Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Article
- Stellenvermittlung für jüdische Handelsangestellte und Beamte
- Date
- 1899-01-13
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 JPfcftWT «ta. 2 die Einseitigkeit der socialdemokratischen Stellenvermittlung und die Actionsschwäche der Stellenvermittlung des kaufmännischen Vereines hingewiesen zu werden — lässt bestimmt erwarten, dass sämmtliche jüdischen Handelsangestellten (welcher Partei sie auch immer angehören mögen) die Bedeutung der Action zu würdigen wissen und dieselbe kräftigst unterstützen werden. Dass eine jüdische Stellenvermittlung auch für die Chefs von ganz besonderer Bedeutung ist, braucht wohl nicht besonders betont zu werden, denn es hat sich zu wiederholtenmalen gezeigt, dass die jüdischen Kaufleute gutgeschulten jüdischen Handelsangestellten ein besonderes Vertrauen entgegenbringen. Nähere Anfragen, sowie Anmeldungen sind zu richten an das Vereinslocal der jüdischen Vereinigung „I o r d a n i a", IX l, Müllnergasse 35. Der Monatsbeitrag für ordentliche Mitglieder beträgt 30 kr. Für unterstützende Mitglieder beträgt der Mindestbeitrag fl. 2.—. Vereine, welche corporativ beitreten, zahlen für jedes Mitglied 10 kr. monatlich. Sprechstunden täglich von 7—S Uhr abends. Ihnen, geehrter Herr Redacteur, für Ihre Bemühungen im voraus bestens dankend, empfehlen wir uns Ihnen hochachtend Der Ausschuss der jüdischen Vereinigung „Jordania". Der Strike der Taürswekrr. ) Verehrliche Redaction! Gestalten Sie einem eifrigen und überzeugten Anhänger der jüdisch-national-zionistischen Partei in einer Angelegenheit das Wort zu nehmen, die mir einer Erörterung dringend bedürftig erscheint und deren baldige Erledigung im Parteiinteresse wünschenswert ist. Es handelt sich nämlich um den Strike der Weber in Kolomea. Ich glaube im Folgenden nichts Neues vorzubringen, ich wiederhole es aber dennoch, um nachdrücklich zu zeigen, dass dringende Hilfe noththut und unsere Ehrenpflicht ist. Die sogenannten „Tallesweber", die bisher einen durchschnittlichen Wochenlohn von 2 fl. bis 2 fl. 50 kr. bezogen, Familienväter mit zahlreichem Kindersegen, traten an ihre Arbeitsherren mit der Bitte um Aufbesserung ihrer gewiss menschenunwürdigen Lohnverhältnisse heran, ein Verlangen, das jedem Unbefangenen nur natürlich erscheint. Die Fabrikanten, zufällig Zionisten und Schekelzahler, lehnten die Postulate rundweg ab, und die Arbeiter traten in den Strike. Und nun komme ich zu der Eontroverse, die sich in jüngster Zeit zwischen Soeialisten und Zionisten, beziehungsweise deren Organen, enlsponnen hat. Die „Arbeiter-Zeitung" hat bei der Besprechung der Affaire von Kolomea die kühne Behauptung aufgestellt, die Zionisten seien ebensolche Unterdrücker und Bourgeois, wie die bürgerlichen Parteien aller Nationen, und diesen Schluss deducierte sie daraus, dass die Parteileitung aus Scheu vor dem einflussreichen Simson Heller (dies ist, wenn ich nicht irre, einer der Fabrikanten) sich nicht an die Seite ihrer unterdrückten Volksgenossen zu stellen wagt. Nun, der Schluss des Socialistenmoniteurs ist, wie man sofort ersieht, mit einigen logischen Fehlern behaftet, und Sie haben in Ihrer Entgegnung auch richtig bemerkt, dass ein derartiges Generalisieren denn doch nicht angehe, ab er andererseits erschien mir Ihre Erwiderung doch ziemlich ungenügend, weil ich darin zu meinem Leidwesen nichts Thatsächliches finden konnte. Und Thatsache bleibt es — und in merito muss man, wenn man sine ira et stuclio prüft, hier der „Arbeiter-Zeitung" beipflichten, Pflicht der Parteileitung wäre es gewesen, für rasche *) Wir geben dieser höflichen Zuschrift Raum, obwohl sie auf einem Grundirrthum beruht. Es soll auch kein leisester Zweifel darüber bestehen können, dass wir gegen arme Leute niemals Partei ergreifen. Zwar bedienen wir uns nicht der socialistischen Phraseologie, aber unsere ganze Bewegung ist doch zum Wohle armer Juden unternommen. Wer ein bisschen gerecht zu sein versteht, muss das zugeben. Der Grundirrthum des Einsenders besteht darin, dass er glaubt, die zionistische Parteileitung könne sich in Angelegenheiten, wie es der Strike von Kolomea ist, einmischen. Anm. der Redaction. und ausgiebige Hilfe Sorge zu tragen, eventuell sogar au der Organisation des Strikes theilzunehmen und darauf hinzuwirken, dass den Aermsten der Armen, den jüdischen Proletariern, rhr Recht werde. Ausbeuter dürfen wir in unserer Mitte im Interesse unserer Reputation nicht dulden, geschweige denn um derentwillen unseren Gegnern Grund zu berechtigten Angriffen geben. Indem ich von Ihrer bekannten Loyalität und Unparteilichkeit erwarte, dass Sie mein Schreiben, wenn auch nicht ganz, so doch auszugsweise, zur Kenntnis der Gesinnungsgenossen, bringen werden, und gleichzeitig bitte, dasselbe im Original der Parteileitung vorzulegen, zeichne ich mit Zionsgruß ergebenst Wien, 8. Jänner 1899. Robert Hahudel. W Makkabaer-Feiern. Pitzno. Am 15. December v. I. wurde im Locale des hiesigen Vereines „Jeschurun“ das Ehanukafest gefeiert. Herr L. I. Asch heim besprach in kerniger Rede die Bedeutung^des Festes und des Zionismus. An der Feier nahm auch der hiesige Rabbiner Zallel H o r o w i tz theil. Gurahumora. Zu der, dank den Bemühungen des Herrn H. Schieber zum erstenmale in dieser Stadt am 11. v. M. abgehaltenen Makkabäerfeier des Vereines „Schiwath Zion“ fand sich ein Massenpublicurn ein, das der glänzenden Festrede des als Gast erschienenen Herrn Gymnasiatprofessors V. Nu s §- b a um aus Suczawa aufmerksam folgte. Herr S. Schiller aus Lemberg hielt die Tendenzrede. Die Betheiligung des Herrn Prof. Nussbaum an dem Feste gewann unserem Vereine viele Mitglieder und die Spitzen unseres Städchens, die unserer Bewegung bis nun feindlich gegenüberstanden, so dass unser Verein jetzt 120 Mitglieder zählt. P Allerlei Nachrichten. In Marseille spielen sich jetzt allwöchentlich zweimal ähnliche Scenen ab, wie anfangs der Achtziger-Jahre an der preußischen und österreichischen Grenze. Wie damals aus Russland, so kommen jetzt in dem großen französischen Mittelmeerhafen Massen algerischer Flüchtlinge, aller Habe entblößt, an, sich eine neue Heimat zu suchen. Hier können sie nicht bleiben, weil der Antisemitismus mit jedem Tage zunimmt, und weiter können sie auch nicht, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Und so fallen sie den hiesigen Glaubensgenossen zur Last. Vor 400 Jahren trieb Spanien die Juden aus, jetzt thut es Algerien. Die Eonsequenzen werden sich bald zeigen. — Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Der vom inzwischen suspendierten Maire Max Regis ausgeführte Schlag gegen die Juden, indem - er die den Schächtern zum Aufenthalt dienenden, neben dem Schlachthause befindlichen Baracken demolieren ließ, hat getroffen.^ Die Klage des israelitischen Eonsistoriums wurde vom Friedensrichter kostenfällig abgewiesen, indem er sich für incompetent erklärte Andererseits wiederum hatte die Regierung das Verbot, welches den jüdischen Hausierern das Feilbieten ihrer Waren auf dem Weihnachtsünd Neujahrsmarkte untersagte, aufgehoben. In Belgien gibt es keinen offieiellen Antisemitismus — aber Naturalisatiousgesuche von Juden werden von der darin competenten Deputiertenkammer regelmäßig abgewiesen. Im d e ut s che n R e i ch s ta g e soll - - wenn es nach den Wünschen der Eonseroativen geht — die gleiche Takük zum Gesetze erhoben werden. In Preußen wird bereits heute kein auswärtiger Jude naturalisiert, nun soll dieses auf das Reich ausgedehnt werden. In Algier also soll das Gesetz Eremieux aufgehoben werden, in Belgien lässt man die Juden einfach keine Staatsbürger mehr werden und in Deutschland ist's nicht viel anders.. - Und da wagen es noch immer gewisse Besserhoffer, dem Zionismus jede Daseinsberechtigung abzusprechen! In Mainz starb vorige* Woche im 70. Lebensjahre Frau Dr. Lehmann, Witwe des Gründers des Mainzer „Israelit". Die Verstorbene war eine große Wohlthäterin. In dem Befinden der Baronin Hirsch ist eine leichte Wendung zum Besseren einaetreten, wenngleich auch im günstigsten Falle noch Monate hingehen werden bis zu vollständiger Besserung.