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Die Welt · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Article
Max Nordau in Wien
Date
1899-01-13
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 2 JPk#Wdr Gerte 7 Max Nordau irr Wien. Von dem Verein „Erez Israel" kommt uns folgende Verlautbarung zu: Am 25. Jänner 1899, halb 8 Uhr abends, findet im großen Musikvereinssaale ein Vortrag von Max Nord au statt. Der berühmte Schriftsteller und glänzende Redner betitelt seinen Vortrag: „Strömungen im Judenthume". Die Person des Redners, wie das von ihm gewählte Thema rufen das lebhafteste Interesse wach. Der Unterzeichnete Verein „Erez Israel", dem das gesammte Reinerträgnis des Vortrages gewidmet ist, erlaubt sich Euer Wohlgeboren und die Damen Ihrer Familie zu demselben ergebenst einzuladen mit der Bitte, die von Ihnen gewünschten Plätze bis zum 20. d. Nt. an den unterfertigten Stellen vormerken zu wollen. — Eerclesitze a fl. 2.—, Parketsitze a fl. , Parterre- und Galleriesitze a fl. —.50. — Anmeldungen nehmen entgegen: Verein „Erez I s r a e l", 2. Bez., Rembrandtstraße 11; A d m i n i st r a t i o n der „Welt", 0. Bez., Türkenstraße 0; sowie die Herren: Alexander R. v. Eiß, k. k. Oberst i. P., 0. Bez., Türkenstraße 9; Dr. Theodor Herzl, Schriftsteller, 18. Bez.. Karl Ludwigstraße 5''; Dr. L. Kahn, Hof- und Gerichtsadvocat, 2. Bez., Obere Donaustraße 47; Dr/ O Koke sch, Hof- und Gerichtsadvoeat, 1. Bez., Singerstraße 25; Architekt O. M arni o t e k, 9. Bez., Maximilianplatz 4; Dr. I. W. M a r m o r e k, 2. Bez., Rothensterngasse 25; Tr. M. T. Schnirer, 19. Bez., Döblinger Hauptstraße 30; H Iork-Steine r, 4. Bez., Wienstraße 19; Dr. F r a n z Ernst W e i s l, Hof- und Gerichtsadvocat, 7. Bez., Mariahilferstrafte 39; Dr. Siegm. Werner, Redacteur der „Welt", 9. Bez., Türkenstraße 9. Zionistische Vorträge in Berlin. Gelegentlich der Anwesenheit des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Boden- [) e t nt e r wurde eine große zionistische Volksversammlung erfolgreich abgehalten. Drei weitere große Versammlungen sind gesichert. Es werden sprechen: Am 28. Jänner Herr Dr. Max Nord au, am 24. Februar Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Leopold Kahn und Ende Februar Herr Jacques Bahar aus Paris über die algerischen Unruhen und die Juden Nordafrikas. In der Bürgerschaft Berlins findet der Zionismus in letzter Zeit wachsenden Anklang. Esterhazy vor dem Cassationshofe. Ter Cassationshof hat nun ebenfalls ein Mandat unterzeichnet, wonach Esterhazy vor den Cassationshof geladen wird. Die Vorladung wurde seiner Geliebten, Madame Pays, durch einen Gerichtsdiener zugestellt. Madame Pays weigerte sich anfangs, die Vorladung anzunehmen, willigte aber später darein, das Schriftstück Esterhazy zu übermitteln. Das Verhör Esterhazys ist auf den 12. Jänner festgesetzt. Ohne Zweifel wird Esterhazy der Vorladung keine Folge leisten, weil ihm in derselben kein freies Geleite garantiert wird. Das neueste antisemitische Theater aus der Landstraße. Ueber den neuen Theaterbauplan auf dem Bezirke Landstraße erhält die „Deutsche Zeitung" in Wien folgendes Kommunique'': In der letzten Woche fanden wiederholte Besprechungen im Bureau des Bezirksvorstandes des 3. Bezirkes, Spitaler, statt, an welchen die Herren Erbauer des Kaiserjubiläumstheaters, Architekt Graf, Baumeister Haupt sen. und Haupt jun., ferner der dramatische Schriftsteller Theodor- Taube und noch einige Kunstfreunde theilnahmen. Als Bauplatz ist ein Zwickel des ehemaligen Kindergartens in der Nähe dcr Tegetthoffbrücke ausersehen, der, da er durch eine neu zuführende Straße von dem Kindergarten abgeschnitten erscheint, diesem nicht einverleibt werden kann. Vezirksvorstaud Spitaler setzt sich lebhaft für den Theaterban ein. Architekt Graf und Baumeister- Haupt garantieren eine Summe von 200.000 fl., sie nehmen eventuell den Bau ganz in eigene Regie und stellen das Theater her. Sobald die Gruudtransaction mit der Gemeinde abgeschlossen ist, wird mit dem Bau begonnen. Die Pläne sind bereits fertiggestellt. Man hofft, eine Fusion mit dem alten Landstraßer Theaterverein zustande zu bringen. Sollte diese Fusion nicht zusammenkommen, so wird sichder Laudftraßer Theaterverein auflösen.. Der dramatische Schriftsteller und Herausgeber des „Figaro", Herr Theodor Taube, ist für den Directionsposteu ausersehen. Das Theater wird in längstens 18 Monaten fertiggestellt sein 2C. Der Wunsch des Mörders. Luccheui, der Mörder der Kaiserin Elisabeth, hat in jüngster Zeit einige neue Mittheilungen über die Mordthat gemacht. Zur Belohnung für seine Geständnisse erbat er sich Neuigkeiten über die Affaire Dreyfus. Ordensverleihung. Wie die „Franks. Ztg." erführt, hat Kaiser Wilhelm dem Baron Alfred Rothschild in London den preußischen Kronen-Orden!. Classe verliehen. Diese ungewöhnlich hohe Auszeichnung wird auf die Humanitären Bestrebungen des Barons, sowie auf dessen Verdienste um die Herbeiführung des besseren Einvernehmens zwischen den Mächten zurnckg-führt. Baron Alfred Rothschild ist ein Bruder des Lord Rothschild, österreichisch-ungarischer Generalconsul und Director der Bank von England. Der gute und vor böse Shylock. Sir Henry Irving, der große englische Schauspieler, hat auf der englischen Bühne eine Darstellung Shylocks einheimisch gemacht, die das Menschlich-Sympathische in dessen Charakter stark hervorhebt. Nun hat aber Mr. Norman F o r b e s in Leeds den Shylock als einen wilden, fanatischen Menschen dargestellt, in dem alle schlimmen Triebe toben. Der Jrving'sche Shylock ist gut, der Forbes'sche böse. Der Dichter freilich hat einen Menschen zeichnen wollen, der gut war und böse gemacht wurde. Prinz Victor Napoleon und die Judenfrage. Ueber seine Stellung zur Judenfrage in Frankreich äußerte sich der bvuapartistische Prinz unlängst einem Interviewer gegenüber folgendermaßen: „Ich suche mich von der Heftigkeit gewisser Antisemiten sreizuhalten. Nur durch die Kopflosigkeit des Parlaments, das sich dem jüdischen Gelde gefällig erweisen wollte, konnten die Inden eine solche Macht gewinnen. Eine wirklich autoritäre Regierung würde ihnen diese Prärogative entziehen. Gleichwohl verstehe ich, als Feind aller Nassen- und Religionskriege, die Forderung einer Juden a u s t r e ib u n g ebensowenig, als ich je den Juden das Bürgerrecht wegnehmen würde, das Napoleon L tut Jahre 1804 ihnen verliehen hat." Ein Makkabäer-Roman. Die bekannte Schriftstellerin Miss Charlotte M. I o n g e hat einen Roman ,.The Patriots of Palestine“ veröffentlicht, in dem sie die Erhebung der Makkabäer in glänzenden Bildern schildert. Von dem lärmvollen Hintergründe heben sich die Liebesgestalten Eleazars und Saras, Akbars und BeLhias wirksam ab. V Tritme. Stellenvermittlung für jüdische Handelsangestellte nnd Beamte. Geehrter Herr Redacteur! In der Erkenntnis, dass die wichtigste und nothivendigste Bethäligung eines Handelsangestellten-Vereines sich auf die Stellenvermittlung erstrecken muss, hat die jüdische Vereinigung „Jordania" bei den Behörden die uöthigen Schritte eingeleitet, um die Bewilligung hierzu zu erlangen. Den jüdischen Handelsangestellten und Beamten, welchen es die bestehenden Verhältnisse so unendlich schwer machen, sich ihr Brot auf ehrliche Weise zu verdienen, soll die Möglichkeit geboten werden, ihre Fähigkeiten verwerten zu können, passende Stellungen zu finden. Die Vortheile dieser Stellenvermittlung sollen selbstverständlich jedem jüdischen A n g e st e l l t e n zugute kommen, da diese Institution kein Product politischer Berechnung, sondern den Bedürfnissen und Interessen säinmtlicher jüdischen Handelsangestellten entsprungen ist. Die traurigen Erfahrungenwelche die jüdischen Handelsangestellten gerade auf dem Gebiete der Stellenvermittlung gemacht haben — es braucht bloß auf die Gründung der städtischen d. i. antisemitischen, sowie ans

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