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Die Welt · 1897-12-10 · 28 (10.12.1897) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
28 (10.12.1897)
Article
Bukarest / -s-
Date
1897-12-10
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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E-ite U. MtzWt «t. 88. als ihr Leben, kam eine Polizeiabtheilung und trieb die Plünderer aus den Hauptstraßen in die Nebengassen, in denen die Menge ihr Zerstörungswerk an jüdischem Eigenthum fortsetzte. Veranlassung zu diesen Scetten gab die Versammlung der jüdischen Reservisten, welche gegen das neue Armeereformproject protestieren wollte und von rumänischen Studenten gesprengt wurde. Die Frechheit der Juden, die sich gegen den neuen Gesetzentwurf, der sie von der Armee ausschließen und mit neuen Steuern belasten will, aussprechen wollten, provocierte die patriotischen Rumänen so sehr, dass sie zuerst Flugblätter verbreiteten, in denen die Vernichtung aller Juden in Rumänien verlangt wird, und dann den kleinen Ranbzug veranstalteten. In Rumänien geht es fast so zu, wie wo anders. Rumänien ist nämlich auch ein constitutioneller Staat. —8— Jassy. (Orig.*Corr.) In dem antisemitischen Wettlauf, den die europäischen Staaten veranstalten, ist momentan Rumänien den übrigen Concurrenten um einige Pferdelängen voran. Rumänien hat'sich bekanntlich in jüngster Zeit entschlossen, die Juden rücksichtslos aus dem Heere und aus der Schnle zu entfernen, ihnen den Stempel des „Fremden", den das rumänische Volk dem Juden schön lange zuerkannt hat, jetzt officiell in paragraphenmäßig fester Form aufzudrücken. Jenen Juden, die auf eine Lösung der Judenfrage innerhalb der rumänischen Landesgrenzen hoffen, bleibt als einziges Abwehrmittel der „Protest." Selbst dieses unschuldige und unschädliche Mittel wird von den Rumänen als frecher Üebergriff der Fremdlinge gegen die Verfassung des Landes bezeichnet und mit Gewaltthätigkeiten und Tumulten geahndet. Schweigend soll sich der Jude vergewaltigen lassen. Am 30. November fand in Bukarest eine jüdische Versammlung statt, in welcher gegen die Entrechtung der Juden eine Resolution gefasst werden sollte. Die Versammlung wurde von der nationalen Studentenschaft gesprengt, beiderseits gab es Verwundete. Der Aufruf, mit dem die rumänische Bevölkerung gegen die Juden aufgestachelt wird, hat folgenden Wortlaut: Mitbürger! Kommet in den Saal „Dacia" und verhindert die„8a6ril6ge"- Versammlung dieser Fremdlinge, welchen nach unserer Constitution nicht das Recht gewährt ist, sich zu vereinigen, um unseren, der Rumänen, Gesetzen, ihre Sanction zu ertheilen oder nicht. Kommet und zeiget den Juden, dass sie nicht alles, was ihnen beliebt, hier treiben dürfen. Zeiget ihnen, dass sie in diesem Lande, welches wir Rumänen, nicht aber die Juden, seit Hunderten von Jahren mit unserem Blute vertheidigt haben, nicht Herren werden dürfen. Zeiget ihnen, dass wir ihrer satt sind, dass sie uns hinreichend Seele und Körper vergiftet haben! Kommet, Mitbürger, denn der Kampf zwischen uns und den Juden ist -eröffnet, ein Kampf aus Leben und Tod; es handelt sich um unsere Existenz als Nation! Türkei. Jaffa. (Orig.-Corr.) Die Verwaltung der hiesigen jüdischen Gemeinde hat in ihrem jüngsterschienenen Berichte ein schönes Bild regen Fleißes und reicher gemeinnütziger Thätigkeit entworfen. Es sind kaum sieben Jahre verstrichen seit unser Gemeindeverband zustande kam. Wer unsere Stadt vor sieben Jahren gesehen, wird sie heute kaum wiedererkennen. Wenn schon die Constituierung einer Gemeinde und ihr rasches Aufblühen während eines so kurzen Zeitraumes an und für sich bedeutungsvoll sind, so verdient besonders eine Institution die vollste Beachtung und Anerkennung, auf die im Berichte mit Recht als auf eine der bedeutendsten Leistungen hingewiesen wird. Es ist dies das Spital „Scha'ar Zion". Bor sieben Jahren gab es hier überhaupt keinen Arzt; seitdem entstand hier ein Spital unter der Leitung eines süchtigen Arztes, wo nicht nur zahlreichen im Hafen anlangenden uud vorbeireisenden Erkrankten, sondern auch den Colonisten Hilfe und Rettung geboten wird. Bisher suchten 2580 Personen Heilung im „Scha'ar Zion", davon genasen 2464 vollständig und nur 4'/-°/° der Kranken, zumeist hoch betagte Greise, starben in demselben. Die Kosten während des siebenjährigen Bestandes belaufen sich auf 122.129 Frcs., während die Einnahmen blos 117.056 8 Frcs. betragen. Daraus ersieht man, mit welchen Schwierigkeiten die Leitung zu kämpfen hatte, wenn sie mit einem solchen Deficit arbeiten musste, dessen Summe sie selbstverständlich schuldig blieb. Erst nach dem Erscheinen des Berichtes erbot sich Baronin Hirsch, auf Veranlassung des Grandrabbin von Paris, diese Schulden zu tilgen. Die Spitalsleitung hat nur noch eine Sorge: Unser Spital besitzt nämlich kein eigenes Gebäude. Nun ist aber Aussicht vorhanden, dass auch dieser Mangel beseitigt werde. Nach einem Vermächtnisse des Wolf Segal, Bodenbesitzers in „Rischon. l'Zion" und Beer Tobiah" fiel ein Theil dieser Besitzungen im Werthe von 20.000 Frcs. dem Spitale zu. Wenn dieser Boden veräußert wird, so kann mit dem Baue eines eigenen Gemeindespita'ls begonnen werden; die treuen Zionsfreunde hätten dann die Pflicht, an dessen Beendigung mitzuwirken. Im Anhänge dieses Berichtes folgen zahlreiche Gutachten und Zeugnisse hervorragender Persönlichkeiten, besonders Aerzte, die sich über die Leistungen unseres Spitals sehr schmeichelhaft äußern. B. Vererirsnachrichteir. Im Berel« jüdischer Mädchen „Hadaffah" sprach am 25. November Herr Fr. Monat über Carl Isidor Beck. Die nächste Versammlung findet Sonntag, den 12. December, um 4 Uhr im Sitzungssaale der Cultusgemeinde, I., Seiten stettengasse, statt. Herr B. Tag wird über „Geschichte und Gestalten des Judenthums" sprechen. Die Jüdisch-Akademische Lesehalle hielt am 26. v. M. die ordentliche Plenarversammlung ab. Nachdem der Ausschuss den Rechenschaft-- und Caffabericht erstattet hatte, wurde ihm der Dank votiert und das Absolutorium ertheilt. Bei den hierauf folgenden Neuwahlen ergab sich folgendes Resultat: Präses: cand. ing. Siegfried Nosenbaum, 1. Bicepräses cand. med. Isidor Damask, 2. VicePräseS cand.med. Johannes Iellinek, und in den Ausschuss wurden entsendet'-die Herren: jar. Salo S P i e l m a n n, med. Ernst L ö w y , jur. Ernst Moritz Klein, jur. Hermann Rand, jur. David K o h n, jur. Arthur Immerglück, jur. Rudolf Lasch, med. Israel Nacht, med. Samuel Wertheimer, jur. Kisfiel Grenzer. Aeitschrifteir-Rrrndschau. Einem Artikel aus den letzten Nummern des „WarzaWSks Dnjekmik" entnehmen wir folgendes: „In jüngster Zeit hat die jüdische Presse begonnen, mit etwas mehr Klarheit und größerer Aufrichtigkeit die Lage der Juden zu behandeln. Wir glauben nicht im Unrecht zu sein, wenn wir diese günstige Umwandlung, die sich in der ganzen jüdischen Presse bemerkbar macht, der zionistischen.Bewegung und deren Leiter Dr. Herzl zuschreiben. In seiner Brochure: „Der Judenstaat" hat er mit unvergleichlichem Muthe die Schleier von dem verwundeten Körper des jüdischen Volkes gelüftet und gezeigt, wie sehr die große Volksmaffe der Juden leidet, und welche Kluft zwischen den Juden, die stch assimilieren und denen, die Juden bleiben wollen, besteht. Nach den trefflichen Ausführungen Herzlos, sowie nach den . offen vor aller Welt stattgehabten Verhandlungen des Baseler Congresses, sahen sich die jüdischen Blätter genöthigt, ihren engen Kreis kleinlicher localer Zänkereien und Plänkeleien zu verlassen, ihre nie enden wollenden homiletischen Fortschrittshymnen aufzugeben. Herzl und seine Gesinnungsgenossen veranlassten die jüdische Preffe, ihr Gebiet zu erweitern und die Judensrage — wenn nicht in ihrer ganzen Ausdehnung — so doch . in weit gründlicherer Art wie bisher zu discutieren. Diese Wirkung ist , auch bei einem hiesigen Blatte, dem „Jsraelita", zu bemerken, in dessen " letzten Nummern vortreffliche Artikel, hervorgegangen aus einem Gespräche des Autors mit Dr. Herzl über Wesen und Bedeutung der zionistischen i Bewegung, enthalten sind ..." HLethaniM. Hebräische Monatsschrift, herausgegeben von H. L. Teller, hebr. Lehrer an der Hirsch-Schule zu Boryslaw. I. Heft, Drohobycz 5658. ' Als Organ für hebräische Lehree kündigt sich uns dieses Unter- - nehmen an. das den Zweck hat, die geistigen Interessen der jüdischen . Lehrer zu fördern. Es sollen die Fragen der nationalen Erziehung in -theoretischer und praktischer Beziehung besprochen und den Lehrern ein geistiges Centrum für gegenseitige Belehrung und Anregungen geboten ^werdm. Wir wünschen der Zeitschrift besten Erfolg. M. B. Die in Lausanne erscheinende und von der Gesellschaft der ' „Freunde Israels in Basel" herausgegebene französische Vierteljahreslschrift L'Ami Israel bespricht in ihrem letzten Hefte den Baseler ^Congrcss. Nach einem genauen Berichte über denselben stellt der Berjfftffer eingehende Betrachtungen über die politische Bedeutung deS Zionismus an und drückt demselben seine wärmsten Sympathien aus. , Jl Corriere Jsraelitieo", die in Triest unter der Leitung 'A. di S. Curie ls erscheinende Monatschrift bringt auch in dieser ^Nummer eine ganze Reihe interessanter Artikel nnd Nachrichten. Wir .erwähnen besonders den aus der Monatsschrift „Zion" übernommenen ^Artikel „Die Hebräer nnd Palästina in der Geschichte" (XI. bis XVI Jahrhundert) „Die Lebensbcrechtigung des Judenthums" von Dante ^Lat te s. die Uebersetzung der Congress-Rede des Baseler Rabbiners Mr. K o h n , und der Ausführungen von Boleslaus PruS gegen Ixden „Kraj", den Artikel über Dreyfus und die Nachrichten über die zionistische Bewegung. Da auch der Correspondenzentheil des „Corriere Jsraelitico" eine Fülle von neuen Nachrichten bringt, so ist dieses erste zionistische Organ in italienischer Sprache jedem zu empfehlen. y —w—

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