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Die Welt · 1899-01-06 · 1 (6.1.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
1 (6.1.1899)
Article
Zweikampf
Date
1899-01-06
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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&ett€ 10 JXflÖriW: Nr. 1 znrückgetretene Maire von Algier, Max R 6 g i s, der große Antisemitenhäuptling, hatte einen Mitarbeiter der revisionsfreundlichen „Dioits de THomme“, L e P i c (L^on Picard), wegen der an seiner Person geübten, allerdings sehr abfälligen Kritik zum Zweikampfe heransgefordert. Das Rencontre, für welches als Waffe der Degen gewählt worden war, fand am 26. Tecember statt. Die Gegner geriethen ziemlich hart aneinander, doch wurde nach dem fünften Gange der Kampf auf Regis' Verlangen eingestellt, das heißt nur einstweilig abgebrochen, denn am nächsten Tage trat der von seinen Genossen so viel gefeierte Antisemit, der sich tagsvorher mit einem „A bas les juifs!“ vom Kampfplatze entfernt hatte, wiederauf die Mensur. Diesmal nahm die Sache einen ernsteren Verlauf. Nachdem die beiden Duellanten sich leicht die Gesichter geritzt hatten, erhielt Le Pic schon im dritten Gang einen, wie es heißt, nicht ungefährlichen Stich in die Magengegend, der ihn kampfunfähig machte. Zweierlei Moral. Da gibt es einen Richter in London, namens Bacon, der, so oft Eastender Jüdinnen vor ihm zu erscheinen haben, sich folgende Frage leistet: „Habt Ihr Moral in Euch?" Was ihm zur Antwort gegeben wurde, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich haben sie in begreiflicher Schüchternheit überhaupt geschwiegen. Nun hat sich aber der „Jewish World“ der Armen angenommen und dem Manne in höflichster Form den Standpnnkt klargemacht. Daraufhin raffte sich Se. Herrlichkeit zu folgender Erklärung auf: „Wenn ich sage: Moral, so meine ich nicht Moral im beschränkten, sondern im weitesten Sinne, so meine ich Moral der höchsten Art." Ob man im Eastend die feine Unterscheidung verstehen wird? Die Baronin Hirsch hat eineinhalb Millionen Gulden zu einem Theile zur Erweiterung und Ausgestaltung der von ihrem verstorbenen Gatten in Galizien errichteten Schulen gestiftet, zur anderen Hälfte für Wirtschafts- und Handwerksschulen zugunsten armer jüdischer Mädchen gespendet. Rabbinerwahl. Unser Gesinnngsgenosse Dr. Co Han- Bern sie in wurde zum Rabbiner in Charkow, unser Gesinnungsgenosse Dr. I a m p o l s k y wurde zum Rabbiner in Kiew ernannt. Beide Herren, waren Delegierte des zweiten Baseler Evngresses. Eine Entdeckung. Neuerdings suchte ein Gelehrter, A. Allain, die schon früher aufgetauchteHypothese, die Engländer seien Nachkommen der verloren gegangenen zehn Stämme Israels, durch Stellen aus den 5 Büchern Mosis, den Propheten, sowie durch Beweise der vergleichenden Philologie zu bekräftigen. Das Berliner Mädchenghetto. Die Berliner Stadtverordneten-Bersanunlung beschäftigte sich am 29. December mit den in der Oeffentlichkert in letzter Zeit vielbesprochenen Zuständen auf dem Gebiete des höheren Mädchenschulwesens im Westen der Stadt. Der Umstand, dass die Aufnahme jüdischer Schülerinnen in die höheren Privatschulen häufig großen Schwierigkeiten begegnet, die einzige städtische höhere Mädchenschule im Westen aber uberfüllt ist, hatte den Stadtverordneten Dr. Friedemann veranlasst, den Antrag zu stellen, eine zweite höhere Mädchenschule in jener Stadtgegend zu errichten. In dem Ausschüsse, dem der Antrag zur Berathung überwiesen war, wurde nachgewiesen, dass in der That die Vorsteherinnen mehrerer Anstalten die Aufnahme jüdischer Schülerinnen abgelehnt haben; nur in zwei Anstalten finden solche Aufnahmen statt. Der Ausschuss war nicht der Ansicht, dass durch das ihm vorgelegte statistische Material die Norhwendigkeit der Errichtung einer zweiten höheren Mädchenschule im Westen erwiesen sei. Er empfahl deshalb die Ablehnung des Antrages Friedemann, wünschte aber, betont zu sehen, dass das gerügte Verhalten der Schulvorsteherinnen mit der geltenden Rechtsordnung unvereinbar sei. Nach dem Anträge des Ausschusses soll der Magistrat ausgefördert werden, diese Rechtsordnung bei den Aufsichtsbehörden mit allem Nachdrucke zur Geltung zu bringen, und neue Privatschulen nur unter der Bedingung, dass die Confession der Schüler kein Hindernis für die Aufnahme bilden würde, zu eoncessionieren. ' Schließlich soll der Magistrat ersucht werden, entweder mit den Schulvorsteherinnen, die keine solche confessionelle Scheidegrenze errichten, wegen Erweiterung ihrer Schulen in Verbindung zu treten, oder aber eine zweite höhere Mädchenschule zu errichten. Personalnachrichten. Die Verbindung österreichischschlesischer Hochschüler „Jvria" beehrt sich, bekanntzugeben, dass ihr a. H. Herr Ingenieur David Nach er sich am 19. December v. I. mit Fräulein Fanny Hechter in Ustron verlobt hat. — Unser Gesinnungsgenosse, Herr Dr. Siegmund Krausz, alter Herr der „Kadimah", hat sich am 29. December v. I. mit Fräulein Elsa D o n r e i ch verlobt. Fräulein Donreich ist eine Nichte des Secretärs des ersten Baseler Congresses, Herrn Dr. Albert Donreich. V Die Mistischc f flvcpng. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekclzahlnngen find an das Bureau des Zionistencongreffes, Wien,!l.. Rembrandtstraffe 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zioniftencongresses, Basel, zu senden. _ Das Actionscomite. A n die z i o n i st i s ch e n Vereine! Hiermit ergeht an sämmtliche zionistischen Vereine (Colonisations-, Literatur-, Geschieht-, Turn- und Gesangvereine rc. rc.) die Aufforderung, bis 15. Jänner 1899 eine kurze, aber genaue Angabe ihres derzeitigen Standes an das Congressbureau in Basel einzusenden. Jeder Verein hat die Mitgliederzahl, Statuten und die Namen der Functionäre mitzutheilen. Das A c t i o n s c o m i t 5. Sir Francis Montefisrr. In einem an Dr. Ga st er gerichteten Briefe erklärt Sir Francis A. Montefiore, Bart., die Präsidentschaft der West London Zionist Association annehmen zu wollen und gibt seiner lebhaften Geuugthuung über die auf ihn gefallene Wahl Ausdruck. „Diese > Nachricht", bemerkt der „Jewish World“, „wird viele Leute überraschen, welche gewöhnt sind, die werbende Kraft der zionistischen Bewegung nach der Fülle der gegnerischen Beschimpfungen und Verdrehungen zu bemessen. Dell Zionismus befürworten, heißt, sich den niedrigsten Umgriffen aussetzen. Und obwohl der Chief- R a b b i, Col. G o l dsmid, Sir S. Montagu und Mr. H. Landau nicht persönlich zu dieser schmutzigen Angriffsweise einiger ihrer Creaturen herabgesunken sind, so lastet doch eine gewisse Verantwortung auf ihnen, die mit einem deutlichen Worte die geifernden Possenreißereien beenden und dem Kampfe der Meinungen die ihm gebürenden anständigen Formen wiedergeben könnten. Dass nun einer, der den hochgeehrten Namen der Montefiores trägt, in die Reihen der activen Kämpfer des Zionismus eingetreten ist, wird vielleicht aufklärend und reinigend wirken. Die Familie Montefiore hat ihren Namen mit Thaten verknüpft, vor denen jeder Jude in Ehrfurcht sich beugt. Die Präsidentschaft Sir Francis Montefiores, die einen Erfolg des Zionismus bedeutet, wird in der ruhmvollen Geschichte dieses Hauses gewiss nicht an letzter Stelle verzeichnet werden". Brün«. Der Verein zionistischer Handelsangestellter „Emunah" in Brünn fordert in einem Circular zum Beitritte auf. Wir entnehmen diesem Aufrufe folgende Sähe: ... In diesen traurigen Tagen, wo der alte Hass den Juden neue Wunden schlägt, thut eine Zusammenfassung der jüdischen Kräfte mehr noth denn je. Wenn überhaupt etwas,, so ist es die Gemeinsamkeit, die Unterstützung des Einzelnen durch die Gesammtheit, das Vertrauen aller in den Einzelnen, das die leibliche und seelische Noth der Juden lindern könnte. Solch eine Gemeinschaft will die „Emnnah" für die jüdischen Handelsangestellten in Brünn sein. In ihren Räumen soll oer jüdische Handelsangestellte ein zweites Heim finden, Stammes-, Sinnes- und Berufsverwandte, denen er mit rückhaltlosem Vertrauen entgegenkommen kann und bei denen er jene verständnisvolle Theilnahme, jene Herzlichkeit findet, die er im Leben so oft schmerzlich vermissen muss.

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