Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 1 (1897)
- Issue
- 28 (10.12.1897)
- Article
- Die Arbeiter im Judenstaate
- Date
- 1897-12-10
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. Sr. Seite 7. für seine und seiner Angehörigen Zukunst. Der Staat hangt allerdings auch von Menschen ab, allein diese müssen nicht immer an die Dividende denken, können also eher auch den Arbeiter Mensch sein lassen. Man denke nur an die großen Opfer, welche die europäischen Staaten im Anfänge diese- Jahrhunderts gebracht haben, um Industrie zu begründen. Den Export kann man ja dabei ganz gut der Privatspeculation überlassen und ihr hiefür Begünstigungen einräumen. So lange also die Anwerbung von Arbeitern in den Wirkungskreis der Bank gehört, muss dieselbe verhalten werden, nach einem von der Führung genehmigten Arbeit-Verträge vorzugehen, welchem die vorstehenden Bedingungen zu Grunde liegen müssten. Hoffentlich werden die Arbeiter selbst bei der Aufstellung des Vertragsentwürfezu Rathe gezogen werden und überhaupt schon jetzt an dieser Stelle ihre Ansichten äußern; wenn auch Biele von ihnen noch im Banne des Sociali-mustehen, gibt es doch zahlreiche Arbeiter jüdischen Stamme-, die der Internationale mit Freude entsagen würden, wenn sie eine eigene Heimat und gesicherte Existenz gewinnen könnten. Heinrich feilte* „Lechzend klebe mir die Zunge An dem Gaumen, und es welke Meine rechte Hand, vergäß' ich Jemals dein, Jerusalem!" An die Spitze seines Gedichtes „Jehuda ben Halewy" hat der unsterbliche Sänger, dessen Geburtstag am 13. December zum hundertsten Male wiederkehrt, diese Strophe Heine ein Anderer geworden. Der jubelnde Hellene, der mit blumenumranktem Thyrsusstabe unter lautem „Evoe!" neben Goethe dahingestürmt war, hatte sich in den „todtkranken Juden" verwandelt. Das Leiden, das seinen Körper heimsuchte, hatte ihn daran erinnert, dass der Bolkskörper, dem er angehörte, schon jahrtausendelang in einer düsteren Matratzengruft schmachte. fei- *> "ly? «Ps* Sili gesetzt. Sie ist ein Citat, aber sie klingt wie ein heiliger: Schwur, der aus der ureigensten Seele des Dichters, auss dem unmittelbarsten Ich Heine's ohne Vorbehalt heraustönt.; „Mit wenigen Ausnahmen", so schreibt Heine in seinem Nachwort zu „Romancero", „schrieb ich sie (die Gedichte) während den letzten drei Jahren, unter mancherlei körperlichen Hinder-' riissen und Qualen." Auch „Jehuda ben Halevy" ist so eine- „ Passionsblume", die in der Krankenstube der Avenue: Malignen emporgesprossen ist. In der stillen Stube war „Lange schon, jahrtausendlange Kochl's in mir. Ein dunkles Wehe! Und die Zeit leckt meine Wunde, Wie der Hund die Schwären Hiobs." Heine ward sich dessen bewusst, dass überall auf der ganzen Erde solche Leidensstuben zu finden seien, und vor dem Schatten Hiob's flohen die Götter Griechenlands. In der Seele des großen Dulders erwachte das Mitleid für das „dunkle Weh" und die Wunden seines Volkes, und vom