Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Article
- Zaleszczyki
- Date
- 1899-01-06
- Page
- 8 (sequence 1)
- Language
- German
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Sette 8 Nr. 1 Zaleszczyki. (Im December.) Zum zweitenwale in diesem Monate prangte zur herzlichen Freude der gesummten jüdischen Bevölkerung die jüdische Nationalfahne über dem VereinSlocale. Das erstemal war es bei der Jubiläumsfeier unseres heißgeliebten Landesvaters, das zweitemal zur Feier des Chanukafestes oder des Festes der Selbsthilfe, welches der wiedergewählte Präsident unseres Vereines, Herr L. Lindner, in Gegenwart einer zahlreich besuchten Versammlung und der meisten Mitglieder des Cultus-Vorstand es, die auch zu den Vereinsausschuss-Mitgliedern zählen, eröffnete. Als erster Redner erörterte Herr E. Glaser in fast zweistündiger Rede die Bedeutung des Ehanukafestes und die Berechtigung desselben in der Gegenwart. Hierauf sprach Herr A. L. Lagstein „Ueber Zionismus". Aus Bibel, Talmud und Midrasch dedueierend, geißelte er die Frömmler, welche Stellung gegen den Zionismus nehmen und Juden und Judenthum in Lethargie versenken wollen. Beide Redner wurden lebhaft acclamiert. Es war bereits Mitternacht, als die Gesellschaft zur Tafel gebeten wurde. Drohobyez. Sonntag, den 11. December veranstaltete der Verein „Z i o n" eine Makkabäerfeier. Der geräumige Theatersaal war vollgedrängt. Und wenn auch unsere jüdische „Aristokratie" nicht so vertreten war, wie es vielleicht hätte sein sollen, haben wir doch die Thatsache zu verzeichnen, dass der ganze Mittelstand und auch die Armen erschienen waren. Nachdem der Obmann des Vereines Herr A. H. Zupnik die Versammelten begrüßt hatte, sprach Herr Dr. Salz aus Tarnow über das alte und doch immer neue Thema, den Zionismus. Er hob das Bestreben der Selbsthilfe hervor, wie auch den Kampf nach innen und außen. „Das Judenthum ist wie eine Blume, die aus der heißen Zone auf einen nordischen Boden versetzt wurde. Der Zionismus will sie wieder in ihre Heimat zurückbringen." Nach diesen Worten schien der Beifall kein Ende mehr nehmen zu wollen. Zum Schlüsse wurde auch das nationale Stück: „Die Hasmonäer" von L. Stei n, zur Aufführung gebracht. Der Eindruck, den dieses Drama auf die Anwesenden machte, war ein gewaltiger. Es verdient noch erwähnt zu werden, dass die Orthodoxen zahlreich erschienen waren. Dorna-Watra (Bukowina). Der jüdisch-nationale Verein „Zion" veranstaltete am 10. December v. I. in seinen festlich geschmückten Bereinsloealitäten eine Makkabäer-Feier, die einen schönen Verlauf nahm. Herr S. Strominger begrüßte mit begeisterten Worten die Versammlung, worauf das herrliche Lied „Dort, wo die Ceder" gesungen wurde. Herr Moses Weingarten hielt die Festrede, welche mit stürmischem Verfalle ausgenommen wurde. Die Tendenzrede hielt Herr Markus Retter, dessen vortreffliche Ausführungen lebhaft acclamiert wurden. Der inoffieielle Theil der Feier wurde durch geseGge -Unterhaltung begangen. Herr S. Strominger toastiNte auf die nationale Bewegung, Herr A. K o tz auf die Führer des Zionismus, Herr M. Retter auf die Vereinsmitglieder. Eine von Herrn K p tz eingeleitete Discussion über die Berichte der „Oesterr. Wochenschrrft" schloss mit lebhaften Entrustungskundaebungey. Um 3 Uhr nachts nahm die begeisternde Feier ein Ende. Tg. Nesrntu (Rumänien). Samstag, den 10 December v. I. veranstaltete das Comit4 des Vereines „Choveve Zion“ eine McEabäerfeier, zu welcher sich eine große Anzahl Gesinnungsgenossen einfapd. Der BereinsobMann, Herr M o s c o w i t s, begrüßte die erschienenen Gäste, worauf Herr Osias Krakauer die Festrede hielt. Die gelungene Feier -hinterlieh einen bedeutenden Eindruck. Wirbglle« (Russ.-Polen). Die am 3./15. December v. I. abgehaltene Matzabäerfeier gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der hiepgen zionistischen Judenschaft. Es fanden sich auch christliche GWe, darunter zwei OMciere und ein Ingenieur, ein. Nachdem Herr N. W o l p i an skr die Chanukalichter angezündet hatte, sang er mir Chorbegleitung nationale Lieder. Dann sprachen die Herren : S. Goldberg AVer die „Heldengeschichte der Makkabäer". A. E. Sandler (hebräisch) über den „Zionismus", und H. S. Dogelaizky ein packendes „Schlusswort". Nach Verlesung einer Begrühyngsdepefche der Wistinetzer Zionisten schloss die Feier in vorgerückter Stunde. Brests«. Am 12. December v. I. veranstaltete die Breslauer zionistische Oittsgruppe in Böttchers Sälen eine Makkabäerfeier. Brennende Ehanrckahkerzen und das goldene Zionswappen in blau-weißer Drapierung gaben dem Festsaale das stimmungsvslle. Gepräge. 4M Theilnehmer waren erschienen, darunter als Ehrengäste Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l, Herr Prof. Dr. B a d t, die Herren Rabbiner Dr. G o r d o n und Dr. Zucke rmand e l. Den ersten Theil de§ Abends füllten musikalisch-declamatorische Aufführungen,' die überwiegend jüdisch-nationalen Charatter trugen;, erwähnt seien die syrischen Melodien, eine Auswahl hebräischer Volkslieder, die unsere Bauern in Palästina singen, und die in der bekannten ausgezeichneten musikalischen Bearbeitung des Breslauer Cantors Friedland zur Darstellung kamen. Herr Friedland hat e eigens zum Feste eine Arie: „Höre Israel" comporriert, die ebenfalls lebhaften Beifall weckte. Begeisternd wirkte ferner die Recitation einer Scene aus dem „Dr. Kohn" unserers Führers Nordau. Die Festrede hielt Herr Dr. phil. Emil Schl esinger:; er zeichnete in anschaulicher Weise das Bild der Makkabäerzeit, zog mit trefflichen Worten die Parallelen zur Gegenwart und begrüßte freudig das Wiedererwachen der so lange schlummernden jüdischen Volksseele. Bei der Tafel ergriff unter gespanntester Aufmerksamkeit der Anwesenden der in allen Kreisen hochgeschätzte rmd beliebte Profeffor Badt das Wott, um als Gast das befruchtende Wirken der jungen zionistischen Bewegung im Breslauer Gemeindeleben mit Anerkennung hervorzuheben und dem Zionismus seine warmen Sympathien zu bekunden; er schloss unter lebhaftem Beifall mit einem Hoch auf die Breslauer Ortsgruppe. Es folgte die Verlesung der zahlreichen Begrüßungstelegramme, die aus Köln, Kattowitz, Berlin u. s. w. eingetroffen warey, und eine Rede, die den lebenden Makkabäern, unseren Führern H e r z l, Nordau und G a st e r galt. Ein Tanz bildete venzweiten Theil des Festes, das unsere Ideen in neue werte Kreise getragen hat. P TM«. DaS Hotel zur Weißen Rose. Geehrter Herr Re daeteur! In der letzten Nummer der „Oest. Wochenschrift" war zu lesen, dass in Bistritz a. H. im Hotel „Zur weißen Rose" eine Studentenversammlung stattgefunden habe, in welcher „säst einhellig der Zionismus sowohl von religiösem, als auch moralischem Standpunkt" verworfen wurde. Ich bin in der angenehmen Lage, Ihnen mitzutheilen, dass es hier kein Hotel „Zur weißen Rose" gibt, weiters im Ort sich im ganzen 3 jüdische Studenten auffinden lassen, von denen '2 als Zionisten bekannt sind. Eine Versammlung jüdischer Studenten wäre hier eine Ungeheuerlichkeit. Bistritz a. H. Hochachtungsvoll _ I- E. Für die geplünderten gnlizischeu Inden. Frl. Pokrassa, Kiew, 3 R. V Zur Drryfus-Affaire. Die alte Behauhlnng. Der .New-York Herald“ erhält von seinem Correspondenten in Cayenne ein Telegramm, wonach es sich bestätigt, dass der Statthalter von Cayenve t erklärt habe, die Vorschriften in der Behandlung Dreyfus als Gefangener hätten keine Aenderung erfahren, alles sei beim alten geblieben. Das Befinden des Dreyfus. Ein mit dem Postdampscr „La France“ soeben aus Cayenne eingetroffener Passagier, der zur Kategorie der Colonialbeamten zu gehören scheint, hat einem Mitarbeiter der „Phare de la Loire“, eines Nantaifer Blattes, geschildert, wie die Acten, welche der Cassationshos Dttyfus übermittelt wissen wollte, auf dem Wege über Martinique und Cayenne zur Teufelsinsel gelangten. Auf die Frage des Journalisten, ob Dreyfus durch ihren Empfang nicht in yochgradige, freudige Erregung versetzt worden fei, erfolgte die Antwort: „Durchaus nicht; man hatte im Gegentheil den Eindruck, als habe er das wichtige Ereignis kaum beachtet. Seine Stimmung ist seit geraumer Zeit eine ties gedrückte. Wie könnte es nach vierjähriger vollständiger Einsamkeit bei diesen seelischen Kämpfen auch anders sein? Semen Wächtern war streng verboten, mit ihm zu sprechen, und er hat sich auch das Fragen schon lange abgewöhnt, weil Niemand ihm Bescheid ertheilen durste. In der ersten Zeit seines Aufenthaltes aus der Felfeninsel beschäftigte er sich viel mit Algebra: jetzt ist er außer Stande, irgend einer geistigen Arbeit obzuliegen. Er ist sehr gealtert, geht ganz gebückc einher und auch sein Verstand bat bereits sichtlich gelitten. Mehr vermochte keiner von denen, welche Dreyfus nahökomnren, mir über ihn zu sagen." Die Meldung lautet für diejenigen, welche an dem Ergehen des Deportierten wärmeren Anttzeil nehmen, nicht gerade tröstlich: scheint es doch fast, als sollte die Befürchtung, dass Dreyfus für den Fall seiner Zurückberufung kaum noch die nöthige körperliche und geistige Spannkraft besitzen werde, um seinen Verfolgern und Peinigern als ebenbürtiger Gegner gegenüberzutreten, sich erfüllten. Einstweilen ist es seine Gattin, die als seine gesetzliche Vormünderin im Verein mit ihrem Anwalt