Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Article
- [Ohne Titel] / Rosenberger, Erwin
- Date
- 1899-01-06
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. I Luegers und seiner engeren Gesinnungsgenossen zu verdanken hat. * * * Wiener antisemitischer Agitator A: Was treibst Du da? — Antisemitisch er Agitator B. (eine Rede memorierend): Ich bereite mich auf die Erschaffung einiger hundert Buben vor. — A.: Glaubst Du, dass die Versammlung so stark besucht sein wird? — B.: Ich rechne auf mindestens 600 Damen (memoriert weiter). — A. (die Redeübung des B. unterbrechend): Hier an dieser Stelle solltest Du einen kräftigen Schlager anbringen, etwa „Nieder mit den Juden!" — B. (enthusiastisch): Du hast recht; das macht einen Zuwachs von wenigstens 30 Buben. ... Galizischer Matrikelführer: Herr Bezirkshauptmann, es wird schon unheimlich. Nichts als Buben und wieder Buben. — Bezirkshauptmann (missgestimmt): Das ist allerdings sehr fatal. Man wird wieder mich dafür verantwortlich machen. Es wird nicht« übrig bleiben, als auf einige Zeit den Ausnahmszustand einzusühren, damit sich diese fanatischen Bauern beruhigen. . . . Direktor Adam Müller-Guttenbrunn (ein Manuskript durchsehend, den Kopf schüttelnd): Das Stück ist schwach, sehr schwach. Da bringen Sie es im Publicum nicht einmal auf einen halben Buben. — Dichter (gekränkt): Ich verstehe nicht, Herr Direktor; ich bringe doch im fünften Act vier Juden und drei Jüdinnen um. Wollen Sie es doch eingehender lesen. Ich garantiere Ihnen, das Stück wird sich jahrelang halten, und in einigen Jahren wird man hier das Mädchengymnasium einreißen können. ..... * * * Eine sehr gefährliche Suppe hat kürzlich ein Gelehrter, Namens A. Allain, den Engländern eingebrockt. Aus gewissen Voraussetzungen, gegen die er absolut nicht das Geringste emzuwenden hatte, zog der Gelehrte den Schluss, dass die Engländer m ziemlich directec Linie von den verloren gegangenen zehn StaMmen Israels herrühren. Verschiedene Journale haben sich bereits dieser Theorie bemächtigt und pro und contra zahlreiche Lanzen gebrochen; wehe, wenn sich die Theorie als stichhaltig erweisen sollte. England, das ohnehin weder einem Zwei-, noch einem Drei-, noch einem sonstigen Bunde angehört, wird für ewige Zeiten dazu verdammt sein, im europäischen Concert auf einer alleinstehenden Violine melancholische Solopartien zu. spielen, und in den diversen offrciösen Amtsblättern wird ein albionfeivdlicher Einwanderungsukas den anderen jagen. Die antisemitische „Staatsbürgerzeitung" wird unter „Theaternachrichten" folgende Notiz bringen: „Trotz der verzweifelten Anstrengungen einer jüdischen Claque wurde das Machwerk des berüchtigten jüdischen Schmocks Shakespeare, der „Hamlet",, mit erdrückender Majorität auf unserer ersten Bühne niedergezischt. Es ist erfreulich, dass das christliche Volk sich endlich gegen die jüdische Vergiftung der deutschen Kunst auflehnt" rc.; und wenn sich England in seiner Colonialpolitik einen kleinen Uebergriff erlauben wird, so wird man in Paris als Revanche die Fensterscheiben und die Köpfe der Juden misshandetm Dieser sensalionslüstMe Herostraros A. Allain wird es zuwege bringen, dass wir ihn in einem Athem mit Haman, Titus, Antiochus, Paty du Clam und anderen Ungeheuern anssprechem Aber vielleicht ist dieser Stammbaum der Engländer doch nicht ganz aus der Äst gegriffen. Für seine jüdische Structur sprechen" einige srappLnLeThatsachen. Wer würde zum BeispjÄ in dcm vielgenannten Bädeker, der einen beliebten GebrauöDartikel der Engländer und Engländerinnen bildet, nicht das Pendant des ebenso oft gehandhabten jüdischen Wanderstabes wiedererkennen. Bei beiden Völkern das leidenschaftlich^ Wandern. Ist das eigenartige britische Idiom nicht ein moduliertes „Mauscheln"? Und warum lieben es die Engländer, ihre Daumen in bic Westentasche einzuhaken und die vier Finger wegzuspreizen? Wer denkt da nicht an die jüdischen Caricaturen der antisemitischen Witzblätter? Warum floh der Judenknecht Zola nach England, warum macht die englische Gasgesellschaft dem Wiener antisemitischen Gemeinderathe Schwierigkeiten, warum hängen die Engländer so an der Bibel? Da steckt wehr dahinter als purer Zufall. Und wie hieß doch jener englische König, der mit einem orientalischen Fürsten eine so überaus dicke, offenbar auf instinctivem Berwandtschaftsgefühl basierende Freundschaft geschlossen hatte? — Löwenherz hieß er -Richard Löwenherz (!!) *; * * Dem berühmten Chirurgen W. Chayne ist es, wie das „Med. Brit. Journ." meldet, gelungen, Theile des menschlichen Knochengerüstes durch thierische Knochen zn ersetzen. Ein Knabe hatte sich durch einen bedauerlichen Unglücksfall das Nasenbein zertrümmert; da schlachtete der Priester des Aeskulap am Altar der' Wissenschaft ein junges, fehlerloses Kaninchen, zerschnitt itmi den Oberschenkel, formte aus dem Knochen ein neues Nasenbein, pflanzte es in das Antlitz des Knaben, und siehe da, ehe der Mond sich erneute, war die künstliche Nase festgewachsen, und das Antlitz des Kindes ward schöner denn zuvor. — Durch die Schar der Juden, die sich ihres semittschen Typus schämen, wird, wenn sie diese wissenschaftlich verbürgte Kunde lesen, ein freudiger Schauer gehen. Denn die Notiz im „Med. Brit. I." bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als den dumpfen Todtensaug der ehrlichen, urwüchsigen „Judennase".?!ch, in langen, langen Processionen werden die Juden, die Hhrer althergebrachten ehrwürdigen Nase überdrüssig sind und für immer mit ihr abgeschlossen haben, in den Operationssaal hes Chirurgen wallen, ein großes Sterben wird ausbrechen unter den Kaninchen, die Nasen werden fallen, zahllos, üiie die Halme unter der Sense des Schnitters. Bald wird \pit ein klagendes Schwanenlied das letzte Räuspern aus der Hetzten Judennase erklingen, und das trotzig gekrümmte Knochentzebilde, das im Wogenschwalle von Jahrtausenden wie ein Fels Lnverwüstlich dostand, wird nur mehr, von heimlichen Märchen pmjponnen, einer dämmerhaften Vergangenheit angehörcn. — »feer jene feigen Abtrünnigen, die das Erbe ihrer Väter wegen Aner kleinen Krümmung abgeschüttelt, werden als Kainszeichen, -ls vielsagendes Wappen, einen Hasenfuß mitten im Gesichte tragen. Erwin Rosen beiger. Sir Wische CslmiÄimd. (Mittheilung des Bankcoinites.) I Das vom zweiten Baseler Congress eingesetzte Bank- (jomite hat sich nunmehr seines Auftrages entledigt und alle zur Gründung der Colonialbank erforderlichen Schritte gethan. Durch die mehrwöchentliche Abwesenheit des Vor° . sitzenden im Comite, Herrn D. Wolffsohn, der bekanntlich mit der zionistischen Abordnung in Palästina war, er- Ltten die Bankarbeiten einen unvermeidlichen Aufschub. R>och waren inzwischen die englischen Juristen, welche die Ausfertigung der Statuten zu besorgen hatten, unter der Aufsicht des Vicepräsidenten im Comitö, Banquier Kann (Haag) und des Herrn Heymann (London) thätig. Sofort nach der Rückkehr des Herrn Wolffsohn wurden sämmtliche Mitglieder des vom Congress gewählten Bankcomitös Uach London eingeladen. Dieser Constzrenz wurde auch Derr Dr. Jelsky (Lodz) zugezogen. Die Berathungen Dauerten vom 8. bis zum 13. December 1898 und führten zu einer vollständigen Einigung über alle Hauptpunkte. * Es waren verschiedene Schwierigkeiten zu lösen. Vor allem musste die Sicherheit geschaffen werden, dass die Bank jetzt und immer eine zionistische sein werde und durch keine Verschiebung im Aktienbesitze ihrem Zwecke jemals entfremdet werden könne. Das wurde erreicht.