Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315799--10122-3383953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3-L Kedartion * Erscheint jeden Freitag. > 3-;—B Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wie« die Redaetion oder Administration: Wien, IX., Türkenzeile 10 kr. IX.. Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. ——-— Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. U-G I Manuscripte nicht zurückgesendet. § 3-U KeMpmse: Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. -- 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6Mk.85Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Ur. 2. Wie«. 13. Jänner 1899. 3. Jahrgang. Da mit Jahresschluss eine große Anzahl von Abonnements ab gelaufen sind, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Abonnenten des Auslandes abonnieren am billigsten mit recommandierten Briefen, kleine Münze kann mit Briefmarken beglichen werden. Reflectanten auf Einbanddecken des Jahrganges 1898 wollen Bestellungen unverweilt anmelden und gleichzeitig den entfallenden Geldbetrag einsenden. Die Einbanddecke kostet fl. 1.20, hierzu Porto für Oesterreich-Ungarn und Deutschland 15 kr., für das übrige Ausland 33 kr. Ethischer Umschwung. Von Max Aram. Es gilt für den Zionismus auch, stets bis zu dem Kerne und Sinne seines Strebens einzudringen und ihn nimmer zu vergessen. Dabei ist freilich nicht zu vermeiden, dass das, was er in eine knappe Formel bringen will, banal und trivial erscheinen dürfte, aber es vermag sich alles Höhere und Erhabene nur durch einen trivialen Untergrund und durch triviale Stützen zn halten. Der Zionismus erstrebt nach dem Baseler Programme, das den Lesern dieser Zeitschrift nicht unbekannt sein dürfte: „....für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina"; jeder Zionist jedoch fühlt, dass hinter diesem trockenen, nüchternen, gleichsam ökonomischen Ziele das andere verhüllt liegt, dem Judenthume, diesem „Johann ohne Land", wieder eine nationale Heimat, Würde und ein nationales Leben zu schaffen. Freilich ist die letztere Aufgabe die ungleich höhere und gewaltigere, eine cura posterior; vor allem überhaupt nur zu lösen nach der Bewältigung der ersteren, der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Denn sobald diese nur einmal eingerichtet, so wäre sie allein schon der Stab für alte die Juden, die in einem äußerlichen oder auch nur in einem tieferen psychologischen Sinne unter der Zerstreuung und Heimatlosigkeit leiden. Ja, wäre die öffentlich-rechtliche Sicherung nur einmal erreicht, so gienge die erlösende Wirkung bereits auf die Juden, die noch nicht nach dem Stabe griffen oder greisen könnten. Dr. Herzl constatierte einmal anlässlich einer Zeitnngspolemik, dass der Zionismus in der kurzen Zeit seines Bestehens den Juden soviel Achtung zurückgewonnen habe, wie nichts anderes. Dies trifft auch durchaus zn und mag bisnun die erfreulichste, wertvollste Wirkung der zionlstischen Propaganda sein. Sie entspringt ans der durch den zionistischen Gedanken hervorgerufenen herben und stolzen Gleichgiltigkeit des Juden gegen die kleinlichen unappetitlichen Zänkereien zwischen Antisemiten und den „deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens" : einer Gleichgiltigkeit, die aber dabei nichts mit der würdelosen Indifferenz des assimilationswüthigen Spießbürgers gemein hat, sondern durch die höhere, ja heroische Idee eines wirklichen, concreten, nicht phrasenhaften nationalen Strebens glänzend gerechtfertigt wird. So müsste man doch auch annehmen, dass der Zionismus gleichgiltig allen Beschwerden gegenüberstünde, die erhoben würden, weil man die Scheidung zwischen Christen und Juden allzu deutlich hervortreten ließe. Im October stellte in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung der Stadtverordnete Dr. Friedemann, der Candidat des „Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", den Antrag: „Da in einem großen Theile der Privattöchterschulen des Westens die Ausnahme der Schülerinnen von konfessionellen Rücksichten abhängig gemacht wird, ersucht die Stadtverordneten-Versammlung den Magistrat, eine zweite höhere städtische Mädchenschule iiu Westen zu errichten"; und in der. Debatte über diesen Antrag erzählte der Stadtverordnete Hugo Sachs, dass manche Schulvorsteherinnen bei der Anmeldung von Schülerinnen zuerst die Frage stellten: ob jüdisch, ob getauft?, oder ob die. Kinder auch an dem Religionsunterrichte theilnehmen? Und er meinte, dass dies abgeändert werden müsse, wenn nicht ein Nothstand emtreten solle. Der Zionist hingegen dürfte von solchen Erscheinungen des socialen Lebens folgendermaßen denken: Diese Weigerungen der Schulvorsteherinneu entspringen doch nicht ihrem bösartigen, fanatisch antisemitischen Charakter. Sie wollen vielmehr an ihren Privatschnlen allein möglichst viel Geld verdienen, und selbst wenn das abscheuliche Märchen der Antisemiten von dem besonderen Gerüche der Juden wahr wäre, so würden sie sagen: non ölet. Wenn sie sich also gegen die Aufnahme jüdischer Schülerinnen sträuben, so geht'daraus hervor, wie sehr diese von den immerhin zahlreichen Eltern ihrer christlichen Schülerinnen als lästig oder gar unerträglich empfunden werden. Dies ist gewisslich für die jüdischen Eltern und Schülerinnen kein erfreulicher Zustand, aber der Zionismus weint nicht, dass er „abgeändert" wäre, wenn die Schick- Vorsteherinnen gleichsam mit Gewalt gezwungen würden, die jüdischen Schülerinnen aufzunehmen. Weder Liebe noch Achtung lassen sich erzwingen, und wer sich vor offener Missachtung nicht sogleich stolz zurückzieht, mag ihrer wahrhaft würdig sein. Ja, indem der Zionismus sagt, wir wünschen es gar