nationaljüdische Lieder gesungen, was einen im selben'Zimmer anwesenden christlichen Herrn zu folgender bemerkenswerter Rede veranlasste: „Meine Herren! Ich bin kein Antisemit. Aus den Liedern, die Sie gesungen, ersehe ich, dass Sie sich Ihrer Vorfahren nicht schämen und sichoffen alsJuden bekennen. Diese ehrliche Ansicht gefällt mir, so halte ich es auch. Ich spreche Ihnen meine Hochachtung aus." Ü. J. Wygoda. Unser unlängst gegründeter Verein ..Dorschei Zion“ hat am 3. December v. I. die erste ordentliche Generalversammlung abgehalten. Das Resultat der Neuwahl ergab : Herr O. E h a j e s'als Obmann, Herr H. Grob als dessen Stellvertreter, Herr B. Zehner als Secretär in der Landessprache, Herr H". Sch w a r z in der hebräischen Sprache und Herr A. Schorr als Bibliothekar, ferner die Herren A. Friedman d e r, L. R o s e n b e r g, M. Rose n m a n 'n, I. K e t t l e r, L. Heftmann und L. Bonem. — Nach Schluss der Wahl hielten die Herren A. Schorr eine Agitationsrede in hebräischheutscher, H. Schwär z in hebräischer und M. Rosen m a n n in deutscher Sprache. Kolomea. Der Ausschuss unseres Vereines ,.Beth Israel“ hat ein Agitcckionscomite, bestehend aus 15 thätigen Personen, gewählt. Das Comite hat die Herren L. Taubes zum Präses des Comites, F. D u n a j e r ' zum Stellvertreter, M. Fa der zum Cassier, M. Taub man zum Schriftführer, Ch. H. T h u m i m zum hebräischen Schriftführer gewählt. Das Comite hat sich zur Aufgabe gestellt: 1. Vertheilung von z i o n i st i s ch e n Flugschriften und Broschüren zu Agitatiouszwecken in allen Schichten der Bevölkerung, 2. Schekelsammlung, 3. Entsendung von Agitatoren in die Umgebung zur Propagierung der zionistischen Idee und Gründung von Vereinen. Pilzno. Am 23 v. M. fand im Locale des hiesigen Vereines „J e s c h ur u nu eine Trauerandacht für den seligen Rabbiner Schreier statt. Herr S. S ü ß k i n d hielt dem Verblichenen in hebräischer Sprache einen ei greifenden Nachruf. Craiova (Rumänien), lieber Einladung des rührigen Präsidentendes hiesigen Zionsvereines, Herrn M. B e li g r ad e an u, erstattete der Herr Delegierte M. Schwarzfeld einen mit Begeisterung aüfgenommenen Bericht über die Eindrücke, die der II. Congress auf die rumänischen Theilnehmer gemacht. Er schilderte das glänzende Versammlungsbild, gab eine klare Uebersicht der Verhandlungen und forderte die rumänischen Zionisten auf, ihre Kräfte auch fernerhin in den Dienst der großen Sache zu stellen, die in Basel zu so glänzendem Ausdrucke gekommen. Maximil. H a u f e r, Direktor der israelitischen Schule. Brody. Vor einigen Wochen sprach im Zweigvereine „Z i o n" der bekannte Volksredner Löbl Taubes über „Ziel und Zweck des Zionismus". Seine trefflichen Ausführungen fanden ungeheuren Beifall bei der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft. Es wurden viele Schekel eingesammelt. An der Wahlbewegung anlässlich der Ernennung des Vorstandes der Cultusgemeinde nehmen die Zionisten regen Antheil. Rzeszöw. Am 25. December v. I. fand hier im Saale des Kaufmännischen Vereines „Mereur" eine starkbesuchte Zionistenversammlung statt, um das Referat unseres Delegierten Herrn Dr. A Kornhäuser aus Jaslo über den II. Baseler Congress entgegenzunehmen. In beredten Worten beleuchtete Redner das glanzvolle Bild, welches der II. Baseler Congress aller Welt

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