Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315798--09947-3383730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B---1 Redaktion 1 Erscheint jeden Freitag. k l---D Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wie» die Redaetion oder Administration: Wien, IX., Türkenzeile 10 kr. IX.. Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. ——— Telephon Nr. 8605. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. b-;-r g Manuscripte nicht zurückgesendet. 3 I-0 ♦ Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6fl. — 12Kr.: Für das Ausland: Deutschland ♦ ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 56 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Fres., halbjährig 8 Fres. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Ur. 1. Wien, 6. Jänner 1899. 3. Jahrgang. KkWspmsk Da mit Jahresschluss eine große Anzahl von Abonnements abgelaufen sind, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erfolge. Abonnenten des Auslandes abonnieren am billigsten mit recommandierten Briefen, kleine Münze kann mit Briefmarken beglichen werden. Reflectanten auf Einbanddecken des Jahrganges 1898 wollen Bestellungen unverweilt anmelden und gleichzeitig den entfallenden Geldbetrag einsenden. Die Einbanddecke kostet st. 1.20, hierzu Porto für Oesterreich-Ungarn und Deutschland!."» kr., für das übrige Ausland 33 kr. Frankreich in Constantinopel. Von O. Erter. Die französische Republik sendet einen ihrer geriebensten und scrupellosesten Politiker als Botschafter nach Constantinopel. Man nennt den Namen Constans. und die letzten anderthalb Jahrzehnte innerer französischer Geschichte stehen leibhaftig vor dem Blicke. Constans war Abgeordneter, Generalgouverneur von Tonking, Minister, Senator, er war alles und that alles, niemals den Eindruck einer vornehmen, sympathischen Persönlichkeit, aber immer den einer in ihren Schlichen und Mitteln ganz urd gar unwählerischen Brutalität hervorrufend. Als Minister überwand er den General Boulanger durch ein hinterlistiges Manöver; er ließ absichtlich einen von ihm unterfertigten geheimen Verhaftsbefehl gegen den General offen auf seinem Schreibtische liegen, und der General, dem ein gefälliger Schnüffler die ihm drohende Gefahr zu signalisieren nicht verfehlte, entfloh nach Brüssel, von wo er nicht mehr wiederkehrte. Im Palais Bourbon versetzte Constans dem Abgeordneten Laur, der ihn auf der Tribüne angriff, einen Faustschlag ins Gesicht, und weil Freycinet ihn aus seinem Ministerium hinausdrängte, rächte er sich, indem er die Panama-Affaire in Gang brachte, durch die Freycinet bekanntlich compromittiert und als Staatsmann für fünf Jahre außer Gefecht gesetzt wurde. Es nimmt sich wie ein Witz der Geschichte aus, dass nun das Ministerium, dem Freycinet wiederum als Kriegsminister angehört, Constans auf den Constantinopeler Botschasterposten entsendet; aber es ist kein Witz, denn in der französischen Republik steheu alle Tobten wieder auf. Namentlich, wenn sie so verwendbar sind und sich so zu Allem gebrauchen lassen, wie Constans. Wegen der Person des neuen Botschafters würden wir nun aber dem Wechsel in der französischen Vertretung am Goldenen Horn eine besondere Betrachtung gewiss nicht widmen. Doch dieser Wechsel tritt in einem Augenblicke ein, der es verständlich macht, dass Frankreich durch einen ebenso schlauen wie thatkräftigen und unwählerischen Mann in Constantinopel repräsentiert sein will, und diese Situation interessiert mehr als der Mann, der unter anderen Umständen auf seinem Senatorsitze im Palais Luxembourg seine fahle Reputation unbeachtet hätte fortfristen können. Constantinopel ist nämlich jetzt der Schauplatz eines diplomatischen Duells zwischen Frankreich und Deutschland oder, genauer gesprochen, Frankreich kämpft verzweifelt um das ihm noch übriggebliebene letzte Endchen von diplomatischem Einflüsse mit Deutschland, das im Sultanspalaste den Vortritt vor allen übrigen Mächten erlangt hat. Dazu gehört natürlich ein Botschafter, der auf die übliche diplomatische Jntrigue noch ein besonderes Tüpfelchen setzen kann, so einer nach dem Recepte: ä eui\';iin> cm>iiire el >l, »li, und Constans hat nach seinen Antecedentien die Vermuthung fürsich, dass er die dazu nölhigen Eigenschaften besitzt. Es ist nur, wie die Dinge liegen, gleichwohl zweifelhaft, ob es selbst diesem Condottiere der Politik gelingen wird, den deutschen Einfluss im Mdiz-Kiosk zugunsten des französischen zurückzudrängen. und es ist auch durchaus nicht wünschenswert, dass es ihm gelinge. Seit der Orientreise des deutschen Kaisers ist man in Paris von einem panischen Schreck ergriffen, man zittert nicht so sehr um das sogenannte Protektorat über die Katholiken des Orients, wie um das Uebergewicht, das Frankreich bisher in Syrien besaß. Den Entgang des Protectorats, das im Grunde schon längst nur eine historische Dekoration war. würde man vielleicht verschmerzen können, aber Syrien betrachtete man als ein Stück des französischen Prestige, als eine moralische und wirtschaftliche Domäne Frankreichs, und nun hat die Orientreise Wilhelms II. den Stand der Dinge völlig verwandelt. Das Prestige im Orient ist auf Deutschland übergegangen, und deutsches Capital baut, vom Sultan; begünstigt, Eisenbahnen in Kleinasien, mit deren Hilfe es sich der gesummten wirtschaftlichen Entwicklung des