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Die Welt · 1897-12-31 · 31 (31.12.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
31 (31.12.1897)
Article
[Kommentar]
Date
1897-12-31
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 81. Seite 14. Stunde Weges nach Cahira in die fürstliche Refidenz und nicht allein die zahlreichen Mitglieder der königlichen Familie, sondern auch die noch zahlreichere Schaar der Hosbediensteten und ihrer Angehörigen besuchen. Wenn er dann abgemattet de- Abendnach Hause kam, fand er seine Wohnung umlagert von Kranken aller Stande, die seine ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, so daser sich kaum ein wenig erholen konnte und oft den Kranken bi- Mitternacht Rath erlheilte. Auch der Sohn und Nachfolger de- Salah-ed-Din, el Malik el Aziz behielt ihn als Leibarzt, und besonderfand er eine große Stütze an dem Kadhi Abu Ali Abd el-Rahim el-BeisLni, genannt el-Kadhi el FLdhil, der ihn mit Ehren und Gunstbezeugungen überhäufte. Daraus ersieht man, dass MaimonideS eine umfangreiche, zeitraubende Praxis hatte; umsomehr muss man feine erstaunliche Arbeitskraft bewundern, da er nebenbei noch eine sehr bedeutende schriftstellerische Thätigkeit entfaltete. MaimonideS starb 1308 und soll zu Liberiain Palästina begraben sein. ES liegt nicht in meiner Absicht, hier alle Schriften des MaimonideS aufzuzahlen; wer eS wissen will, den verweise ich auf I. B. de Rossi: Dizionario storico degli autori Ebrei . . . Parma 1802 in deutscher Übersetzung unter dem Titel Rossi : Historisches Wörterbuch der jüdischen Schriftsteller und ihrer Werke, Leipzig 1839; ferner BartolozziuS: Bibiiotheca magna rabbinica tom. IV. pag. 185 ff. Bukofzer: MaimonideS u. a. m. — ich kann nur einige herausgreisen. Da ist zuerst der Tractatus de regimine sanitatis, oder Briefe über Diätetik an den Sultan Salah ed-Din; eist daeine im populärem Tone gehaltene Hygiene von höchstem Wert; ferner schrieb er im Aufträge des schon genannten Kadhi Abu Ali Abd el-Rahim el Beisani ein Buch über Gifte und ihre Heilung, wahrscheinlich damit einem dringenden Bedürfnisse abhelfend, ferner 25 Bücher Aphorismen, zumeist ein Abklatsch deS HippokrateS. Alle diese Werke sind gedruckt; im Manuscript verblieben sind seine größten Werke: Ueber die Medicamente (vergl. Rossi 1. e. pag. 33 „Libro dei medicamenti particolari, trattati del modo di conoscere e di curare le malattie) arabisches Manuscript in Oxford, Bodlejana V. Cataiog Uri cod. 78 pag. 15; ferner sein großes Werk Sepher Hasfiboth; Vs causie et indiciis morborum, über die Ursachen und Anzeichen der Krankheiten. Leider ist dieses Werk unbekannt; ein Exemplar soll sich unter den Handschriften des BaticanS befinden, ein zweitein Oxford; beide harren noch der Auferstehung." „Wir bewundern in MaimonideS einen glänzenden, zu hoher wissenschaftlicher Klarheit gelangten Geist, ich möchte sagen antiker Cultur, der unberührt und ungehemmt von christlicher scholastischer Spitzfindigkeit den jüdischen Ceremoniencodex niederschrieb, der das Werk des genialen Mosein seinem ganzen Umfang ^erfasste und ihm die zeitgemäße Form gab. In erster Linie musste MaimonideS darauf bedacht sein, die Arbeit vieler Jahrhunderte, die Aufzeichnungen der Talmud-Doctoren wissenschaftlich und kritisch zu sichten, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden und eine Grundlage zu schaffen, auf der weiter aufgebaut werden konnte. Diesem Zweck dienten ein Commentar zur Mischna und daS viel genannte Buch Moreh Nebuchim, Führer der Verirrten. Aber er begnügte sich nicht, schon einmal Geschriebenes zu wiederholen nur in knapperer, klarerer Fassung, er benutzte auch die mündliche Ueberlieferung und schrieb die esoterische Socialhygiene der Juden, wie sie sich in der Ueberlieferung erhalten hatte, nieder." Die Leiden, deren Ursache der Mensch ist, zerfallen in zwei Arten, erstenin solche, die ein Individuum dem anderen zufügt, und zweitens in solche, an denen der Mensch selber schuld ist. Unter die erste Gruppe fallen namentlich die Schädigungen, die durch ungeschickte Behandlung der Aerzte entstehen, so recht eigentlich durch Mangel an Wissen. So schreibt MaimonideS in der Einleitung zum TractuS Aboth: „Der Arzt, dem die Erhaltung der Gesundheit des menschlichen Körpers obliegt, soll zunächst diesen Körper genau erforschen, sowohl alS Ganzes, wie in seinen Theilen, und ebenso, welche Dinge diesem Körper Krankheiten zuführcn, auf waS für Art sie vermieden Leuil Der erste Chanuka-Nbend. Von Ben Ami. (Aus dem Jüdischen übersetzt von M. Berkowicz.) (Schluss.) VI. Es öffnete sich die Thüre; Zine-Leie trat ein mit ihren sechs Kindern: zwei Knaben und vier Mädchen. Das jüngste unter ihnen, mein Spielgenosse Jechielke, trat auf mich zu und zeigte mir das Chanukageld, das er von seinem Vater, seiner Mutter und seinem Onkel Salomon bekommen hatte. Ich war verwirrt angesichts eines solchen Geldhaufens: fünf Vierer und acht Denischkes! Mir schwindelte vor solch einem Reichthum. Und ich halte geglaubt, dass ich in der Schule mit meinem „Reichthum" den Collegen werde imponieren können! — Ich kam mir recht klein vor. Mein süßer Traum verschwand plötzlich wie die Nebel vor den ersten goldenen Sonnenstrahlen. Und das war noch immer nicht das ganze Chanukageld Jechielke's — denn er fjatte noch manches von seinen Onkeln, deren er mehr als ein halbes Dutzend besaß, zu erwarten. Auch werden können, und was den Körper gesund erhält. Indessen sagt schon Aristoteles, dass die Mehrzahl der Menschen als ein Opfer der Medicin stirbt, da die Aerzte die wahre Natur der Menschen nicht kennen. Der Arzt muss wissen, wann und wie er eingreifen soll. Dies hat schon Razes bestimmt, wenn er sagt: Ist die Krankeit stärker, als die Kraft des Kranken, so ist der Zustand hoffnungslos, und jede Medicin unnütz; ist die Kraft des Kranken der der Krankheit überlegen, so ist der Arzt gleichfalls überflüssig, da die Natur von selbst die Heilung herbeiführt: nur wenn die Kraft beider gleich ist, bedarf man des ArzteS, um die Kraft des Kranken zu stärken. Es genügt, wenn der Arzt weiß, wie er die Natur auffaffen und stärken soll. Es irren jedoch die meisten Aerzte und in dem Wahn, die Natur zu stärken, schwächen und hindern sie sie. Ja, eS kann sehr oft die Krankheit nur leicht sein, und es gewinnt schon die Natur die Oberhand, um sie zu beseitigen, indem sie alles zu thun bemüht ist, was von Nutzen ist; eS irrt aber der Arzt in der Behandlung und unterbricht die Thätigkeit der Natur, und das ist eS, waS sich zu allen Zeiten und an allen Orten am häufigsten ereignet." „So sehen wir aus diesen, verschiedenen Schriften entnommenen, Ausführungen, welch reifem vorgeschrittenen Wiflen wir bei MaimonideS begegnen, der bereits im 12. Jahrhundert alle die KrankeitSquellen kannte und zu würdigen wusste, welche die moderne medicinische Forschung annimmt. Ich komme zur Besprechung des Uad Hachasak genannten Codex. DaS Buch ist in mehr als in einer Beziehung interessant: noch hielt MaimonideS den Augenblick nicht für gekommen, den socialhygienischen Zweck einzig und allein zu betonen; er glaubte, noch des schützenden Mantels der Religion für feine hygienischen Forderungen bedürfen zu 'müssen, und man muss sagen, er hat feine Aufgabe in geradezu clasfischer Weise gelöst. Das Endziel alles menschlichen Strebens soll die Erkenntnis Gottes sein; ein kranker Mensch jedoch ist außer Stande, irgend etwas von der Erkenntnis Gottes zu begreifen, es muss daher der Mensch alles das vermeiden, was die Gesundheit zu schädigen im Stande ist, und dafür alles das thun, was den Körper kräftigt. Ich muss es mir leider versagen, eine genauere Darstellung seiner Gesetze zu geben, wollte ich nicht die mir gesteckten Grenzen überschreiten, ich kann nur einige besonders bedeutsame Forderungen hervorheben. Es sind das etwa folgende: Iss nie, wenn du nicht vom Hunger dazu getrieben wirst, trinke nie, wenn du nicht durstig bist, trinke auch nicht während der Mahlzeit, sondern erst nachher. Man sieht, moderne Diätvorschriften haben manchmal ein ehrwürdiges Alter! Stets soll das, was leichter verdaut wird, zuerst genossen werden, die schwerer verdaulichen Speisen folgen. Vor dem Esten soll man seinen Körper durch Arbeit abmühen, bis er sich erwärmt, dann soll man so lange warten, bis der Athem wieder ruhig geht, und erst dann essen. Nach der Mahlzeit soll man ruhen. Für den Schlaf genügen acht Stunden. Man soll sich nie unmittelbar nach dem Nachtmahl hinlegen, sondern drei bis vier Stunden zuwarten, auch nicht am Tage schlafen. Mustergiltig sind seine Gesetze über den Geschlechtsverkehr, Ehe und Zeugung, bezüglich deren ich auf das Original verweisen muss. Er verbietet ferner, sich in einer Gemeinde niederzulaffen, in welcher fehlen 1) ein Arzt, 2) ein Chirurg, 3) ein Bad, 4) ein Anstandsort, 5) fließendes Wasser, 6) eine Synagoge, 7) ein Knabenerzieher, 8) ein Schreiber, 9) ein Almosensammler, 10) eine Behörde, wobei bemerkenswert ist, das der Arzt die erste Stelle, die Synagoge die sechste Stelle der für eine Niederlassung unerlässlichen Factoren einnimmt. Ueberblicken wir noch einmal das Gesagte, so wird man zugeben müssen, dass wir in MaimonideS einen ausgezeichneten Arzt nnd Denker zu bewundern haben. Sein hygienischer Codex, der sich aus dem tiefen Wissen der Araber einerseits und selbständigen Forschungen andererseits aufbaut, ist eines der hervorragendsten Denkmäler in der sozialhygienischen Gesetzgebung aller Zeilen und Völker, es ist wohl kaum jemals ein gleich umfassender Codex der Gesundheitspflege niedergeschrieben worden." l e t o n. ich hoffte zwar, noch einiges zu bekommen, von meinem ältesten Bruder David-Ber, aber auf mehr als sechs Denischkes konnte, ich nicht rechnen. Während ich daran dachte, traten eben David- Ber mit seiner Frau Debora ins Zimmer. Auf dem Arm hielt mein Bruder sein kleines Töchterchen von dritthalb Jahren. Das Kind war in einen schwarzen, wattierten Burnus eingehüllt. Die Mutter lief ihnen hocherfreut entgegen, nahm das Kind auf ihren Arm und liebkoste und küsste es. Die Gesellschaft setzte sich nun an den Tisch, auf dem eine dünne Unschlittkerze brannte, die wir „Zäpfchen" zu nennen pflegten. Die Kerze krümmte sich, schmolz und brannte sehr dunkel; das Chanukalicht war bereits längst niedergebrannt. „Bei dir ist es ja sehr kalt im Zimmer, Mutter" sagte mein Bruder. „Deshalb, wie es scheint, besucht ihr mich monatelang nicht, weil du fürchtest, du könntest erfrieren . . ." antwortete die Mutter. Mein Bruder schwieg. Nicht nur deshalb, weil die Mutter- Recht hatte; wenn sie ihm noch so viele ungerechte Vorwürfe gemacht hätte, so hätte er geschwiegen, obwohl er verheiratbrt und schon längst selbständig war. Wie ein Kind, das ein böses Ge-

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