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Die Welt · 1899-01-06 · 1 (6.1.1899) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
1 (6.1.1899)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1899-01-06
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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jatomp: Seite 13 »kr. 1 Pmiumschnchtr«. Wien. In der Jüdisch-akademischen Lesehalle, IX., Berggasse 9, findet Samstag, 7. Jänner, um 7 Uhr abends ein Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisengrün über ökonomischen Materialismus statt. Gäste willkommen. Wien. Samstag den 7. Jänner findet in Löblls Restaurant, VI., Schmalzhofgasse 1", eine öffentliche Vereinsversammlung der Ortsgruppe „Mariahilf-Neubau" statt, in der Herr Dr. E. F. W e i s l über „die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in Oesterreich" referieren wird. Gäste, auch Damen, herzlich willkommen. Wien. Am vorletzten Dienstag abends fand im Einzelverein „W i e n" des Verbandes „Z i o n" eine animierte Zusammenkunft statt. Nach einem von Herrn B. F u ch § über „Die Stellung der Orthodoxie zum Zionismus" erstatteten Referate entwickelte sich eine lebhafte Discussion, in welche viele Gäste, sowie der Präsident Dr. Leopold Kahn mit großem Eifer eintraten. Eine Fortsetzung der Diseussionen wurde in Aussicht genommen. Wien. (Jüd.-akad. Verbindung „Achiwah“.) Die am 12. December J 898 vorgenommene Neuwahl ergab folgendes Resultat: stud. jur. Theodor Schön, Präses; cand. jur. Emil Menziles, Vieepräses; sind. jur. Hugo Felder, Schriftführer. Mähr.-Ostrau. Dienstag den 27. December v. I. veranstaltete die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Hessiana“ in Mähr.-Ostrau ihren Gründungscomrners, der in erhebender Weise verlief. Nachdem der Präses der „Ktessiana“, cand. jur. Arthur Immerglück, die Anwesenden, unter denen sich Vertreter fast aller jüdischnationalen Verbindungen, sowie der größte Theil der hiesigen jüdischen Bürgerschaft befanden, begrüßt hatte, ergriff jur. Emil K r a s n y das Wort zur Festrede, in deren glänzendem Verlaufe er wiederholt locale Verhältnisse gebärend beleuchtete. Eine große Wirkung aus alle Anwesenden übte die Tendenzrede, mit der der Präses der „Jvria", cand. jur. Jakob E h r l i ch, dem Zionismus viele neue Freunde warb. Nach einem Aoafte des 8tud. techn. S. Haas auf Dr. Theodor Herzl sprachen noch im Namen der „Jvria" jur. Rudolf Nassau, für die „Kadimah" A. H. Arnold Reich, für die„Unitas" cand. jur. Josef Sander. Auch Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Jakob Spira sprach sich im günstigsten Sinne über den Zionismus aus. Mit einem inhaltsreichen, überaus sachlichen Vortrage des jur. Alexander Hausmann „Ueber die Lage der Juden in Galizien" schloss das schöne Fest, welches bezeugte, dass auch in Mähr.-Ostrau, der Zweitgrößten Judengemeinde Mährens, der Zi'snismus sich schon viele warme Freunde erworben hat. Philippopel, Ende December. Hier hat sich auf Initiative der Frau Ingenieur Rosa S ch a m r a j e w s k y ein zionistischer Frauenverein gegründet mit Frau Romano als Präsidentin und folgenden Comitömitgliedern : Fr. S i d y, Fr. Rimo lowsky, Fr. S ch a m r a j e w s k y, Fr. B i n b a s s a, Frl. W i l e n z und Frl. Kalew. P.'G. V ZkitschristknnmWiin. Die letzte Nummer der „Zukunft" enthält einen interessanten Aufsatz von Prof. Ruheland über die „jüdische Wirtschaftsgeschichte". Im Ursprung schon ein Agrarvolk, gelangt Israel später, an Erfahrung reicher, in den Besitz eines Landes, das dem Handel zwar nicht günstig, aber dafür fruchtbar ist. Die Gesetze Moses berücksichtigen keine feudalen Uebergangsstufen; sie tragen sofort den Charakter der Volkswirtschaft. Sie zeichnen sich durch ihre absolute Entschiedenheit, Unabänderlichkeit, klaren Blick in die Zukunft aus und durch ein inniges Durchdringen der religiösen, sittlichen und wirtschaftlichen Anschauungen. Das wirtschaftliche Lehrgebäude - Adam Smiths ist auf Arbeit gebaut. Die mosaische Gesetzgebung hat die Priorität, ihr Fundament ist noch besser. Die Arbeit ist nicht Pflicht der unteren Volksmassen, sondern allgemeine Menschenpflicht, ein göttliches Gebot. Sie ist nicht Lohnarbeit im Dienste des Capitals, sondern bäuerliche, landwirtschaftliche Arbeit. Der Acker wird gleich vertheilt, die Priester ausgenommen. Er soll auch nicht den Interessen der Capitalisten und des Rentnerthums dienen, er gehört als Werkzeug zur frpduction des Brotes für das Volk. Der Acker soll in der awilie, im Stamme erhalten werden, darum wird der Freihändel verboten. Der Eapitalreichthum ist kein Verdienst, er verkörpert eine große Gefahr. Die mosaische Gesetzgebung sorgt für die Landwirtschaft, sie ist Mittelstandspolitik. Die Bemittelten haben die Pflicht, zu leihen, sie dürfen keine Zinsen fordern und damit nach alledem die Schuld nicht auflaufe, wird die Schuld in sieben Jahren nachgelassen. Der mobile Besitz ist nur dazu bestimmt, um den Volksgenossen auszuhelsen. Nur im Nothfalle ist der Verkauf des Grundbesitzes gestattet, aber auch dann wird der Rückkauf ermöglicht, bezw. erleichtert. Um die ursprüngliche Ackervertheilung zu erhalten, ist das Jobeljahr eingeführt, das Schennttajahr, um den Boden vor Raubbau zu wahren. Armenunterstützung ist Pflicht. Die Armen haben Rechte auf den Ertrag der Felder. Ist jemand gezwungen, Lohnarbeiter zu werden, so gehörte er nicht zu den Enterbten. Die Gesetzgebung sorgt dafür, dass er in den Mittelstand zurückkehrt. Im Jobeljahre wurden die Knechte auf Lebensdauer frei. Der Schwerpunkt der Arbeitergesetzgebung ruht in der möglichsten Erleichterung des Aufsteigens der Arbeiter in die Elassen des Mittelstandes und in der Erhaltung des Mittelstandes. Moses zieht durch seine Gesetzgebung um die Getreidefelder einen Schutzwall gegen den Capitalismus Wenn ein Grundbesitz aus Noth verkauft wird, so nur nach Maßgabe seines Jahreserträgnisses. Der Grundbesitz ist kein Capital, sondern Rentenfonds und zwar ein durch das Jobel jähr begrenzter Nentenfonds. Die Uebertretung der agrarischen Gesetzgebung ist der Uebertretung der höchsten Gebote gleich. Bücherwelt. Rosa Pomeranz. An die jüdischen Frauen! Ein Appell zur Umkehr. T arnopol, Verlag des Vereines „AhawathZio n". In der Flugschrift hören wir das treffliche Echo jenes Appells, der aus dem Congress an die jüdische Frau ergieng Echte Liebe zum jüdischen Volke und ein klarer Blick für die Verhältnisse der Gegenwart vereinen sich, um ein Büchlein zu schaffen, in dem die Grundsätze des Zionismus in warmem Tone und in populärer Form erörtert werden. Die Flugschrift wird sich für die Agitation in jüdischen Frauenkreiscn gewiss als sehr wirksam erweisen. ’ Peter Smolenskys sämmtl. Werke. ' I. Theil. Erzählungen und Romane. V. Hajeruschoh (2 Bände) fDie Erbschafts, bei A. E Land «, St. Petersburg, Theaterplatz 2. Dem genialsten Schriftsteller und Publicisten der neuhebräischen Literatur, Peter Smolensk y, der von der „Freien Presse" in einem Nachrufe mit Jehuda Halevi verglichen wird, wurde die verdiente, unseren Koryphäen so selten erwiesene Ehre zutheil, dass, sobald die traurige Nachricht von seinem frühen Tode an die zahlreichen Verehrerund Freunde des Dichters gelangte, die hervorragendsten unter ihnen sofort den Entschluss fassten, eine vollständige Auflage der Schriften Smolenskys zu veranstalten. Das Comitc bildete sich aus den besten Kennern der hebräischen Literatur und aus Gönnern des Verstorbenen. Männer, wie Leon G o r d o n, Dr. Kantor, Dr. K a tz e n e l l e n s o h n, R a b b i n o w i tz, S a ck, der russische Staatsrath von M a r g o li n, ein naher Verwandter der Famlitte, verbanden sich mit Baron Günzburg, Geheimrath S. von P o l i ci f o f f, Leo Rosent h al, um in ihrer Verehrung dem -Andenken Smolenskys ein dauerndes Denkmal zu setzen. Das Conntc erachtete es für zweckmäßig, die Werke in zwei großen Abtheilungen, Belletristik und Publieistik, zu sondern. Dank den eifrigen Bemühungen dieser Freunde sind bis jetzt sieben Bände erschienen, und zwar sechs der ersten Abtheilung, nämlich : Gmul Jeschori nt, S i m ch as H o n e f, K e w u r a s H a m a u r, H a t o e b e d a r k e Hach a j i m (2 Bände), endlich Hajeruschoh, 1 Band der zweiten Abtheilung, fünf kritische Abhandlungen enthaltend: Ewen Israel, Am Olam, Eis hdabor, Eis L ' as s o s und M i s ch p o t ch o r u z. Manche Freunde and Verehrer sind iiu Verlaufe der 10 Jahre gestorben, und das ursprüngliche Comiiä ist auf drei Personen zusammengeschmolzen, denen die Ausgabe des „Hajeruschoh“ zu verdanken ist: Dr. L. K anto r. Doctor L. Katzenellens oh n und Staatsrath von M a r g o l i n, der das Vorwort schrieb. In letzterem ist die Hoffnung ausgesprochen, dass der „Hajeruschoh“, eine der glänzendsten belletristischen Schriften Smolenskys, dessen frühere Ausgabe sehr schnell vergriffen war und im Buchhandel sehr selten vorhanden ist, auch diesmal begeisterte Aufnahme finden werde, umsomehr, als der gute Erfolg dieses Unternehmens von Bedeutung für^die weitere Herausgabe der Sammlung sei. Der gediegenen Feder Smolenskys, seinem muthigen, aus tiefem Herzen strömenden Worte und seiner begeisterten Liebe für Zion ist es zu danken, wenn eine neue Blütezeit der hebräischen Sprache anbrach und das nattonale Bewusstsein in tausenden unserer Stamwesgenossen wieder erweckt wurde. Die jüngere Generation hat wohl selten Gelegenheit, die in der Monatsschrift „H a s ch a ch a r", die nun zu einer bibliographischen Rarität geworden ist, erschienenen genialen Artikel Smolenskys über die nationalen Fragen unsers Volkes zu lesen. Sie wird es als Ehrenschuld betrachten, die weitere Herausgabe der Schöpfungen Smolenskys in großem Maßstabe zu fördern, und die aus jedem Worte athmende glühende Ueberzeugung dieses unermüdlichen

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