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Die Welt · 1899-01-06 · 1 (6.1.1899) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
1 (6.1.1899)
Article
Wien / J. Z.
Date
1899-01-06
Page
6 (sequence 1)
Language
German
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Seite t> Rr. i Makkabiier-Feieru. Wie». Wir haben hier in Wien Heuer eine Reihe von gut gelungenen und für unsere Sache sehr erfolgreichen Makkabäerseiern zu verzeichnen. Ihren Abschluss fanden diese Makkabäerfeiern mit einer Samstag den 17. v. M. vom Arbeiter- und Privatangestellten-Verein „Achwa h" im Weiß'schen Restaurationssaale veranstalteten Feier, welche sich den Makkabäerfeiern der anderen gesinnungsgenössischen Vereine würdig anreiht und auch ihren agitatorischen Zweck vollkommen erreichte. Lange vor Beginn der Feier war bereits der geräumige Saal bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den bekannten christlichen Förderer unserer Sache, Herrn Baron Maxime M a n t e u f f e l. Die Feier wurde durch einen von Herrn Ed. Grün sehr wirkungsvoll gesprochenen Prolog würdig eingeleitet. Sodann ertheilte der Vorsitzende dem Festredner, Herrn Dr. I. Bergmann, das Wort, welcher in einer einstündigen, mit glänzender Rhetorik vorgetragenen und wiederholt durch stürmischen Applaus unterbrochenen, geistreichen Rede über die Bedeutung der Makkabäerkämpfe und -Siege für uns Zionisten sprach und Analogien zwischen jenem Zeitalter und unserem, dem modern-zionistischen, wie er es nannte, zog. Und als der Festredner schließlich in Berücksichtigung des Umstandes, dass auch eine große Anzahl von Mchtzioinsten als Gäste anwesend waren, den Versammelten das zionistische Programm erläuterte und sie zur Mitarbeit an unserer heiligen Sache aufforderte — da schien es, als ob der Beifallssturm gar kein Ende nehmen wolle . . . Nachdem wieder Ruhe eingetreten war, deolamierte Herr Doctor §o ch mehrere Nationalgedichte Dr. Heinrich L o ew e's und die uch s'sche Dichtung „Die Makkabäerschlacht", während Herr Grün eine Scene aus dem zweiten Aufzuge des G u tz k o waschen Schauspieles „Uriel Acosta" recitierte. Beide fanden lebhaften Verfall. Hierauf folgten einige Musiknummern. Der jugendliche Violinvirtuose Leo Fiedler entzückte die Festversammlung durch sein herrliches Spiel, Fräulein Gina Huth durch ihre Elavier- und Gesangsvorträge. Einen großen Antheil an dem Erfolge des Abends können auch die Herren Lemberger, Modlinger und Lieb ermann für sich in Anspruch nehmen. Ersterer, ein Opernsänger, sang die Arie aus Mozarts „Zauberflöte", während Herr M o d l i n g e r, ein gewesenes Mitglied des Lemberger jüdischen Theaters, mehrere Scenen aus Goldfadens herrlichen Opern „Bar-Kochba", „Nebukadnezar" rc. nicht minder schön, und zwar im Jargon sang. Es ist selbstverständlich, dass das Publicum auch diesen Künstlern gegenüber mit dem wohlverdienten Beifall nicht kargte. Sodann hielt noch — fast not least — der Schriftsteller Herr R. A. Braudes, bei feinem Erscheinen auf oer Tribüne von den Versammelten lebhaft acelannert, eine kernige Ansprache. Auch das Ausschussmitglied Trieb er hielt eine kurze Ansprache an die Versammelten. Nach Mitternacht wurde die Feier, mit deren Erfolg ihre Veranstalter zufrieden sein können, seitens des Vorsitzenden Herrn Groß geschlossen. .7. Z. Wie». Die Makkabäerfeier des hiesigen Theologenvereines, die am 8. Deeember v. J. ftattfand, gestaltete sich zu einem literarischen Abend mit lebhaften Discussionen. Noch einer gediegenen deutschen Festrede des cand. phil. Friedmann, in welcher auf die frappante Aehnlichkeit der Makkabäerzeit mit der Neuzeit hingewiesen wurde, sprach cand. phil. Kessler in hebräischer Sprache über d.ie Bedeutung des Ehanukafestes. Hierauf sprach Herr Dr. Leopold Kahn im Namen der Zionisten und drückte die Hoffnung aus, dass die jungen zukünftigen Lehrer des jüdischen Volkes sich ihre großen Lehrer der Vergangenheit zum Muster nehmen und mit dem Volke für das Volk arbeiten werden. Herr Lector Fried mann, der geistreiche Interpret des Midrasch, besprach.in einer mehr als einstündigen Rede die Eigenheiten der jüdischen Nation. Als er jedoch zum Schluffe unklare Aeußerungen über die zionistische Bewegung machte, erwiderte ihn: terr Braudes und setzte in klaren und präcisen Worten die iele des Zionsmus auseinander, indem er. ebenfalls aus der Midrasch-Literatur, nachwies, dass die jüdische Tradition die Religion in den Dienst des Volkes und nicht dieses in den Dienst der Religion gestellt haben will. Herr Dr. Kahn ergriff zum zweitenmal das Wort und wies nach, dass gerade die Argumente des Herrn Lector Friedmann für den Zionismus sprechen, worauf Herr Lector dies auch zugab und den Ausführungen des Herrn Dr. Kahn voll und ganz zustimmte. Nachvem noch der als Gast anwesende Rabb. Dr. Funk aus Pressburg gesprochen hatte, begann der gemüthliche Theil des Abends, der bei echtem P a l ä st i n a w e in eine recht animierte Stimmung erreichte. B. Wie». Montag den 12. Deeember fand im Hotel Central die Makkabäerfeier der Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar K o ch b a" statt. Das überaus zahlreiche Publicum, das den großen Saal und die Nebenräume füllte, bewies, dass sich die „Bar Kochba" schon bei ihrem ersten Auftreten zahlreicher Sympathien erfreue. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Dr. Kahn, Lector Fried mann, Dr. Kotes ch, die Vertreter der akademischen Verbindungen „Kadima h", „I v r i a", „U n i t a s", „T h e o l o g i a", „Emun a h", „M a c c ab ä et", des Mädchenvereines „Hadassa", der Vereine „A ch w a h" und „I o r d a n i a" u. v. a. Der Präses eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache, in der er die Entstehung der „Bar Kochba" durch die exeeptionelle Lage der Juden in Galizien begründete und die Tendenz dieses Vereines entwickelte. Nach dem Anzünden der Ehauukalichter durch Herrn Obercantor Bauer sprach sind. phil. R o t hblum eine schwungvolle hebräische Jntroduction. Die Festrede hielt cand. ing. Rosthal. Herr Dr. Kahn suchte hierauf in einer geistreichen Ansprache die Bedeutung des Namens „Bar- Kochba" für die Tendenzen des Vereines zu erklären. Durch die Aufführung der ersten Scene aus Goldfadens „Bar Kochba", gestaltete sich die Feier zu einem erfolgreichen Agitationsabend, was doch ihr eigentlicher Zweck war. Die in dieser Scene enthaltene Auseinandersetzung zwischen dem alten, frommen Eleazar (stuä. phil. M a r g u l i e s), der das Selbstvertrauen ganz verloren und dem jungen, muthigen Bar Kochba (stuck, ing, Goldwasser), der in feurigen Worten zur allein heilbringenden That auffordert, könnte nicht anders heutzutage gesprochen werden. Einen großen Theil des Abends nahmen die musikalischen Vorträge in Anspruch, ausgeführt durch künstlerische Kräfte, denen der Erfolg der Feier nicht zu geringem Theile zu verdanken ist. Die Damen Frl. E. Li ebner, Frl. Magaziner, Frl. Bercovitsch, sowie Herr Stierer ernteten reichen Beifall. — Bei der von Dr. Kahn geleiteten Festkneipe blieben die meisten Gäste bis spät nach Mitternacht in animiertester Stimmung beisammen. Bielitz. Dienstag den 13. v. M. veranstaltete der hiesige Bürgerverein „Haschachar“ eine Makkabäer-Feier mit würdigem, ernstem Programm. Der Präses, Herr Dr. Stern berg, erzählie in seiner trefflichen Festrede die Geschichte der Makkabäer, zog die Parallele zwischen einst und heute und bewies, dass die heutige Assimilation der damaligen, der moderne Zionismus den Freiheitsbestrebungen der Makkabäer gleiche. Das darauffolgende Musikprogramm war ein reiches, und die Production gelang vortrefflich, dank der Fähigkeit und dem guten Willen der einzelnen Vortragenden. Die Herren Gold mann sen. und jun, sowie Herr Tramer vomchiesigen Stadttheater errangen durch ihre Gesangesleistungen allgemeinen stürmischen Beifall. Gleichen Beifall errangen die Herren Dr. Herbst, Gotsch und K a u fm a n u, welche exact und mit künstlerischem Verständnisse Mendelsohns .,Driv v-moll" vortrugen. Nachdem Herr Wilhelm: von: Stadttheater mit Begeisterung L o e w e s „Wach' auf, mein Volk" vorgetragen und eine heitere Zugabe gespendet, trat unter allgemeinem Beifalle ein Herr ans, welchen kein Bielitzer zur Feier erwartet hatte : Herr Dr. V i r n b a u m. Derselbe war zufällig auf der Durchreise; und als er in seinem einsamen Fremdenzimmer hörte, dass in den: Festsaale desselben Hotels die Makkabäer ein Fest feiern, da hielt ihn nichts mehr, er rnusste zu seinen Freunden. In seiner kurzen, kernigen Ansprache verglich Redner sich in seinen Reisekleidern vor einer Festversammlung mit Juda-Ahasver, welcher herumwandern muss, während alle anderen Völker in festlicher Stimmung sind. Redner geht hierauf auf die Makkabäer über; dieselben "mussten siegen; denn sie waren Männer der That, ihre Gewalt war durch den Gedanken geadelt. Dieselbe, durch den Gedanken geadelte Gewalt wohnt auch den: Zionismus inne; daher müsse auch dieser siegen. Nachdem sich der donnernde Applaus, der dieser Rede folgte, aelegt hatte, trat der Tanz in sein Recht, und erst der frühe Morgen machte dem gemüthlichen Theile ein Ende. Olmütz Der Verein „Zion" veranstaltete am 10. December vorigen Jahres eine Makkabäer-Feier, die beredtes Zeugnis von den Sympathien ablegte, deren sich der Zionismus in Olmütz erfreut. Anwesend waren ungefähr ioo Personen, die allen Schichten der Bevölkerung angehörten. Unter lebhaftem Beifall hielt Vereinsobmann Herr Wilhelm Fischer die Festrede, in der er eine Parallele zwischen den heutigen Verhältnissen und Ansichten der Juden und denen vor dem Auftreten der Makkabäer zog und schließlich die Ziele unserer Bewegung auseinandersetzte. Hierauf trugen die Mitglieder des Olmützer Theaters, Fräulein Ernestine Heß und Don Renardi, ferner Herr Earl Schein Lieder vor/ während Herr Max Wolf die Zuhörer mit einer Deelamation erfreute/ die in eine echt indisch-nationale Pointe ausklang. Die humoristischen Vorträge des Verbandes der „Azteken" und die Couplets des Herrn Theodor Eisler erweckten stürmische Heiterkeit. Am Schluffe fand ein. Tanzkränzchen statt, das bis in die späten Morgenstunden währte. Das bedeutende finanzielle Erträgnis, durch das die Gründung des jüdischen Lesezirkels gesichert erscheint, bewog den Ausschuss, dem jüdischen Frauenwohlthätigkeitsverein eine größere Summe zu spenden Lemberg. Am 17. Deeember v. I. veranstaltete der hiesige Arbeiterverein „Jvri" eine Makkabäer-Feier im großen Saale des Vereines „Jad Charuzirtrv Den Glanzpunkt des Abends bildeten die Reden des Fräulein Frida Ritt eck und der Herren Dr. Malz und B i ck e l e s. Herr Wirt h unterhielt das

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