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Die Welt · 1897-12-31 · 31 (31.12.1897) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
31 (31.12.1897)
Article
Brünn / L. L.
Date
1897-12-31
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 31. .PkOWdtr Seite 5. überbrachte die Brudergrüße der Zionisten Schlesiens, und ca&d. iur. Arthur Feldmann (Ung. Hradisch) toastierte auf die erschienenen Bürger und. die Frauen. Hierauf gelangen die Vertreter der Wiener zionistischen Vereine und Verbindungen zum Wort. Aus ihren Reden leuchtet ein Gedanke hervor: Eine einzige zionistische Verbindung war es, die vor kaum einem Jahre mit großer Mühe in Brünn ins Leben gerufen werden konnte, und heute gibt eS in ganz Mähren und Schlesien kaum mehr eine größere Stadt, wo nicht zionistische Organisationen bestünden. Die Arbeit, die damals geleistet wurde, sie ist nicht umsonst geschehen. Dann noch ein kurzer Appell von seiten des Präsidenten F e i w e l, und der erste gemeinsame Makkabäercommers der Zionisten Mährens und Schlesiens ist zu Ende. Und nun erhebt sich alles von den Sitzen, die jungen Männer fassen einander bei der Hand, und mit lauter Stimme ertönt das Freiheilslied der zionistischen Jugend, das Bundcslied der „Jvria": „Brüder, reichet Euch die Hände, Schwört's mit edlem ManneSmuth, Treu zu bleiben bis an's Ende Unserem Volk mit Gut und Blut, Was wir treulich hier geloben Jetzt in dieser heiligen Stund', Hör' es einziger Gott da droben, Hör's und segne unfern Bund." L. L. TrmdLNbrrrg. Donnerstag, den 23. December veranstaltete die Ferialverblndung „G a m a l a" eine Makkabäerfeier. Nachdem der Präses, stuä. jur. Leo Glück die anwesenden Gäste, darunter den Rabbiner Dr. Groß, die Vertreter der academischen Verbindungen „Kadimah", „Libanonia", „Veritas" begrüßt hatte, hielt Herr stuck jar. Altbach die Festrede, die überaus beifällig ausgenommen wurde, Herr stuck, jur. Nassau die Tendenzrede, die stürmischen Beifall erweckte. Die Veranstalter des schönen Festes können das erhebende Bewusstsein haben, eine neue Schar wackerer Zionisten gewonnen zu haben. Ung.-Hradisch. Die Verbindung „Achiwah" veranstaltete am IS. Dec. eine Makkabäerfeier in Ung.-Hradisch, der am Nachmittage ein Festgottesdienst vorausgegangen war. Dieser hatte durch die Predigt Sr. Ehrw. Hr. Dr. Burstyn einen echt nationalen Charakter erhalten. Zu der Makkabäerfeier hatten sich außer vielen Wiener Studenten viele Gäste aus der Stadt und deren Umgebung ein gesunden. Nachdem eunä. meck. Benno S ch a l l i n g e r den Commers eröffnet halte, hielt jur. Arthur Fe l dmann die Festrede, welche von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde. Als zweiter Redner sprach Hr. stuä. jur. Jacob Ehrlich, welcher die Grundsätze des Zionismus entwickelte. Rauschender Beifall lohnte seine trefflichen Ausführungen. Herr Dr. Burstyn, der sich um die Verbreitung der zionistischen Idee in unserer Stadt außerordentliche Verdienste erworben hat, widerlegte vom religiösen Standpunkte die Assimilation und forderte zu treuem Zusammenhalten unter dem nationalen Banner auf. Als Vertreter der Wiener Verbindungen sprachen teek. Jul. Hahn für die „Jvria", jur. M. Bernhard für die „Kadimah". Kraftau. Der literarische Verein „Sfas Eines“ veranstaltete am 19. d. M. im großen Tempelsaale eine Makkabäerfeier, die von über 400 Leuten besucht war. Die einleitende Rede über den Zionismus hielt Herr Dr. S. Landau. Darauf folgte ein hebräischer Vortrag des Hr. Dr. I. Günzig, welcher die Epoche der Makkabäer schilderte und in begeisterten Worten ihre unsterblichen Thaten pries. Es sprachen noch die Herren B. Margulies und Fränkel. Am Abend fand im Hotel Londres ein Commers geladener Gäste statt, der die Festestheilnehmer bis in die frühesten Morgenstunden in fröhlicher Runde vereinigte. Lolomra. Am dritten Tage des Chanukafestes, d. i. Dienstag, den 21. os. fand im kaufmännischen Casino eine Makkabäer-Feier statt. Der volle Saal und das Interesse, welches dem Vorträge entgegengebracht wurde, bewiesen, wie tief die jüdisch-nationale Idee bei uns bereits Wurzel gefasst hat. Nach dem Anzünden der Chanukalichter bestieg unser Gesinnungsgenosse, Dr. R o s c n h e ck, die Tribüne. In mehr als zweistündiger, meisterhafter Rede benützte er die Gelegenheit, um im Anschlüße an die Heldengeschichte der Makkabäer den Zionismus als den edlen Ausdruck des wiedererwachten Selbstbewusstseins zu preisen. Nach der mit großem Beifalle aufgenommenen Rede fand unter Mitwirkung einer Capelle eine gemüthltche Unterhaltung statt, und erst nach vielen Stunden wurde die Feier mit dem Absingen des Nationalliedes geschlossen. Wvlomra. Samstag, den 26. d. M. findet im Rathhaussaale eine zweite Makkabäerfeier statt. Drohobyrr. Der Verein „Zion" hat Samstag den 25. December eine Makkabäerfeier veranstaltet, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Es wurden hebräische, deutsche und polnische Reden gehalten, in denen die Makkabäerzeit verherrlicht und die Assimilation verurtheilt wurde. Skala. Unter großer Betheiligung wurde am 19. d. M. das Makkabäersist gefeiert. Es sprachen die Herren I. Neiger, Dr. Seidner, I. Freifelder, S. Liebmann und der 14jährige Knabe Kalman D a ch n e r. Die Feier, die bis in die späte Nachstunde dauerte, verlief in äußerst animierter und gehobener Stimmung. Frankfurt a. M. Die hiesige zionistische Ortsgruppe veranstaltete Donnerstag den 23. December a. o., Abends um 8'/» Uhr im großen Saale des „Römischen Kaisers" ein Mattabäerfest, das einen sehr erhebenden Verlauf nahm. Lange vor der anberaumren Zeit war der Schauplatz der Feierlichkeit bereits von einem äußerst distinguierten Publicum, darunter einem reichen Damenflor, dicht gefüllt und wurde der Zuzug immer reger. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Schauer aus Bingen, begrüßte die so zahlreich erschienenen Festgenossen aufs herzlichste und gab zur Schlichtung von aufgetauchten Missverständnissen bezüglich des Charakterder Versammlung die Erklärung ab, die Veranstaltung der Ortsgruppe sei rein als ein Festabend gedacht, dessen intime Solennität selbstredend jede Art der Discussion von vornherein ausschließe. Nichtsdestoweniger sei, den Gegnern der Zionsbewegung die Gelegenheit unbenommen, ihre allfälligen Emwände und Bedenken zur Sprache zu bringen, und zwar plane die zionistische Vereinigung für Deutschland für den Beginn deS künftigen Jahres einen DiscussionSabend in hiesiger Stadt, anläßlich dessen es jedermann freiftehen werde, feine Ansichten rückhaltlos zu äußern. Nachdem die allseits beifällig aufgenommene Eröffnungsrede des Präsidenten verklungen war, begab sich Herr Cantor C o b l e n z an das eigens zu diesem B.hufe hergenchtete Tischchen und zündete unter Verrichtung der vorgeschriebenen Segenssprüche die fünf Chanukakerzen des betreffenden Abends an, worauf bte Anwesenden das Gelegenheitsgedicht, sowie den Festgesang; „Von bösen Feinden angeklagt" nach der Melodie des „MoauS Zur Jeschuosi" intonierten. Hernach brachte Herr Cantor Wolf das Nationallied „Dort wo die Ceder* in meisterhafter Weise zum Vortrag, und als der letzte Accord verrauscht war, bestieg der Festredner, Prof. Dr. S ch a p ir a- Heidelberg. der edle Greis mit dem jugendlichen Herzen, die Tribüne, von stürmischem Jubel umbraust. Er begann damit, dass er schon seit Wochen unpässlich sei und sein Leiden just im Momente sich gesteigert habe, als der Ruf der Frankfurter Ortsgruppe an ihn ergieng, am heutigen Abend als Festredner der Sache deS Zionismus zu dienen. Man habe ihm dies eindringlich widerrathen, Redner sei aber umso freudiger hie ergereist, je mehr Hindernisse sich ihm entgegenstellten. Prof. Schapira kam sodann auf das Goluselend zu sprechen und führte zur Entkräftung der seitens gewisser assimilatorischen Dickhäuter erhobenen Behauptung, als gebe es in Westeuropa keine Judenrnisöre, nachstehendes Beispiel ins Treffen: In Kiew auf dem Marktplätze kann man einem alten Judenweibe begegnen, das die vorbeigehenden Stammesgenossen mit den Worten anfleht: „Herr, kauft m-r lemaan haschem (um Gotteswillen) was ab; ich bin nebbich geschmadt (gewaltsam getauft)." Und zur selben Zeit verlasse ein jüdischer Universiiätsprosessor in G ö t 1 i n g e n, kurz nach seiner Ernennung zum Professor, die ihn noch als Juden traf, den väterlichen Glauben und was damit gleichbedeutend ist, sein jüdisches Volk, aus purer „Cour toisie". Wessen Jammer sei nun größer, derjenige des Professors odex der deS armen Weibes? — ES lasse sich dies — meinte der illustre Redner — schwer entscheiden; doch erachte er seinerseits das Elend deS Mannes für ein größeres. Im weiteren Verlaufe seiner Rede wandte sich Prof. Schapira gegen die Einwürfe und mancherlei Bedenken der Antizionisten. Vornehmlich halte man den Zionisten entgegen, dass sie den Antisemiten Vorschub leisten, indem diese nun erst recht über die Vaterlandslosigkeit der Juden und ihr „Gravitieren nach auswärts" Zeter schreien würden. Demgegenüber bemerkte Redner, dass wir es ja den Wortführern des Antisemitismus ohnehin nicht recht machen können. Oder haben sich etwa die „Deutschen mosaischen Bekenntnisses" je die Zufriedenheit dcs Herrn A h l w a r % t und Consorten zu erringen gewusst? - Und gesetzt sogar, die deutschen Juden würden durch die ZionSbewegung thatsächlich materiell und moralisch zu leiden haben: nun was hat dies denn weiter auf sich? Dürfen denn die Juden im Deutschen Reich zu Gunsten ihrer Brüder in den östlichen Ländern nicht auch ein brschen Elend verkosten? — Man möge doch bedenken, dass durch thatkrästige Unterstützung der Bewegung seitens der reichen deutschen Judenschaft einer Unmasse von unglücklichen, aber arbeitsliebenden und arbeitskräftigen Glaubens- und Stammesgenosseu in Russland, Galizien, Rumänien rc., eine menschenwürdige Existenz geboten werden könne. Was verschlägt gegen diesen glänzenden Ausblick das bischen unflathige Geschimpfe der judengegnerischen Schundpreffe und allenfalls gar ein paar eingeschlagene Fensterscheiben? — Seit wann ist denn diese Angstmeierei jüdisch? Mehr noch: seit wann ist sie deutsch? Hätten sich die Deutschen des Reichs durch irgendetwas in der Welt abhalten lassen, den Stammesgenoffen in Prag und Deutschböhmen ihre Sympathie unverhohlen zu bekunden und denselben auch financiell beizuspringen? — Redner glaubt: nein; und dies könne den Deutschen niemand übel nehmen, ebensowenig wie den Juden Deutschlands das Eintreten für ihre ausländischen Brüder. Redner verlas sodann auS dem „Berliner jüvischen Bereinsboten" die Antwort des Protestrabbiners Leimdörfer auf die Rundfragen desselben Blattes, deren zwei erste folgendermaßen lauten: 1. Hat der Zionismus aus Grund der vier Baseler Programmpuncte irgendwelche Berechtigung? 2. Gibt es eine jüdische Nation? Auf die erste Frage nun erwiderte obgenannter Rabbiner, dieselbe lasse sich weder bejahen noch verneinen, da in dem Baseler Programme vom Judenstaate nicht die Rede sei. -- Redner habe seinen Augen nicht getraut, als er dies las. Man mag über den Baseler Congress denken wie man will, daS eine muss man zugestehen, dass aus demselben keine Geheimniskrämerei getrieben worden ist. Wenn also während deS ganzen Verlaufs des Congresses von einem Judenstaat nichts verlautet hat, so kann dies einzig und allein nur dem Umstande zugeschrieben werden, dass die leitenden Männer deS Zionismus sactisch

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