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Die Welt · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-01-13
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Seite 9 In Breslau hatte der verstorbene Kaufmann Marcus Fuchs 350.000 Mark letztwillig testiert, wovon '250.000 Mark zugunsten des israelitischen Krankenhauses und 109.000 Mark für die Erziehung israelitischer Kinder. Die landesherrliche Genehmigung zur Annahme* der Legate erfolgte vor einigen Tagen. Ein seltenes Ereignis bildete die am letzten Freitag erfolgte 40jährige Jubelfeier Dr. Neumanns in Berlin als Stadtverordneter des Sanitätsrathes. Außer ihm kann nur noch Virchow auf die gleiche Dienstzeit zurückblicken. Dr. Neunrann trat namentlich sehr energisch in den wiederholt auftauchenden Fragen, betreffend die jüdischen Lehrer, für deren Rechte ein. * * * Dass „Zahlen beweisen", gestehen bekanntlich auch die österreichischen Antisemiten zu, namentlich wenn es zu ungunsten der Juden ist, und dass es manche Delicte gibt, wo wir in dieser Beziehung noch besserungsfähig sind, soll nicht bestritten werden. Von Interesse ist aber auch die Kehrseite der Medaille: In Majestätsbeleidigung, Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit, Freiheitsbeschränkung, Erpressung, Drohung, Unzucht, Kindesmord, Mord, Todtschlag, Kindesweglegung, Körperbeschädigung, Brandlegung und Diebstahl sind die Katholiken der österr.- ung. Monarchie (91 °/0 der Bevölkerung) mit 0,8 -6,3 Percent über dem perceNtuellen Antheil, während die Juden der Bevölkerung) 0,6—4,2 Percent darunter geblieben sind, für den der Statistik zugrundeliegenden Zeitraum 188u bis 1893, wobei ausdrücklich bemerkt wird, dass im allgemeinen das Glaubensbekenntnis mit der Straffälligkeit nichts zu thun hat. Das „Council of the Union of American Hebrew Congregati.ons% eine Art jüdischer Gemeindebund, hat sich gegen dcn Zionismus ausgesprochen und in einem „Zusatz" zu den Resolutionen den verfolgten Juden im Osten seiner „w armen Sympathie" versichert. Eine „warme Suppe" wäre diesen Leuten wahrscheinlich lieber, als Resolutionen, die nichts kosten, niemandem schaden, aber auch niemandem nützen. * 4- * In Berlin tagte der erste Delegiertentag des „Verbandes der jüdischen Lehrervereine irn Deutschen Reiche", bei dessen Verhandlungen u. a. auch über „Die jüdische Volksschule" referiert wurde Es wurde das Hauptübel einerseits in dem Vorhandensein christlich-religiöser Ausbildung in den Simultanschulen gefunden, während andererseits zu wenig Sinn für jüdische Schulen vorhanden sei Die Frage bedürfe eingehendster Erörterung und wird in einer Denkschrift behandelt werden. Jedenfalls müsste die vorhandenen jüdischen Volksschulen zu erhallen mit allen Mitteln angestrebt werden. -i- * Nach dem neuesten Jahrgang des „Statistischen Jahrbuch. der Stadt B e r l i n", das 1896 behandelt, ist die Zahl der jüdischen Ehen um 16 zurückgegangen, während die der Mischehen um 29 stieg, 539 jüdischen Ehen stehen 201 Mischehen gegenüber, also 40"/,.! „Man sieht, die Assimilation schreitet gewaltig vorwärts," bemerkt dazu die „A. Z. d. I." ganz richtig, „und der Antisemitismus ebenfalls", erlauben wir uns hinzuzufügen. Anfangs December v. I. zählte Berlin 13.349 jüdische Ehepaare und 1587 Mischpaare, vor 10 Jahren 9720, respective 1086, Zuwachs 27 respective 46' Precent!! Commentar überflüssig. Der gewesene Ministerpräsident Brisson ist abgesetzt als — Ehrenpräsident der Verbindung französischer Handlungsreisender, weil er im Aufträge (sie) der Juden das Wiederaufnahme- Verfahren in Sachen Dreyfus angebahnt hat. Ehrenwerte Leute, diese französischen Commis-voyageurs. Ob sie wohl auch beschlossen, von Juden keine Commissionen mehr auszunehmeu? In Paris wurde Grand-Rabbin Lehmann, Direetor des Rabbiner-Seminars, mit dem Osficierskreuz der Ehrenlegion decoriert. Der Gerant des „Antijuif lyonnais" hat sich das Vergnügen gemacht, in einem Adressenkalender die jüdischen Kaufleute als solche im antisemitischen Sinne zu kennzeichnen. Dafür machte sich der von einem jüdischen Kaufmann angerufene Richter das Vergnügen, den Herrn Antisemiten zu 3 Monaten Gefängnis und 2500 Frs. Schadenersatz zu verurtheilen. 4- * In Mülhausen (Elsaß) starb im Alter von 65 Jahrn Rabbiner Mock, ein Mann, der auch schriftstellerisch überaus thätig war. Seine am 2. d. M. stattgehabte Beerdigung gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebuug. 4- * Der jüngst inLondon verstorbene Baron Ferdinand Rothschild hat dem zum Andenken an seine verstorbene Gemalin errichteten Evelina-Spital hunderttausend Pfund Sterling testamentarisch hinterlassen, verschiedene kleinere Legate außerdem anderen Wohlthätigkeits-Jnstituten. In A in e r i f a haben zwei der hervorragendsten Glaubensgenossen, Simon Wolf und Mayer Sulzberger, beide in hervorragender Stellung im Bnei- BerithsDrben erklärt, dass, während es kaum möglich erscheine, zwischen Reformern und Orthodoxen einen Einigungspunkt zu finden, dieses bei einer Frage von allgemeiner Bedeutung leicht der Fall sein könnte, namentlich, wenn sie einer Sturm- und Drangperiode ihr Dasein verdanke, wie der Zionismus. Die Hauptsache dabei wäre aber gegenseitige Toleranz, wie dies anlässlich des Baseler Eongresses hervorgetreten ist. Es wäre zu wünschen, dass diese tolerante Idee weitere Fortschritte machte . ..! Am 4. Jänner waren es fünf Jahre, dass Eapitän Dreyfus degradiert wurde. Was ist nicht seitdem alles passiert. Was sich nur um diesen einen schrecklichen Fall dreht? Welche Unsumme von Erniedrigungen hätte Frankreich sich erspart, wenn es dem Gebote der Menschlichkeit gefolgt wäre. „Das eben ist der Fluch der bösen That, dass sie fortzeugend Böses muss gebären." Die Wahrheit dieses Dichterswortes hat sich fürchterlich bestätigt! In Köln begieng Frl/.Katharina Meyer ihr goldenes Jubiläum als Lehrerin der israelitischen Gemeindeschule. Außer einer Ehrengabe der Kaiserin, deren Aquarellbild, erhielt die Gefeierte eine Unzahl Angebinde und Zeichen der Liebe seitens der Gemeinde, früherer Schüler, der Kölner Lehrerschaft re. re. G Die m\Mn Kmegimg. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Brrrean des Zionistencongresses, Wien, II, Rembrandtstratze 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel, zu senden. Das Actionseomite. Au die zionistischen Vereine! Hiermit ergeht an sämmttiche zionistischen Vereine (Colonisatious-, Literatur-, Geschichts-, Turn- und Gesangvereine 2C. rc.) die Aufforderung, bis 15. Jänner 1899 eine kurze, aber genaue Angabe ihres derzeitigen Standes an das Con-gressbureau in Basel einzusenden. Jeder Verein hat die Mitgliederzahl, Statuten und die Namen der Funktionäre mitzutheilen. Das Actionseomite. Jaroslau. In der am 29. December v. I. stattgefundenen. Generalversammlung der akademischen Verbindung im Vereine Bnei Zion“ wurden in den Ausschuss gewählt: stud. jur. Samuel Berne r, Präses; stuck. .jur. Eduard E b e r s o h n, Vicepräses; stuck, jur. Bernhard Gotrlieb, Schriftführer. Urlsw (Post Zarudzie). Am 17. v. M. sprach Herr I. G e l b b a r t aus Buczacz in der Synagoge zu Zbor 6 w vor einer zahlreichen Versammlung über die Ziele des Zionismus. Einer Einladung der begeisterten Versammlung folgend, hielt Herr Gelbbart den Tag darauf einen zweiten Vortrag. M. G. Lemberg. Sonntag den 17. v. M. sprach hier im Locale des Vereines „Dorsche Schlorn Zion“ der bekannte Volksredner Löbel Taubes. In vortrefflicher Weise erklärte er den Zionismus und die Institution des Schekels, sowie den Zweck der Eolonialbank. Zum Schlüsse beleuchtete er noch das Verhältnis des Zionismus zur Orthodoxie. Seine Rede wurde mit großem Beifalle ausgenommen. Es wurden Schekel eingezahlt, sowie Actien der jüd. Eolonialbank gezeichnet. Delegierteutag der Schweizer Zionisten. Am 11. December v. I. fand im Bahnhffshotel in Bern eine Delegiertenversammlung der Schweizer Zionisten statt, an welcher die Vereine aus Basel, Bern und Genf theiln.chmen. Es wurde eine Landesorganrsation unter dem Namen „Schweizerischer Z i o n i st e nv er b a n d" gegründet. Die Statuten wurden in den wesentlichen Punkten, wie folgt, festgesetzt: Zweck. Der Schweiz. Zionistenverband bezweckt die Eentralisierung der schweiz. Zionistenvereine. Leitung. Die Leitung des Verbandes liegt einem Cornit6 von 3 Mitgliedern ob, bestehend aus dem jeweiligen Aetionseomite-Mitgliede für die Schweiz und zwei vom Delegierten-

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