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Die Welt · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Article
Die Haltung der "Bnei Brith"
Date
1899-01-13
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Är. 2 Mm Seite 11 scheint dieser Herr eine gewisse Abneigung gegen uns zu haben." — Sie werden mir erlauben, wenn nicht Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, so doch ein wenig den Schleier zu lüften, da in der „Welt" Alles zu publieieren nicht der richtige Ort ist. Ich müsste weit ausholen, um die „gewisse Abneigung" zu rechtfertigen, die seit 17 Jahren zwischen den ^früheren „Zions (?!)- Logen" (den jetzigen „Bnel Brith“) und den früheren Comites von „Jischub Erez Israel“ (jetzigen „ChowVe Zion“ und „Zionisten") bestanden und noch bestehen! Alle I u d e n i n Rumänien wissen es, und dürfte dies anderwärts vorläufig genügen. Herr Broeiner hat mich vor einigen Jahren eingeladen den „Bnei Brith“ beizutreten; ich acceptierte. Als er Galatz verließ, wählte mich die „B. B/^Soge zum Präsidenten, und in dieser Eigenschaft wohnte ich auch der Generalversammlung der Großloge am 2./14-.—3./15. Juni 1897 in Bukarest bei, wo Punkt 12 der Tagesordnung die „Chow'we Zion^-Frage betraf, und da wir viele Gesinnungsgenossen in den Einzellogen im Lande haben, nahm die Großloge unsere Motion an, uns i n j ed e r H in si ch t zu unterstützen! Obwohl wir hierzulande davon keine wesentlichen Erfolge zu erwarten hatten, dachten wir doch an Amerika, wo der Orden einflussreich ist, und weit dazumal gerade Hr.'. Bi en auf dem Semmering weilte, glaubten wir auch auf seine Anwesenheit auf dem Zionisteucongresse in München rechnen zu dürfen, besonders, da die Groß löge in Bukarest einen Vertreter hinzusenden beschlossen hatte, und zwar in der Person ihres Präsidenten Herrn Dr. Stern oder Vicepräsidenten Herrn B r oeiner. Ich ersuchte Herrn Dr. Herzl um die Erlaubnis zur Einladung und konnte bereits am 11./23. Juni 1897 Herrn Dr. Stern mittheilen: „Herr Dr. Herzl schreibt mir am 19. d.: Es wird uns außerordentlich freuen, dass die rumänische Großloge der „B. B.“ einen Vertreter zu unserem Congresse entsendet. Natürlich ist bei dieser Gelegenheit zu bemerken, dass der Eongress ein Zionistencongress ist. — Falls der New-Uorker Großmeister Bien gegenwärtig auf dem Semmering wellt, würde ich die Gelegenheit suchen, ihn zu sprechen und bitte mir zu schreiben, bis zu welchem Zeitpunkte er dort bleibt." Am 16./28. Juni avisierte ich Herrn Dr. Herzl den Besuch des Dr. Stern. Gleichzeitig brachte die „Welt" in Nr. 5 (1897) eine Notiz des Dr. Lippe, dass Dr. Stern und Herr Broeiner dem Eongresse in Basel als Vertreter der „B. B.“ in Rumänien beiwohnen werden. Das Resultat: Dem Dr. Herzl wurde nicht die Gelegenheit geboten, Großmeister Bien zu sprechen; Dr. Stern hat den Eongress in Basel nicht besucht, Herr Broeiner schickte einen Plan, wie die Schekelsammlung einzutreiben wäre. Voilü tont! Ich habe mir also alle redliche Mühe gegeben, bei den „B. B.“ zu reüssieren und Herr Broeiner darf sich' nicht beklagen, sie nie aufgefordert zu haben, einzugreifen. Es ist auch nicht richtig, dass ich eine „gewisse Abneigung" gegen die „B. Bw hätte, da die Galatzer Loge mich in der Vorwoche auch für 1899 zu ihrem Präsidenten (rn meiner Abwesenheit) wählte. Umgekehrt haben die Zionisten Ursache, über das Verhalten mancher „B. B.“-Logen und der officiellen ..Menorah“ sich zu beklagen, wie es männiglich bekannt ist. Wenn auch die Wege und die Gedanken der „Bnei Brith“ andere sind, als die der Zionisten; wo es sich um das G ein e inw o h l der Juden handelt, muss jedes persönliche Interesse aufhören. Es wäre die höchste Zeit. Galatz, im Jänner 1899. Mit Zionsgruß S a m. P i n e l e s. P Qlorrrfponbrinrn. Oesterrei ch-Ungarn. Wien. Die israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Oesterreichs hielten am 28. und 29. v. M. ihren zweiten Verbandstag ab. Seine Bedeutung liegt darin, dass ihm Aufgaben vorliegen, deren richtige Lösung, nach einem Worte des Obmannes, auch die Regeneration des Judenthums, um dessen gebildete Jugend es sich handelt, in sich schließt. Es sind gewiss pflichtgetreue.und von der Heiligkeit ihres Berufes durchdrungene Männer, die sich da zusammen fanden, um mit ebensoviel Sachlichkeit als Sachkenntnis über Unterrichtsfragen zu diseutieren. lieber Unterrichtsfragen, sagen wir. Da ist es denn erfreulich, constatieren zu können, welchen Wert die Majorität des Verbandstages aus den hebräischen Unterricht legt. Ob dabei der Grammatik mehr oder weniger Spielraum zu gönnen, überlassen wir dem Ermessen der Herren. Denn sie sind Pädagogen, wir aber nicht. Weniger erfreulich ist es schon, dass bei diesem Theil der Debatte kein Wort gehört ward von der Schönheit des Gedankens, dass eben diese Sprache, die auf trockenem grammatikalischem Wege tradiert wird, wie etwa Latein und Griechisch, sich von den Sprachen der Römer und Griechen in einer wahren Kleinigkeit unterscheide, nämlich darin, dass sie im Begriffe steht, wieder eine lebende Sprache zu werden. Und die Sprache eines lebenden Volkes dazu. Aber das ist eine Kleinigkeit, die wohl nur für uns einigen Wert hat. Tenn wir lieben diese Sprache auch deshalb, well unsere jüdischen Bauern in Palästina gar schöne und tröstliche Lieder in ihr zu singen wissen. Wir widmen ihr, als der Muttersprache zum mindesten unserer Enkel, eine vorauseilende Liebe. Das thun wir wahrscheinlich, weil wir schrullenhafte Propheten sind, die Herren aber nur Pädagogen. — Ganz einverstanden sind wir mit den Worten des Vertreters der Eultusgemeinde, dass der hebräische Unterricht nicht ausreiche, um die Jugend fürs Judenthum zu begeistern, dass vielmehr hierzu auch der Ge s ch i ch t s u n t e rr i ch t nothwendig sei. Nur-möchten wir bei diesem Punkte durch eine bescheidene Bemerkung verhüten, dass ein Fehler, der beim Mittelschulunterricht in der allgemeinen Geschichte leider begangen wird, sich in der israelitischen Neligionsstunde wiederhole. Für unsere Mittelschüler fällt nämlich der Vorhang der europäischen Geschichte just vor dem Felsengrabe des großen Napoleon, und da es an Zeit oder Lust mangelt, ihn wiederaufzuziehen, so glaubt unsere gebildete Jugend, dass jenes Factum das letzte erwähnenswerte in der modernen Historie, nach welchem keine Geschichte mehr gemacht worden sei. In ähnlicher Weise, durch Fehlerhaftigkeit des Lehrplanes — des ungeschriebenen natürlich, den man den Herren Lehrern mitgibt in feierlicher Bestallungsstunde und mit verständnisvollem Blicke, der etwa besagt: „Jüdisches Volk —das gibts nicht, das machen wir tobt, mein Lieber, ich am grünen Tische, du zwischen vier Schulzimmerwänden, also ganz in der Stille, aber mausetodt" — in ähnlicher Weise, fürchten wir, wird in den Gehirnen unserer jüdischen Mittelschuljugend ein bedauerlicher Jrrthunr erzeugt. Man lehrt sie die Geschichte des jüdischen Volkes auf eine Art, dass sie glauben muss, eben dieses Volk sei mittlerweile selig verstorben, mit Hinterlassung seiner Religion an die Nationen der Erde (daher deutsche, französische, englische.... Juden) und seiner Sprache an die Universitäten (daher die intimeren Kenntnisse des Hebräischen bei christlichen Universitätslehrern, als sie mancher missionärrische Seelsorger ahnen mag). Die Erhebung der Makkabäer geschah Gott zu Ehren, und nicht auch dem jüdischen Volke zu Nutz und Frommen, und all der mächtige Glanz, der über den größten Schicksalen des kleinsten Volkes gebreitet, wird sorglich abgedämpft — denn die Herren sind Pädagogen — bis dass er bestenfalls mit dem trüben Gasflammenlicht eines Wintermorgens in der Octava zu rivalisieren vermöchte. Der Jugend darf überhaupt nur Lehrstoff, aber keine geschichtlichen Ahnungen und beileibe keine Hoffnungen, beigebracht werden. Das hat gewiss sein Gutes, werden die Herren sagen, die Pädagogen sind. Denn wenn einem Schüler mosaischer Confession auf der Straße „Jud" nachgerufen wird, so weiß er dann, dass solcher Ruf ihn nichts angehl, sondern einen der seligen, geschichtlichen Juden, die nur von des Lehrplanes Gnaden als Medium guter und schlechter Eensuren ibr Dagewesensein fristen; und aus solchem Wissen schöpft er die Kraft, nicht gekränkt zu sein, sondern an ein historisches Repetitorium der Straße zu glauben. Kurz, wenn nach einem, aus dem Verbandstage gehörten Wort die jüdische Geschichte nur „bei paffender Gelegenheit" berufen ist, in den Herzen der Jugend Begeisterung zu wecken, wir aber dies tadeln, so hat das seinen Grund darin, dass die Herren Pädagogen sind, wir aber Leute aus dem Volke, die an Stelle des llnterrichters gerne den Erzieher am Katheder sehen möchten. Nota bene: Wir können die Herren noch nicht entlassen, ehe wir einen Aet der Vorsicht geübt, die einem Zionisten so wohl ansteht. Wir wollen die Herren keineswegs zu Schekelsammlungen in den geweihten Hallen unserer Mittelschulen aufgereizt haben. Denn wenn sie Pädagogen sind, so sind wir es auch ein wenig. Das sei hiermit festgestellt. B. F—s. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Löbliche Redaetion! Ich beehre mich, mitzutheilen, dass die hohe k. k. Statthalterei an Herrn Fürst, Rabbiner an der Schiff - synagoge, in Vertretung des Herrn I. L. Schreiber in Drohobycz, den österreichischen israelitischen Gemeinden aus Galizien in Jerusalem den Allerhöchsten Dank Sr. Majestät für die mittelst einer künstlerisch ansgestatteten Adresse dargebrachten allernnterthänigsten Huldigungen bekanntgab." YV. Lemberg. Im Lemberger Stadtrathe kam es kürzlich zu einer lebhaften Discussion über die Juden. Der „Dziennik'Polskiw lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, um. unmittelbar vor Schluss des alten Jahres einen „Provo'cationen" überschriebenen Leader gegen die Juden losznlassen.

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